NK-Kalender 2020: Dezember – Deadbull

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“Wir müssen uns der aktuell zu beobachtenden Entfremdung von unserem Sport stellen.” Dies sollen Worte von Oliver Mintzlaff sein, die man der Bundesliga-Presse Ende November 2020 entnehmen konnte. Mintzlaff ist seit 2014 Stratege im Fußballkonzern von Red Bull, heutiger Geschäftsführer der RasenBallsport Leipzig GmbH und Vorstandsvorsitzender des RasenBallsport Leipzig eingetragenen Vereins. Die Gesellschafter der Leipzig GmbH gehören zu 99% der Red Bull GmbH. Das ist diese Dosenfirma mit dem roten Stier aus Österreich, die es seit 1984 gibt. Mintzlaff sagte im März diesen Jahres es drücke der Schuh im Klub, da wegen Corona Einnahmen ausfallen würden und der Spielbetrieb doch fortgesetzt werden müsse. Mitleid muss man also haben mit den Bullen aus Leipzig. [1], [2]

Leipzig? Ach ja, da steht die Red Bull Arena auf der Fläche des alten Leipziger Zentralstadions, die 2010 in einem Freundschaftsspiel gegen Schalke 04 eröffnet wurde. Es kamen 21.000 Zuschauer. Alles echte Lokalpatrioten, die sich einmal was bieten lassen wollten. Viele von denen sollen heute noch vereinstreu sein. Seit wann gibt es die Leipziger Bullen nochmal schnell? Nein, nicht seit 1984, sondern seit 2009. Da übernahm RB Leipzig das Startrecht vom SSV Markranstädt in der Oberliga Nordost, um einem DFB-Lizenzierungsverfahren, das bis zur Regionalliga reicht, zu entgehen. Man wurde Erster und landete in der Saison 16/17 dann endlich in der Bundesliga. [3]

Im Geschäftsjahr 18/19 hat der Red Bull Konzern seinen Leipziger Markenbotschaftern 100 Millionen Euro Schulden erlassen – ein Schuldenbeteiligungsaustausch ohne große Zinsen und weitere Ansprüche. Nein, hierbei handelte es sich nicht um eine Schenkung, sondern um eine marktübliche Kapitalrücklagenerhöhung durch den Verzicht einer Darlehensforderung. Man wollte schlichtweg die sich angehäuften Transferausgaben in der Bilanz ausgleichen – ein fairer Bundesliga-Wettbewerb eben. Die Schulden betragen so nur noch 86 Millionen Euro bei Konzerngründer und Milliardär Dietrich Mateschitz. [4]

Um im internationalen Fußballgeschäft erfolgreich zu sein, braucht jeder Aspirant heute starke Sponsoren und Investoren. Dies gilt als allgemeine Weisheit. Es gibt allerdings noch Regularien. Die 50+1 Regel vom DFB und die Financial-Fairplay-Regeln der UEFA. An diese Regeln halten sich alle. Es gibt keine Hintertüren und deswegen ist die Kritik an erfolgreichen Vereinen mit starken Investoren eben auch blauäugig und nicht fundiert. Im Sommer 2020 gab es einen Freispruch der UEFA für Manchester City, die hierdurch zur Teilnahme an der Champions-League Saison berechtigt wurden. Viele sprachen danach von einer Schande. Ein Herr Mintzlaff fand das auch nicht gut, forderte eine strengere Überprüfung der Regularien und das Verhindern von Hintertüren. Da fragt man sich, durch welche Hintertür RB Leipzig 2009 ins Leben gerufen wurde, nachdem die Konzepte Red Bull St. Pauli oder Red Bull Düsseldorf in Hinterzimmern gescheitert sind. [5], [6]

Als Red Bull Leipzig Fan bleibt einem zwar die Vereinsmitgliedschaft verwehrt, man darf sich aber an tollem Fußball und erfolgreicher Arbeit erfreuen. Wer möchte, kann sogar Fördermitglied mit Gold-Status werden, um den Nachwuchsbereich mit Geld zu füttern. Als Leipziger Bulle hat man auch das Privileg, bei den Spielen von Red Bull New York in der MLS, von Red Bull Bragantino in Brasilien oder den Champions League Spielen von RB Salzburg mitzufiebern. Wem gar nicht mehr zu helfen ist, der kann auch die Kicks des FC Liefering in der zweiten österreichischen Liga schauen. Das ist die zweite Mannschaft von RB Salzburg, sie heißt nur etwas anders. Überall kann man sich an modernem Fußball erfreuen, bis die besten Spieler irgendwann nach Leipzig durch die Hintertür dürfen – Escape Room Red Bull. Die U23 von Schalke 04 spielt aktuell in der Regionalliga West. Ein Verein hat nämlich grundsätzlich eine zweite Mannschaft, die in einer unterklassigen Liga spielt, um Talente aus der U19 weiterhin ausbilden zu können. Leider melden sich immer mehr zweite Mannschaften vom Spielbetrieb ab. Der Dosenbulle kennt diese Probleme nicht. [3]

Diese Auszüge aus dem Wesen und der vermeintlichen Erfolgsgeschichte von RB Leipzig sollen eines in Erinnerung wecken: Red Bull Leipzig war und wird nie ein Fußballverein sein. Am Anfang stand nie der Verein, sondern ein milliardenschwerer Konzern, der ein ausgeklügeltes Marketingkonzept entworfen und dieses in Perfektion umgesetzt hat. Dieses Marketing gewinnt Anhänger, die sich als Fans sehend ins Stadion begehen, aber letzten Endes Opfer sind. Diese Menschen vertreten keine anderen Werte, als jene, die ein Konzern einmal geschaffen hat, um sich selbst zu bereichern und zu bespaßen. Dass es Red Bull innerhalb von elf Jahren fast bis ins Finale der Champions League geschafft hat, lässt den Kampf gegen die Maschinerie nicht einfacher werden. Dass die Bullen hier ausgerechnet an dem aus Katar finanzierten PSG scheiterten, brachte einige kontroverse Artikel in der internationalen Presse zum Vorschein, die teilweise wesentliche Kritikpunkte gegen Red Bull herausstellten [7]. Bei den Äußerungen eines Herrn Mintzlaff kann einem hierzulande allerdings nur kotzübel werden. Dies sollte jedoch anspornen, den Kampf gegen Red Bull unermüdlich weiterzuführen. Durch die sich veränderte Fußballwelt im Jahr 2020 wird das in Zukunft nicht leichter, doch der Kampf wird weitergehen. 

Die Geschichte des FC Schalke 04 e.V., die in diesem Kalender aufgegriffen wurde, ist eine Andere. Dies ist die Geschichte eines Fußballvereins von 1904 mit 160.000 Mitgliedern. 

Lasst uns die Mitgliederrechte unseres Vereins weiter stärken. Für immer eingetragener Verein!

Quellen:

[1] 

https://www.kicker.de/das-wuerde-den-deutschen-fussball-ordentlich-durcheinanderwirbeln-790341/artikel

[2]

https://www.kicker.de/mintzlaff_das_ist_einfache_mathematik_-772432/artikel

[3]

https://de.wikipedia.org/wiki/RB_Leipzig

[4]

https://www.kicker.de/hopp_von_schenkung_kann_keine_rede_sein_-776952/artikel

[5]

https://11freunde.de/artikel/mintzlaff-und-die-hintert%C3%BCren/2378944

[6]

https://www.welt.de/sport/fussball/2-bundesliga/article140232412/Red-Bull-wollte-den-FC-St-Pauli-kaufen.html

[7]

https://www.nytimes.com/2020/08/18/sports/soccer/champions-league-leipzig-psg.html


NK-Kalender 2020: November – Günter Eichberg

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Es gibt kaum eine Person auf Schalke, die noch immer so kontrovers gesehen wird, wie der „Sonnenkönig“ Günter Eichberg. 

Seine Verdienste zu Beginn seiner Amtszeit ab 1989 sind sicherlich unbestritten. Schalke war damals mal wieder absolut pleite. Charly Neumann beschreibt die Zeit so, dass nichtmal Geld für Waschpulver vorhanden war. Hier half Eichberg mit seinem Geld aus und auch die Verpflichtungen einiger Spieler machten erst den Wiederaufstieg 1991 möglich. 

Daneben gibt es aber auch einige Geschichten, die einen mit einem Kopfschütteln zurück lassen. Da wird der Trainer Peter Neururer pünktlich zum Aufstieg entlassen. Da wird mit Günther Netzer ein Manager verpflichtet, der in Zürich lebt und seine Arbeit meistens nur per Telefon leisten sollte. Immerhin wurde nach neun Monaten erkannt, dass das nicht die richtige Lösung war. Da wird der Spieler Radmilo Mihajlović verpflichtet und darf sein Handgeld selbst in den bereits unterschriebenen Vertrag eintragen. Dass er das Handgeld in Dollar und nicht Mark angegeben hat, ist dabei noch eine kleine Randnotiz.

Diese Anekdoten könnte man noch mit einem Schmunzeln quittieren. Wirklich ernst wurde es 1993. Damals bekam Eichberg Liquiditätsprobleme. Eine der Folgen war, dass er als Präsident von Schalke zurücktreten musste. Dazu berichtete der Spiegel, dass Eichberg Schalke in den Ruin getrieben hätte und der Verein 16 Millionen Mark Schulden wegen ihm hätte. Schalke und Eichberg widersprachen dieser Darstellung. In der Folge kam es auch zu einem Gerichtsbeschluss, dass dem Spiegel verboten hat, die Aussagen, dass Schalke „16 Millionen Mark Schulden“ habe und kurzfristig „2,1 Millionen Mark Kreditzahlungen“ anstünden, zu wiederholen. Auch wenn die Aussagen des Spiegels in der Form nicht der Wahrheit entsprachen, steuerte Schalke durch die Liquiditätsprobleme mal wieder in eine ungewisse Zukunft.

Die Geschichte um den „Sonnenkönig“ Günter Eichberg zeigt aber deutlich, dass man bei jedem Geldgeber immer skeptisch seien sollte und sich niemals von nur einer Person abhängig machen sollte, egal wie gut er es im ersten Moment meint und wie hilfreich ein finanzielle Spritze wäre.


NK-Kalender 2020: Oktober – Gründung SFCV

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Am 12. August 1978 fanden sich die Vertreter von zehn Schalker Fanclubs in einer Gaststätte in Gelsenkirchen-Schalke zusammen, um den Schalker Fan-Club Verband e.V. zu gründen. Zur damaligen Zeit waren die meisten Fußballfans, wenn überhaupt, lose in Fanclubs oder kleineren Gruppierungen organisiert. Eine kollektive Interessensvertretung war in Deutschland noch nicht wirklich vertreten und Strukturen heutiger Größe eigentlich undenkbar. Auch damals war aller Anfang schwer, da Vereine sich nicht wirklich für Faninteressen interessierten. Mit dem rasanten Wachstum der Fanclubzahlen gewann auch der SFCV an Bedeutung und wurde spätestens ab der ersten Ära Assauers zu einer einflussreichen Stimme rund um Schalke. Dieser hatte damals die Vision einer gebündelten und unabhängigen Fanvertretung auf Schalke, unter deren Dach alle Interessen einen Platz finden. Mittlerweile sind aus den ursprünglichen zehn auch deutlich mehr als 1.000 Fanclubs geworden, welche Mitglied des Schalker Fan Club Verbandes sind. Die Größe des SFCV, welcher in 23 Bezirke aufgeteilt ist, lässt sich daher allgemein als Folge einer unverkennbaren Schalker Fanclubkultur sehen, welche sich weit über Bundesland- und Landesgrenzen erstreckt.

Mit dem Mitgliederwachstum ging auch eine Professionalisierung der Strukturen des SFCV einher. Durch die Gründung eines Clubheimes, einer Kneipe auf der Schalker Meile, dem Herausgeben eines Fanzines oder dem Einsatz eines Fanmobils bei Auswärtsspielen wurde der Verband zu einer Anlaufstelle für zahlreiche Schalker, auch solche, die sonst unorganisiert waren. Vereinspolitische Relevanz erlangte der SFCV nicht zuletzt durch das feste Kartenkontingent, welches an Fanclubs verteilt wird, sowie den festen Platz im Aufsichtsrat des Vereins.

Inhaltlich bekennt sich der SFCV zum FC Schalke 04 als eingetragenem Verein und ist ferner Mitglied der vereinsübergreifenden Fanvertretung „Unsere Kurve“. In der Vergangenheit kam es innerhalb der Schalker Fanszene allerdings mehrmals zu Differenzen mit dem eingeschlagenen Weg des SFCV, weswegen 2013 neben unserer Gruppe auch der Supporters Club und die Fan Initiative den Austritt aus dem Fanclubverband verkündeten.


NK Kalender 2020: September – Magath allmächtig

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Es war bitterkalt auf der Mitgliederversammlung im Mai 2010. Der Mai lockte nicht gerade mit frühsommerlicher Hitze und in der Arena war kurz zuvor das Eröffnungsspiel der Eishockey-WM zu Ende gegangen. Umso hitziger aber waren dann die Diskussionen.

2000 Mitglieder ließen mehr oder weniger geduldig die Ehrungen, Lobeshymnen auf Felix Magath und den Jahresbericht über sich ergehen. Begonnen hatte die Mitgliederversammlung wie seinerzeit üblich um 19:04 Uhr und so wurde es später und später. Nach und nach verließen mehr und mehr Mitglieder die Donnerhalle, doch diejenigen, die an ihren Mitgliederrechten interessiert waren, hielten bis zur Abstimmung über die Anträge aus. 

Vor allem ein Antrag stand im Interesse: Es ging um eine “Lex Magath”. Er sollte wesentlich mehr Kompetenzen bekommen: Der Aufsichtsrat muss über Ausgaben entscheiden, die 300.000 Euro überschreiten. Das sollte nun aufgehoben werden; Magath sollte jetzt eigenständig entscheiden können, nicht mehr die von den Mitgliedern gewählten Aufsichtsratsvertreter.

Zitternd und fluchend harrten also die Mitglieder aus. Erst ließ der Aufsichtsrat die Entscheidung per Handzeichen abstimmen. Bei so einem Antrag eher eine Farce und es wurde schnell unübersichtlich. Die vorhandenen Wahlzettel kamen also doch zum Einsatz, nachdem der Aufsichtsrat nicht mit Argumenten, sondern mit Appellen versuchte, die Mitglieder dazu zu bringen, sich selbst zu entmachten. Doch der Antrag verfehlte dennoch die notwendige Zweidrittelmehrheit.

Und Magath rächte sich: Als Hauptverantwortlichen machte er ausgerechnet SFCV-Vertreter Rolf Rojek aus. Magath entband diesen von seiner Funktion als Fanbeauftragten. Der Dachverband äußerte sich deutlich: „Wir betrachten diese Entscheidung als einen massiven und grundlosen Angriff auf die jahrzehntelang gewachsenen, intakten und durchaus manchmal auch kritischen Strukturen der gesamten Schalker Fanszene.” 

Magath witterte nun überall Feinde. Wer seine Meinung nicht teilte, wurde als “kleine Gruppe” beschimpft. Mehrere tausend Fans trugen in der Folge T-Shirts mit der Aufschrift “kleine Gruppe”. 

Im März 2011 war die Ära Magath dann Geschichte: Der Aufsichtsrat setzte Magath vor die Tür. Es folgte eine Schlammschlacht in der Presse und mit Anwälten, bis beide Seiten entschieden, das Thema doch lieber unter der Decke zu halten, bevor zu viel nach außen drang. Man einigte sich dann “gütlich”.


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