Fragebogen AR-Kandidaten MV 2026 Axel Hefer

Bitte stelle dich kurz vor. Zusatz bei den beiden aktuellen AR: Welche Aufgaben hattest du in den vergangenen zwei Jahren im Aufsichtsrat?

Ich bin Axel Hefer, 49 Jahre alt und seit 32 Jahren Mitglied unseres Vereins. Seit 2021 bin ich Vorsitzender des Aufsichtsrates und Mitglied des Strategieausschusses. Seit der Mitgliederversammlung 2024 bin ich außerdem im Sportausschuss des Aufsichtsrates.

Warum kandidierst du (erneut) für den Aufsichtsrat des FC Schalke 04? Was qualifiziert dich für die Arbeit im Aufsichtsrat? Warum sollten die Mitglieder dir am 18. Juli ihre Stimme geben?

Ich bin gemeinsam mit meinen Kollegen 2021 angetreten, um in einer sehr schwierigen Lage Verantwortung für unseren Verein zu übernehmen, um unseren Verein vor dem Kollaps zu retten und ihn finanziell, emotional und sportlich zu sanieren. Auch wenn nicht alles auf Anhieb funktioniert hat und wir einige Rückschläge hinnehmen mussten, sind wir mittlerweile auf einem sehr guten Weg – in allen Bereichen. Ich bin davon überzeugt, dass wir diesen Weg in den nächsten Jahren konsequent weitergehen müssen, um uns wieder nachhaltig in der Bundesliga etablieren zu können. Wir haben uns als Team gefunden, und ich würde gerne diesen Weg weiter mit Euch und für Euch beschreiten.

Wie beurteilst du die aktuelle Situation des Vereins? Welche Entwicklungen siehst du positiv? In welchen Bereichen siehst du Verbesserungsbedarf und nicht ausgeschöpfte Potentiale?

Der Verein ist aktuell auf einem sehr guten Weg. Wir haben unsere Finanzverbindlichkeiten in den letzten Jahren stetig zurückgeführt und haben uns auch dank der Genossenschaft und der erfolgreichen Platzierung der Anleihe einen gewissen Handlungsspielraum erarbeitet.

Im Bereich “Sponsoring” haben wir die Partnerbasis, vor allem aus dem Ruhrgebiet, deutlich ausgebaut. Im Sport haben wir nicht nur eine Spielphilosophie etabliert, sondern diese auch in alle Entscheidungsbereiche implementiert.

Nach vorne schauend sehe ich keinen “Big Bang”, sondern eher eine Vielzahl von kleinen Schritten. Im Bereich Finanzen müssen wir langsam aber kontinuierlich die bestehenden Verbindlichkeiten zurückführen – allerdings selbstbestimmt und nicht wie in den letzten Jahren durch die Banken diktiert.
In der Vermarktung sind wir jetzt in der Lage auch wieder zu investieren – hier gilt es das Berger Feld und unsere Arena Schritt für Schritt aufzuwerten und so nicht nur das Spieltagserlebnis für uns Fans zu verbessern, sondern auch neue Werbepartner zu gewinnen.

Im Sport müssen wir in den nächsten Jahren gegen die “Fernsehgeld”-Wand ankämpfen – durch die 5-Jahreswertung und die Art und Weise der Geldverteilung werden wir erst ab Jahr 3 einigermaßen für unseren Beitrag zur Attraktivität der Bundesliga entlohnt werden. Auch hier gilt also: Viele kleine Verbesserungen statt großer Schritte.

Wie bewertest du die Arbeit des Aufsichtsrates in den letzten Jahren? Wie sieht in deinen Augen eine gute Zusammenarbeit im Gremium sowohl nach innen als auch außen aus?

Die Beurteilung der eigenen Arbeit ist naturgemäß schwierig – unsere Tätigkeit findet weitgehend vertraulich statt, was Voraussetzung für verantwortungsvolle Entscheidungen ist. Die letzten drei Jahre waren alles andere als einfach. Aber sie haben auch gezeigt, dass man gerade in schwierigen Phasen die Nerven behalten und dem Vorstand und der Geschäftsstelle den Rücken stärken muss.

Innerhalb des Gremiums profitieren wir von den sehr unterschiedlichen Erfahrungen des Gremiums und diskutieren häufig kontrovers. Wichtig ist vor allem, dass jegliche Information vertraulich behandelt wird – und auch in diesem Bereich sind wir inzwischen gut aufgestellt. Also: Mit klarem Plan – ruhig – im Hintergrund!

Wie bewertest du die aktuelle Zusammensetzung des Aufsichtsrats (Größe, Kooptationsmöglichkeiten etc.)? Und welche Fachkompetenzen bringst du ins Gremium ein?

Wir arbeiten in der aktuellen Struktur gut zusammen und haben durch die Besetzung der Ausschüsse die Möglichkeit, auch komplizierte Sachverhalte intensiv mit dem Vorstand zu diskutieren.

Durch meine Erfahrung als Aufsichtsrat bei Schalke sowie aufgrund meiner sonstigen Vorstands- und Aufsichtsratsmandate bin ich sehr gut in der Lage, die richtige Trennung zwischen Aufsicht und operativer Tätigkeit einzuhalten. Außerdem habe ich in nunmehr 8 Jahren die Besonderheiten des Sportgeschäftes und vor allem unsere vereinsinterne Strukturen kennengelernt. Zu meinen Stärken innerhalb des Gremiums gehört sicherlich auch unter sehr hohem Druck die Nerven zu bewahren um an einem langfristigen Plan festzuhalten.

Seit einigen Jahren verfolgt der Verein sehr konsequent den Weg der finanziellen Konsolidierung. Wie schätzt du die bisherige Umsetzung ein und wie sollte damit in Zukunft weiter verfahren werden?

Durch die während der Corona-Zeit aufgenommenen Kredite waren wir in den letzten Jahren gezwungen, unsere Verbindlichkeiten sehr schnell zurückzuführen, auch wenn eine langsamere Tilgung für das Geschäft sinnvoller gewesen wäre.

Durch die erfolgreiche Anleihe und den Start der Genossenschaft konnten wir diese Kredite vollständig tilgen und können nun selbst bestimmen, wann und wie schnell wir unsere Verbindlichkeiten weiter zurückführen. Gerade in den ersten zwei Jahren in der ersten Bundesliga ist diese Flexibilität von unschätzbarem Wert und bietet eine wichtige Grundlage.

Nichtsdestotrotz werden wir den Weg der finanziellen Konsolidierung fortsetzen müssen, zumindest bis wir das nachhaltige Niveau von 100 Millionen Euro Nettofinanzverbindlichkeiten erreicht haben.

Seit anderthalb Jahren gibt es die Fördergenossenschaft Auf Schalke eG. Hast du Anteile bei der eG gezeichnet und wenn ja/nein, warum? Und wie blickst du generell auf die Genossenschaft?

Ja klar – ich habe direkt bei der Gründung der Genossenschaft für mich und meine Familie gezeichnet, das ist eine Selbstverständlichkeit. Die Genossenschaft ist ein Ewigkeitsprojekt und hat sich als Plattform für Investitionen in den e.V. etabliert.

Welche konkreten Ziele hast du, wenn du gewählt wirst? Welche großen Herausforderungen siehst du in den kommenden drei Jahren deiner möglichen Amtszeit?

Wir sind auf einem guten Weg und dürfen uns von diesem Weg nicht abbringen lassen. Es ist ein Weg der kleinen Schritte: Kontinuierlicher Abbau der Verbindlichkeiten, Investition in das Berger Feld und das Stadion, Schritt-für-Schritt-Verbesserung des Kaders. Die erste Bundesliga ist eine große Herausforderung. Meiner Meinung nach liegt die größte Herausforderung im (hoffentlich) zweiten Jahr in der ersten Bundesliga, denn erst im zweiten Jahr greift die DFL Eigenkapitalauflage. Gleichzeitig steigen die Fernsehgelder aufgrund der 5-Jahreswertung nur langsam von Jahr zu Jahr, so dass das zweite Jahr für uns deutlich härter werden wird, als das erste.

Wie stehst du zur Rechtsform des eingetragenen Vereins beim FC Schalke 04? Welche Vor- und möglicherweise auch Nachteile ergeben sich dadurch für unseren Verein?

Ich persönlich bin für unseren Verein ein Befürworter von 100+0 – also der vollständigen Unabhängigkeit des eingetragenen Vereins von fremden Interessen. Als Verein müssen wir uns den Weg nach oben hart erarbeiten – aber genau das hat nicht nur uns, sondern auch die ganze Region schon immer ausgemacht.

Vereine und auch Verbände sind in den vergangenen Monaten verstärkt in den Fokus der Politik, insbesondere der Innenminister, geraten und werden mit Debatten rund um die Sicherheit in Fußballstadien unter Druck gesetzt. Wie kann und sollte sich der FC Schalke 04 dort positionieren?

Eigentlich wollen alle das gleiche: Politik, Vereine und Fans wollen sicher und friedlich Fussballspiele erleben. Dazu gehört natürlich, dass Straftaten Einzelner verfolgt werden. Andererseits dürfen Fussballfans nicht unter Generalverdacht gestellt werden.