Fragebogen AR-Kandidaten MV 2026 Holger Brauner

Bitte stelle dich kurz vor.Zusatz bei den beiden aktuellen AR: Welche Aufgaben hattest du in den vergangenen zwei Jahren im Aufsichtsrat?

Mein Name ist Holger Brauner, ich lebe mit meiner Familie in Gelsenkirchen und bin seit über 30 Jahren Mitglied unseres Vereins. Seit 2021 bin ich Teil des Aufsichtsrats.

Zudem bin ich Mitglied im „Supporters Club“ sowie langjähriges Fanclub-Mitglied bei „Der Mythos lebt“, Polsum und „GlückAuf Risstal“.

Schalke ist für mich weit mehr als Fußball – es ist ein fester Bestandteil meines Lebens, geprägt durch viele Jahre im Stadion und mit enger Verbundenheit zur Stadt und zum Verein. Beruflich bin ich tätig als Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bei einem weltweit führenden Prüfungs- und Beratungsunternehmen. Ich prüfe und berate komplexe Konzerne und Organisationen und nutze diese Erfahrung in meiner Aufsichtsratstätigkeit. Im Finanzausschuss konzentriere ich mich insbesondere auf Finanzierungsthematiken, Lizenzierungsfragestellungen sowie Prozessoptimierungen zur langfristigen wirtschaftlichen Stabilisierung unseres Vereins. Als Teamplayer übernehme ich Verantwortung, bringe unterschiedliche Perspektiven zusammen und arbeite im Hintergrund daran, stabile und nachhaltige Entscheidungen für Schalke zu ermöglichen.

Warum kandidierst du (erneut) für den Aufsichtsrat des FC Schalke 04? Was qualifiziert dich für die Arbeit im Aufsichtsrat? Warum sollten die Mitglieder dir am 18. Juli ihre Stimme geben?

Unsere gemeinsame Arbeit hat Schalke in schwierigen Zeiten stabilisiert. Sportlich, wirtschaftlich und organisatorisch sind wir heute deutlich stärker aufgestellt als vor fünf Jahren. Vieles ist erreicht, doch noch liegt viel Arbeit vor uns. Kontinuität ist in dieser Phase entscheidend – für den Erfolg auf dem Platz und die Arbeit in den Gremien. Stabilität, Verlässlichkeit und klare strategische Ziele sind Grundpfeiler für unsere erfolgreiche Zukunft. Neben meinen beruflichen Kompetenzen bringe ich Erfahrungen aus fünf Jahren Aufsichtsratsarbeit mit. Ich kenne die Strukturen, Herausforderungen und Rahmenbedingungen unseres Vereins sehr gut. Zudem habe ich belastbare Vertrauensverhältnisse und ein Netzwerk aufgebaut, das es mir ermöglicht, Verantwortung zu übernehmen und Schalke bei wichtigen Entwicklungen zu begleiten. Diese Erfahrung und mein Blick für Stabilität will ich weiter einbringen.

Wie beurteilst du die aktuelle Situation des Vereins? Welche Entwicklungen siehst du positiv? In welchen Bereichen siehst du Verbesserungsbedarf und nicht ausgeschöpfte Potentiale?

Schalke hat sich in vielen Bereichen positiv entwickelt: sportliche und wirtschaftliche Stabilisierung, professionelle Strukturen und Prozesse sowie eine klare strategische Ausrichtung. Zugleich sehen wir unser Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Wirtschaftlich müssen wir neue, nachhaltige Einnahmequellen erschließen und unsere starke Marke besser vermarkten. Sportlich bietet die Knappenschmiede enormes Potenzial für Entwicklung und Zukunft. Als Verein tragen wir zudem eine besondere soziale Verantwortung gegenüber der Stadt, der Region und unseren Mitgliedern. Wir haben wichtige Grundlagen geschaffen, dürfen uns aber nicht darauf ausruhen, sondern müssen die vorhandenen Potenziale weiterentwickeln und Schalke nachhaltig aufstellen.

Wie bewertest du die Arbeit des Aufsichtsrates in den letzten Jahren? Wie sieht in deinen Augen eine gute Zusammenarbeit im Gremium sowohl nach innen als auch außen aus?

Die Beurteilung der eigenen Arbeit ist naturgemäß schwierig – unsere Tätigkeit findet weitgehend vertraulich statt, was Voraussetzung für verantwortungsvolle Entscheidungen ist. Aus meiner Perspektive hat der Aufsichtsrat maßgeblich zur Stabilisierung beigetragen. Intern haben wir kritisch diskutiert, nach außen geschlossen agiert. Die Ausschüsse des Aufsichtsrats sind zentral für unseren Erfolg:

  • Sportausschuss als Angriff, der Tore schießt
  • Strategieausschuss als Mittelfeld
  • Finanzausschuss als Abwehr, die Stabilität schafft

Ohne eine starke Defensive kein langfristiger Erfolg. Meine Rolle sehe ich als Berater und Vermittler – zwischen unterschiedlichen Meinungen im Aufsichtsrat, zum Vorstand und zu unseren Stakeholdern, insbesondere Fans und Mitgliedern. Dabei hilft mir meine offene, strukturierte und sachliche Kommunikation. Erfolg entsteht nur im Zusammenspiel – im Gremium und im ganzen Verein.

Wie bewertest du die aktuelle Zusammensetzung des Aufsichtsrats (Größe, Kooptationsmöglichkeiten etc.)? Und welche Fachkompetenzen bringst du ins Gremium ein?

Die unterschiedlichen fachlichen Hintergründe und Perspektiven unserer Mitglieder bringen wichtige Kompetenzen zusammen. Die klare Aufgabenverteilung in den Ausschüssen sorgt dafür, dass wir trotz der Größe schnell arbeits- und handlungsfähig sind. Die Möglichkeit der Kooptation ist positiv, da sie zusätzliche Kompetenzen einbringt, die nicht den Weg über die Wahl gehen können oder wollen. Entscheidend ist für mich aber weniger die Kompetenz einzelner, als das Zusammenspiel verschiedener Erfahrungen und Fachrichtungen – das sehe ich als eine große Stärke unseres Gremiums.

Seit einigen Jahren verfolgt der Verein sehr konsequent den Weg der finanziellen Konsolidierung. Wie schätzt du die bisherige Umsetzung ein und wie sollte damit in Zukunft weiter verfahren werden?

Die finanzielle Konsolidierung war unverzichtbar und wurde konsequent umgesetzt. Mit dem Schuldenabbau, der 90-Millionen-Euro-Anleihe und aktivem Kostenmanagement haben wir wichtige Grundlagen geschaffen. Dennoch ist die Konsolidierung nicht abgeschlossen. Heute sind wir in einer neuen Phase: Statt nur zu stabilisieren, können wir aktiv gestalten und Zukunftsthemen voranbringen. Die Herausforderung liegt in der Balance: finanzielle Disziplin bewahren, aber die Spielräume gezielt für nachhaltige sportliche, wirtschaftliche und strukturelle Entwicklungen nutzen. Nachhaltiger Erfolg entsteht durch wirtschaftliche Vernunft verbunden mit gezielten Investitionen.

Seit anderthalb Jahren gibt es die Fördergenossenschaft Auf Schalke eG. Hast du Anteile bei der eG gezeichnet und wenn ja/nein, warum? Und wie blickst du generell auf die Genossenschaft?

Ja, ich habe Anteile gezeichnet und war an der Gründung beteiligt. Auf meine Mitgliedsnummer „6“ bin ich ein wenig stolz. In der Anfangszeit war ich auch Mitglied des Aufsichtsrats der Genossenschaft. Die Genossenschaft gefällt mir sehr, denn sie spiegelt unser Selbstverständnis als eingetragener Verein wider: Sie bindet Mitglieder direkt in die Zukunft unseres Vereins ein und stärkt gleichzeitig dessen Unabhängigkeit. Natürlich gab es zum Start Herausforderungen, aber die Genossenschaft leistet bereits wichtige Beiträge. Sie steht für Gemeinschaft, Mitgestaltung und Zusammenhalt – Werte, die Schalke ausmachen. Ich bin überzeugt, dass sie auch künftig hilft, den Verein wirtschaftlich zu stärken und den Weg als selbstbestimmter Verein fortzusetzen.

Welche konkreten Ziele hast du, wenn du gewählt wirst? Welche großen Herausforderungen siehst du in den kommenden drei Jahren deiner möglichen Amtszeit?

Unser Leitbild „Menschen ein Leben lang begeistern und unsere Region stärken“ ist Richtlinie für unsere Arbeit. Nach der Stabilisierung liegt jetzt der Fokus darauf, die Grundlagen strategisch zu nutzen. Meine drei zentralen Ziele:

  • Die dauerhafte Bundesliga-Etablierung und perspektivisch der Weg nach Europa
  • Die weitere Professionalisierung von Strukturen und Prozessen für langfristige Effizienz und Zukunftsfähigkeit
  • Die konsequente Wahrnehmung unserer sozialen Verantwortung gegenüber Mitgliedern, Fans, Stadt und Region

Die größte Herausforderung bleibt, die Balance zwischen sportlicher Entwicklung, wirtschaftlicher Vernunft und gesellschaftlicher Verantwortung zu halten. Nachhaltiger Erfolg entsteht nur in diesem Zusammenspiel – ganz im Sinne unseres Selbstverständnisses.

Wie stehst du zur Rechtsform des eingetragenen Vereins beim FC Schalke 04? Welche Vor- und möglicherweise auch Nachteile ergeben sich dadurch für unseren Verein?

Der e.V. ist für mich ein zentraler Bestandteil der Identität des FC Schalke 04: Er steht für Mitbestimmung, Unabhängigkeit und Gleichberechtigung aller Mitglieder. Das macht Schalke besonders. Diese Rechtsform ist mehr als Organisation – sie ist unser Selbstverständnis. Die zunehmende Kapitalorientierung im Profifußball stellt uns vor Herausforderungen. Um unsere Unabhängigkeit zu bewahren, müssen wir in allen Bereichen besonders professionell arbeiten. Die Zukunft des e.V. sehe ich in klaren Strukturen, wirtschaftlicher Vernunft, sportlicher Kontinuität und starker Einbindung von Mitgliedern und Fans. Das ist kein Nachteil, sondern unser Anspruch, verantwortungsvoll zu handeln und Schalke wettbewerbsfähig zu halten.

Vereine und auch Verbände sind in den vergangenen Monaten verstärkt in den Fokus der Politik, insbesondere der Innenminister, geraten und werden mit Debatten rund um die Sicherheit in Fußballstadien unter Druck gesetzt. Wie kann und sollte sich der FC Schalke 04 dort positionieren?

Sicherheit in den Stadien hat höchste Priorität – zugleich sind unsere Fans und die Fankultur ein wesentlicher Teil unserer Identität und dürfen nicht pauschal verdächtigt werden. Sicherheit und Fankultur gehören zusammen und dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Deshalb halte ich einen sachlichen, dialogorientierten Ansatz für richtig. Prävention, Zusammenarbeit und Lösungen vor Ort sind wichtig – keine pauschalen Strafmaßnahmen. Schalke setzt sich gemeinsam mit anderen Vereinen dafür ein. Klare Kante gegen Gewalt, aber ebenso ein klares Bekenntnis zur Fankultur und zum respektvollen Dialog zwischen Vereinen, Behörden und Politik sind für mich der richtige Weg.