Glück auf Schalker,

der wichtige Sieg gegen Bielefeld konnte in der letzten Woche eingetütet werden. Die Nordkurve zeigte dabei einen der Wichtigkeit des Spiels angemessenen Auftritt und konnte die Mannschaft in der Schlussviertelstunde trotz der Anspannung über die Ziellinie tragen. Um einen unserer Vorsänger sinngemäß wiederzugeben: „Wie laut wir vor oder nach dem Spiel sind, können wir uns in die Haare schmieren, was gilt ist jetzt! Jetzt müssen wir für die Mannschaft da sein, also reißt euch JETZT den Arsch auf und schreit sie zum Sieg!“. Am Freitag bekamen wir genau das über weite Strecken des Spiels hin. Teil dieser Kurve sein zu dürfen ist ein Privileg und zugleich eine Verpflichtung, seid euch dessen bewusst. Also auch heute wieder vollen Fokus aufs Spiel und geht 90 Minuten aus euch heraus!

Unser heutiger Gegner findet heute hoffentlich mal den Blinker und schafft es rechtzeitig von der Autobahn abzufahren. Der Gästeblock wird dann jedenfalls motiviert sein, seine Mannschaft nach vorne zu peitschen, damit diese den Anschluss an die Spitzengruppe nicht verliert. Die letzten Auftritte der Niedersachsen waren bei uns zwar eher mittelmäßig, nichtsdestotrotz geht es auch für Hannover um sehr viel.

Bei all der Freude über den Platz an der Sonne trübt auch bei uns die Staatsmacht die Laune. Es werden sicherlich alle mitbekommen haben, wie Polizei & Co. aktuell deutschlandweit auffahren. Am eigenen Leibe haben wir es vor allem in Berlin zu spüren bekommen, als grundlos in uns rein geprügelt wurde und dennoch muss man wohl ernüchternd festhalten, dass dies im Vergleich zu den Vorfällen in der Ostkurve Berlin oder nun kürzlich vor dem Dortmunder Gästeblock noch harmlos war. Das Verhalten hat sich seit der Innenministerkonferenz merklich geändert und es wirkt fast so, als ob die Zahlen nun durch Provokation oder sogar durch eigene Übergriffe auf Fangruppen nach oben getrieben werden sollen. In Gelsenkirchen selbst geht es noch vergleichsweise entspannt zu, lediglich die Präsenz der Zivis hat sich verändert, die sich nun mehr oder weniger „unauffällig“ neu positionieren. Auch in Bereichen, in denen sie absolut nichts zu suchen haben. Hier sei also gesagt, dass man sich lieber einmal mehr umgucken sollte, wer da gerade neben einem steht. Ausführlicher werden wir in der Rubrik aUsGEholt auf diese neue Phase der Repression eingehen und können diesen Text jedem nur ans Herz legen. 

Den Kopf in Sand stecken gilt aber natürlich eh nicht, Solidarität ist unsere Waffe und wir werden auch aus dieser Zeit gestärkt herausgehen. Klingt abgedroschen, aber genau das macht unsere Bewegung aus. In diesem Sinne.

Auf geht´s Schalke – Kämpfen und Siegen.

FC Schalke 04 e.V. – DSC Arminia Bielefeld GmbH & Co. KGaA 1:0 (1:0)

Nordkurve Gelsenkirchen

Bestes Wetter, Freitagabend und ein ebenso traditionsreiches wie wichtiges NRW-Duell gegen die Arminia aus Bielefeld. Fußballherz, was willst du mehr?

Schon beim Einsingen und Pogen vor Anpfiff konnte man spüren, dass die Nordkurve an die positive Entwicklung der letzten Wochen anknüpfen wollte. Auch optisch ging es gut los. Dutzende Blinker und ordentlich blauer Rauch in den Ecken sorgten, gepaart mit einem stabilen Tifo-Einsatz, für ein rundes Intro.

Danach schafften wir es immer wieder, laute Momente zu kreieren. „Eine Stadt erstrahlt in Blau“ bleibt hier in besonders guter Erinnerung. Edin Dzeko ließ sich nicht lange bitten und beglückte die Königsblauen nach einer Viertelstunde mit dem 1:0. Selbstredend ging sämtliches Liedgut noch besser als zuvor von den Lippen. Mit der Führung in einem wirklich ansehnlichen Spiel im Rücken ging es bestens gelaunt in die Pause.

Durchgang zwei konnte mit einem starken „Geh’n mit dir auf jede Reise“ eröffnet werden. Um im weiterhin völlig offenen Spiel die ganze Kurve oder auch die Arena bestmöglich mitzunehmen, wurde danach eher auf leichtere Gassenhauer zurückgegriffen. Das klappte wunderbar und sorgte mehrmals für wirklich laute Minuten. Einen Schockmoment hielt das Spiel mit dem vermeintlichen Bielefelder Ausgleich auch noch bereit. Glücklicherweise wurde der Treffer aber einkassiert, während die Nordkurve während der VAR-Überprüfung durch sang, sorgte die Entscheidung beim restlichen Schalker Anhang noch einmal für komplette Ekstase. Der fade Beigeschmack des Videobeweises blieb natürlich trotzdem.

Am Ende schafften es unsere Jungs einmal mehr, das Ding über die Ziellinie zu bringen und den nächsten Dreier aufs Punktekonto zu buchen. Nach Abpfiff wurde den Emotionen freien Lauf gelassen und ein paar perfekt getimte Fackeln sorgten beim Feiern mit der Mannschaft für einen absoluten Gänsehautmoment. Unserer Kurve darf man an diesem Tag einen guten Auftritt attestieren, an den es in den verbleibenden Spielen anzuknüpfen gilt. Spitzenreiter!

Gegner

Bielefeld machte den Gästebereich mit rund 6.000 Mann komplett voll. Schon vor Anpfiff sorgte ein richtig ordentlicher Wechselgesang mit dem Oberrang für ein Ausrufezeichen. Auch danach gibt es quasi nichts  auszusetzen. Lokal Crew und Co. schafften es etliche Male, den gesamten Anhang mitzunehmen und überzeugten auch optisch mit gutem Tifo und ordentlich Bewegung im Block. Der durch den VAR aberkannte Ausgleich sorgte, verständlicherweise, für einen Einbruch. Unter dem Strich steht ein Auftritt, der in absolut positiver Erinnerung bleibt.

Freunde

Einmal mehr standen unsere Brüder aus Nürnberg und Enschede an unserer Seite. Danke Jungs!

Gegnervorstellung

Unsere letzte Gegnervorstellung der Saison beschäftigt sich mit der ostwestfälischen Arminia aus Bielefeld. Der Name Arminia geht auf den germanischen Fürsten Arminius zurück, dessen Namen viele deutsche Vereine um 1900 als patriotisches Symbol wählten. Heimstadion des Vereins ist die Bielefelder Alm, welche ihren Namen in den 1920er Jahren erhielt, als vor dem Stadion noch Kühe grasten. Heutzutage blickt man aus dem Gästebereich des 26.750 Plätze umfassenden Stadions heraus in eine idyllische Kleingartenanlage. Seit 2004 sind die Namensrechte allerdings an das ortsansässige Unternehmen Schüco vergeben.

Neben vier Zweitliga-Meistertiteln – zuletzt in der Saison 2019/20 – und zwei Drittliga-Meistertiteln – zuletzt in der Saison 2024/25 – ist der jüngste sportliche Erfolg in der Vereinsgeschichte wohl der Einzug ins DFB-Pokalfinale 2024/25, welches 2:4 gegen den VfB Stuttgart verloren wurde.

Rechtsform:

Seit dem 1. Juli 2001 ist die Lizenzspielerabteilung der Arminia ausgegliedert in die DSC Arminia Bielefeld GmbH & Co. KGaA. Der Stammverein Deutscher Sportclub Arminia Bielefeld e. V. wurde 1905 mit dem Namen 1. Bielefelder FC “Arminia” gegründet. Heutzutage zählt der Verein knapp über 29.000 Mitglieder, insbesondere beflügelt durch den jüngsten Erfolg im DFB-Pokal, hatte der Verein im August 2024 noch gerade einmal 16.000 Mitglieder.

Fanszene:

Im Dunstkreis von Kutten, Hools und Normalos begründeten im Jahr 1995 die BOYS Bielefeld den Startschuss der Bielefelder Ultrà-Szene. Erste ultrà-ähnliche Strömungen trugen in den späten 90er Jahren zudem die Gruppen Fantastic Blue und Blue Yankees mit. 2001 wurden als eine Art Dachverband für aktive Arminia-Fans die Ultras Bielefeld gegründet und bereits im Februar 2004 wieder aufgelöst. Grund war die angebliche Beschmutzung des Begriffs “Ultras” aufgrund der Zunahme von Gewalt in und außerhalb der Stadien, mit dem sich die gewalt-ablehnende Gruppe nicht weiter identifizieren konnte.

Mit dem Umzug der aktiven Fanszene in den neu geschaffenen Block 1 im Sommer 2006 gründete sich die heute tonangebende Gruppe Lokal Crew. Angeschlossene Gruppen sind Sparrenkollektiv, Companions und Sektion Wittekind. Nach einem Einbruch in das Fahnenlager der Fanszene und dem damit verbundenen Abhandenkommen der Zaunfahne der Lokal Crew im Jahr 2014 trat man für etwa 1,5 Jahre hinter einer “Block Eins Ultras” Zaunfahne nach außen auf, ehe man seit der Rückrunde 2015/16 mit neu gepinselter Fahne nunmehr wieder hinter dem Namen Lokal Crew steht. Die entwendete Zaunfahne hat bis heute nicht wieder das Licht der Welt erblickt.

Seit der Saison 2022/23 findet sich außerdem die Zaunfahne der BOYS Bielefeld nicht mehr im Block 1, womit man sich offenbar endgültig von “Ultrà” abgewandt hat.

Freundschaften:

In den späten 90er und frühen 00er Jahren entwickelten sich in der anfänglichen Bielefelder Ultrà-Szene neben einer Freundschaft nach Hannover (Komplott Hannovera und Verrückte Meute) vereinzelte freundschaftliche Kontakte nach Hamburg (Chosen Few), Nürnberg (Psychopathen), Ultras Leverkusen und Berlin (Harlekins).

Heutzutage pflegt die aktive Fanszene der Arminia Freundschaften zum FC Savoia 1908 aus der italienischen Serie D und Ultras Düsseldorf. Darüber hinaus bestehen weiterhin freundschaftliche Kontakte nach Hamburg und Hannover aus vergangenen Zeiten, auch wenn die offiziellen Fanfreundschaften bereits aufgekündigt wurden.

Feinde:

Feinde sieht man in Dortmund, Bochum, Osnabrück und Münster, wobei Letzteres neben der geografischen Nähe insbesondere durch gegenseitige Fahnendiebstähle in der Vergangenheit manifestiert wurde.

Nordkurve Nürnberg

Aktuelle Lage

Letzte Woche Samstag empfing der Glubb die Fortuna aus Düsseldorf. Einen ausführlichen Spielbericht dazu findet ihr weiter unten.

Gestern ging es für die Glubberer in den hohen Norden zum Spiel gegen Kiel – vor der Länderspielpause empfängt der 1. FCN zu Hause das Team aus Kaiserslautern.

1. FC Nürnberg e.V. – Düsseldorfer Turn- und Sportverein Fortuna 1895 e.V. 0:1 (0:0)

Nach unserem Bielefeld-Spiel ging es trotz kurzer Nacht für mehrere Auto-Besatzungen am Samstagmorgen Richtung Nürnberg, um unsere Freunde beim Spiel gegen die Düsseldorfer Fortuna zu unterstützen. Angekommen am Stadion suchten wir direkt den neuen Biergarten auf. Dieser ist seit einiger Zeit mit allerhand Sitzmöglichkeiten im Stadionumlauf zu finden und war bei bestem Frühlingswetter natürlich brechend voll.

Rund 15 Minuten vor Anpfiff begann die Nordkurve Nürnberg, sich einzusingen und packte dazu zwei ältere Lieder aus. Die Mannschaft auf dem Platz hielt leider nicht, was der Wettergott versprach und so gab es in der ersten Hälfte bis auf ein nicht gegebenes Tor keine weiteren nennenswerten Aktionen des FCN. Der magere Spielverlauf spiegelte sich auch in der Stimmung wider. So konnte selten das Stadion mitgenommen werden und die Lieder wurden nicht so lange gehalten, wie man es eigentlich gewohnt ist.

Der Glubb kam besser in die zweite Hälfte der Partie, allerdings war es Düsseldorf, welches kurz vor‘m „Ganz kleinen Bub“ die Führung erzielte. Nürnberg warf nochmal einiges rein, am Ende wurden die letzten Pässe jedoch nicht an den Mann gebracht und es fehlte an wirklich zwingenden Torchancen.

Der Gästeanhang konnte mit einem ansehnlichen Tifoeinsatz und durchgängiger Bewegung überzeugen, das wars dann aber schon wieder. Akustisch kam auch nach der Führung bei uns nichts an, was natürlich zum Teil an den baulichen Gegebenheiten liegt.

Spätestens mit einem Sani-Einsatz kurz vor Ende der Partie war dann die Luft in der Nordkurve raus und die Spieler wurden nach Abpfiff bedient in die Kabine geschickt.

Der restliche Samstag wurde im Lokale Grande verbracht, da zum fränkisch-italienischen Abend eingeladen wurde. Italien-Liebhaber kamen bei hervorragender Pinsa und Pasta komplett auf ihre Kosten und konnten anschließend mit Vino Bianco oder Vino Rosso for free auch flüssige italienische Highlights genießen. Für den fränkischen Part des Mottos sorgten über 30 verschiedene Biersorten und so war das Spiel schnell in Vergessenheit geraten. Für den einen oder anderen von uns gab’s im Anschluss noch eine Tour durchs Fanzine-Archiv, welches mit seinen rund 7.000 Heften und Büchern das Fanzine-Herz um einiges schneller schlagen lässt.

Am Ende kann man sich nur für die erneute Gastfreundschaft bedanken!

Schalke und der FCN!

Komiti Skopje

Aktuelle Lage

Nur eine Woche seit der vergangenen Ausgabe des Blauen Briefs. Dementsprechend wenig ist am Balkan in den letzten Tagen passiert. Vardar spielte wieder einmal an allen Tagen außer dem Wochenende. Donnerstags stand das Topspiel gegen Shkendija an. Nach dem Unentschieden gegen den Drittplatzierten FC Struga wurde dies zu Hause leider mit 0:1 verloren. Wenige Tage später stand das letzte Rückrundenspiel auswärts bei Sileks Kratovo auf dem Programm. Aufgrund des erneuten Termins auf einem Werktag (Montag) boykottiert Komiti die Partie. Vardar gewann dennoch 1:0 und steht somit weiterhin knapp an der Tabellenspitze. Nachdem nun die Hin- und Rückrunde gespielt ist, steht ab nächster Woche die finale dritte Runde des Ligabetriebs an.

Curva Sud Siberiano

Aktuelle Lage

Das Spiel gegen den ungeliebten Nachbarn aus Caserta verlor die Granata auswärts 1:0 und ließ abermals wichtige Punkte liegen. Wieder einmal durften keine Gäste anreisen, sodass die Fanszene das Spiel vom heimischen Fernseher aus verfolgen musste.

Das Heimspiel gegen Latina fand am Weltfrauentag statt, der in Italien viel Beachtung erhält. Die italienische Gesellschaft ist für das Thema Femizide durch die Berichterstattung über die vielen Morde an Frauen durch ihre (Ex)-Partner in Italien sehr sensibilisiert und schenkt diesem Tag daher viel Aufmerksamkeit. Die Ultras der Curva Sud Siberiano haben daher die traditionellen gelben Mimosen an alle Frauen in der Kurve verschenkt und ein Spruchband gezeigt “Eine Welt ohne Frauen ist wie eine Welt ohne Salernitana”.

Das Spiel konnte Granata durch die Tore von Cabianca und Lescano trotz Unterzahl mit 2:1 gewinnen. Etwa 80 Gäste aus der Stadt südlich von Rom hatten sich im Block eingefunden. Das Stadion hatte mit 7.000 Zuschauern den bisher niedrigsten Zuschauerwert der Saison. Viele Fans haben aus Protest, Frust und anderen ähnlichen Motiven, trotz Dauerkarte, darauf verzichtet, zum Spiel zu kommen. Obwohl das Spiel gewonnen werden konnte, hat man sowohl Fans als auch Spielern angemerkt, dass hier niemandem wirklich zu feiern zumute war und so begab sich die Elf auch unmittelbar nach Schlusspfiff in die Kabine.

Mit zwei Punkten Rückstand auf den Drittplatzierten Cosenza und sechs Punkten auf den Zweiten Catania steht Salernitana aktuell auf Platz vier der Tabelle und spielt noch um die wichtigen Platzierungen für die Playoffs.

Mitgliederkongress 2026

Neben der Mitgliederversammlung des F.C. Schalke 04 e.V. ist der jährliche Mitgliederkongress ein Tag, an dem man als Mitglied direkten Einfluss nehmen und unseren Verein mitgestalten kann. Die vierte Veranstaltung dieser Art fand am Samstag nach dem 1:0 Heimsieg gegen Bielefeld statt. Ab 10 Uhr trudelten die teilnehmenden Mitglieder nach und nach im Glückauf Club in der Arena ein. Nach dem ersten Kaffee wurde der Kongress um 11:04 Uhr von Moderator Prof. Dr. Karl-Martin Obermeier eröffnet. Diverse Vereinsvertreter, unter anderem auch Vorstand Matthias Tillmann, begrüßten die Anwesenden und erklärten den Tagesablauf. Nach rund 30 Minuten folgte die erste von zwei Workshop-Phasen. Bei der Anmeldung konnte man aus acht Workshops drei, nach Priorität geordnet, auswählen, an denen man teilnehmen wollte. Zwei Workshops wurden im Nachgang aus internen Gründen gestrichen, sodass die Mitglieder in sechs Workshops diskutierten, Probleme erörterten und Lösungsansätze überlegten. Diese waren:

• Fankultur
• Fanclubkultur
• #STEHTAUF
• Familien auf Schalke
• Auswärtsspiele
• Barrierefreies Schalke

Gestärkt ging es nach der Mittagspause in die zweite Workshoprunde. Zwei Stunden später neigte sich der Mitgliederkongress bereits dem Ende zu. Beim Abschluss wurden die Ergebnisse der Workshops Barrierefreies Schalke und Familien auf Schalke vorgestellt. An Stellwänden konnte man die Ergebnisse aller Workshops nachlesen.

Wie viel Gehaltvolles und Umsetzbares am Ende rumgekommen ist, wird sich zeigen. Es bleibt aber festzuhalten, dass unser Verein mit dem Mitgliederkongress seinen Mitgliedern unmittelbar die Chance gibt, den Club konkret mitzugestalten. Gewisse Maßnahmen in den letzten Monaten sind auf Ideen aus den Mitgliederkongressen der letzten Jahre zurückzuführen. Dies zeigt, dass sich der Verein mit den Ergebnissen auch wirklich beschäftigt und es keine vergeudete Zeit ist. Es wäre daher schön, wenn sich im nächsten Jahr wieder ein paar mehr Königsblaue motivieren können, an diesem Kongress teilzunehmen.

Im letzten und vielleicht interessantesten Teil geht es zurück ins Stadion. Wie entstehen die Lieder? Wie läuft es mit Stadionverboten? Und wie wird eine Freundschaft zwischen einer kolumbianischen und einer argentinischen Gruppe eigentlich mit Leben gefüllt? Auf diese und viele andere Fragen findet ihr in diesem Teil eine Antwort.
Wir hoffen, dass euch diese kleine Reise nach Kolumbien ebenso gefallen hat wie uns und bedanken uns an dieser Stelle nochmal aufrichtig beim Comandos Azules für das Interview.

Interview Comandos Azules (Millonarios FC) Teil 3

Wie entstehen die Lieder und Gesänge, die auf der Tribüne gesungen werden? Wie werden sie entschieden und wie schafft ihr es, dass die ganze Fanszene sie lernt?

Comandos Azules: Also, ich persönlich war zwölf Jahre lang Teil der Instrumentalgruppe, deshalb bin ich tief involviert in die Komposition und Interpretation der Lieder.

Wichtig ist, dass ein Lied, um gut anzukommen, aktuell ist, also einen musikalischen Rhythmus hat, der gerade im Trend liegt. Der Text hingegen muss voller Leidenschaft sein, die Energie transportieren, die wir der Mannschaft geben und die Liebe zu den Farben widerspiegeln. Es geht darum, zu feiern, was Millonarios bedeutet.

Wenn man sich die Lieder anderer Barras in Kolumbien anhört, merkt man schnell, dass sie oft gegen andere Fangruppen singen, „die Hurensöhne von Millonarios“, „die Hühner“ und so weiter. Wir machen das fast gar nicht.

Wir haben ein Lied gegen Santa Fe, eins gegen Nacional und das war’s. Und die wissen auch, dass die gegen sie sind. Aber der große Fokus liegt bei uns auf positiven Gesängen, die unser Team feiern, nicht die Rivalen beleidigen.

In Bezug auf die Musik:

Unsere Band besteht normalerweise aus: 16 großen Trommeln (bombos), 16 Snare-Drums (redoblantes) und drei Repinique-Trommeln (repiques).

Je nachdem, wie es der Barra gerade geht, ändert sich das Setup. Wir hatten auch schon Zeiten, in denen wir nur zwei Trommeln und eine kleine Percussion hatten. Aber je mehr sich die Fans zusammenschließen, desto größer wird auch die musikalische Kraft und desto mächtiger klingt das Ganze im Stadion.

In Lateinamerika ist es ja oft so, dass viele Melodien gleich klingen, wie zum Beispiel „Sonar pompa“.

Comandos Azules: Dass sich manche Lieder ähneln, liegt letztlich am Klang – am rhythmischen Ursprung. Wir haben versucht, das ein wenig mit Barrett-Elementen zu vermischen, besonders nachdem wir bei den Weltmeisterschaften waren. Wir wollten den Liedern ein anderes „Gewürz“ hinzufügen, eine neue Note, dabei aber die gleiche Leidenschaft und Euphorie erhalten.

Ich persönlich verteidige sehr unsere Fußballkultur, denn ich kenne die Fangemeinde von Millonarios. Es ist eine Fanszene, die mit dem Herzen singt.

Manchmal mag es sich vielleicht nach argentinischen Fangesängen anhören, aber das ist einfach ein Teil des Klangbilds, das beim Publikum Gänsehaut auslöst. Die Gesänge wirken ähnlich, ja. Aber wer sich mit der Komposition auskennt, die Rhythmen versteht und versucht, bewusst mit Tonlage und Melodie zu singen, merkt: Das ist etwas Eigenes.

Es geht also nicht um Kopie, sondern um emotionale Wirkung. Um das, was die Leute im Stadion wirklich spüren, wenn sie mitsingen.

Wir haben mal ein Lied auf der Basis von Fito Páez’ „Mariposa Tecknicolor“ gemacht. Ich hatte diese Musik als Kind gehört, bin damit eingeschlafen und als wir sie im Stadion-Kontext wiederentdeckten, passte sie einfach perfekt zu Millonarios. Der spanischsprachige Rock, vor allem der argentinische, ist ikonisch in Kolumbien. Wir selbst haben keine so starke Rockszene wie Argentinien, deshalb kommen viele Stadionlieder aus deren Musikkultur.

Aber auch die Argentinier übernehmen Melodien von überall, es ist ein offenes System.
Als der Boom der Barras begann, kam vieles aus Argentinien zu uns: die Cassetten, die ersten Lieder, die Struktur der Barra. Darum haben wir bis heute so eine enge Verbindung mit Gruppen wie „Los Borrachos del Tablón“. Da entstanden Brücken, Freundschaften, auch durch den Austausch von Instrumenten.

Zum Beispiel waren wir die erste Barra in Kolumbien, die ein Repique (eine spezielle Trommel) hatte. Seit 2004 und unser damaliger Chef brachte es aus Argentinien mit, um unseren eigenen Sound zu entwickeln. Das bedeutet aber nicht, dass wir spielen wie sie. Es ist einfach so: Die Musik entzündet das Feuer, die Emotion im Stadion, die Leidenschaft.

Wir haben auch Lieder mit kolumbianischen Rhythmen, zum Beispiel basierend auf Songs von Shakira oder anderen lokalen Künstlern. Es geht nicht nur um Argentinien, sondern darum, was uns emotional bewegt.

Welche Art von Sanktionen verhängt der Staat bei Auseinandersetzungen? Gibt es Sanktionen wie Stadionverbote?

Comandos Azules: Nun, wir haben hier im Laufe der Jahre viele Situationen erlebt, in denen wir bestraft wurden. Dazu gehören unter anderem die Spaltung der Gruppe, Polizeipräsenz auf der Tribüne, das Verbot, mit Trikots ins Stadion zu gehen, Reiseverbote für organisierte Fangruppen und sogar der Verlust unserer eigenen Tribüne über Jahre hinweg – wir durften nicht mehr auf unsere eigene Tribüne. Aber das hat uns letztlich nicht wirklich beeinträchtigt, denn wir sind trotzdem immer ins Stadion gegangen.

Es gab auch eine Zeit, in der man das sogenannte „Recht auf Einlassverweigerung“ durchsetzen wollte. Einzelne Personen bekamen Zutrittsverbote, aber das war höchstens für sechs Monate. Das war genau zu der Zeit, als Miguel Sicherheitssekretär der Stadt Bogotá war, eine schwierige Phase. Er wollte das Thatcher-Modell anwenden und das Hooliganismus-Gesetz umsetzen. Damals durften wir nur noch neutrale, weiße T-Shirts tragen. Es gab also durchaus Einschränkungen und Sanktionen. Aber keine, die uns dauerhaft davon abhalten konnten, ins Stadion zu gehen.

Aber wie wird eigentlich kontrolliert, ob jemand ein Stadionverbot hat?

Comandos Azules: Das war in den Jahren 2013 und 2014, in der Zeit, als dieser Sicherheitsbeamte aktiv war. Es gab Einlassverbote, aber wie gesagt: maximal ein halbes Jahr. Es wurde nie wie in anderen Ländern gehandhabt, wo man jahrelang gesperrt wird oder sich während der Spiele bei der Polizei melden muss. So etwas gab es hier nicht. In Deutschland zum Beispiel gibt es spezielle Polizeieinheiten nur für die Fanszenen. Das sind oft Zivilbeamte, die sich unter die Gruppen mischen. Auch hier in Kolumbien hat man das versucht. Es gab Zivilpolizisten und wenn wir sie enttarnten, stand dann meist gleich ein Polizeiwagen in der Nähe. Aber wir haben begonnen, uns diese Räume wieder zurückzuerobern. Wir arbeiten aktuell daran, ein rechtliches Fundament zu schaffen, mit Rechten und Pflichten.

Neben den Auswärtsspielen in der Liga begleitet ihr das Team auch bei internationalen Turnieren wie der Copa Libertadores?

Comandos Azuels: Nun, die Fanszene von Millonarios ist wirklich sehr engagiert. Wenn das Team auswärts spielt, sind wir fast immer dabei, unabhängig vom Ort. Leider ist es der Verein selbst, der dem nicht gerecht wird. Unser Wunsch ist es, dass Millonarios ein wirklich wettbewerbsfähiger Club ist, ein Verein, der dem Niveau seiner Fans entspricht.
Wir als Fans sind immer bereit, die Mannschaft überallhin zu begleiten. Sei es innerhalb Kolumbiens oder auch zu internationalen Spielen, zum Beispiel nach Europa oder in die USA, wenn dort Freundschaftsturniere stattfinden. Leider tritt das Team bei hochkarätigen Wettbewerben in Südamerika, wie der Copa Libertadores, nicht auf dem sportlichen Niveau auf, das wir uns wünschen würden. Aber unabhängig davon: Wir reisen überallhin mit. Die Fahne wird immer hochgehalten.

Wie gelingt es euch, an solchen Spielen teilzunehmen – angesichts der weiten Entfernungen und der hohen Reisekosten in Südamerika?

Die Antwort liegt im Fanatismus, in der tiefen Verbundenheit mit dem Verein. Viele opfern sehr viel. Sie kündigen ihre Jobs, lassen ihre Familien zurück, nur um ihrem Herzensclub hinterher zu reisen. In den meisten Fällen läuft das über Selbstorganisation, jeder trägt seine Kosten selbst. Innerhalb der einzelnen Fangruppen („Parches“) gibt es aber auch finanzielle Solidarität. Es werden gemeinsame Fonds organisiert oder Beiträge gesammelt, um Mitglieder bei den Reisekosten zu unterstützen. Das hängt immer von der jeweiligen Gruppe ab. In unserer Gruppe gibt es immer Unterstützung, es wird gesammelt, sobald eine Auswärtsreise ansteht. Natürlich ist die Höhe dieser Unterstützung abhängig von der Entfernung und dem Zielland. Aber wichtig ist: Es ist alles freiwillig. Niemand ist verpflichtet, zu zahlen oder zu reisen. Wer mitfährt, entscheidet das eigenverantwortlich und trägt grundsätzlich seine eigenen Kosten.

Apropos Südamerika: Wir wissen, dass ihr seit vielen Jahren eine enge Freundschaft mit den Fangruppen von River Plate aus Buenos Aires pflegt. Wie ist diese Beziehung entstanden und wie bleibt sie trotz der Distanz lebendig? Wir haben gehört, dass Ende letzten Jahres eine große Gruppe von euch zu Besuch in Argentinien war…

Comandos Azuels: Nun, die Verbindung zu River Plate – abgesehen davon, dass sie wie wir auch „Los Millonarios“ heißen – besteht schon sehr lange. Sie geht zurück auf die Zeit des „El Dorado“ im kolumbianischen Fußball, als viele argentinische Spieler wegen der damaligen Krise in Argentinien nach Kolumbien kamen. Damals entstand eine erste Nähe.

In den frühen 2000er-Jahren wurde die Beziehung dann vertieft, als River Plate zu Freundschaftsspielen nach Kolumbien reiste. Wir als Fangruppe haben damals beschlossen, sie zu begleiten und zu unterstützen. Viele unserer Gründungsmitglieder reisten in dieser Zeit auch nach Argentinien und so wurde ein enges Band zwischen den Gruppen geknüpft. Wir stehen heute in direktem Kontakt mit verschiedenen „Parches“ von River Plate, zum Beispiel mit den Jungs aus Entre Ríos. Auch wenn manche dieser Gruppen nicht die prominentesten sind, bieten wir ihnen immer Gastfreundschaft. Egal, ob sie nach Kolumbien kommen oder wir nach Argentinien reisen. Es ist eine gelebte Verbundenheit, eine echte Freundschaft, die nicht infrage gestellt wird, weil sie auf jahrzehntelangem Vertrauen und gegenseitigem Respekt basiert.

Wie läuft dieser Kontakt konkret ab? Kommen regelmäßig Personen aus Argentinien zu euch oder reisen Mitglieder von euch nach Buenos Aires? Gibt es jemanden, der die Tickets organisiert oder die Reise plant?

Comandos Azules: Der Kontakt ist direkt und persönlich. Wenn beispielsweise jemand aus unserer Gruppe nach Buenos Aires reist oder ein River-Fan nach Bogotá kommt, wird das nicht als etwas Außergewöhnliches betrachtet. In der Regel handelt es sich um eine Art symbolische Vertretung der jeweiligen Gruppe, oft von den „Comandos“. Die jeweiligen Anführer kennen sich bereits seit vielen Jahren und auf beiden Seiten wird stets Gastfreundschaft gewährt. Es ist eine Freundschaft, die sich auf gegenseitige Unterstützung und Respekt gründet.

Ein Beispiel: Bei Spielen wie dem, bei dem auch jemand von euch dabei war, sind die Tickets oft schon lange ausverkauft. Aber durch die engen Verbindungen ist es manchmal trotzdem möglich, noch Karten zu bekommen oder Zugang zu Bereichen zu erhalten, die normalerweise für Touristen oder Außenstehende verschlossen bleiben.

Das ist wie ein stilles Abkommen, eine langjährige Allianz zwischen beiden Gruppen. Selbst in Argentinien, wo das „Recht auf Einlassverweigerung“ (derecho de admisión) vielen Fangruppen stark zugesetzt hat, bleiben diese Kontakte bestehen. Und auch wir halten als Kollektiv weiterhin zusammen, unabhängig von staatlichem Druck.

Habt ihr auch Freundschaften oder Verbindungen zu Fangruppen aus anderen Ländern? Zum Beispiel kursierte mal ein Foto mit einer Darmstadt-Fahne (Deutschland) zusammen mit Millonarios-Fans…

Comandos Azules: Nun, das Foto, das du erwähnst, steht nicht direkt in Verbindung mit unserer Gruppe, den Comandos Azules. Es handelt sich wahrscheinlich um Millonarios-Fans, die unabhängig von der organisierten Barra Kontakte zu anderen Fangruppen geknüpft haben. Aber das geschah nicht offiziell oder im Namen der Comandos Azules, also nicht durch unsere Struktur oder Führung. Deshalb kann man solche Kontakte eher als einzelne, lose Freundschaften betrachten, nicht als echte, über Jahre gewachsene Allianz wie die mit River Plate, bei der es viele belegbare gemeinsame Erlebnisse und Verbindungen gibt. Was solche Flaggenfotos betrifft: Ja, es sind Fans, aber sie gehören nicht offiziell zur Barra Brava oder unserer Gruppe.

Natürlich haben wir im Laufe der Zeit auch andere freundschaftliche Begegnungen mit Fans aus anderen Ländern gehabt. In Brasilien zum Beispiel hatten wir einmal sehr guten Kontakt zur Fangruppe The Fiel von Corinthians. Allerdings pflegen diese eine deutlich engere Verbindung zu América de Cali, da es Überschneidungen bei den Spielern gab. Einige, die bei Corinthians gespielt haben, waren zuvor oder später bei América.

Solche Konstellationen schaffen dann für uns eher eine Distanz, weshalb sich diese Verbindung nicht weiter vertieft hat. Das heißt nicht, dass wir nur mit River Plate befreundet sind. Es gibt auch einzelne Gruppen (Parches), die Freundschaften mit Fans in Paraguay oder Chile haben, zum Beispiel mit der U de Chile. Dort besteht tatsächlich eine enge Verbindung auf Gruppenebene.

Insgesamt lässt sich sagen: Diese Freundschaften entstehen nicht zwischen zwei Vereinen im klassischen Sinne, sondern vielmehr zwischen den jeweiligen Fangruppen, den Parches. Und das entwickelt sich meist aus Begegnungen, etwa bei Turnieren wie der Copa América oder anderen internationalen Events.

Nach den Freunden fehlen jetzt die Feinde. So wie wir, habt auch ihr mehrere Rivalen. Was könnt ihr dazu sagen? Wer ist aktuell euer größter Rivale?

Comandos Azules: Nun, das ist eine Frage, die uns unser ganzes Leben lang gestellt wird – bei jeder Umfrage, in jedem Interview: Wen hasst ihr am meisten? Aber innerhalb unserer Gruppe gibt es niemanden, den wir mehr hassen als andere. Wir haben nie echte Freundschaften mit anderen Fanlagern geschlossen und deshalb sind sie für uns im Prinzip alle gleich. Natürlich gibt es Fangruppen, mit denen wir deutlich mehr Konflikte hatten, mit Toten und Verletzten.

Wenn wir es also in eine Rangliste fassen müssten: Ja, wir verachten sie alle, aber wenn es darum geht, mit wem es die tiefsten Feindschaften gibt, dann stehen unangefochten die aus Cali und Atlético Nacional ganz oben.

Was Cali betrifft: Sportlich gesehen ist es die einzige Mannschaft, die uns in gewisser Weise dominiert. Ihre Denkweise ist unserer sogar relativ ähnlich, was ihre Struktur und Organisation angeht und das macht die Rivalität umso intensiver. Der Hass entsteht aus dem sportlichen Wettbewerb, aus dem Kampf um die Tribüne, aus den Choreografien, den Bannern – alles ist auf Augenhöhe.

Mit Nacional ist es etwas anderes. Sie sind sportlich weit von uns entfernt, auch in puncto Fanszene. Ihre Fangruppen hängen stark von mafiösen Strukturen und externen Faktoren ab. Im Gegensatz zu uns, die völlig selbstorganisiert sind. Deshalb stehen diese beiden Fangruppen bei uns ganz oben auf der Liste der meistverachteten.

Aber ehrlich gesagt, wir haben mit Allen rivalisierende Beziehungen. Ob bei Aufmärschen, Choreos, Pyroaktionen oder Festen, wir setzen Maßstäbe. Und wenn andere da mithalten wollen, müssen sie sich zusammenschließen, um überhaupt annähernd an unser Niveau heranzukommen.

Und dann ist da noch Santa Fe. Santa Fe ist unser klassischer Stadtrivale. Bogotá hat vier große Fangruppen, aber Nacional und América de Cali sind deutlich größer als Santa Fe. Trotzdem ist Santa Fe der ewige lokale Gegner, aber sie waren für uns nie eine ernstzunehmende Konkurrenz auf der Tribüne. In Sachen Straßenpräsenz, Auseinandersetzungen und echter Feindschaft treffen wir zwar häufiger auf Santa-Fe-Fans, aber die wirklich tiefen Rivalitäten leben mit anderen Gruppen. Santa Fe ist uns da emotional und ideologisch ziemlich fern.

Zum Abschluss: Gibt es eine besondere Anekdote oder Geschichte, die ihr mit unseren Leserinnen und Lesern teilen möchtet? Ein unvergessliches Spiel, ein Moment, der euch geprägt hat?

Comandos Azules: Für mich als Fan war es ganz klar, als wir unseren 14. Meistertitel gewonnen haben. Es waren 28 Jahre ohne Titel und ich selbst war davon schon zwölf bis 15 Jahre als treuer Fan dabei. Aus dieser langen Durststrecke endlich herauszukommen, war für mich etwas Unglaubliches. Eine Finalpartie zu erleben und sie auch noch zu gewinnen, war unbeschreiblich. Alles, was auf der Tribüne passiert ist: die Pyrotechnik, die Atmosphäre, die Anspannung, die emotionale Achterbahnfahrt. Es gab auch Fehler bei der Pyro, Momente höchster Nervosität und Anspannung. Aber am Ende haben wir das Finale im eigenen Stadion gewonnen. Ich würde sagen: Für mich war das einer der bedeutendsten Momente meines Lebens als Fan. Damals war ich zudem für die Instrumente verantwortlich. Ich habe während des gesamten Spiels die Musik koordiniert und gespielt. Es war einfach wunderschön, die ganze Partie musikalisch zu begleiten und so ein Teil dieser Emotion zu sein.

Ein weiterer großartiger Moment war ein Auswärtssieg gegen Santa Fe, als wir als Fans inkognito im Stadion waren und die Mannschaft dort den Sieg feierte.
Ohne Genehmigung, ohne offizielle Fanpräsenz – ein Erlebnis, das sich tief eingeprägt hat.

Aber wenn ich es abwägen müsste: Der Moment, als wir die 28-jährige Titellosigkeit beendet haben, wiegt emotional deutlich mehr als der Auswärtssieg gegen Santa Fe in unserer eigenen Stadt.

Damals mussten wir buchstäblich kämpfen, um überhaupt in die Nähe des Stadions zu kommen. Wir standen nur ein paar Blocks vom Estadio Azul entfernt, demselben Stadion, in dem wir unser erstes großes Finale erlebt hatten. Solche Erlebnisse machen all die Opfer lohnenswert, die man für diese Fanliebe bringt. Für Millonarios, für den Aufbau einer wahren Fankultur. Gerade in einem Land wie Kolumbien, wo man Fangruppen oft pauschal mit Gewalt und Drogen assoziiert, ist es wichtig zu zeigen: Für uns ist das ein Lebensstil. Und ihn auf positive Weise zu leben, das ist der wahre Erfolg einer gut organisierten Fangemeinschaft.

Vielen Dank für das Interview

Wenn die Politik den Dialog predigt und die Polizei den Knüppel tanzen lässt

Erinnert ihr euch noch an den Dezember 2025? Die Schlagzeilen überschlugen sich: „Sieg für Fußball-Fans“ (WELT, 04.12.2025), „Dialog statt Konfrontation“ (NDR.de, 05.12.2025). Nach Wochen des Schweigens in den Stadien und dem bundesweiten 12-Minuten-Boykott, schienen die Herren und Damen Innenminister in Bremen plötzlich ganz zahm. Ulrich Mäurer (SPD) gab den weisen Moderator und sogar Hardliner wie Joachim Herrmann (CSU) schwafelten plötzlich von „Augenmaß“ und „Dialog“.

Man verkündete stolz: Keine personalisierten Tickets, keine flächendeckende Gesichtserkennung – vorerst. Ein Erfolg? Vielleicht auf dem Papier. Doch wer die Abschlussprotokolle der 224. IMK aufmerksam liest, erkennt schnell: Das war kein Rückzug oder Entgegenkommen, sondern eine Nebelkerze.

Während man bei der Überwachungstechnologie medienwirksam einen Gang zurückschaltete, wurde an anderer Stelle ein repressives Monstrum geschaffen: die „zentrale, unabhängige Stadionverbotskommission“. Was klingt wie eine neutrale Schiedsstelle, ist in Wahrheit der Versuch, Stadionverbote endgültig von jeglicher richterlicher Kontrolle zu entkoppeln.

Die Logik der IMK ist perfide: Man will „einheitliche Standards“. Im Klartext heißt das: Ein Stadionverbot soll künftig bundesweit am Reißbrett einer Behörde entstehen, noch bevor überhaupt ein Staatsanwalt die Akte gesehen hat. Die Unschuldsvermutung? Ein nettes Konzept für Jura-Erstsemester, aber laut IMK-Logik hinderlich bei der Kontrolle der Kurven. Wenn die Polizei „Erkenntnisse“ hat – egal wie dünn diese sind –, sollen die Vereine künftig per „Empfehlung“ dieser Kommission zur Sanktion gezwungen werden. Es lebe der Generalverdacht.

Besonders zynisch wird es, wenn man die vergangenen Monate betrachtet. Da die großen Gesetzesverschärfungen am Widerstand der Fanszenen und Vereine (ja, sogar DFL und DFB waren diesmal skeptisch) scheiterten, scheint die Polizei auf der Straße nun auf eigene Faust „nachzubessern“ oder die rückläufigen Fallzahlen aus der Vor-Saison 2024/2025 wieder aufzuhübschen. Denn trotz zunehmender Stadionbesucher nahm die Anzahl der eingeleiteten Verfahren von 6179 (2023/2024) auf 4.700 in der Saison 2024/2025 ab – einhergehend mit einer gleichzeitigen Reduzierung der Arbeitsstunden der Polizeibehörden um neun Prozent im gleichen Zeitraum.

Man nutzt jetzt exzessiv das Landespolizeirecht (PAG). Warum mühsam Straftaten nachweisen, wenn man einfach „präventiv“ ganze Busladungen aus Köln oder Paderborn auf der Autobahn abfangen und zurückschicken kann? Die IMK hat den Rahmen geschaffen: Indem sie das „Sicherheitsproblem“ künstlich am Leben erhält, liefert sie die ideologische Rechtfertigung für die Sippenhaft 2.0. In Bremen wurde auch das Hohelied der „Stadionallianzen“ gesungen – das vertrauensvolle Miteinander von Polizei, Verein und Fans. Doch wie dieses „Vertrauen“ aussieht, haben wir in Berlin gegen Schalke oder beim Bayern-Gastspiel in Dortmund gesehen. Wenn Einheiten am Einlass ohne Not Panik provozieren oder Reizgas in geschlossene Mengen sprühen, ist die „Allianz“ nichts weiter als eine Beruhigungspille für die Öffentlichkeit. In Berlin scheint man sowieso ohnehin jede Verhältnismäßigkeit abgegeben zu haben.

Die Innenministerkonferenz hat im Dezember 2025 nur deshalb eingelenkt, weil der Gegenwind aus den Kurven zu stark wurde. Doch sie sind nicht abgebogen. Sie fahren den repressiven Kurs nur jetzt auf dunkleren Nebenstraßen. Während sie in Talkshows den „Dialog“ feiern, wird in den Hinterzimmern an der bundesweiten Zentralisierung der Repression gearbeitet.

Lassen wir uns von den „Erfolgsmeldungen“ aus Bremen nicht einlullen. Unsere Antwort muss wie seit Jahren die gleiche sein: Wachsam bleiben, Fanhilfen unterstützen und jedes Mal laut werden, wenn sie versuchen, unsere Grundrechte im Namen eines phantomhaften Sicherheitsgefühls zu opfern. 

Mainz: Die Anhänger des 1. FSV Mainz 05 haben eine Spendenaktion ins Leben gerufen, um an den Gewinn der Deutschen Amateurmeisterschaft von 1982 zu erinnern. Ziel ist es, innerhalb von vier Wochen 30.005 Euro zu sammeln, um ein Replikat der Carl-Riegel-Trophäe anfertigen zu lassen und nach Mainz zu holen. Damit soll ein inzwischen etwas in Vergessenheit geratener und zugleich wichtiger Teil der Vereinsgeschichte wieder sichtbar gemacht und für kommende Generationen von Fans bewahrt werden.

Bochum: Der VfL Bochum reagiert auf die Vorkommnisse beim Auswärtsspiel in Düsseldorf mit neuen Maßnahmen. Im Gästeblock kam es zum Einsatz von Pyrotechnik, bei der wohl mehrere Personen verletzt wurden, sowie zur Besetzung von Sitzplatzbereichen. Der Verein verurteilte die Vorfälle deutlich und kündigte an, die Vergabe von Auswärtstickets künftig stärker zu reglementieren, insbesondere bei der Aufteilung und Nutzung von Steh- und Sitzplätzen.
Zudem wurde gemeinsam mit Stadt, Polizei und Feuerwehr ein Lenkungskreis gegründet, der weitere Maßnahmen für den Stadionbesuch erarbeiten soll.

Dortmund: Bereits in der Ausgabe von letzter Woche (Ausgabe Nr. 12) berichteten wir über die Vorkommnisse der Partie des FC Bayern München bei den Schwarz-Gelben. Die Südkurve München hat auf ihrer Homepage die Geschehnisse chronologisch aufgearbeitet und übt dabei scharfe Kritik am Polizeieinsatz. Ausgangspunkt der Ereignisse war eine kleine Gruppe von Fans, die ohne Ticket in das Stadion gelangen wollte und dabei in eine Auseinandersetzung mit einem Ordner geriet. Die Polizei habe daraufhin circa 29 Fans eingekesselt, die später nach Personalienfeststellung ins Stadion gelassen werden sollten. Demnach eskalierte die Situation anschließend mehrfach durch das Vorgehen der Polizei. Im Stadionumlauf rückten Beamte kurz vor Spielbeginn in Formation auf wartende Fans vor und setzten Schlagstöcke sowie Pfefferspray ein, wodurch zahlreiche Personen verletzt wurden. Eine weitere gewaltsame Auseinandersetzung hat kurz vor Spielende stattgefunden. Die aktive Münchener Szene stellt den Einsatz insgesamt als unverhältnismäßig dar und spricht von gezielter Eskalation durch die Polizei, auch wenn das Verhalten einzelner Fans beim Einlass als Auslöser der Situation benannt wurde.

Stuttgart: Das Commando Cannstatt organisierte zusammen mit dem Stuttgarter Kammerorchester ein Konzert mit dem Namen „Klassik trifft Kurve’’. Mit rund 1.800 Anhängern des VfB Stuttgart gemeinsam mit dem Stuttgarter Kammerorchester verband das Konzert klassische Musik mit Stadiongesängen der Cannstatter Kurve. Neben Kompositionen bekannter Klassik-Stücke wurden auch Vereinslieder und Fangesänge orchestriert gespielt, während die Fans lautstark mitsangen. Unterstützt wurde das Projekt unter anderem von Mitgliedern des Commando Cannstatt und dem Sänger Philipp Volksmund. Die Einnahmen des Abends fließen in ein gemeinsames Bildungs- und Sozialprojekt der VfB-Stiftung „Brustring der Herzen“ und des Kammerorchesters.

Gera: Die Gruppe WismutSzene 51 veröffentlichte eine Stellungnahme und kritisierte den Polizeieinsatz rund um das Heimspiel gegen FSV Wacker 90 Nordhausen. Trotz kooperativen Verhaltens sei es bereits beim Fantreffen, am Hauptbahnhof und später im Stadion zu zahlreichen Kontrollen und Maßnahmen gekommen, die willkürlich und unverhältnismäßig waren. Personen wurden aus der Gruppe gezogen, durchsucht und teils mit Zwangsgriffen kontrolliert. Zudem wurde einzelnen Fans zeitweise die freie Bewegung im Stadion eingeschränkt und auch Sanitäranlagen durften nur unter Aufsicht ersucht werden. Die Gruppe spricht von überzogenen Maßnahmen, gerade in einem Bereich wie dem Heimstadion, in dem man sich grundsätzlich frei bewegen darf und fordert eine kritische Aufarbeitung, betont aber zugleich, dass es nicht um eine Opferrolle gehe, sondern um die Dokumentation des Vorfalls und mögliche weitere Schritte.