NK-Kalender 2020: November – Günter Eichberg

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Es gibt kaum eine Person auf Schalke, die noch immer so kontrovers gesehen wird, wie der „Sonnenkönig“ Günter Eichberg. 

Seine Verdienste zu Beginn seiner Amtszeit ab 1989 sind sicherlich unbestritten. Schalke war damals mal wieder absolut pleite. Charly Neumann beschreibt die Zeit so, dass nichtmal Geld für Waschpulver vorhanden war. Hier half Eichberg mit seinem Geld aus und auch die Verpflichtungen einiger Spieler machten erst den Wiederaufstieg 1991 möglich. 

Daneben gibt es aber auch einige Geschichten, die einen mit einem Kopfschütteln zurück lassen. Da wird der Trainer Peter Neururer pünktlich zum Aufstieg entlassen. Da wird mit Günther Netzer ein Manager verpflichtet, der in Zürich lebt und seine Arbeit meistens nur per Telefon leisten sollte. Immerhin wurde nach neun Monaten erkannt, dass das nicht die richtige Lösung war. Da wird der Spieler Radmilo Mihajlović verpflichtet und darf sein Handgeld selbst in den bereits unterschriebenen Vertrag eintragen. Dass er das Handgeld in Dollar und nicht Mark angegeben hat, ist dabei noch eine kleine Randnotiz.

Diese Anekdoten könnte man noch mit einem Schmunzeln quittieren. Wirklich ernst wurde es 1993. Damals bekam Eichberg Liquiditätsprobleme. Eine der Folgen war, dass er als Präsident von Schalke zurücktreten musste. Dazu berichtete der Spiegel, dass Eichberg Schalke in den Ruin getrieben hätte und der Verein 16 Millionen Mark Schulden wegen ihm hätte. Schalke und Eichberg widersprachen dieser Darstellung. In der Folge kam es auch zu einem Gerichtsbeschluss, dass dem Spiegel verboten hat, die Aussagen, dass Schalke „16 Millionen Mark Schulden“ habe und kurzfristig „2,1 Millionen Mark Kreditzahlungen“ anstünden, zu wiederholen. Auch wenn die Aussagen des Spiegels in der Form nicht der Wahrheit entsprachen, steuerte Schalke durch die Liquiditätsprobleme mal wieder in eine ungewisse Zukunft.

Die Geschichte um den „Sonnenkönig“ Günter Eichberg zeigt aber deutlich, dass man bei jedem Geldgeber immer skeptisch seien sollte und sich niemals von nur einer Person abhängig machen sollte, egal wie gut er es im ersten Moment meint und wie hilfreich ein finanzielle Spritze wäre.


NK-Kalender 2020: Oktober – Gründung SFCV

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Am 12. August 1978 fanden sich die Vertreter von zehn Schalker Fanclubs in einer Gaststätte in Gelsenkirchen-Schalke zusammen, um den Schalker Fan-Club Verband e.V. zu gründen. Zur damaligen Zeit waren die meisten Fußballfans, wenn überhaupt, lose in Fanclubs oder kleineren Gruppierungen organisiert. Eine kollektive Interessensvertretung war in Deutschland noch nicht wirklich vertreten und Strukturen heutiger Größe eigentlich undenkbar. Auch damals war aller Anfang schwer, da Vereine sich nicht wirklich für Faninteressen interessierten. Mit dem rasanten Wachstum der Fanclubzahlen gewann auch der SFCV an Bedeutung und wurde spätestens ab der ersten Ära Assauers zu einer einflussreichen Stimme rund um Schalke. Dieser hatte damals die Vision einer gebündelten und unabhängigen Fanvertretung auf Schalke, unter deren Dach alle Interessen einen Platz finden. Mittlerweile sind aus den ursprünglichen zehn auch deutlich mehr als 1.000 Fanclubs geworden, welche Mitglied des Schalker Fan Club Verbandes sind. Die Größe des SFCV, welcher in 23 Bezirke aufgeteilt ist, lässt sich daher allgemein als Folge einer unverkennbaren Schalker Fanclubkultur sehen, welche sich weit über Bundesland- und Landesgrenzen erstreckt.

Mit dem Mitgliederwachstum ging auch eine Professionalisierung der Strukturen des SFCV einher. Durch die Gründung eines Clubheimes, einer Kneipe auf der Schalker Meile, dem Herausgeben eines Fanzines oder dem Einsatz eines Fanmobils bei Auswärtsspielen wurde der Verband zu einer Anlaufstelle für zahlreiche Schalker, auch solche, die sonst unorganisiert waren. Vereinspolitische Relevanz erlangte der SFCV nicht zuletzt durch das feste Kartenkontingent, welches an Fanclubs verteilt wird, sowie den festen Platz im Aufsichtsrat des Vereins.

Inhaltlich bekennt sich der SFCV zum FC Schalke 04 als eingetragenem Verein und ist ferner Mitglied der vereinsübergreifenden Fanvertretung „Unsere Kurve“. In der Vergangenheit kam es innerhalb der Schalker Fanszene allerdings mehrmals zu Differenzen mit dem eingeschlagenen Weg des SFCV, weswegen 2013 neben unserer Gruppe auch der Supporters Club und die Fan Initiative den Austritt aus dem Fanclubverband verkündeten.


NK Kalender 2020: September – Magath allmächtig

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Es war bitterkalt auf der Mitgliederversammlung im Mai 2010. Der Mai lockte nicht gerade mit frühsommerlicher Hitze und in der Arena war kurz zuvor das Eröffnungsspiel der Eishockey-WM zu Ende gegangen. Umso hitziger aber waren dann die Diskussionen.

2000 Mitglieder ließen mehr oder weniger geduldig die Ehrungen, Lobeshymnen auf Felix Magath und den Jahresbericht über sich ergehen. Begonnen hatte die Mitgliederversammlung wie seinerzeit üblich um 19:04 Uhr und so wurde es später und später. Nach und nach verließen mehr und mehr Mitglieder die Donnerhalle, doch diejenigen, die an ihren Mitgliederrechten interessiert waren, hielten bis zur Abstimmung über die Anträge aus. 

Vor allem ein Antrag stand im Interesse: Es ging um eine “Lex Magath”. Er sollte wesentlich mehr Kompetenzen bekommen: Der Aufsichtsrat muss über Ausgaben entscheiden, die 300.000 Euro überschreiten. Das sollte nun aufgehoben werden; Magath sollte jetzt eigenständig entscheiden können, nicht mehr die von den Mitgliedern gewählten Aufsichtsratsvertreter.

Zitternd und fluchend harrten also die Mitglieder aus. Erst ließ der Aufsichtsrat die Entscheidung per Handzeichen abstimmen. Bei so einem Antrag eher eine Farce und es wurde schnell unübersichtlich. Die vorhandenen Wahlzettel kamen also doch zum Einsatz, nachdem der Aufsichtsrat nicht mit Argumenten, sondern mit Appellen versuchte, die Mitglieder dazu zu bringen, sich selbst zu entmachten. Doch der Antrag verfehlte dennoch die notwendige Zweidrittelmehrheit.

Und Magath rächte sich: Als Hauptverantwortlichen machte er ausgerechnet SFCV-Vertreter Rolf Rojek aus. Magath entband diesen von seiner Funktion als Fanbeauftragten. Der Dachverband äußerte sich deutlich: „Wir betrachten diese Entscheidung als einen massiven und grundlosen Angriff auf die jahrzehntelang gewachsenen, intakten und durchaus manchmal auch kritischen Strukturen der gesamten Schalker Fanszene.” 

Magath witterte nun überall Feinde. Wer seine Meinung nicht teilte, wurde als “kleine Gruppe” beschimpft. Mehrere tausend Fans trugen in der Folge T-Shirts mit der Aufschrift “kleine Gruppe”. 

Im März 2011 war die Ära Magath dann Geschichte: Der Aufsichtsrat setzte Magath vor die Tür. Es folgte eine Schlammschlacht in der Presse und mit Anwälten, bis beide Seiten entschieden, das Thema doch lieber unter der Decke zu halten, bevor zu viel nach außen drang. Man einigte sich dann “gütlich”.


NK Kalender 2020: August – Antirassismus Paragraph

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„Der Verein ist parteipolitisch und religiös neutral. Er bekennt sich zu den Grundsätzen der Menschenrechte. Er tritt rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen sowie diskriminierenden oder menschenverachtenden Verhaltensweisen gegenüber anderen Menschen, insbesondere auf Grund ihrer Nationalität, ethnischen Zugehörigkeit, Religion, Geschlecht, sexuellen Orientierung oder Behinderung, aktiv entgegen. In diesem Sinne ist er insbesondere bestrebt, die soziale Integration ausländischer Mitbürger zu fördern.“ Seit 2008 steht dieser Passus in der Satzung und erlaubt so den Vereinsgremien, bei rassistischen Äußerungen auch rechtlich tätig zu werden – so sie es denn wollen.

Vorläufer gab es dazu aber schon früher: 1992 gründete sich die Schalker „Fan-Initiative gegen Rassismus“. Kurz danach machte sie im Stadion mit dem Banner „Schalker gegen Rassismus“ auf sich aufmerksam.  „Wenn man ein Banner ‚Schalker gegen Rassismus‘ im Innenraum aufhängen wollte, hat man das dem Ordner gesagt und ist durchgegangen“, erinnert sich Bodo im Interview des „SCHALKE UNSER“. Und der langjährige SU-Redakteur Peter meint: „In der Nachbetrachtung würde ich das Verhalten des Vereins von damals als orientierungslos bezeichnen. Da gab es zwar dann  Diskussionen darüber, ob wir Flugblätter auf dem Vereinsgelände verteilen dürfen, aber andererseits waren die froh, dass wir was gemacht haben, weil die in den damaligen Strukturen gar nicht in der Lage waren, selbst etwas zu machen.“ „Affenlaute“ und „Asylanten, Asylanten!“-Rufe kamen seinerzeit häufig vor. Es folgten weitere Aktionen zusammen mit den Spielern und dem Trainer. Gemeinsam verteilten sie Flugblätter in der Gelsenkirchener Innenstadt.

Der erste Anlauf, einen Antirassismus-Paragraphen formal zu verankern, stammt vom 5. September 1993: Doch die Ini konnte einen Antrag auf der damaligen Jahreshauptversammlung nicht mehr stellen. Sie wollte festschreiben, Nazi-Symbole  wie Reichkriegsflaggen im Stadion zu verbieten und bei rassistischen Äußerungen Stadionverbot zu verhängen. Doch der Verlauf der Versammlung mit zahlreichen Wahlen verhinderte dies.

Auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung des FC Schalke 04 e.V. am 5. Dezember 1994 wurdem dann aber auf Antrag der Schalker Fan-Initiative gegen Rassismus von der Satzungskommission zwei Passagen in die Satzung integriert: In Paragraph 2 „Die soziale Integration ausländischer Mitbürger soll gefördert werden“ und in § 4: „Der Ausschluß aus dem Verein kann u.a. erfolgen (…) bei unehrenhaftem Verhalten innerhalb oder außerhalb des Vereins, insbesondere durch Kundgabe rassistischer oder ausländerfeindlicher Gesinnung“.


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