Fragebogen AR-Kandidaten MV 2026 Michael Esken

Bitte stelle dich kurz vor.

Ich heiße Michael Esken, bin 59 Jahre alt, verheiratet, Vater von zwei erwachsenen Töchtern und von Beruf Jurist. Mein berufliches Leben habe ich in einer Anwaltskanzlei für Insolvenzrecht begonnen. Heute leite ich als Präsident die Gemeindeprüfungsanstalt Nordrhein-Westfalen (www.gpanrw.de). Zuvor durfte ich viele Jahre als Bürgermeister in Hemer und später in Verl Verantwortung übernehmen.

Schalke begleitet mich seit meiner Kindheit. Ich habe in den vergangenen Jahren kaum ein Heim- oder Auswärtsspiel verpasst, bin Mitglied in zwei Fanclubs und leite einen davon.

Weitere Informationen über mich, meinen beruflichen Werdegang und meine Ideen für den FC Schalke 04 habe ich auf meiner Homepage www.michael-esken.de zusammengefasst.

Warum kandidierst du (erneut) für den Aufsichtsrat des FC Schalke 04? Was qualifiziert dich für die Arbeit im Aufsichtsrat? Warum sollten die Mitglieder dir am 18. Juli ihre Stimme geben?

Ich kandidiere erstmals für den Aufsichtsrat des FC Schalke 04, weil ich überzeugt bin, dass ich unserem Verein etwas zurückgeben und seine Zukunft aktiv mitgestalten kann.

Für die Arbeit im Aufsichtsrat qualifizieren mich meine Erfahrungen in Führungs-, Verwaltungs- und Aufsichtsgremien. Als Bürgermeister und heute als Präsident der Gemeindeprüfungsanstalt Nordrhein-Westfalen bin ich es gewohnt, Verantwortung zu übernehmen, Menschen zusammenzubringen und auch in herausfordernden Situationen sachorientiert Entscheidungen zu treffen. Durch meine berufliche Tätigkeit habe ich außerdem gelernt, Strategien zu entwickeln, Prioritäten zu setzen und die Umsetzung im Blick zu behalten. Gerade jetzt nach dem Wiederaufstieg braucht Schalke einen klaren Weg und die Geduld, diesen Weg auch verlässlich zu gehen.

Gleichzeitig komme ich nicht mit dem Anspruch, alles besser zu wissen oder fertige Lösungen mitzubringen. Ich möchte zuhören, unterschiedliche Sichtweisen aufnehmen und gemeinsam tragfähige Lösungen entwickeln.

Ich verstehe meine Kandidatur als ein Angebot an die Mitglieder, neue Blickweisen und Erfahrungen in die Arbeit des Aufsichtsrates einzubringen. Nicht, weil bisher alles falsch war, sondern weil neue Perspektiven jede Organisation bereichern können. Kontinuität ist wichtig. Gerade weil sie durch das rollierende System im Aufsichtsrat gesichert ist, können wir die Chance nutzen, neue Erfahrungen und neue Blickwinkel hineinzuholen.

Auch im Fußball wird eingewechselt, nicht weil vorher alles falsch war, sondern weil neue Kräfte und ein anderer Blick einer Mannschaft helfen können.

Ich kandidiere nicht gegen jemanden. Ich kandidiere für eine Ergänzung: für neue Erfahrung, einen klaren Blick und für einen Aufsichtsrat, der Kontinuität und Erneuerung verbindet.

Und ich sage ganz offen: Es macht auch Freude, an der Zukunft unseres FC Schalke 04 mitgestalten zu dürfen.

Wie beurteilst du die aktuelle Situation des Vereins? Welche Entwicklungen siehst du positiv? In welchen Bereichen siehst du Verbesserungsbedarf und nicht ausgeschöpfte Potentiale?

Der Aufstieg in die 1. Bundesliga ist zunächst einmal ein großer Erfolg für unseren FC Schalke 04 und eine Belohnung für alle, die in den vergangenen Jahren mit Leidenschaft, Geduld und Ausdauer hinter unserem Verein gestanden haben. Das gilt insbesondere für die Fans, die den Verein bei Wind und Wetter, bei Regen, Frost und auch in schwierigen Zeiten immer unterstützt haben.

Ich nehme insgesamt wahr, dass sich der Verein in vielen Bereichen positiv entwickelt hat. Im Verein ist wieder mehr Ruhe und Geschlossenheit eingekehrt. Positiv bewerte ich außerdem die Entwicklung des Frauenfußballs, die längst über die erste Mannschaft hinausgeht und zukunftsorientiert aufgebaut wird. Auch in der Knappenschmiede gibt es Lichtblicke: Die U17 und U19 waren in der vergangenen Saison sehr erfolgreich. Das zeigt, dass im Nachwuchsbereich weiter gute Arbeit geleistet wird.

Gleichzeitig sollten wir uns aber nicht darauf ausruhen. Verbesserungspotenzial sehe ich insbesondere darin, die vorhandenen Stärken unseres Vereins noch konsequenter zu nutzen. Dazu gehören die weitere Entwicklung z.B. der Auf Schalke eG, eine noch persönlichere Ansprache von Sponsorinnen und Sponsoren sowie der weitere Ausbau der Beziehungen zu Stadt, Politik und weiteren Partnern.

Auch die Kommunikation innerhalb des Schalker Kosmos kann weiter verbessert werden. Dazu gehört für mich auch mehr Transparenz bei wichtigen Entscheidungen. Nicht jede interne Diskussion gehört in die Öffentlichkeit, aber die Mitglieder sollten nachvollziehen können, warum wesentliche Entscheidungen getroffen werden. Mit mehr als 210.000 Mitgliedern verfügt unser Verein über eine enorme gesellschaftliche und emotionale Kraft. Dieses Potenzial sollten wir noch stärker nutzen, um die Zukunft unseres Vereins gemeinsam zu gestalten.

Und eines gilt für mich immer: Es ist ja auch nicht verboten, besser zu werden.

Wie bewertest du die Arbeit des Aufsichtsrates in den letzten Jahren? Wie sieht in deinen Augen eine gute Zusammenarbeit im Gremium sowohl nach innen als auch außen aus?

Ich habe großen Respekt vor der Arbeit des Aufsichtsrates in den vergangenen Jahren. Die Bedingungen waren alles andere als einfach, und viele Entscheidungen mussten unter erheblichem Zeit- und Entscheidungsdruck getroffen werden. Deshalb möchte ich mir von außen kein pauschales Urteil über die Arbeit des Gremiums erlauben.

Für mich muss die Arbeit in einem Aufsichtsrat von Vertrauen, Verlässlichkeit und einem ehrlichen Austausch geprägt sein. Unterschiedliche Meinungen sind dabei nicht das Problem. Entscheidend ist, dass man zuhört, Argumente abwägt und am Ende zu einer gemeinsamen Entscheidung kommt, die dann auch gemeinsam vertreten wird.

Vertraulichkeit gehört unbedingt dazu. Nicht jede Diskussion gehört in die Öffentlichkeit. Nur wenn sensible Themen im Gremium offen angesprochen werden können, können gute und verantwortungsvolle Entscheidungen entstehen.

Ich würde versuchen, unterschiedliche Sichtweisen nach innen zusammenzuführen und dazu beizutragen, dass am Ende tragfähige Lösungen für unseren FC Schalke 04 stehen. Es wird nicht immer Entscheidungen geben, mit denen alle hundertprozentig zufrieden sind. Aber sie sollten so getroffen und erklärt werden, dass möglichst viele sie nachvollziehen und mittragen können.

Nach außen sollte der Aufsichtsrat klar und geschlossen auftreten. Transparenz dort, wo sie möglich ist, und Vertraulichkeit dort, wo sie im Interesse des Vereins notwendig ist – das ist für mich kein Widerspruch, sondern verantwortungsvolle Aufsichtsratsarbeit.

Wie bewertest du die aktuelle Zusammensetzung des Aufsichtsrats (Größe, Kooptationsmöglichkeiten etc.)? Und welche Fachkompetenzen bringst du ins Gremium ein?

Die derzeitige Größe des Aufsichtsrates und die bestehende Möglichkeit der Kooptation halte ich grundsätzlich für angemessen. In unserem Schalker Kosmos gibt es viele Menschen mit besonderer Qualifikation und großem Expertenwissen. Diese Möglichkeiten sollten wir nutzen: Wenn der Aufsichtsrat darüber hinaus für ein bestimmtes Thema oder ein zeitlich begrenztes Projekt zusätzliche Fachlichkeit benötigt, sollte er solche Menschen beratend an sich binden können. Sie würden den Aufsichtsrat dann als Gäste begleiten, ohne selbst stimmberechtigt zu sein.

Ich selbst bringe vor allem Erfahrung im Umgang mit Verantwortung, Finanzen, Strategien, Verwaltung und schwierigen Entscheidungsprozessen mit. Als Bürgermeister, als Präsident der Gemeindeprüfungsanstalt Nordrhein-Westfalen und durch meine Arbeit in Aufsichts- und Verwaltungsräten bei Sparkassen, Stadtwerken und öffentlichen Organisationen habe ich gelernt, genau hinzuschauen, Fragen zu stellen und Entscheidungen nicht aus dem Bauch heraus zu treffen.

Dabei geht es mir nicht darum, möglichst laut aufzutreten. Gute Aufsicht bedeutet für mich: zuhören, abwägen, nachfragen und dann klar entscheiden. Das habe ich in meinem beruflichen Leben gelernt, und genau das würde ich auch in den Aufsichtsrat unseres FC Schalke 04 einbringen.

Gleichzeitig komme ich nicht nur mit beruflicher Erfahrung. Durch meine ehrenamtliche Tätigkeit als Vorsitzender eines Schalke-Fanclubs kenne ich auch die Anliegen vieler Mitglieder und Fans. Dieser Blick ist mir wichtig, weil Schalke am Ende nicht nur aus Zahlen, Verträgen und Gremien besteht, sondern aus Menschen, die diesen Verein leben.

Sollten mir die Mitglieder ihr Vertrauen schenken, werde ich meine Erfahrungen dort einbringen, wo sie dem Verein am meisten helfen. Mir geht es nicht um Zuständigkeiten auf dem Papier, sondern um eine verantwortungsvolle Arbeit im Aufsichtsrat.

Seit einigen Jahren verfolgt der Verein sehr konsequent den Weg der finanziellen Konsolidierung. Wie schätzt du die bisherige Umsetzung ein und wie sollte damit in Zukunft weiter verfahren werden?

Ich halte den eingeschlagenen Weg für richtig. Nach den schwierigen Jahren, die hinter unserem Verein liegen, konnte es keine schnellen Lösungen und keine neuen finanziellen Abenteuer geben. Es ist aber erkennbar, dass Schalke Schritt für Schritt vorankommt. Der Verein hat zuletzt wieder einen Überschuss erwirtschaftet, und auch bei Sponsoring und Merchandising gibt es positive Entwicklungen. Aber: Die Aufgabe ist noch lange nicht erledigt.

Für mich bedeutet Konsolidierung nicht, den Verein kaputtzusparen. Sie muss dazu führen, dass Schalke wieder handlungsfähig wird und dort investieren kann, wo es den Verein dauerhaft voranbringt – in die sportliche Entwicklung, in die Knappenschmiede und in die Zukunft unseres FC Schalke 04.

Auch die neue Anleihe gehört in diese Bewertung. Sie hat ältere Anleihen und Darlehen abgelöst und verschafft dem Verein damit mehr Planbarkeit und etwas Luft. Sie macht Schalke aber nicht auf einen Schlag schuldenfrei. Schulden bleiben Schulden, und Zinsen sowie spätere Rückzahlungen müssen erwirtschaftet werden. Diesen Zeitgewinn müssen wir nutzen, um die wirtschaftliche Basis weiter zu stärken und nicht nur die nächste Rückzahlung nach hinten zu verschieben.

Dazu gehören für mich drei Punkte: die weitere Entwicklung der Genossenschaft, der langfristige Erhalt unserer VELTINS-Arena und eine möglichst breite Aufstellung unserer Einnahmen. Die Genossenschaft hat mit dem ersten Kauf von Arena-Anteilen inzwischen gezeigt, dass sie mehr ist als nur eine Idee. Gerade bei Sponsoring, Merchandising und der Nutzung der Arena außerhalb des Spielbetriebs gibt es noch Möglichkeiten, die wir klug nutzen sollten.

Der Aufsichtsrat muss dabei darauf achten, dass sportliche Ziele und wirtschaftliche Möglichkeiten zusammenpassen. Wir dürfen uns sportlich nicht kleinmachen. Aber wir dürfen auch keine Entscheidungen treffen, die uns später wieder auf die Füße fallen. Gerade bei solchen Abwägungen möchte ich im Falle meiner Wahl meine berufliche Erfahrung, meine Finanzkenntnisse und meinen Blick auf langfristige Entwicklungen einbringen – und helfen, die vorhandenen Blickwinkel mit neuen Ideen zu erweitern. Transparenz, wo sie möglich ist, und Vertraulichkeit, wo sie notwendig ist, gehören für mich dazu.

Am Ende geht es darum, den Weg verlässlich weiterzugehen. Nicht mit einem großen Befreiungsschlag, sondern mit klaren Entscheidungen, Geduld und einem langen Atem.

Seit anderthalb Jahren gibt es die Fördergenossenschaft Auf Schalke eG. Hast du Anteile bei der eG gezeichnet und wenn ja/nein, warum? Und wie blickst du generell auf die Genossenschaft?

Ja, ich habe Anteile an der Auf Schalke eG gezeichnet. Für mich war das keine Geldanlage. Ich habe mich beteiligt, weil ich überzeugt bin: Einen Verein, den man liebt, unterstützt man nicht nur mit Worten, sondern – soweit es die eigenen Möglichkeiten zulassen – auch mit Taten.

Dabei ist jede Form der Unterstützung für unseren FC Schalke 04 gleich wertvoll. Viele Menschen engagieren sich ehrenamtlich, leisten Fanclubarbeit, fahren zu Heim- und Auswärtsspielen oder stehen dem Verein auf andere Weise zur Seite. Wer zusätzlich die Möglichkeit hat, Anteile zu zeichnen, setzt damit ein weiteres Zeichen der Verbundenheit.

Ich halte die Genossenschaft für einen richtigen und wichtigen Weg. Sie kann die wirtschaftliche Grundlage unseres Vereins stärken und gibt Mitgliedern zugleich die Möglichkeit, sich noch enger mit Schalke zu verbinden. Sie wird unsere finanziellen Herausforderungen nicht allein lösen, ist aber ein wichtiger Baustein.

Besonders wichtig ist mir dabei der langfristige Erhalt der VELTINS-Arena. Sie ist das wichtigste Vermögen unseres Vereins und sollte auch für kommende Generationen in Schalker Hand bleiben. Die Genossenschaft kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten, weil sie Mitglieder und Fans einbindet und zugleich hilft, Werte unseres Vereins zu sichern.

Ich würde mich freuen, wenn sich künftig noch mehr Mitglieder beteiligen. Nicht, weil es nur um Geld geht, sondern weil jede Beteiligung zeigt: Unser FC Schalke 04 ist vielen Menschen etwas wert – und gemeinsam können wir das bewahren, was unseren Verein seit Generationen ausmacht.

Welche konkreten Ziele hast du, wenn du gewählt wirst? Welche großen Herausforderungen siehst du in den kommenden drei Jahren deiner möglichen Amtszeit?

Sollten mir die Mitglieder ihr Vertrauen schenken, möchte ich dazu beitragen, dass Schalke nicht nur bis zum nächsten Spieltag denkt. Ein Aufsichtsrat führt nicht das operative Geschäft. Er muss aber darauf achten, dass wichtige Entscheidungen auch morgen noch tragen.

Mein erstes Ziel ist, sportliche Entwicklung und wirtschaftliche Möglichkeiten zusammenzubringen. Wir dürfen uns sportlich nicht kleinmachen, aber auch nicht wieder Risiken eingehen, die uns später auf die Füße fallen. Der Wiederaufstieg war ein wichtiger Schritt. Jetzt geht es darum, Schalke dauerhaft in der 1. Bundesliga zu etablieren und nicht wieder in eine Fahrstuhlgeschichte zu geraten.

Daneben möchte ich nicht nur allgemeine Ziele nennen, sondern konkrete Punkte, an denen ich mitarbeiten möchte. Einige davon gibt es auf Schalke bereits. Mir geht es darum, solche Ansätze aufzugreifen und dort weiterzubringen, wo es sinnvoll ist.

Gute Ideen aus Fanclubs und der Mitgliedschaft sollten leichter ihren Weg in den Verein finden. Nicht jede Idee muss gleich ein Großprojekt sein. Manchmal reichen ein kleiner Anstoß, etwas Unterstützung und jemand, der sagt: Das probieren wir aus. Das kann ein Projekt für Kinder und Jugendliche sein, eine soziale Aktion, Erinnerungskultur oder etwas, das unsere Fankultur stärkt.

Wichtig ist mir auch das Ehrenamt. Schalke lebt von Menschen, die sich in Fanclubs, Abteilungen und sozialen Projekten einsetzen. Sie verdienen nicht nur ein Dankeschön, sondern verlässliche Ansprechpersonen und Unterstützung, wenn sie gebraucht wird.

Auch bei Barrierefreiheit und Teilhabe sollten wir weiterkommen. Schalke muss für möglichst viele Menschen erlebbar sein – im Stadion und im Vereinsleben. Das war auch ein wichtiges Thema beim letzten Mitgliederkongress in der VELTINS-Arena. Daraus sollten Schritt für Schritt konkrete Verbesserungen entstehen.

Und Schalke kann jungen Menschen nicht nur auf dem Platz Chancen geben. Ich würde gerne daran mitarbeiten, unser Netzwerk aus Unternehmen, Schulen, Partnern und Mitgliedern stärker zu nutzen –  für Praktika, Ausbildung oder einfach Menschen, die jungen Schalkern Orientierung geben.

Die großen Herausforderungen sehe ich vor allem in drei Punkten: finanzielle Konsolidierung, sportliche Stabilität und Geduld. Wir müssen weiter wirtschaftlich sauber arbeiten. Wir müssen sportlich den nächsten Schritt schaffen. Und wir dürfen nach jedem schlechten Spiel oder jeder schwierigen Phase nicht gleich alles infrage stellen.

Trainer, Spieler und Verantwortliche brauchen Erwartungen, aber auch Vertrauen und eine faire Bewertung ihrer Arbeit. Gerade in der 1. Bundesliga wird der Druck größer werden. Umso wichtiger ist ein Verein, der klar bleibt, zusammensteht und nicht bei jedem Gegenwind die Richtung wechselt.

Wenn wir in drei Jahren sagen können, dass Schalke sportlich stabiler, wirtschaftlich verlässlicher und als Verein enger zusammengerückt ist, dann wäre viel erreicht.

Wie stehst du zur Rechtsform des eingetragenen Vereins beim FC Schalke 04? Welche Vor- und möglicherweise auch Nachteile ergeben sich dadurch für unseren Verein?

Für mich ist klar: Der FC Schalke 04 sollte ein eingetragener Verein bleiben. Schalke gehört seinen Mitgliedern. Das ist manchmal anstrengender, weil diskutiert wird, unterschiedliche Meinungen aufeinandertreffen und nicht jede Entscheidung einfach durchgewunken werden kann. Aber genau das gehört zu unserem Verein.

Mitgliedschaft darf nicht nur bedeuten, einmal im Jahr abstimmen zu dürfen. Mitglieder sollen sich mit ihrem Verein verbunden fühlen und wissen, dass ihre Stimme Gewicht hat. Das ist ein großer Wert, den wir nicht leichtfertig aufgeben sollten.

Natürlich hat die Rechtsform e.V. auch Grenzen. Eine andere Rechtsform bringt aber erst einmal keinen Euro zusätzliche Liquidität. Sie kann bilanzielle Möglichkeiten eröffnen und es leichter machen, Kapital einzuwerben. Gute Entscheidungen ersetzt sie aber nicht. Eine schlecht geführte GmbH ist genauso wenig eine Lösung wie ein schlecht geführter Verein. Entscheidend ist, ob verantwortungsvoll gewirtschaftet wird, ob die handelnden Personen ihren Job verstehen und ob es einen klaren Kurs gibt.

Die Auf Schalke eG zeigt, dass man auch als e.V. neue Wege gehen kann, ohne den Verein aus der Hand zu geben. Sie gibt Mitgliedern die Möglichkeit, sich zusätzlich finanziell zu beteiligen, und kann helfen, die wirtschaftliche Grundlage zu stärken. Das halte ich für einen guten Weg.

Schalke braucht verlässliche Entscheidungen, wirtschaftliche Disziplin und Menschen, die den Verein nicht nur bis zur nächsten Saison denken. Als eingetragener Verein kann Schalke erfolgreich sein – wenn wir sauber arbeiten, sportlich einen klaren Weg verfolgen und dabei nicht vergessen, wem dieser Verein gehört: seinen Mitgliedern.

Vereine und auch Verbände sind in den vergangenen Monaten verstärkt in den Fokus der Politik, insbesondere der Innenminister, geraten und werden mit Debatten rund um die Sicherheit in Fußballstadien unter Druck gesetzt. Wie kann und sollte sich der FC Schalke 04 dort positionieren?

Für mich ist klar: Im Stadion muss sich jeder sicher fühlen können – Kinder, Familien, ältere Menschen, Menschen mit Behinderung, Mitarbeitende, Gästefans und natürlich unsere eigenen Fans. Gewalt, Angriffe und Straftaten haben im Stadion und rund um den Fußball nichts zu suchen. Das gilt genauso für Rassismus und jede Form von Diskriminierung.

Das darf aber nicht dazu führen, dass Zehntausende friedliche Fans pauschal unter Verdacht stehen. Wer Regeln verletzt oder Gewalt ausübt, muss die Folgen tragen. Aber immer neue Verbote und Maßnahmen, die am Ende alle treffen, lösen die Probleme nicht. Sicherheitsfragen dürfen nicht allein am grünen Tisch entschieden werden.

Schalke sollte hier klar auftreten: mit eindeutigen Regeln, einer konsequenten Haltung gegenüber Gewalt und einer guten Zusammenarbeit mit Polizei, Stadt, Ordnungsdiensten und Politik. Genauso wichtig ist aber der Austausch mit Fanclubs, Fan-Initiativen, Fanorganisationen und Ultras. Wie gut das funktionieren kann, haben wir am Ende der letzten Saison gesehen: Vor dem möglichen Aufstieg wurde aus guten Gründen von einem Platzsturm abgeraten – und am Ende ist er im Einvernehmen mit allen Beteiligten nicht erfolgt. Das zeigt: Wenn man miteinander spricht und sich vertraut, geht manchmal mehr als mit pauschalen Verboten. Die Menschen, die Woche für Woche im Stadion stehen, kennen den Stadionalltag und müssen Teil der Lösung sein.

Als DFB-lizenzierter Veranstaltungsleiter kenne ich die praktische Seite solcher Sicherheitsfragen. Es gibt dabei selten einfache Antworten. Aber es gibt einen vernünftigen Weg: klare Regeln, Konsequenz bei Fehlverhalten und gleichzeitig Respekt für die große Mehrheit der Fans, die friedlich ihren Verein unterstützen.

Als Aufsichtsratsmitglied würde ich darauf achten, dass Schalke gegenüber Politik und Behörden kooperativ, aber auch selbstbewusst auftritt. Sicherheit ist nicht verhandelbar. Unsere Fankultur ist aber genauso wenig wegzudenken. Beides gegeneinander auszuspielen, wäre falsch. Ein sicheres Stadion und eine lebendige Fankultur gehören für mich zusammen.