Glück auf Schalker, 

mittlerweile sind wir bereits seit vier Spielen ohne Sieg. Glücklicherweise konnte unsere Konkurrenz diese Misere bisher nicht ausnutzen, sodass wir weiterhin von Platz eins der Tabelle grüßen können. Auf das Versagen unserer Gegner wollen und können wir uns aber nicht verlassen und daher müssen wir so schnell wie möglich in die Erfolgsspur zurückkehren. Die heutige Partie scheint auf dem Papier eine simple Geschichte zu werden. Steht uns mit Dresden doch ein Abstiegskandidat gegenüber? Dynamo konnte allerdings aus den letzten drei Partien sieben von neun Punkten holen und reist somit mit breiter Brust ans Berger Feld. 

Damit diese schwere Aufgabe am heutigen Samstagmittag erfolgreich absolviert werden kann, sind wir umso mehr gefragt. Die Auftritte in den letzten Begegnungen lassen mehr als zu wünschen übrig. Das war gar nichts, Nordkurve Gelsenkirchen! Anscheinend hat man als Schalker ein Gedächtnis wie ein Sieb. Anders ist es nicht zu erklären, dass man nach den vorherigen zwei Katastrophen-Saisons schon wieder so verwöhnt ist, und man sein Maul nur aufbekommt, wenn die Mannen auf dem Feld in Führung liegen. Ausführlicher betrachten wir diese Problematik im Gedankenaustausch. Passend zum Namen der Rubrik sollte sich jeder Königsblaue Gedanken zu dem Thema und dem eigenen Verhalten machen.

Genug gemeckert, ein jeder und jede hat gleich die Chance, es wieder besser zu machen und diese Stadt und ihren Verein würdig zu vertreten!

FC Schalke 04 e. V. – 1.FC Kaiserslautern GmbH & Co. KGaA  2:2 (0:0)

Nordkurve Gelsenkirchen

Das erste Heimspiel im Jahre 2026 hielt mit den roten Teufeln vom Betzenberg einen Leckerbissen bereit. Nachdem wir in Berlin aus den bekannten Gründen nicht supporten konnten, stand der erste richtige Auftritt im neuen Jahr an. Dementsprechend groß war die Vorfreude. Für den passenden Rahmen sollte einmal mehr eine Choreo in der Nordkurve sorgen. Vor einem Karomuster aus blau-weißen Fahnen wurde ein großer „Schalke“-Schriftzug gezogen. Das Besondere hierbei: Die gezeigte Blockfahne wurde bereits vor dem Choreoverbot in der Arena angefertigt. Auch wenn die Jahre ein wenig an der Farbe genagt haben, gab es am Gesamtbild nichts auszusetzen. Nachdem die Fahnen heruntergenommen wurden, zeigte sich die Nordkurve in einheitlichen Wintermützen, die zuvor von uns verteilt worden waren. Alles in allem ein wirklich gutes Intro.

Bei diesem Highlight sollte es aber erst einmal bleiben. Scheinbar ist dem einen oder anderen Schalker der Erfolg aus der Hinrunde dermaßen zu Kopf gestiegen, dass man es nicht für nötig hält, bei durchwachsenen Spielen den Mund aufzukriegen. Anders ist der bodenlose Auftritt unserer Kurve kaum zu erklären. In fast keiner Phase der ersten Halbzeit konnten wir unseren eigenen Ansprüchen gerecht werden. Auch auf dem Platz wurde, wie erwähnt, eher Schonkost angeboten und so ist die Geschichte der ersten Hälfte auch schon erzählt. Ein Spruchband unsererseits griff derweil noch einmal das Thema Polizeigewalt auf.

Wer Hoffnung auf einen besseren zweiten Durchgang hatte, wurde zunächst enttäuscht. Sowohl sportlich als auch auf den Rängen ging es für Blau-Weiß ernüchternd weiter. Nach gut einer Stunde tat die Lauterer Führung ihr Übriges. Das 0:2 in der 84. Minute war dann schon ein gefühlter Gnadenstoß. Glücklicherweise hatte der eingewechselte Neuzugang Džeko aber andere Pläne und zeigte kurzerhand, warum er jahrelang im europäischen Topfußball für Furore sorgte. Der Anschlusstreffer weckte auch den Schalker Anhang noch einmal auf. Mit einer kämpferischen Leistung schaffte es unsere Mannschaft, das Ruder herumzureißen und doch noch einen Punkt aus diesem verloren geglaubten Spiel mitzunehmen. Der Torjubel zum 2:2 bleibt neben der Choreo aber als einziges positives Ausrufezeichen hängen. Es bleibt zu hoffen, dass solche Auftritte negative Ausrutscher bleiben. In den nächsten Spielen muss hier definitiv ein anderes Gesicht gezeigt werden.

Gegner

Der ausverkaufte Gästeblock konnte sich an diesem Tag auf jeden Fall sehen lassen. Neben einer starken Zaunbeflaggung, inklusive der großen „1. FC Kaiserslautern – unzerstörbar“-Fahne im Oberrang, stach vor allem die massive Anzahl an Schwenkern im Steher ins Auge. Schalparaden und Klatscheinlagen konnten sich ebenfalls sehen lassen. Auch akustisch lieferte der Anhang aus Lautern einen runden Auftritt ab, wenngleich gemessen an unserem Katastrophentag hier und da etwas mehr hätte ankommen können. Mit einem Spruchband und einer Fahne forderte die Fanszene die Abschaffung von Print@Home Tickets. Insgesamt darf man Kaiserslautern einen sehr runden Tag attestieren.

Freunde

Unterstützt wurden wir von Freunden aus Enschede! Danke Jungs!

 

VfL Bochum 1848 GmbH & Co. KGaA – FC Schalke 04 e.V. 2:0 (2:0)

Vor dem Spiel

Während Bochum das Aufeinandertreffen mit uns gerne als Derby bezeichnet, besitzt dieses Spiel für uns eigentlich keine besondere Bedeutung. Auch die Bochumer Fanszene war für uns über Jahre hinweg kaum von Interesse und unser Fokus lag ehrlicherweise eher woanders. Umgekehrt scheint man dort jedoch eine deutlich tiefere Abneigung uns gegenüber zu haben. Nachdem man eigentlich hätte annehmen können, dass die Gegenseite aber aus den Ereignissen der vergangenen Jahre gelernt hat, fiel sie in den Wochen und Monaten vor dem Spiel einmal mehr durch eine übermäßig große Klappe auf. So machte sich bereits am Vorabend ein Teil der Schalker Fanszene auf den Weg nach Bochum, um sich persönlich von den Worten zu überzeugen. Auf der Gegenseite fand die Idee scheinbar nicht auf große Zustimmung, so dass es für den Haufen ereignislos wieder auf den Heimweg ging.

Am nächsten Morgen traf sich unser Spieltagshaufen nahe der Bochumer Stadtgrenze, um von dort aus möglichst unbegleitet Richtung Ruhrstadion zu fahren. Natürlich waren die Gesetzeshüter relativ fix an unserem Treffpunkt angelangt, jedoch lief das Ganze entspannt ab. Zwar machten die Bullen die U-Bahn kurzerhand zu einer Direktfahrt Richtung Hauptbahnhof, so dass wir nicht wie geplant vorher aussteigen konnten. Trotz des relativ großzügigen Umwegs, über den die Cops uns führten und die leichten Verzögerungen aufgrund von Personalienkontrollen, erreichten wir das Stadion dennoch einigermaßen zeitig und hatten die Möglichkeit, uns im Block zu positionieren.

Nordkurve Gelsenkirchen

Dafür wichen wir, wie auch im Jahr zuvor, auf den Hintertor-Sitzbereich aus. Hier hatten wir die Möglichkeit, uns mit den Gruppen breiter aufzustellen und den dennoch bescheidenen Block möglichst optimal nutzen zu können. Alles besser als der eigentliche Stehbereich im Ruhrstadion.

Der heutige Auftritt der Nordkurve Gelsenkirchen reihte sich im folgenden leider in die der letzten Partien ein. Bereits vor der Winterpause bemerkten wir eine Lethargie, eine Antriebslosigkeit und fehlenden Willen innerhalb der Kurve. Dies ließ sich leider sowohl bei Heim- als auch bei Auswärtsspielen erkennen. Selbstverständlich darf es nie der Fall sein, dass so etwas eintritt. Schon gar nicht in Spielen mit einer gewissen Brisanz sowie als Tabellenerster und derzeitiger Aufstiegskandidat. Zwar muss man sagen, dass das Ganze in der zweiten Halbzeit einen Ticken besser geworden war und man den ein oder anderen lauteren Moment erwischte, in Anbetracht der Gesamtsituation und auch unter Berücksichtigung des Gegentreffers in der ersten Minute, war das jedoch nicht zufriedenstellend. Lediglich die Schalparaden zu “Stadt der 1000 Feuer” und “E-jo FC Schalke” sahen sehr gut aus. Auch nach dem Anschlusstreffer, der vorher zu Unrecht abgepfiffen wurde und auch nach dem Tor, das später der VAR zurücknahm, konnten wir uns, leider nur kurzzeitig, aber dennoch immer wieder motivieren. Hier müssen wir den eigenen Ansprüchen in puncto Stimmung und Ausrastfaktor wieder gerechter werden und diese Momente mehr für uns selbst nutzen.

Im Laufe der ersten Halbzeit zeigten wir einige Utensilien der Bochumer, die uns in der Vergangenheit in die Hände gefallen sind. Sicherlich ein paar ärgerliche Exemplare für die Gegenseite, die da am Zaun hingen…

Außerdem richteten wir per bereits aus Dublin bekannten, zweigeteiltem Spruchband, Worte der Unterstützung an unsere Jungs mit Betretungsverbot:

„Wer euch brechen will, wird daran zerbrechen!“

„Gegen alle Betretungsverbote!“

Gegner

Die Bochumer zeigten zum Intro eine Choreo aus blauen Pappen und weißen Fahnen, die ein „VfL“ in die Kurve zeichneten, sowie den Spruch „Perle im Revier“ am unteren Ende des Blocks. Eine simple Aktion, die immerhin funktionierte. Auf der rechten Seite wurden die Pappen jedoch sehr früh heruntergenommen.

Insgesamt war der Auftritt der Ostkurve lautstärke- und mitmachtechnisch relativ passabel. Hin und wieder waren die Bochumer laut, teilweise ist das Stadion mit in die Gesänge eingestiegen. Insgesamt war das Ganze sehr spielbezogen, aber auch nichts Weltbewegendes. Für das Nichterscheinen am Vorabend dann aber ganz schön viel Gepöbel.

Generell kann das Liedgut in BO als grausam betitelt werden. Vor allem das „So geh’n die Bochumer…“ am Ende löste massiven Fremdscham aus. Das Lied auf „Katherine“ hingegen stach positiv heraus und hat beim Publikum gut gezogen. Im Gegensatz zum letzten Spiel war der Tifo höher und breiter verteilt. Zu Gast bei UB waren Ultras aus Bologna, bei RSK stand Münster in den Reihen. Darüber hinaus zeigte RSK ein Spruchband für die tödlich verunglückten Fans von PAOK.

Außerdem zeigte die Ostkurve während des Spiels mehrmals ein Banner mit der Forderung „für immer Ruhrstadion“. Neben besagtem Banner hingen vor und neben der Kurve noch zwei weitere Zaunfahnen mit „Ruhrstadion“. Hier hätten wahrscheinlich noch weitere am Dach, auf der Haupttribüne und an der Imbissbude gefehlt, damit es wirklich jeder sieht.

Freunde

Vielen Dank an unsere Freunde aus Nürnberg und Enschede, die uns heute wieder einmal unterstützt haben!

 

Nach dem Spiel

Wie bereits vor dem Spiel erwartete uns auch nach dem Spiel eine übertriebene Polizeipräsenz mit Beteiligung aller möglichen Einheiten. Diese führten uns zurück zum Hauptbahnhof, so dass wir in die U-Bahn steigen und Richtung Heimat aufbrechen konnten.

Sonstiges

Einige Tage vor dem Spiel veröffentlichte die aktive Fanszene des VfL Bochum einen Flyer, in dem auf ein Sondertrikot aufmerksam gemacht wurde. Dieses sollte laut Vereinsmeldung erstmals zum Spiel gegen uns getragen werden. Darin kritisiert die aktive Fanszene, wie bereits in der Vergangenheit, die Farbwahl des Trikots, welches sich nicht auf die Vereinsfarben beschränkt beziehungsweise diese beinhaltet.

Gegnervorstellung

Der VfL Bochum wurde 1938 durch Zusammenschluss des Turnvereins Bochum 48, Germania 06 und des TuS Bochum gegründet. Als offizielles Gründungsdatum wird sich dennoch auf das 90 Jahre frühere Jahr 1848 berufen. Seine Heimspiele trägt der Verein im Ruhrstadion mit Platz für 26.000 Fans aus, wobei die Namensrechte des Stadions seit der Saison 2006/07 an Sponsoren vergeben sind. Nennenswerte sportliche Erfolge hat der VfL bis heute nicht verzeichnet.

Rechtsform:

Stammverein ist der Verein für Leibesübungen Bochum 1848 Fußballgemeinschaft e. V. und zählt knapp 33.000 Mitglieder. Die Fußballabteilung des VfL wurde jedoch im Jahr 2017 hin zur VfL Bochum 1848 GmbH & Co. KGaA ausgegliedert. Beachtenswert ist in diesem Zusammenhang die enorme Mehrheit von über 80% der Stimmen. Ein lange anhaltender Boykott der aktiven Fanszene war damals die Folge.

Fanszene:

Die Bochumer Fanszene hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten einige Veränderungen durchgemacht. Fester Bestandteil der Ostkurve ist seit 1999 die zentrale Gruppe Ultras Bochum, welche sich nach außen hin politisch links positioniert. Daneben ist insbesondere das relativ junge Ruhrstadtkollektiv zu nennen, das direkter Nachfolger der Gruppe Melting Pott ist, welche mit der Ausgliederung des Vereins ihre Aktivitäten im Stadion 2017 einstellte. Zuvor gab es noch die Gruppe Whatever it takes Ultras welche als Vorgängergruppe von Melting Pott gesehen werden kann.

Vor dem Gastspiel des FC Schalke in Bochum vergangene Woche stellte der VfL ein in schwarz gehaltenes Sondertrikot vor, angelehnt an die Bergbau- und Stahlindustrie-Historie der Stadt. Ein gemeinsamer Protest der aktiven Fanszene allerdings sorgte dafür, dass die Mannschaft letztlich doch in Blau zum selbsternannten „Derby“ auflief.

Freundschaften:

Freundschaften bestehen zum FC Bayern München, SC Preußen Münster und zum FC Bologna.

Feinde:

Weniger freundschaftlich gegenüber steht man insbesondere den Ruhrpottvereinen aus Dortmund, Wattenscheid und dem FC Schalke. Außerdem kann in dieser Auflistung noch Arminia Bielefeld genannt werden.

 

Nordkurve Nürnberg

Aktuelle Lage

Zum Freitagsausflug nach Darmstadt hatte die Nordkurve eine optische Aktion im Gepäck. Ein Nordkurve-Spruchband wurde zwischen Steh- und Sitzplatz hochgehalten. Anschließend leuchtete es kurz in beiden Bereichen. Schönes Intro – gebracht hat es leider nichts, das sportliche Geschehen auf dem Platz ging mit 0:2 verloren.

Beim Heimspiel gegen Preußen Münster konnte die Nordkurve mit einigen Fackeln über das Spiel verteilt auf sich aufmerksam machen. Spruchbänder gegen die zur Zeit wieder vermehrt aufkommenden und unverhältnismäßigen Einsätze der Bullen waren ebenfalls zu sehen.

Die Nürnberger Elf auf dem Rasen kam nicht über ein 1:1 hinaus, obwohl man für einige Minuten in Führung ging. 

Tabellarisch ist man vor Beginn des jetzigen Spieltages in der goldenen Mitte auf Platz neun. Heute besteht in Paderborn aber die Chance, dies zu ändern. Wir drücken natürlich nicht nur aus egoistischen Gründen die Daumen. Nächste Woche kommt der KSC ins Achteck, eine Partie, die zumindest auf den Rängen viel verspricht.

VAK-P Enschede

Aktuelle Lage

Der FCT bleibt in 2026 ungeschlagen. Allerdings konnten die Tukkers in den letzten beiden Partien nur ein Unentschieden holen. Im Heimspiel gegen Excelsior blieb es torlos und beim NAC Breda trennte man sich 2:2. Somit steht Twente aktuell auf Tabellenplatz sieben. 

Als nächstes spielen die Roten bei AZ Alkmaar ums Halbfinale im KNVB Beker. In der Liga geht es mit dem Heimspiel gegen Heerenveen weiter.

Komiti Skopje

Aktuelle Lage

Der mazedonische Fußball befindet sich weiterhin in der Winterpause. Nächste Woche geht es dafür dann direkt doppelt weiter. Unter der Woche wird der aufgrund von Wahlen abgesagte Spieltag, der ursprünglich im November gewesen wäre, nachgeholt. Anschließend folgt dann am Wochenende der reguläre Liga-Auftakt ins neue Jahr.

 

Curva Sud Siberiano

Aktuelle Lage

Wie schon beim Hinspiel hat die Fanszene der Granata das Spiel gegen die Zweite von Atalanta nicht besucht. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die Spiele werden als charakterlos empfunden, da es keine gegnerische Stadtgeschichte, keine lokale Rivalität und oft auch keine gegnerischen Fans gibt, mit denen man sich messen kann. Für die Ultras von Salerno ist die Einführung von U23-Teams ein Projekt der „großen“ Vereine (aus der Serie A), um ihre Talente unter Wettbewerbsbedingungen zu parken, ohne diese an kleinere Vereine verleihen zu müssen. Viele Fans empfinden es als unfair, dass Zweitmannschaften Plätze in der Liga besetzen, die sonst an historische Vereine aus kleineren Städten gehen würden. Mit ihrem Boykott drücken die Ultras ihre klare Ablehnung gegen den modernen Fußball aus. 

Das Spiel, das gemeinsam vorm TV verfolgt wurde, konnte 0:1 für Granata entschieden werden und auch beim darauffolgenden Auswärtsspiel gegen Sorrento konnten die drei Punkte mit nach Hause genommen werden. Beim Heimspiel gegen Giugliano trennte man sich unentschieden, sodass die Salernitana mit aktuell 46 Punkten Tabellendritter ist.

US Salernitana – Giugliano Calcio 1:1 (1:0)

Nachdem ich am großen Besuch Anfang Januar aufgrund von Unistress und Co. nicht teilnehmen konnte, aber definitiv den Fratelli zeitnah nochmal einen Besuch abstatten wollte, kristallisierte sich das Spiel nach unserem Auswärtskick in Bochum schnell heraus. Also nach dem Gruselkick im kalten Bochum schnell ins Auto und auf in Richtung Aeroporto. Der Tag ging allerdings weiter wie er begonnen hatte und mit 45 Minuten Stau im Gepäck kamen mein Mitstreiter und ich am Gate an. 

Die Maschine Richtung ewige Stadt war sehr gut im Zeitplan und wir erreichten Fiumicino 25 Minuten früher als geplant. Die gebuchte Bahn erreichten wir dank eines unfähigen Schaffners allerdings trotzdem nicht, inklusive anschließendem Wortgefecht zwischen den beteiligten Protagonisten. Naja, machste nichts und der Tag hatte ja noch ein versöhnliches Ende mit diversen Bieren unweit des Tibers in Trastevere. Wer mal in Rom ist, sollte es sich nicht nehmen lassen, abends die engen Gassen zu besuchen.

Am nächsten Morgen ging es dann nach einem kurzen Spaziergang am Forum Romanum vorbei Richtung Termini und mit dem Italo Richtung Amalfi Küste. Bei 300 km/h und einigen Bieren verging die Zeit wie von selbst und so erreichten wir in der Mittagssonne bei 18 Grad Salerno. Den Nachmittag verbrachten wir an der Bar Sanata Teresa mit einem weiteren Mitglied unserer Gruppe, ehe es nach einer kurzen Stärkung Richtung Räumlichkeiten von NG ging. Dort angekommen ging es nach allen Begrüßungen aber schnell weiter Richtung Stadion, da die Curva Sud nochmals Spenden für den kleinen Samuele Marcelli sammeln wollte, der traurigerweise im vergangenen November mit nur neun Jahren an einer seltenen Krankheit verstarb. Ihm zu Ehren wurde auch eine Schwenkfahne angefertigt. Vor dem Stadion angekommen wurden wir allerdings entführt und verbrachten die nächsten zwei Stunden noch in einer nahegelegenen Pizzeria mit diversen Salerno-Anhängern. 

Bei guten Gesprächen und viel Stickertauscherei verging die Zeit aber wie im Flug und wir enterten die Curva Sud circa 30 Minuten vor Anpfiff. Schnell noch positioniert und dann legte die Curva Sud auch schon direkt los. Die Mannschaft bedankte sich bei der Kurve für den guten Auftritt mit der 1:0-Führung nach einer Viertelstunde. Die Stimmung der ersten Halbzeit war im Anschluss ausgelassen. Leider verpassten es die Granatroten, noch einen Treffer nachzulegen, was sich natürlich in der zweiten Halbzeit rächen sollte. Der Ausgleich war schon ein Schock, aber es wurde alles in die Lieder gehauen, um doch noch die drei Punkte gegen den Tabellenletzten mitzunehmen. Von Erfolg gekrönt war das Ganze leider nicht, die Curva Sud war dementsprechend bedient und schickte die Mannschaft direkt in die Kabine. 

Nach dem Spiel ging es noch eine Stunde zu Centro Storico in den Club und nach dem Abschlussbierchen ging es geschafft ins Bett. So hieß es am nächsten Morgen Ciao und die Rückreise stand auf dem Plan. Die Zeit verging leider wie immer viel zu schnell, aber der nächste Besuch kommt bestimmt!

Im Stimmungstief oder die Last des Führenden?

Lethargie, Antriebslosigkeit, fehlender Wille. Das sind die Worte, mit denen der Auftritt der Nordkurve Gelsenkirchen in Bochum ein paar Seiten zuvor beschrieben wird. Worte, die ziemlich genau das beschreiben, was ich sehe, wenn ich mich während der Spiele in die eigene Kurve umdrehe und in die Gesichter vieler Schalker schaue. 

Unten auf dem Rasen spielt eine junge, motivierte Truppe, bei der man wirklich spürt, dass sie alles versucht, um jedes einzelne Spiel zu gewinnen. Man spürt, dass Trainer, Staff und Mannschaft eine Einheit sind, dass kontinuierlich gearbeitet wird und dass unsere Vereinsführung inklusive des sportlichen Managements Ideen und daraus resultierende Ziele nachhaltig verfolgt. Wir sind derzeitiger Tabellenführer, Aufstiegskandidat und haben eine Ausgangslage, die wahrscheinlich so gut ist wie selten zuvor. Eigentlich stehen alle Zeichen auf Grün und es gibt wenig, das gegen eine laute, emotionale und eskalierende Kurve sprechen dürfte.

Doch genau das scheint derzeit das Problem der gesamten Schalker Anhängerschaft, sowohl bei unseren Heimspielen als auch bei diversen Auswärtsspielen, zu sein. Mit steigender Erwartung aufgrund einer guten Tabellenplatzierung und dem damit automatisch verbundenen möglichen Aufstieg, steigen die Ansprüche an die sportlichen Geschehnisse auf dem Platz sowie damit einhergehend die Nervosität während der 90 Minuten. Führen wir, ist jeder angespannt, dass wir den Ausgleich kassieren, liegen wir zurück, ist jeder angespannt, dass wir den Ausgleich nicht mehr schaffen. Bedeutet: Keiner bekommt den Mund auf, was dazu führt, dass wir die Geschehnisse auf dem Platz nicht zu unseren Gunsten beeinflussen können. Immer wieder hören wir es von den Spielern: „Die Stimmung hat uns maximal gepusht“, „wir konnten über die Grenzen hinausgehen“, „Heimspielatmosphäre“. Aber genau für diese Dinge ist jeder einzelne von uns in der Kurve selbst verantwortlich. Jeder ist verantwortlich, eine Atmosphäre zu erzeugen, die gar nichts anderes zulassen kann, als einen Sieg für Schalke 04, und die am Ende der Saison vielleicht sogar den Aufstieg realisiert. 

Auf dem Platz kann vieles passieren, es gibt viele Eventualitäten, viele Zahnräder müssen ineinander greifen und auch ein Quäntchen Glück gehört dazu. Es gibt viele Akteure, bei denen jeder einzelne seine Aufgabe erledigen muss, um am Ende gemeinsam erfolgreich zu sein. Einer dieser Akteure, am Rande des Platzes, sind wir. Die Nordkurve Gelsenkirchen mit ihrer gesamten Anhängerschaft, egal wo in Deutschland. Wir gemeinsam müssen die Aufgabe erfüllen, alles Mögliche dafür zu tun, dass die Spieler auf dem Platz alles geben können. Wir sind, möglicherweise, am Ende der Saison das Zünglein an der Waage. Nur wir haben die Möglichkeit, die Stimmung von den Rängen auf den Rasen überschwappen zu lassen. Und das Mittel, um genau diese Atmosphäre und diese Emotionen auf den Platz zu übertragen, ist unsere Stimme. Es sind unsere Fahnen, unser Klatschen und unsere Lieder.

Und der Fahrplan dafür ist klar: Lassen wir uns nicht durch die an die eigene Erwartungshaltung gekoppelte Anspannung beeinflussen und halb-schweigend einem Tor entgegenzittern sondern im Kollektiv jedes einzelne Lied mit den gleichen Emotionen vortragen, als wäre es DAS entscheidende Lied am letzten Spieltag um den Aufstieg. Schließt die Augen, ballt die Fäuste, schreit unseren FC Schalke 04 nach vorne, lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass von Anfang an klar ist, wer hier das Spiel gewinnt. Denn erst, wenn wir unseren eigenen Soll erfüllt haben und mit Stolz behaupten können, heute alles Mögliche gegeben zu haben, erst dann kann jeder von uns zufrieden sein. Wir haben das Zepter selbst in der Hand, wir müssen es nur nutzen.

Max

Mit der heutigen Ausgabe startet eine kleine Kolumbien-Reihe im Blauen Brief. Wir konnten die Gruppe Comandos Azules vom Millonarios FC für ein Interview gewinnen, welches wohl in Deutschland bisher seinesgleichen sucht, denn aus Kolumbien ist noch nicht viel in unsere Gefilde gelangt. Bevor wir aber mit diesem starten, möchten wir euch zur Einstimmung zwei Spielberichte von den Derbys der Millonarios liefern, die einen ersten Eindruck liefern, was in Kolumbien so los ist.

Die Spielberichte sind bereits im sehr empfehlenswerten Hopping-Heft ¡A la cancha!, aus Schalker Feder, erschienen. Wer es bisher noch nicht gelesen hat, sollte spätestens bei der nächsten Ausgabe am Infostand zuschlagen.

Kolumbien-Reihe

Independiente Santa Fe – Millonarios FC 3:2, Estadio El Campín, 22.03.2025

Da mein Mitreisender und unser Gastgeber am Vorabend lange die Stadt unsicher gemacht hatten, fuhr ich erstmal per Uber in die Stadt und frühstückte etwas. Praktischerweise ist Koma, ein ehemaliger S04-Allesfahrer, vor einigen Jahren nach Bogotá ausgewandert und hat dort sehr guten Kontakt zu den Barras von Millonarios FC. So konnte nicht nur die Übernachtungsmöglichkeit in Bogotá und die Tickets für beide Clásicos (das Heimspiel von Millonarios vom 17. Spieltag wurde wegen eines Konzerts im Stadion praktischerweise vorverlegt) entspannt eingetütet werden – danke dafür! – sondern auch wirklich in die dortige Fankultur hereingeschnuppert werden, doch dazu später mehr.

Erstmal wurde ich nach deren Erwachen eingesammelt und für die Jungs gab es ein kolumbianisches (Kater-)frühstück und für mich eine Suppe als zweites Frühstück. Nach dem Erledigen von Standardkram wie Geld wechseln und Klamotten wegbringen ging es erstmal ins Barrio der La Banda Kilombo Norte, einer Untergruppe der Comandos Azules, einer der großen Barra Bravas von Millonarios FC. Dort stieß nach zwei Bieren in einem Kiosk das erste Mitglied der LBKN zu unserer illustren Reisegruppe.

Wir gingen uns noch kurz umziehen, da zum Beispiel Gürtel in der Kurve nicht erlaubt sind. Da ich stolz berichten kann, dass ich seit der letzten Ausgabe einige Kilo verloren habe, ging das mit meiner Hose so gar nicht auf, weswegen Koma mir mit einem Schnürsenkel aushalf, der fortan meine Hose an Ort und Stelle hielt.

Gut vorbereitet konnte es somit losgehen zum Treffpunkt am Stadion, wo ein „Korridor“ für die Gäste geschaffen wurde, über den zeitlich und örtlich die Anreise zu erfolgen hat. Dass es überhaupt Karten für die Gäste gab, war tatsächlich keine Selbstverständlichkeit. Denn während bei Gastspielen von Santa Fe wohl immer Tickets für die Gäste ausgegeben wurden, war das bei Millonarios sehr häufig nicht so.

Am Treffpunkt wurden wir von zahlreichen Mitgliedern der LBKN und allgemein von Comandos Azules begrüßt und ein ums andere Mal war unsere Hautfarbe Thema und wir das Ziel einiger kritischer Blicke. Meistens im Spaß, aber einige finden Ausländer in ihren Reihen verständlicherweise nicht sonderlich cool. Unser Besuch war allerdings mit der Führung des Comandos Azules abgesprochen.

Fabian und ich schlugen bei einem lokalen Händler zu und gönnten uns alte Trikots von Millonarios für umgerechnet knappe 15 Euro. Damit waren wir schonmal etwas angepasster unterwegs, auch wenn wir an der Hautfarbe so schnell nichts ändern konnten.

Eingestimmt wurde sich bei Essen und zahlreichen Bieren von den fliegenden Händlern, wobei ich mit einem Fleisch- und Wurstspieß mit einer ganzen Kartoffel oben dran und einem Bällchen aus Maisteig gefüllt mit Gemüse und Ei sehr happy war.

Vor Ort wurden schon viele Stunden vorm Einlass die Schwenkfahnen auf die Stöcke gezogen und reichlich geschwenkt, wobei sich hin und wieder auch warmgesungen wurde. Ein koordiniertes Einsingen gab es jedoch nicht.

Die Atmosphäre war sehr entspannt, wobei ich sie für ein Derby als etwas zu chillig empfunden habe. So eine gesunde Anspannung hatte ich erwartet, ich kann mich aber auch in der Wahrnehmung getäuscht haben. Der Hass zwischen beiden Fanlagern ist wohl nicht zu unterschätzen, da er vor allem auch mit (Waffen-)Gewalt Ausdruck findet.

Glimpflich ging es heute für drei verirrte Jungs von Santa Fe aus, die mit ihren knallroten Trikots die Straße am Treffpunkt entlangliefen. Sie wurden nur beleidigt und mit allerlei Dingen beworfen, die gerade gut in der Hand lagen. „Selbst schuld“, dachte sich wohl auch die anwesende Polizei, die sich das Spektakel anschaute und dabei herzhaft lachte.

Das gesamte Material an Zaun- und Blockfahnen war schon frühzeitig ins Stadion gebracht worden und auch die andere große Gruppe – Blue Rain – war zwischenzeitlich mit ihrem Material vorbeigelaufen. Die beiden Gruppen haben eine lange Historie, in der man sich so gar nicht verstanden hat und es auch mehrere Verletzte gab. Die Hintergründe waren vielfältig: Vormachtstellung in der Kurve, das Recht Klamotten zu verkaufen und diverse sonstige Machenschaften. Aktuell steht man wieder in der Nord quasi nebeneinander, allerdings in unterschiedlichen Blöcken auf unterschiedlichen Rängen und mit unterschiedlichen Eingängen sowie Treffpunkten. Das ist eher als Waffenstillstand zu betrachten und gut verstehen tut man sich weiterhin nicht. Supportet wird auch nicht dauerhaft einheitlich, sondern meistens jeder für sich, wobei Comandos Azules den größeren Haufen stellt.

Eine ähnliche Spaltung in zwei Lager gab es auch mal bei Comandos Azules, die ebenfalls mit Waffengewalt ausgetragen wurde und einige Tote zur Folge hatte. Mittlerweile ist das aber komplett Vergangenheit und Personen von beiden Seiten stehen wieder gemeinsam im Block und sind teilweise sogar in der gleichen Untergruppe organisiert.

Als wir dann im Stadion waren, erreichte uns noch die Nachricht, dass Santa Fe den Mannschaftsbus von Millonarios angegriffen hat, wofür auch hier schon Spiele abgesagt wurden. Ohne weitere Details erfahren zu haben, war ich dennoch sehr froh, dass das Spiel dann nachher pünktlich angepfiffen wurde.

Wir standen recht weit oben in der Kurve, am Standort der LBKN unter deren Fahne mit der Aufschrift Salchi. Salchicha – so der Spitzname des Verstorbenen Mitglieds der Vor-Vorgänger-Gruppierung des LBKN – war 1999 federführend daran beteiligt, dass in einem sehr blutigen Kampf einige Zaunfahnen der La Guardia von Santa Fe erbeutet wurden und genießt deswegen bis heute Legendenstatus. Daher ziert statt des Gruppennamens eben sein Name die Zaunfahne der Untergruppe.

Vor Spielbeginn waren wir noch einige Male Mittelpunkt der zahlreichen Gespräche und Blicke, bekamen aber auch viele Handshakes und nicht nur einmal Koks angeboten. Das gibt es hier wenig überraschend wohl in guter Qualität für ‘nen schmalen Taler.

Zum Start hatte Santa Fe eine kleine Choreo vorbereitet, in dem der Pokal der Copa Sudamericana als Blockfahne heruntergelassen und dazu ein Spruchband mit der Aufschrift „Unsere Geschichte ist euer Traum“ gezeigt wurde. Zeitgleich wurde auf der Gegengeraden eine große Blockfahne mit der Aufschrift „Ihr könnt es sehen, aber nicht anfassen“ gezeigt. Quasi selbsterklärend, denn Santa Fe hat 2015 die Copa Sudamericana, den zweithöchsten Vereinstitel im CONMEBOL, gewonnen und Millonarios kann keinen relevanten internationalen Titel sein Eigen nennen.

Die Kurven starteten beide mit herausragender Lautstärke ins Spiel, wo man wirklich sagen kann, dass sich Europa davon deutlich mehr als nur eine Scheibe abschneiden könnte. Phasenweise hat bei Santa Fe das ganze Stadion mitgezogen und bei Millonarios waren wir Kartoffeln wirklich die einzigen, die – wegen der Sprachbarriere – nicht komplett freigedreht sind. Lediglich bei „Vamos Azules“ und „Puta Santa Fe“ konnte ich mich einbringen und auch den Text verstehen und mitgrölen.

Die Melodien und teilweise auch die Texte sind in ganz Südamerika quasi identisch und daher war an der Front nichts neues zu erwarten, aber die spanische Sprache gepaart mit den Melodien sorgt schon für zahlreiche Ohrwürmer, auch wenn man nichtmal die Hälfte versteht.

Cool sind definitiv auch noch die Instrumente, die in der Kurve gespielt werden. Meistens beginnen die Lieder damit, dass die Vorsänger sie anstimmen, die Kurve und die Blasinstrumente einsteigen und nach ein bis zwei Durchgängen die Trommeln dazukommen und die Lautstärke noch mal gehörig explodiert. Diese Übergänge sind wirklich Gänsehautmomente, wie man sie in Deutschland nur bei wirklichen Highlights hinbekommt. Wahnsinn.

 Im Spielverlauf konnte man bei uns die Heimkurve nur ganz selten vernehmen, wenn sie das ganze Stadion motiviert bekamen und bei Millonarios gerade eine kurze ruhigere Phase war. Ansonsten kann man sagen, dass man die Jungs und Mädels der La Guardia „wegen der eigenen Aktivität“ nicht wirklich vernehmen konnte. Obwohl ich glaube, dass auch sie einen sehr guten Auftritt hatten, da man mindestens die ganze Kurve dauerhaft springen sah.

 Wie erwartet fiel bei Millonarios auf, dass Blue Rain in der von uns linken, etwas nach unten versetzten Ecke der Kurve die meiste Zeit ihr eigenes Ding durchzogen. Hin und wieder – keine Ahnung, ob das nur Zufall war – wirkte es, als würden beide Kurven zusammen singen.

Der Spielverlauf war gefühlt relativ langweilig, obwohl es fünf Tore und eine rote Karte für Millonarios gab. Bemerkenswert ist an der Stelle, dass man nach Gegentoren und der roten Karte kaum einen negativen Einfluss auf die Stimmung wahrnehmen konnte.

Generell war das Spiel auch sehr hitzig inklusive mehrerer Rudelbildungen, wobei es nach der Roten gegen Millonarios richtig wild und unübersichtlich wurde. Am Ende nahm der VAR die ursprüngliche rote Karte zurück, dafür bekam ein anderer Spieler für die Rangeleien eine unter die Nase gehalten.

Darüber hinaus mussten die Spieler bei Auswechslungen mehrfach durch den Schiri vom Platz begleitet werden, da sie scheinbar komplett das Laufen verlernt hatten. Manch ein Spieler von Santa Fe wurde auch von einem Millonarios-Kollegen die letzten zwei Meter runtergeschubst. Insgesamt scheint die Disziplin im kolumbianischen Fußball etwas abhandengekommen zu sein. Nach roten Karten wird nämlich geschlagene drei Minuten demonstrativ auf dem Feld stehen geblieben und auch die klassischen Stör- oder Zeitverzögerungsaktionen werden wahnsinnig intensiv durchgeführt. Echt schon krass nervtötend. Besonders Santa Fe wirkte da auf mich äußerst unsympathisch, lag allerdings halt auch die meiste Zeit in Führung und rettete das 3:2 im Endeffekt auch über die Zeit.

Nach dem Abpfiff gab es noch eine etwas längere Blocksperre, ehe wir wieder auf den Vorplatz gehen und etwas zu essen kaufen konnten.

Millonarios FC – Independiente Santa Fe 2:0, Estadio El Campín, 26.03.2025

Morgens ging es abermals in den Flieger und zurück nach Bogotá. Wir trudelten wieder bei Koma ein und verbrachten seine Mittagspause in einem Crêpes- und Waffelladen mit dem einfallsreichen Namen „Crepes & Waffles“, der sich hier äußerster Beliebtheit erfreut und diesen guten Ruf auch absolut zu recht innehat.

Gut gestärkt erledigten wir noch einige Besorgungen, ehe wir uns wieder mit den Jungs von La Banda Kilombo Norte trafen und die ersten Bierchen zischten.

Zeitnah ging es zum Treffpunkt der Comandos Azules nahe des Stadions, wo der von der Polizei gestattete Bewegungsradius diesmal deutlich größer war und wir zunächst einem Kiosk mit zahlreichen Sitzgelegenheiten einen Besuch abstatteten.

Der Laden platzte ziemlich zügig, nachdem wir uns mit den ersten Bieren auf Komas Nacken niedergelassen hatten, wirklich aus allen Nähten. Als ich mich auch mal mit einer Runde bei den Jungs revanchieren wollte und zum Bier holen aufbrach, gab es im Gedränge wie immer die typischen skeptischen Blicke, wobei ich diesmal sogar von einem der Jungs von LBKN verfolgt wurde, da er mir wohl den Einkauf der Biere nicht zutraute. Als ich seine auf spanisch gestellte Frage, ob ich denn Spanisch spreche, verneinte, lachte er, schüttelte den Kopf und übernahm den Bestellprozess. Auch wenn ich wohl in jedem Land eine Bierbestellung hinbekomme, war ich froh, immerhin bezahlen zu dürfen.

Als wir noch unter dem Vordach des Kiosks verweilten, brach draußen mal wieder ein monsunartiger Regenschauer aus, bei dem wir ziemlich froh sein konnten, über überdachte Sitzplätze zu verfügen. Da hätte ich mir wohl den sicheren Tod abgeholt, wenn ich komplett durchnässt bei 15 Grad Celsius noch einige Stunden hätte draußen verbringen müssen.

Comandos Azules hatte öffentlich aufgerufen, nicht im Trikot beziehungsweise in zivil zu erscheinen, da die Polizei nach dem Spiel gerne die Treffpunkte auflöst, weil es rund ums Stadion nicht ganz so viel zu tun gibt und sie die Leute gerne schnell weghaben wollen.

Zudem sollte jeder, der das Clásico „richtig fühlt“, sein Gesicht blau anmalen. Wofür man in unseren Gefilden wohl zurecht hart ausgelacht werden würde, fand hier doch einigen Zuspruch. Auch die Führungsetage der Comandos Azules konnte nachher mit komplett dunkelblauem Gesicht beobachtet werden und ganz so Panne, wie ich es mir vorgestellt habe, sah es tatsächlich nicht aus. Koma sagte, dass das zumindest auf Kurvenfotos halt extrem gut wirkt.

Zum Einsingen vor der Kurve wurde ebenso aufgerufen und wer hier die Videos aus San Lorenzo und Co vor Augen hat, wird wissen, was uns hier – wenn auch in etwas kleinerem Maßstab – erwartete. Wahnsinn! Ich würde euch am liebsten mein Video hier im Heft abdrucken, aber leider funktioniert das beim ¡A la Cancha! noch nicht wie beim Tagespropheten. Wir arbeiten dran. Aber im Ernst: Gegen dieses Einsingen stinkt wirklich jedes deutsche Derbyeinsingen hart ab. Da wird auf jeder Empore, auf den Treppen, auf dem Kassenhäuschen und auf den Zäunen unterhalb der Kurve von wirklich jedem herumgesprungen, als gäb’s kein Morgen mehr. Dazu ein Meer aus Fahnen, lautstarke Gesänge und natürlich instrumentalische Begleitung. Wirklich mal ein Erlebnis, da so mittendrin zu sein. Und als Hopper aufgrund der baulichen Gegebenheiten des Stadions tatsächlich auch ohne „Aufenthaltsgenehmigung“ sonst nicht möglich. Wir wurden nämlich dieses mal im Block auch ganz direkt angesprochen, woher wir kommen und mit wem wir hier sind. Dem Gesichtsausdruck nach zu urteilen wäre bei falscher Antwort ein Rausschmiss aus der Kurve wohl unser geringstes Problem gewesen. Mit der Antwort LBKN, die auch direkt einige Kolumbianer um uns herum herausbölkten, waren die Fragesteller aber stets zufrieden und begrüßten uns dann in ihren Reihen.

Der Support im Block war dann, wie man mittlerweile sagen kann, so lautstark und abwechslungsreich wie gewohnt. Erstaunlich war hier nur, dass bei einem nahezu komplett blau-weißen Stadion die Lieder selten alle von den Sitzen rissen. Dies lag weniger daran, dass es irgendwem an Motivation gefehlt hätte, sondern schlicht und ergreifend an dem unabgestimmten Support der beiden Kurven. Teilweise war Comandos Azules für einen kurzen Moment leise und die zur rechten liegende Haupttribüne stieg in die Gesänge von Blue Rain ein. Sobald Comandos Azules aber wenige Sekunden später wieder Vollgas gab, verstummte die Tribüne, da man mit dem gleichzeitigen Support der beiden Gruppen verständlicherweise so gar nicht zurechtkam. Selbiges ergab sich umgekehrt mit der Gegengerade neben Blue Rain in stillen Phasen ebendieser.

Das muss für Hopper auf einer der beiden Tribünen natürlich eher frustrierend sein, da die gesamte Fanszene so quasi nie ihr Potential abruft, da einfach stumpf gegeneinander angesungen wird. Sehr schade.

Genügend Gründe, das volle Potential abzurufen, gab es heute durchaus, denn dieses Spiel verlief deutlich positiver als das letzte. Nach einer recht frühen roten Karte in der 29. Minute für Santa Fe – die ich während des Spiels wirklich komplett verpasst habe – gelang nach zwei Treffern in der zweiten Hälfte ein ungefährdeter 2:0-Sieg. Die eine oder andere Rudelbildung durfte da natürlich nicht fehlen, sonst wäre es schließlich kein kolumbianisches Erstligaspiel.

Nach dem Spiel ereignete sich etwas völlig Absurdes: Während beim Hinspiel logischerweise die Heimfans direkt nach Hause gehen durften und wir mit Blocksperre noch etwas ausharren mussten, durften diesmal unverständlicherweise wieder die Fans von Santa Fe direkt nach Abpfiff abhauen. Und das gesamte restliche Stadion hatte eine Blocksperre. Junge, wie dumm ist das denn? Kannste keinem erzählen.

Als wir dann endlich raus durften und bei Kaltgetränken und geilen Chorizo-Hotdogs noch auf ein aufgrund von Kommunikationsproblemen abhandengekommenes Auto der Jungs von LBKN warteten, laberte mich auf einmal ein fliegender Händler beziehungsweise Bettler in Millonarios-Klamotten etwas aufdringlich auf Spanisch voll, wo ich denn herkäme. Auf meine Aussage „Alemania“ war seine Antwort „Schalke cero cuatro“, woraufhin man sich bis auf seine aufdringliche und etwas vercrackte Art auf Anhieb gut verstand. Da er aber mit der Zeit etwas zu weit in die eigene Wohlfühlzone vordrang und dabei immer lauter wurde, weil er auf seinen Drogen offensichtlich nicht verstanden hatte, dass ich gar kein Spanisch spreche, schaltete sich einer der Jungs von LBKN ein und setzte dem Treiben ein Ende. Nach einem Wortgefecht der beiden, wonach sich der Bettler kurz verzogen hatte, kam er wieder und wurde nach einer erneuten Entgleisung und der Weigerung sich zu verkrümeln kurzerhand umgetreten, was bei den nur drei Meter daneben stehenden Polizisten nur Achselzucken und Grinsen hervorrief. Das wäre bei uns vermutlich auch anders verlaufen.

Naja, so fand dann auch der letzte wilde Abend ein Ende, wo nochmal ordentlich in die hiesige Fankultur eingetaucht werden konnte. Vor allem das Einsingen hinterließ bei mir einen bleibenden Eindruck.

Dortmund: Am Rande des Champions-League-Spiels zwischen Borussia Dortmund und Inter Mailand kam es zu einer polizeilichen Maßnahme gegen Anhänger der Schwarz-gelben, genauer gesagt zunächst zu einer Personalienfeststellung und anschließend einer Durchsuchung der Räumlichkeiten des Fanprojekts Dortmund. Dadurch erreichten viele den Heimblock erst zur Halbzeit, sodass die Südtribüne den Support erst in der zweiten Hälfte aufnahm. Das Fanprojekt kritisiert die Durchsuchung als historischen Einschnitt, da es in fast 40 Jahren keinen vergleichbaren Vorgang gegeben habe. Es betont, kein „Fanlokal“, sondern eine sozialpädagogische Jugendhilfeeinrichtung zu sein, deren Arbeit auf Vertrauen, Vertraulichkeit und freiwilliger Teilnahme beruht. Die Maßnahmen stützen sich wohl auf den Verdacht eines vorangegangenen Übergriffs gegen einzelne Mailänder. Die Durchsuchung ist ein problematisches Signal, weil sie die notwendige Unabhängigkeit und Vertrauensbasis der Fanarbeit untergräbt und das Verhältnis zwischen Polizei, Fans und Fanprojekten belastet. Das Fanprojekt fordert eine Rückkehr zum Dialog und eine respektvolle Behandlung als soziale Einrichtung, um Prävention und Deeskalation weiterhin leisten zu können.

Stuttgart: Das Commando Cannstatt kritisiert die UEFA scharf für ihren Umgang mit Fans bei internationalen Spielen. Während sich die UEFA als moderner und professioneller Ausrichter inszeniere, würden Gästefans systematisch benachteiligt, schikaniert und mit Kollektivstrafen belegt. Fanaktionen und gelebte Fankultur würden von UEFA-Beobachtern als „Fehlverhalten“ gewertet und mit Geldstrafen, Bewährungsstrafen oder Zuschauerausschlüssen sanktioniert, während gleichzeitig repressive Maßnahmen von Behörden und Vereinen gegenüber Gästefans folgenlos blieben. Die Fanszene sieht darin ein ungerechtes Strafsystem, das gezielt darauf abziele, Fans mundtot zu machen und aus den Stadien zu verdrängen. Am Beispiel der Kollektivstrafe gegen die Fans von YB Bern betont das Commando Cannstatt die Bedeutung von Solidarität zwischen den Fanszenen, um solche Maßnahmen ins Leere laufen zu lassen. Ziel der UEFA, durch Kollektivstrafen Spaltung zwischen Fans und Vereinen zu erzeugen, müsse aktiv verhindert werden. Zugleich wird gefordert, dass sich auch die Vereine deutlicher hinter ihre Anhänger stellen und das Sanktionssystem der UEFA geschlossen ablehnen..

Rumänien: Sieben Anhänger von PAOK Saloniki sind auf dem Weg zum Europa-League-Spiel bei Olympique Lyon bei einem schweren Verkehrsunfall in Rumänien ums Leben gekommen. Das Auto der Reisegruppe geriet nach einem Überholmanöver frontal in einen Lastwagen. Der Unfall ereignete sich nahe der Stadt Timisoara. Vereinsführung sowie Griechenlands Ministerpräsident zeigten sich tief erschüttert und auch in vielen europäischen Stadien wurde der Opfer mit Solidaritätsbekundungen gedacht. PAOK informierte die UEFA über die Tragödie und forderte eine Spielabsage. Der Verband lehnte diese jedoch ab und bestätigte die Austragung der Partie in Lyon. Aus Protest und aus Trauer stornierten viele PAOK-Fans ihre Reise oder kehrten um, sodass der Gästeblock leer blieb. Ruhet in Frieden, PAOK-Fans.

Magdeburg: Die Geschehnisse rund um den Polizeieinsatz beim Spiel des 1. FC Magdeburg gegen Dynamo Dresden werfen grundlegende Fragen nach Verhältnismäßigkeit, Einsatzstrategie und Verantwortlichkeit auf und sorgen für große Verunsicherung. Zunächst kam es nahe des Gästeblocks zu Auseinandersetzungen. Diese Situation galt jedoch nach kurzer Zeit als beruhigt. Dennoch wurden im weiteren Verlauf Polizeikräfte in den Bereich hinter der Nordtribüne verlegt. Die Staatsmacht lief dort mehrfach in geschlossener Formation auf Fans zu und setzte großflächig Pfefferspray ein. Ein Ausweichen war für viele Anwesende praktisch unmöglich, da Fluchtwege durch Zäune, geschlossene Tore und den starken Publikumsverkehr während der Halbzeitpause blockiert waren. Dadurch wurden zahlreiche Stadionbesucher in die Maßnahmen hineingezogen. Statt zu einer Beruhigung der Lage führte dieses Vorgehen zu Panik und weiterer Eskalation. In der Enge des Umlaufs sowie in Durchgängen und sanitären Anlagen kam es zum Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken, was das Chaos weiter verschärfte. Das Vorgehen wirkte weder koordiniert noch deeskalierend, sondern trug maßgeblich dazu bei, dass sich Solidarisierungseffekte entwickelten und die Situation außer Kontrolle geriet. Erst als sich die Bullen aus dem Innenraum zurückzogen, löste sich die Lage abrupt auf. Die Darstellung der Polizei, Fans hätten gezielt einen Angriff auf diese vorbereitet, wird von der Fanhilfe Magdeburg entschieden zurückgewiesen. Gerade weil dieser Bereich des Stadions üblicherweise nicht durch Polizeikräfte, sondern durch Ordner betreut wird, erscheint die Annahme eines geplanten Angriffs dort weder schlüssig noch plausibel. Vielmehr liegt die Verantwortung für die Eskalation in der Entscheidung der Einsatzleitung. Nach ersten Schätzungen wurden weit über 100 Stadionbesucher verletzt oder geschädigt. Bislang ist unklar, in wie vielen Fällen diese Verletzungen auf polizeiliche Maßnahmen, wie den Einsatz von Pfefferspray, zurückzuführen sind. Dies gilt auch für die Verletzten auf Seiten der Staatsmacht, obwohl hier von der Polizeigewerkschaft und Presse schon von versuchtem Mord gesprochen wird. Dabei wurde auch auf ein absurdes KI generiertes Bild gesetzt, welches einen schwer verletzten Polizisten darstellt, um nochmal mehr das “Feindbild Fußballfan” zu verdeutlichen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen drei Personen, wovon einer bereits in Untersuchungshaft sitzt aufgrund der vorher erwähnten Anschuldigungen. Gerade deshalb fordert die Fanhilfe in ihrer Stellungnahme eine sachliche, transparente und unabhängige Aufarbeitung der Vorgänge. Pauschale Schuldzuweisungen und populistische Forderungen helfen nicht weiter, sondern verzerren das Bild der Ereignisse. Notwendig ist eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem polizeilichen Vorgehen, um künftig vergleichbare Eskalationen zu verhindern und den Anspruch auf eine faire, verhältnismäßige und rechtsstaatliche Behandlung aller Stadionbesucher zu wahren.