NK Kalender 2020: April – Neue Satzung 1994

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Der Verwaltungsrat stürzte im Jahr 1994 den Vorstand, verlangte Neuwahlen und warf ihm in einer öffentlichen Schlammschlacht von einer Pressekonferenz zur nächsten Inkompetenz vor. Die Beurlaubung von Rudi Assauer durch den amtierenden Vorstand um Helmut Kremers, der überraschend zum Präsidenten gewählt worden war, wurde zum Bumerang. Zwischen Verwaltungsrat und Vorstand war nichts mehr zu retten.

Am 5. Dezember 1994 wurde eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen, um über einen Änderungsantrag der Vereinssatzung abstimmen zu lassen. Kern des Antrags war es, dass der Vorstand nicht mehr durch eine emotionsgeladene Mitgliederversammlung gewählt wird, sondern gesondert durch den gewählten Aufsichtsrat. Dieser bestellt einen unabhängigen Vorstand und kontrolliert diesen nach Eignung. Seine Entscheidung ist nicht anfechtbar. Durch diesen Änderungsantrag erhoffte man sich eine Führungsstruktur ähnlich wie in einem Wirtschaftsunternehmen zu etablieren und das nach zuletzt turbulenten Jahren nun die nötige Ruhe für den Erfolg auf Schalke einkehrt. 946 der 1229 gültigen Stimmen entschieden sich für die Änderung, zuvor musste aber Rudi Assauer noch einmal an die anwesenden Schalker appellieren „Ich bitte Sie inständig, die neue Satzung anzunehmen. Das ist für den Verein die letzte Chance.“ Einen Tag später trat der amtierende Notvorstand um Kremers wie verabredet zurück. Schluss mit den oft herbeigerufenen „Schalker Verhältnissen“.

Unser Verein stellte damit den Vorreiter für eine „moderne Vereinssatzung“ in der Bundesliga. Am 12. Dezember 1994 war es dann soweit und der Vorstand wurde bestellt. Gerd Rehberg und Josef Schnusenberg übernahmen die Vorstandstätigkeiten ehrenamtlich. Die erstmalig zwei hauptamtlichen Vorstandsmitglieder waren Rudi Assauer und Peter Peters. Ab den 17. August 1995 bildeten den ersten Aufsichtsrat auf Schalke Clemens Tönnies, Jürgen W. Möllemann, Herbert Burdenski, Hans Kleine-Büning, Dr. Peter Paziorek und Rüdiger Höffken.

Die neue Satzung schloss den Umstrukturierungsprozess nach Abbau des angehäuften Schuldenbergs ab und die leere Vereinskasse gewann die ein oder andere Mark dazu.


NK Kalender 2020: März – 3 Tage Präsident Zylka

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 „Ein Oberleutnant verirrte sich als Präsident nach Schalke und mußte abtreten: Nächste Woche ist Neuwahl.“

Der FC Schalke erlebte eine turbulente, teils euphorische Jahreshauptversammlung im November 1988 im Gelsenkirchener Sportzentrum Schürenkamp. Nach dem es sportlich nur noch für die Zweitklassigkeit genügt, und Günter Siebert als Präsident ausschied,musste diese Position neu besetzt werden. Zunächst gab es etliche Bewerber für diesen Job, nach und nach traten jedoch fast alle Bewerber von ihrer Kandidatur zurück, sodass zur letztendlichen Wahl nur noch zwei Personen auf dem Wahlzettel standen. Zum einen der Favorit Schatzmeister Fred Gatenbröcker und zum anderen der unbekannte Düsseldorfer Betriebswirt Michael Zylka.

Michael Zylka konnte mit seiner gekonnten Rhetorik die Masse überzeugen. Er fühle sich nicht als Messias und baute keine Traumschlösser, es zählen keine Personen sondern nur der Klub. Solche und ähnliche Sätze brachten ihm in Endeffekt 675 Stimmen ein, welche den überraschenden Wahlsieg bedeuteten.

Nach lediglich drei Tagen Amtszeit war die Ära Michael Zylka schon wieder beendet. Es stand ein Spionageverdacht im Raum, da er als Offizier des militärfachlichen Dienstes im Range eines Oberleutnants im sicherheitsrelevanten Bereich arbeitete. Dieser Beruf sei nicht mit dem Ehrenjob auf Schalke vereinbar. Nach Aussage des damaligen Ministeriumssprecher Werner Widder wäre auch eine vorher gemeldete Kandidatur in Bonn nicht genehmigt worden.

Michael Zylka nennt andere Aspekte für seinen Rücktritt. Zunächst macht er seine Tätigkeit im Bundesverteidigungsministerium deutlich. Er habe dort gearbeitet, allerdings als Dolmetscher für slawische Sprache, somit wäre sein Beruf kompatibel mit der Präsidentschaft. Um Vorwürfe aus dem Weg zu gehen, hatte er ein eigenes Disziplinarverfahren eingeleitet, dieses ist später eingestellt worden.

Sein zeitiger Rücktritt hatte andere Hintergründe. Er habe massives Mobbing und Ablehnung verspürt. Zudem herrschte ein großes finanzielles Chaos, Belege fehlten, es gab Verträge ohne Unterschrift und die Stadt Gelsenkirchen machte Druck um die fälligen Kredite zu begleichen. Formal scheiterte er an der Inthronisierung von Rolf Rüssmann als Manager, die vom Verwaltungsrat gekippt worden war. Am 25 November 1988 erklärte Michael Zylka vor versammelter Presse seinen Rücktritt. Dieses sei aber nicht als Flucht zu verstehen, sondern sie sei für alle das Beste.

Im Anschluss interessierte er sich weiterhin für die Geschicke von seinem Herzensverein. Er sei nicht ganz unschuldig daran, dass der nächste Präsident, der Sonnenkönig Günther Eichberg wurde. Er habe ihm im VIP-Raum der Düsseldorfer EG zur Wahl geraten, da er mit seinem Geld und seinen Visionen Schalke wieder Boden unter den Füßen geben könne.

Der Mitbegründer der Sportzeitschrift „Reviersport“ist dem FC Schalke 04 e. V. weiterhin treu geblieben. Zum einen als Fan, welcher nach eigener Aussage über 1.500 Spiele im Stadion verfolgt habe und zum anderen ist er im aktuellen Wahlausschuss bis voraussichtlich 2021 tätig.


NK Kalender 2020: Februar – Leitbild

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Im Jahr 2011 versammelte sich eine diverse Mischung von Schalkern, von Vereinsoffiziellen über Vertreter der großen Fanorganisationen bis hin zu unorganisierten Mitgliedern, um einen Wertekodex für unseren Verein zu schaffen. Die Notwendigkeit dafür war spätestens seit der Magath-Ära mehr als offensichtlich und eine Wiederholung solcher Zeiten sollte unmöglich gemacht werden. Nach mehreren Monaten Arbeit wurde der Öffentlichkeit der fertige Entwurf präsentiert, um in einem breiteren Rahmen Rückmeldungen einzuholen. Diese fielen größtenteils positiv aus, schließlich beschloss die Mitgliederversammlung am 3.6.2012 das Leitbild mit einer überwältigenden Mehrheit. Auf der Mitgliederversammlung im Jahr 2015 erfolgte eine Erweiterung.

Inhaltlich deckt das Leitbild die wichtigsten Grundpfeiler der Schalker Identität und des gemeinsamen Selbstverständnisses ab. So werden darin explizit die die Herkunft und Wurzeln des Vereins festgeschrieben, aus welchem wiederum die ebenfalls enthaltene soziale Verantwortung resultiert. Auch für das heutige Zusammenleben in der Schalker Vereinsfamilie wurden Regeln wie Dialogbereitschaft oder respektvolle Toleranz etabliert. Dazu zählt auch, dass Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten der Spielbesuch ermöglicht werden soll und sich klar zum Antirassismus bekannt wird. Auch sportlich ist im Leitbild ein langfristiges Konzept als Zielvorstellung angepeilt, das spezifisch auf die Entwicklung der eigenen Jugend aufbauen soll. Ein manchmal in Vergessenheit geratener Punkt ist auch das Gebot zu einer blau-weißen Spielkleidung, welche bei jeder Möglichkeit getragen werden soll. Neben all diesen und weiteren Punkten ist der wichtigste Teil des Leitbildes jedoch gleich der erste Satz: 

„1. Der Name unseres Vereins ist und bleibt Fußball-Club Gelsenkirchen-Schalke 04 e.V. Er ist und bleibt ein Verein im Sinne des deutschen Vereinsrechts.“  

Dieses ganz eindeutige Bekenntnis zum eingetragenen Verein bietet letztendlich die Grundlage aller demokratischen Strukturen auf Schalke und ist daher die Kernstütze unseres Vereins. Insofern dient das Leitbild auch als von der Mitgliederversammlung verabschiedete Mahnung an Vereinsoffizielle, die mit Gedanken an eine Abkehr vom eingetragenen Verein spielen könnten. Natürlich hat das Leitbild nicht alle Fehlentwicklungen im Verein verhindert und auch in Zukunft werden kritische Vereinsmitglieder dabei gefragt sein, das Vereinsleben mitzugestalten und sich aktiv einzumischen. Insbesondere auf den Mitgliederversammlungen hat sich das Leitbild dafür als Argumentationsgrundlage in den letzten Jahren etabliert. Insgesamt bietet es einen festen Kompass, an dem sich ein jeder orientieren kann und an denen sich alle Entscheidungen auf Schalke messen lassen müssen. 


NK Kalender 2020: Januar – Marinho Transfer

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Wer wollte nicht schon mal gefragt werden, ob Schalke einen Spieler verpflichten soll, oder lieber nicht? Wie jeder Schalker weiß, ist bei uns vieles möglich und auch das gab es schon. 

1975 wollte der damalige Präsident Günther Siebert den Brasilianer Francisco Marinho, Verteidiger vom FC Botafogo Rio de Janeiro, verpflichten. Leider war der Spieler kein Schnäppchen und sollte 1,4 Mio. DM Ablöse und noch 240.000 DM Handgeld kosten. Siebert war so begeistert von Marinho, so dass er auch den Einwand vom damaligen Trainer Ivica Horvat ignorierte, der viel lieber einen Stürmer haben wollte, weil man schon genügend gute Abwehrspieler hätte. Da dieser Transfer aber sehr viel Geld kosten würde, wollte Siebert die Fans befragen. Also wurde Marinho zum Heimspiel gegen die Bayern am 8. März 1975 eingeladen. Dazu bekam jeder Fan einen Stimmzettel, wo er über die zwei Fragen „Marinho kaufen?“ und „Marinho-Zuschlag?“ – also ob der Transfer durch erhöhte Eintrittspreise finanziert werden soll – abstimmen konnte.

Das ist schon kurios genug, aber Schalke wäre nicht Schalke, wenn damit die Geschichte beendet wäre. Am Tag nach dem Spiel waren die 30 Urnen plötzlich leer und lediglich 450 von insgesamt 70.000 verteilten Stimmzettel waren in einem Pappkarton auffindbar. Siebert vermutete, dass die Müllabfuhr die Zettel bereits abgeholt hatte. Trotzdem wurden die 450 Zettel ausgezählt und 75% waren für einen Kauf und 60% gegen einen Zuschlag. Diese kleine Stichprobe reichte Siebert als Bestätigung für sein Vorhaben. 

Der Verwaltungsrat machte Siebert allerdings am Ende einen Strich durch die Rechnung. Der Transfer wurde mit der Begründung „Die Förderung der Jugendarbeit muss Vorrang vor spektakulären Spielereinkäufen besitzen.“ abgelehnt. So kurios die Geschichte auch ist, diese Haltung wäre auch in der aktuellen Zeit oftmals wünschenswer


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