NK Kalender 2020: September – Magath allmächtig

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Es war bitterkalt auf der Mitgliederversammlung im Mai 2010. Der Mai lockte nicht gerade mit frühsommerlicher Hitze und in der Arena war kurz zuvor das Eröffnungsspiel der Eishockey-WM zu Ende gegangen. Umso hitziger aber waren dann die Diskussionen.

2000 Mitglieder ließen mehr oder weniger geduldig die Ehrungen, Lobeshymnen auf Felix Magath und den Jahresbericht über sich ergehen. Begonnen hatte die Mitgliederversammlung wie seinerzeit üblich um 19:04 Uhr und so wurde es später und später. Nach und nach verließen mehr und mehr Mitglieder die Donnerhalle, doch diejenigen, die an ihren Mitgliederrechten interessiert waren, hielten bis zur Abstimmung über die Anträge aus. 

Vor allem ein Antrag stand im Interesse: Es ging um eine “Lex Magath”. Er sollte wesentlich mehr Kompetenzen bekommen: Der Aufsichtsrat muss über Ausgaben entscheiden, die 300.000 Euro überschreiten. Das sollte nun aufgehoben werden; Magath sollte jetzt eigenständig entscheiden können, nicht mehr die von den Mitgliedern gewählten Aufsichtsratsvertreter.

Zitternd und fluchend harrten also die Mitglieder aus. Erst ließ der Aufsichtsrat die Entscheidung per Handzeichen abstimmen. Bei so einem Antrag eher eine Farce und es wurde schnell unübersichtlich. Die vorhandenen Wahlzettel kamen also doch zum Einsatz, nachdem der Aufsichtsrat nicht mit Argumenten, sondern mit Appellen versuchte, die Mitglieder dazu zu bringen, sich selbst zu entmachten. Doch der Antrag verfehlte dennoch die notwendige Zweidrittelmehrheit.

Und Magath rächte sich: Als Hauptverantwortlichen machte er ausgerechnet SFCV-Vertreter Rolf Rojek aus. Magath entband diesen von seiner Funktion als Fanbeauftragten. Der Dachverband äußerte sich deutlich: „Wir betrachten diese Entscheidung als einen massiven und grundlosen Angriff auf die jahrzehntelang gewachsenen, intakten und durchaus manchmal auch kritischen Strukturen der gesamten Schalker Fanszene.” 

Magath witterte nun überall Feinde. Wer seine Meinung nicht teilte, wurde als “kleine Gruppe” beschimpft. Mehrere tausend Fans trugen in der Folge T-Shirts mit der Aufschrift “kleine Gruppe”. 

Im März 2011 war die Ära Magath dann Geschichte: Der Aufsichtsrat setzte Magath vor die Tür. Es folgte eine Schlammschlacht in der Presse und mit Anwälten, bis beide Seiten entschieden, das Thema doch lieber unter der Decke zu halten, bevor zu viel nach außen drang. Man einigte sich dann “gütlich”.


NK Kalender 2020: August – Antirassismus Paragraph

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„Der Verein ist parteipolitisch und religiös neutral. Er bekennt sich zu den Grundsätzen der Menschenrechte. Er tritt rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen sowie diskriminierenden oder menschenverachtenden Verhaltensweisen gegenüber anderen Menschen, insbesondere auf Grund ihrer Nationalität, ethnischen Zugehörigkeit, Religion, Geschlecht, sexuellen Orientierung oder Behinderung, aktiv entgegen. In diesem Sinne ist er insbesondere bestrebt, die soziale Integration ausländischer Mitbürger zu fördern.“ Seit 2008 steht dieser Passus in der Satzung und erlaubt so den Vereinsgremien, bei rassistischen Äußerungen auch rechtlich tätig zu werden – so sie es denn wollen.

Vorläufer gab es dazu aber schon früher: 1992 gründete sich die Schalker „Fan-Initiative gegen Rassismus“. Kurz danach machte sie im Stadion mit dem Banner „Schalker gegen Rassismus“ auf sich aufmerksam.  „Wenn man ein Banner ‚Schalker gegen Rassismus‘ im Innenraum aufhängen wollte, hat man das dem Ordner gesagt und ist durchgegangen“, erinnert sich Bodo im Interview des „SCHALKE UNSER“. Und der langjährige SU-Redakteur Peter meint: „In der Nachbetrachtung würde ich das Verhalten des Vereins von damals als orientierungslos bezeichnen. Da gab es zwar dann  Diskussionen darüber, ob wir Flugblätter auf dem Vereinsgelände verteilen dürfen, aber andererseits waren die froh, dass wir was gemacht haben, weil die in den damaligen Strukturen gar nicht in der Lage waren, selbst etwas zu machen.“ „Affenlaute“ und „Asylanten, Asylanten!“-Rufe kamen seinerzeit häufig vor. Es folgten weitere Aktionen zusammen mit den Spielern und dem Trainer. Gemeinsam verteilten sie Flugblätter in der Gelsenkirchener Innenstadt.

Der erste Anlauf, einen Antirassismus-Paragraphen formal zu verankern, stammt vom 5. September 1993: Doch die Ini konnte einen Antrag auf der damaligen Jahreshauptversammlung nicht mehr stellen. Sie wollte festschreiben, Nazi-Symbole  wie Reichkriegsflaggen im Stadion zu verbieten und bei rassistischen Äußerungen Stadionverbot zu verhängen. Doch der Verlauf der Versammlung mit zahlreichen Wahlen verhinderte dies.

Auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung des FC Schalke 04 e.V. am 5. Dezember 1994 wurdem dann aber auf Antrag der Schalker Fan-Initiative gegen Rassismus von der Satzungskommission zwei Passagen in die Satzung integriert: In Paragraph 2 „Die soziale Integration ausländischer Mitbürger soll gefördert werden“ und in § 4: „Der Ausschluß aus dem Verein kann u.a. erfolgen (…) bei unehrenhaftem Verhalten innerhalb oder außerhalb des Vereins, insbesondere durch Kundgabe rassistischer oder ausländerfeindlicher Gesinnung“.


NK Kalender 2020: Juli – ViaNOgo

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“Das ist doch keine Demokratie hier.” Dieser Satz von Peter Peters wird denjenigen, die sich gegen den Kartenhändler “Viagogo” engagierten, in Erinnerung bleiben. Noch mehr aber, dass der Verein sie mit Hilfe der Polizei vom Gelände werfen ließ, als sie Unterschriften für eine außerordentliche Mitgliederversammlung sammelten.  Dabei steht das Vereinsgelände doch allen Mitgliedern für “Vereinszwecke” zur Verfügung. Und laut Satzung für eine außerordentliche Mitgliederversammlung zu werben, ist definitiv ein Vereinszweck. Der Vorstand begründete das so: “Wir müssen die Rechte eines Sponsoren schützen.” Und die Rechte der Mitglieder?

Die zählten nicht, und der Sponsor war eben nicht nur ein Sponsor, sondern auch ein Unternehmen, mit dem Schalke einen Vertrag hatte: Statt auf der vereinseigenen Ticketbörse sollten Karten nun über “Viagogo” vertickt werden – zu überhöhten Preisen. Dazu die, die der Verein angeblich nicht anders loswurde. Und das bei chronischer Ticketknappheit seinerzeit.

Nicht viel besser wurde es auf der ordentlichen Mitgliederversammlung. Alle Anträge der Initiative “viaNOgo” hatte der Aufsichtsrat nicht zugelassen, zunächst sogar ohne Begründung. Anscheinend verfasste der Aufsichtsrat die Schreiben so kurz vor Ablauf der Ablehnungsfristen, dass die Schreiben per Kurier zugestellt werden mussten. Den Grund für die Ablehnung ergab erst das in der Satzung vorgeschriebene Einigungsgespräch: Die Anträge würden in das operative Geschäft eingreifen. Und natürlich sprang der Ehrenrat auch hier dem Aufsichtsrat willfährig zur Seite.

Es gab zahlreiche Redebeiträge gegen den Viagogo-Vertrag und einen Eilantrag: Wenn schon der ursprüngliche Antrag nicht zugelassen worden war, so sollte doch jetzt ein – nicht bindendes – Meinungsbild eingeholt werden. Eile war auch geboten: Nur zwei Tage, dann wäre der Vertrag zwischen Schalke und “Viagogo” wirksam geworden. Nach einigem Hin und Her ließ Jens Buchta als Versammlungsleiter die Abstimmung zu: “Ja gut, dann stimmen wir eben ab.” Der Antrag bekam per Handzeichen deutliche Zustimmung, es musste also jetzt das Meinungsbild eingeholt werden. Und ebenso deutlich wurde klar: Die Schalker stimmten gegen den Viagogo-Vertrag.

Eine Woche später dann die Überraschung: Der Vertrag wurde direkt aufgekündigt. Wie Jahre später aber herauskam, nicht wegen der Abstimmung. Schalke hatte bereits vor der Mitgliederversammlung aus dem Vertrag herausgewollt, weil das Unternehmen Schalke unter Druck gesetzt und mehr Karten als vereinbart gefordert hatte.


NK Kalender 2020: Juni – Eingetragener Verein

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Die Rechtsform „eingetragener Verein“ stellt im Fußball und speziell auf Schalke ein hohes Gut dar. Um dies auch in unserer Satzung zu verankern, wurde auf der Mitgliederversammlung 2016 ein Satzungsänderungsantrag zur Änderung von „§11 Auflösung gestellt“. Der Antrag sah vor §11 um die Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung zu erweitern, so dass eine Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung ebenso wie die Auflösung des Vereins eine ¾ Mehrheit benötigt. Über 2/3 der anwesenden Mitglieder stimmten für diesen Antrag, so dass dieser Antrag von der Versammlung angenommen wurde. Durch diese Änderung ist sichergestellt, dass die Vereinsverantwortlichen die Lizenzspielerabteilung nicht gegen den Willen der Vereinsmitglieder ausgliedern kann. Eine wegweisende Änderung unserer Satzung und die erneut verdeutlicht hat wie wichtig den Schalkern ihr e.V. ist.

§ 11 Auflösung des Vereins und Ausgliederung der Fußball- Lizenzspielerabteilung

Der Verein wird aufgelöst, wenn in einer besonderen, zu diesem Zweck einberufenen außerordentlichen Mitgliederversammlung die Auflösung mit Dreiviertel-Mehrheit der abgegebenen Stimmen beschlossen wird.

Die Fußball-Lizenzspielerabteilung gehört zum Verein. Eine Ausgliederung der Fußball-Lizenzspielerabteilung – gleich ob im Wege des Umwandlungsgesetzes oder einer Vielzahl von Einzelübertragungen – und sonstige Maßnahmen nach dem Umwandlungsgesetz, die die Lizenzspielerabteilung zum Gegenstand haben, bedürfen der Zustimmung einer besonderen, zu diesem Zweck einberufenen außerordentlichen Mitgliederversammlung mit einer Dreiviertel-Mehrheit der abgegebenen Stimmen.

Die Abstimmung in den außerordentlichen Mitgliederversammlungen nach Absatz 1 und 2 erfolgen durch schriftliche Stimmabgabe.

Im Fall der Auflösung des Vereins fällt das Vereinsvermögen mit Zustimmung des Finanzamtes an die Stadt Gelsenkirchen, die es unmittelbar und ausschließlich für gemeinnützige Zwecke zu verwenden hat, und zwar in erster Linie im Sinne des § 2 dieser Satzung; dies gilt nicht, soweit die Mitgliederversammlung mit Dreiviertel-Mehrheit der abgegebenen Stimmen vor dem Auflösungsbeschluss einen anderen gemeinnützigen Verwendungszweck bestimmt. Die Durchführung dieses Beschlusses ist abhängig von der Zustimmung des Finanzamtes.

Die Änderung dieser Regelungen in § 11 bedarf einer Mehrheit von Dreiviertel der abgegebenen Stimmen der Mitgliederversammlung.


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