Glück auf Schalker, 

ein Sieg und ein Unentschieden konnten seit der letzten Ausgabe gegen die abstiegsbedrohten Vereine aus Magdeburg und Fürth eingefahren werden. Sorgte das Spiel gegen Magdeburg noch für große Euphorie im Stadion, war der letzte Samstag in Franken eher ernüchternd. Nichtsdestotrotz ist die Mannschaft auf dem richtigen Weg. Heute drei Punkte und dann mit breiter Brust in die sogenannte Crunchtime gegen die Konkurrenten um den direkten Aufstieg.

Die Talsohle in Sachen Stimmung der Nordkurve Gelsenkirchen scheint durchschritten zu sein. Nach den für unsere Verhältnisse schwachen Auftritten gegen Braunschweig, Kaiserslautern und Bochum konnten wir in den letzten Spielen endlich wieder mehr überzeugen. Klar, Luft nach oben ist immer, dennoch geht der Trend wieder in die richtige Richtung. Überhaupt ist es schön zu sehen, dass das Thema Stimmung auch außerhalb unserer Bubble zu Diskussionen führt. Noch schöner ist es, dass wir seit langer Zeit mal wieder eine externe Antwort auf einen Gedankenaustausch erhalten haben, die sich ebenfalls mit diesem Thema auseinandersetzt. Nutzt diese Rubrik, um eure Gedanken rund um die Fußball- und Ultrawelt mitzuteilen und schreibt uns unter [email protected].

Ein weiteres Highlight ist in dieser Ausgabe der zweite Teil des Interviews mit Comandos Azules aus Bogotá in Kolumbien. In diesem Interview findet ihr völlig neue Eindrücke aus einer Ultrakultur, die mit unserer nicht zu vergleichen ist, und die so auch noch nicht in deutschen Fanzines abgedruckt waren.

Mit Bielefeld haben wir heute einen Gegner auf den Rängen, dessen Kurve sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt hat. Weder die Mannschaft auf dem Feld noch wir in der Kurve sollten heute also die Ostwestfalen unterschätzen. Es gilt, von Anfang an für klare Verhältnisse zu sorgen.

Dieser Moment vor vier Wochen, als sich das Stadion zum Supportstart der Dresdner erhob, weil es sich niemand gefallen lassen wollte, von den schwarzgelben Bastarden an die Wand gesungen zu werden – das sind genau die Momente, die Schalke ausmachen. Wenn zumindest die Kurve jedem Gegner mit dieser Motivation entgegentritt, kann uns niemand aufhalten!

FC Schalke 04 e.V. – 1. FC Magdeburg Spielbetriebs GmbH 5:3 (2:1)

Vor dem Spiel

Wie schon zwei Wochen zuvor gegen die Ossis aus Dresden schien die Staatsmacht den Köttel in der Hose zu haben und fuhr sichtlich dick auf. Inwieweit die Ereignisse vor einigen Wochen bei Magdeburg vor der Heimkurve mit rein spielten, lässt sich sicherlich nur spekulieren. Jedenfalls war das Bullen-Aufgebot wieder mal völlig überzogen.

In der Nordkurve wurde die Vorfreude der Schalker deutlich, als wir 20 Minuten vor Anpfiff das alte Lied „La la lala laa … Schalke“ auf Indianer Jones erklingen ließen. Große Teile stiegen direkt ein und es kam auch sofort Bewegung in den Block. Zugegebenermaßen sorgte sogar der wieder einmal auftretende Sänger der Band „The Florians“, der „Königsblauer S04“ zum Besten gab, für gute Stimmung – der Schalker an sich ist halt schnell zu begeistern. Das Steigerlied ging nicht weniger schlecht nach vorne. Kurz vor Anpfiff zeigte ein lautes „Singen FC Schalke“, dass der Mob motiviert war.

Nordkurve Gelsenkirchen

Die Nordkurve präsentierte sich im Oberrang mit anständigem Zaunfahnenbild und knallte bei Anpfiff „Eine Stadt erstrahlt in Blau“ brachial laut heraus. Dem folgte ein „Steht auf, wenn ihr Schalker seid“ und „Schaa lalalaaaa … Schalke“, bei dem sogar das ganze Stadion einstieg.

Keine Gelegenheit blieb ungenutzt, und wir hauten lautstark Lieder und Schlachtrufe wie „Wer geht zum HSV?“, „Auf geht’s Schalke, kämpfen und siegen“ und „Für deine Farben leben und sterben wir“ raus.

In Minute 13:12 ging plötzlich im Oberrang der Südkurve ein Spruchband hoch: „Ihr für uns – Wir für Euch! Sek SV immer dabei!”. Für einen Sekundenbruchteil ratterten sichtlich die Zahnräder bei jedem Ultrà in der Nordkurve. Aber dann dämmerte es: Unsere ausgesperrten Jungs hatten klammheimlich den Gruß vorbereitet und ins Stadion gebracht – ohne, dass irgendwer es mitbekam. Die Antwort aus der Kurve kam prompt mit einem extrem lauten Gruß zurück. Hammer Aktion, Brüder! Ein Zeichen, dass wir alle auch in harten Zeiten füreinander einstehen und uns nicht spalten lassen. Und als könnte es passender nicht sein, fiel einen Moment später das erste Tor für Schalke.

Leider kassierten die Blauen bereits in der 17. Minute den Ausgleich, was mit „Ole Ole … FC Schalke 04“ einen erneuten Jetzt-Erst-Recht-Moment auslöste. Nach einer halben Stunde kam es zu einem schönen Wechselgesang zwischen der linken und rechten Hälfte der Kurve. Eine Attacke durfte natürlich auch nicht fehlen. Als Dzeko das 2:1 erzielte, erklang „Unsere Fahnen wehn‘ im Wind“, welches bis zum Halbzeitpfiff gehalten wurde.

Wir schickten die Mannschaft lautstark in die Pause und entsprechend motiviert kam sie zurück aufs Feld. Nach einem Handspiel von Magdeburg gab es einen Elfmeter, den Karaman souverän verwandelte. Nach dem 3:2 durch Magdeburg hielt die Nordkurve die Lautstärke hoch. Bei „Immer wieder S04“ musste sich niemand im Stadion bitten lassen und gefühlt stiegen alle Schalker mit ein.

Nach dem 04. Treffer unserer Mannen auf dem Platz folgte ein heftiges „Ins Stadion geh’n“, bei dem bestimmt auch der ein oder andere Pappbecher Bier nicht seiner eigentlichen Nutzung zugeführt wurde. Im gesamten Stadion schwangen die Schalker nach dem kurz darauf folgenden 5:2 die Schals zum Triumphmarsch aus Verdis „Aida“. Wie selbstverständlich machte auch jeder beim „Mythos vom Schalker Markt“ mit. Rund zehn Minuten vor Schluss animierten unsere Vorsänger das Stadion zu „Asoziale Schalker“, was gerne angenommen wurde.

Als Magdeburg auf 5:3 verkürzte, schien es, als hätten sich einige Schalker bereits ausgepowert, was sich in der Stimmung etwas niederschlug. Vielleicht war das etwas zu wenig für fünf Tore.

Nach dem Abpfiff wurde noch die Mannschaft in die Kurve gerufen, um sich zusammen auf die finale Phase der Saison einzustimmen. Nur als Einheit, auf dem Platz und den Rängen, ist das Maximum möglich. Deshalb ist es dort und hier an jedem Einzelnen, das letzte Körnchen aus sich herauszuholen!

Als die Sachen gepackt waren, wurde noch ein Foto mit dem bereits erwähnten Spruchband für unsere ausgesperrten Brüder gemacht. Jungs, bleibt standhaft! Ihr für uns – Wir für Euch!

Gegner

Magdeburg erschien wie gewohnt ohne Fahnen, Schwenker oder Doppelhalter. Somit war die starke Schalparade zu Beginn des Spiels das optische Highlight. Im Unterrang war die 1. FC Magdeburg-Zaunfahne zu sehen, sowie die CHWDP-Fahne und die Block U-Fahne im Oberrang. Die obligatorische DDR-Fahne fehlte natürlich auch nicht. Auch wenn die letzten Auftritte  besser in Erinnerung geblieben sind, kann die Stimmung ansonsten durchaus als gut bezeichnet werden. Denn trotz unserer eigenen Lautstärke war der Magdeburger Gästeanhang immer wieder zu vernehmen.

Freunde

Ein großer Dank geht an unsere Freunde aus Nürnberg, Enschede und Gladbach, die uns unterstützt haben!

 

SpVgg Greuther Fürth GmbH & Co. KGaA – FC Schalke 04 e.V. 1:1 (1:0)

Vor dem Spiel

Nach sechs Punkten aus den letzten zwei Spielen war die Gemütslage auf Schalker Seite mal wieder bestens und man konnte als Tabellenführer zum Schlusslicht nach Fürth fahren. So machte sich ein motivierter Haufen der aktiven Szene mit einigen Bussen auf den Weg in den Süden der Republik. Die Fahrt wurde mit einigen Bierchen und einem gelungenen Bingo-Spiel mit attraktiven Preisen kurzweilig gehalten. Pünktlich kamen wir am Sportpark Ronhof an und positionierten uns über die gesamte Breite des Gästeblocks. Vor dem Spiel testeten wir ein Lied, welches wir vor geraumer Zeit schon probiert haben. Mal schauen, ob es sich in Zukunft weiter durchsetzen kann. Diesbezüglich sind wir in den letzten Monaten wieder auf einem guten Weg. Daran gilt es auch künftig zu arbeiten. 

Nordkurve Gelsenkirchen

Wir läuteten das Spiel mit einer Rauch- und Pyroshow ein. Über den gesamten Steh- sowie Sitzplatzblock kamen einige Rauchtöpfe ans Tageslicht, welche den Gästesektor in unsere schönen Vereinsfarben hüllten. Die passenden weißen Bengalen rundeten die Aktion ab und so sorgten wir über die gesamte Breite des Blocks für ein sehr schönes Bild. 

Die Nordkurve wirkte direkt on point und wir starteten lautstark ins Spiel. Angetrieben von drei Vorsängern konnte oftmals der gesamte Gästeblock motiviert werden. Den ersten Dämpfer bekamen wir mit dem schnellen Gegentor in der zwölften Minute. Trotzdem hängten wir uns weiterhin rein und versuchten mit abwechselndem Liedgut auch immer wieder die anderen Schalker im Stadion mitzunehmen. Wie gewohnt hatten sich einige Blau-Weiße mit reichlich Karten außerhalb des Gästeblocks eingedeckt. So hatten wir eigentlich immer die Stimmungshoheit im Stadion.

Unsere Jungs auf dem Grün taten sich heute offensiv sehr schwer und kamen trotz viel Ballbesitz selten zu größeren Chancen. Es galt also für die Nordkurve weiter Gas zu geben und das Zünglein an der Waage zu sein. Erst spät in der zweiten Halbzeit konnten wir dann doch noch belohnt werden, als Ljubicic mit einem astreinen Fernschuss den verdienten Ausgleich in die Maschen hämmerte.

Der Support war auch über die zweite Hälfte weiterhin sehr solide und gerade nach dem Tor wollten wir natürlich nochmal alles reinwerfen, um den erlösenden Siegtreffer ins Tor zu schreien. Die Anspannung war allerdings bei allen Schalkern zu spüren und diese dämpfte dann leider etwas die Unterstützung, da einfach jeder auf Teufel komm raus diese drei Punkte wollte. Erwähnenswert aus Hälfte zwei ist definitiv das neuere Lied „S04, du ganz allein“. Einfacher Text, leichte Melodie und es findet immer mehr Anklang in der Kurve. So darf es gerne weitergehen. Alles in allem ein ordentlicher Auftritt der Nordkurve Gelsenkirchen. Es war zwar aufgrund des Spielverlaufs noch viel Luft nach oben. Dennoch gab es viele gute Momente, in denen die Kurve voll da gewesen ist.

Die Mannschaft kam nach Abpfiff noch an den Zaun und mit “Auf gehts Schalke, kämpfen und siegen” verabschiedeten wir die Jungs und gaben Kraft für die nächsten wichtigen Aufgaben.

Gegner

Die Gegenseite startete ebenfalls mit einer Pyroshow ins Spiel, was im Zusammenspiel mit dem Fahnenmeer und dem großen Spruchband vorne ganz gut aussah. Die Heimkurve schien sich im Vergleich zum letzten Mal etwas breiter aufgestellt zu haben und somit war immer wohl Bewegung zu sehen. Trotzdem hauen die einen mit ihrem kleinen Haufen weiterhin nicht vom Hocker. Es kam gesanglich absolut nichts bei uns an, weil gefühlt keiner außerhalb des Ultra-Kerns Lust hat, sich am aktiven Support zu beteiligen. Dennoch eine kleine Verbesserung zum letzten Mal.

Freunde

Beim Spiel in Fürth wurden wir von vielen Nürnberger Freunden unterstützt. Vielen Dank für euren wirklich starken Support! Ebenso nahmen Jungs aus Enschede die lange Bustour mit uns auf sich. Bedankt Mannen!

Nordkurve Nürnberg

Aktuelle Lage

Vergangenes Wochenende spielte der Glubb bei unseren Nachbarn in Bochum. Ein Spielbericht zu diesem kleinen Ausflug folgt am Ende der aktuellen Lage.

Letzten Sonntag stand Auswärtsspiel Nummer zwei in Folge auf dem Terminplan. Der Kick bei der Berliner Hertha ging mit 2:1 unglücklich verloren. Der Siegtreffer für die Hauptstädter fiel erst in der 88. Minute. Der Auswärtsblock zeigte zu Beginn ein großes FCN-Logo, bestehend aus Pappen und Fahnen über den kompletten Unterrang verteilt.

Morgen empfängt man in Nürnberg die Düsseldorfer Fortuna, ehe eine Woche später das weiteste Auswärtsspiel der Saison in Kiel ansteht.

VFL Bochum – 1. FC Nürnberg e.V. 1:1 (0:1)

Zum Start des 23. Spieltags trat der Glubb beim VfL aus Bochum an. Erwartungsgemäß nutzten viele Schalker die Möglichkeit für einen Freundschaftsbesuch in der Nachbarstadt. Nachdem am Gästeparkplatz die Busse pünktlich in Empfang genommen wurden, ging es eingekesselt von der Staatsmacht zu der wahrscheinlich schlechtesten Einlasssituation der Liga. Wenig überraschend hat sich seit unserem Gastspiel an dieser wenig geändert, sodass der Block erst kurz vor Anpfiff zu den Klängen Herbert Grönemeyers betreten wurde. Nürnberg positionierte sich mit Trommeln, Vorsängern und Tifo über die gesamte Breite des Gästestehers und -sitzers. Diese Aufteilung sollte sich definitiv auszahlen. Denn mit dem ersten Gesang und den dazu angerissenen Fackeln der BDA war der Block wortwörtlich angezündet und peitschte den Club nach vorne. Ehrlicherweise sprang der Funke nicht wirklich auf die Mannschaft über und somit waren die Blicke des Gästeanhangs umso verwunderter, als der Ball kurz vor dem Pausentee im Bochumer Kasten zappelte.

Im Anschluss war die Stimmung sehr losgelöst und es wurde bis zur Halbzeit gefeiert, ehe es noch einige Schmähungen in Richtung der Roten auf der Heimseite gab. 

Nach der Halbzeit wurde nahtlos an die erste Hälfte angeschlossen und mit einem sehr guten Mix zwischen Klassikern und neueren Liedern die rot-schwarzen Farben vertreten. Der unnötige Elfmeter zum 1:1 führte dabei nur zu einem kurzen Dämpfer. Mit dem Einsetzen der Schlussphase wurde die Mannschaft geschlossen und lautstark vors gegnerische Tor getrieben. Leider blieb es aber beim 1:1. Insgesamt kann man auf einen gelungenen Auftritt zurückblicken. Nach dem Spiel wurden die Freunde noch zu den Bussen begleitet und verabschiedet, wobei in einigen Fällen der Abschied nicht lange währte, da man sich ja am nächsten Tag bereits wieder sah. 

Zur Heimseite kann man heute nicht viele Worte verlieren. In meinen Augen war der Auftritt definitiv schlechter als vor vier Wochen.

VAK-P Enschede

Aktuelle Lage

Am 18. Februar jährte sich die Gründung der Supportersvereniging VAK-P Enschede bereits zum 35. Mal. Auf diesem Wege nochmals die besten Glückwünsche. Zu diesem Ereignis präsentierten unsere Brüder selbstverständlich eine Choreo beim Heimspiel gegen den FC Groningen. Über den Vak-P wurde eine Blockfahne gezogen. Zwischen den Jahreszahlen 1991 und 2026 war ein vermummter Obelix mit Schlagknüppel dargestellt. An der Balustrade hing ein Spruchband mit der Aufschrift: „Grondleggers, eigenzinnig, kritisch en brutaal, wie bint al 35 joar loyaal!“. Abgerundet wurde das Ganze durch rote und gold glänzende Luftschlangen. Die Mannschaft auf dem Rasen tat ihr Bestes, um den Tag positiv abzurunden. Twente schlug Groningen mit 2:1. 

Bereits in der Woche danach stand wieder ein Heimspiel für unsere Freunde an. Und auch hier wurde wieder einmal eine Choreo präsentiert. Im Oberrang wurde mit roten und weißen Papptafeln „Twente“ dargestellt. Der Unterrang wurde mit kleinen Schwenkern in Vereins- und Stadtfarben gefüllt. Vom Oberrang hing das passende Spruchband: „Alles geven, voor onze liefde, aait vedan voor onze club!“.  Die Tukkers überzeugten ebenfalls erneut und schlugen Feyenoord mit 2:0. 

Nach den jüngsten Ergebnissen sind es nur noch zwei Punkte die den FCT zu einem direkten Qualifikationsplatz für Europa fehlen. Es folgt das Auswärtsderby bei den Eagles aus Deventer und das Heimspiel gegen den FC Utrecht.

Komiti Skopje

Aktuelle Lage

Keine großen Neuigkeiten vom Balkan. Recht überraschend ist Vardar im Viertelfinale des mazedonischen Pokals im Elferschießen gegen einen Zweitligisten rausgeflogen. Als wir uns gerade auf dem Weg nach Fürth befanden, stand das Ligaspiel auswärts beim FC Struga am Ohridsee statt. Wie fast immer durfte Komiti dorthin nicht anreisen und verfolgte das 1:1-Unentschieden daher in Skopje in den Kafanas. Nun stehen noch zwei Ligaspiele, unter anderem gegen den Verfolger Shkendija und in Kratovo, auf dem Programm. Beide Partien finden jedoch an normalen Wochentagen zur Mittagszeit statt. Spannend wird es daher erst wieder Mitte März, wenn der Spielplan für die restliche Saison veröffentlicht wurde.

 

Curva Sud Siberiano

Aktuelle Lage

Jeder, der die Entwicklung der Ultras-Bewegung in Italien verfolgt, weiß, dass die dortigen Fans schon seit Jahren mit erheblichen Repressionen, Strafen und willkürlichen Maßnahmen zu kämpfen haben. Angefangen bei zehnjährigen Stadionverboten, über nicht nachvollziehbare Reiseverbote bei Auswärtsspielen bis hin zu Spielverlegungen aus fadenscheinigen Gründen zwei Tage vorm Spiel. Die Intention der Staatsgewalt ist klar: Die Leute sollen wegbrechen, die Lust verlieren und klein gehalten werden. 

Dass sich Ultras verschiedener Vereine in Italien an einen Tisch setzen, ist, um ehrlich zu sein, eher eine Seltenheit. Zu groß die Unterschiede, zu groß die eigenen Interessen. Für einen gemeinsamen Weg gegen die Repressionen konnte man sich nun aber einigen und so haben sich letzte Woche die Gruppen vereinsübergreifend auf eine Petition verständigt, für die bei den kommenden Spielen Unterschriften gesammelt werden. Auch ein gemeinsamer Protestmarsch ist in Planung. Die Petition, die dem Parlament übergeben werden soll, enthält die folgenden Punkte:

Der Fußball gehört den Menschen

Forderungen an das Parlament:

  • Leistungsorientierte Meisterschaften (Nein zu B-Mannschaften)
  • ​Erschwingliche Preise
  • ​Spielzeiten und Terminkalender, die Rücksicht auf Arbeitnehmer nehmen
  • Schutz von Auswärtsfahrten und Schutz der Bewegungsfreiheit
  • ​Abschaffung des „Codice di Gradimento“, ein “Verhaltenskodex”, der unabhängig von geltenden Gesetzen vom Stadionbetreiber gegen Fans durchgesetzt werden kann
  • ​Freie Fankultur und Nutzung von Fan-Utensilien
  • Stopp von ungerechten und unverhältnismäßigen Maßnahmen (wie zum Beispiel Stadionverbote ohne direkten Fußballkontext)
  • ​Bekämpfung von Mehrfachbesitz (Eigentümerschaft mehrerer Vereine durch dieselbe Person/Firma)

Sportlich ist die Tendenz für Salerno leider weiterhin negativ. Mit der 0:1 Niederlage beim Heimspiel gegen Monopoli und dem in weite Ferne rückenden direkten Aufstieg musste Trainer Raffaele nun seine Koffer packen. An seine Stelle rückt Serse Cosmi, der unter anderem vorher in Crotone und Perugia trainiert hat.

Das erste Spiel unter dem neuen Trainer bestritt die Salernitana vergangenen Sonntag beim Heimspiel gegen Catania. Mit 12.000 Zuschauern war das Stadion vergleichsweise gut gefüllt, die Fans konnten aber leider keinen Sieg ihrer Mannschaft feiern und so trennte man sich 0:0 Unentschieden.

Wir freuen uns endlich Mal wieder eine externe Antwort in dieser Rubrik erhalten zu haben. Der “Gedankenaustausch” ist eine Rubrik, in der jeder die Möglichkeit hat, seine Gedanken rund um die Fußball- und Ultráwelt mitzuteilen oder auf vergangene Texte zu antworten. Die Texte entsprechen also nicht zwangsläufig der Meinung und Ansichten von Ultras Gelsenkirchen. Schickt eure Gedanken einfach an [email protected]

 

Antwort auf „Im Stimmungstief oder die Last des Führenden?” aus der Ausgabe 10.

Glück auf,

hab es leider ein paar Tage vor mir her geschoben, aber jetzt doch etwas verfasst als Antwort auf die Gedanken von Max:

Schon beim Lesen des Inhaltsverzeichnisses der BB-Ausgabe gegen Dynamo erfreute ich mich an der Wiederbelebung der aus meiner Sicht leider viel zu selten genutzten Rubrik „Gedankenaustausch“. Beim Blick auf das Thema habe ich mit zustimmendem Nicken und dem Gedanken „endlich sagt’s mal einer“ die ersten Worte des Texts von Max gelesen.

Auch ich nehme Lethargie, Antriebslosigkeit und fehlenden Willen bei der Unterstützung der Mannschaft wahr. Doch noch im ersten Absatz wandelte sich das Nicken in einen skeptischen Gesichtsausdruck. Unabhängig von wo aus genau Max in die Gesichter vieler Schalker schaut, so ist es bei mir nicht notwendig, mich umzudrehen, um diese Lethargie (oder in meinen Worten: „fehlende Ausgelassenheit“) und den fehlenden Willen zu sehen. Aus meiner Perspektive sehe ich auch – ohne ein besonderes Augenmerk darauf richten zu müssen – VOR mir bei Klatsch- und Hüpfeinlagen absolut nicht den Armeinsatz und die Bewegung, die ich mir von der Nordkurve Gelsenkirchen wünsche. Aber genau dort ist es entscheidend, davon bin ich überzeugt. Wenn ich sehe, wie alle Leute vor mir die Arme heben, wenn ich sehe, wie alle Leute vor mir sich einhaken (und dann auch noch wirklich hüpfen..), dann brauche ich mich doch gar nicht erst umdrehen. Ich tue es ihnen gleich und bin sicher, dass der Typ hinter mir sich das Gleiche denkt und genauso handelt. Wie geil wäre es, wenn wir alle unseren FC Schalke 04 nach vorne schreien?! Dabei ist es mir auch wumpe, ob die Augen dabei geschlossen oder offen sind. Viel wichtiger ist es doch, dass wir unsere Farben, unseren Verein und unsere Kurve so repräsentieren, wie es dieser glorreiche, königsblaue Verein verdient hat.

Beim Tippen der Aufzählung im letzten Satz hatte ich auch „unsere Werte“ im Kopf. Zu Papier gebracht habe ich es dann aber doch nicht. Wieso nicht? Weil ich nicht weiß, ob es wirklich dieselben Werte sind, da bin ich ehrlich. Ich fühle mich erinnert an eine Aussage aus dem Erlebnis Fußball-Interview mit Erfordia Ultras (hier: Teil 2 in Ausgabe 92). Dort heißt es:

„Der deutschen Ultrabewegung ist sicher nicht gutgetan, sich zwangsläufig in diese Hooltra-Richtung zu entwickeln und mit jeder Repression immer zu versuchen, noch einen Schritt radikaler zu werden oder sich vielleicht aus dem Stadion weg zu entwickeln. Wenn supporten, Fahne schwenken und in der ersten Reihe rumhüpfen für die Leute irgendwann Kindergarten geworden ist und man belächelt wird, dann ist das Verständnis von Ultra gescheitert. Das ist eine interessante Phase, in der sich manche Szenen so befinden. Wo die Gruppen aus meiner Sicht schon gefragt sind, auch mal einen Riegel vorzuschieben und zu sagen, dass wir uns als Ultras definieren. Gewalt ist natürlich ein Teil von Ultra, aber es darf sich nicht so sehr darauf fokussiert werden, wer den krassesten Haufen stellt und die coolsten Kickboxer hat, sondern das, was im Stadion passiert, ist halt auch ein großer und sehr wichtiger Teil.“

Vielleicht unterscheiden sich nämlich die Werte und das Idealbild, das die Nordkurve Gelsenkirchen nach außen zeigen soll, innerhalb der Kurve? Vielleicht wird das Bild einer „starken“ Kurve in so manchem Kopf inzwischen viel mehr auf der Straße definiert als auf den Rängen? Vielleicht ist es in Gesprächen rund um den Spieltag inzwischen wichtiger, wer wen wann und wo angegriffen hat als wer ein neues, kreatives Lied in der eigenen Kurve etabliert hat? Ich habe bewusst Fragen formuliert, jeder von euch wird eigene Antworten auf diese haben oder auch nicht. Vielleicht darf ich ja in der nächsten Ausgabe einige davon lesen.

Jan

Nachdem der erste Teil des Interviews mit Comandos Azules noch ein eher lockerer Einstieg war, geht es diesmal ans Eingemachte und Themen wie kriminelle Strukturen und der Einsatz von Waffen werden thematisiert. 

Die Fußballwelt in Kolumbien lässt sich nicht mit der in Deutschland vergleichen. Eine Auswärtsfahrt hat dort ganz andere Herausforderungen als in unseren Gefilden. Freut euch daher umso mehr auf die Berichte aus Südamerika.

Interview Comandos Azules (Millonarios FC) Teil 2

In Kolumbien gibt es Städte, in denen die Situation fast militarisiert wirkt – dort haben Drogenkartelle oder mafiöse Strukturen das Sagen, etwa in Medellín oder Cali. In diesen Städten bestimmt die Mafia die Regeln – nicht der Staat oder die Polizei. Deshalb ist auch das Spannungsverhältnis zwischen den Barras in solchen Städten ganz anders geregelt: In Medellín zum Beispiel gibt es kaum Angriffe zwischen den Gruppen, weil die Mafia das nicht zulässt. Sie hat dort die Kontrolle. Wie ist es in Bogotá?

Comandos Azules: In Bogotá ist das anders. Die Stadt ist sehr groß, hat eine Vielzahl an Einwohnern und dadurch auch viele konkurrierende kriminelle Gruppen, teilweise sogar mit staatlicher Duldung. Diese Vielzahl an Akteuren verhindert, dass eine einzelne Mafia direkten Einfluss auf die Barras nehmen kann. In manchen Fällen sind die Barras sogar mächtiger als lokale Gruppen der organisierten Kriminalität.

In unseren Vierteln versuchen wir, gewalttätige Auseinandersetzungen zu vermeiden, aber die Realität sieht so aus: In Städten wie Medellín oder Cali sind die kriminellen Strukturen historisch gewachsen, dort sind ganze Familien eingebunden – Väter, Onkel, Großeltern. In solchen Kontexten ist das Thema „Barra“ nicht relevant für den Alltag der Bevölkerung, die Mafia hat das letzte Wort.

In Bogotá dagegen ist die Lage fragmentierter. In jeder Gruppe gibt es vielleicht zwei oder drei Personen, die mit bestimmten Netzwerken oder Handelslinien verbunden sind, aber sie handeln unabhängig, sind Mitglieder, nicht Befehlsempfänger. In Medellín und Cali dagegen funktionieren diese Strukturen wie eine eigene Regierung.

In Bogotá ist die Mafia nicht so kontrollierend gegenüber den Aktivitäten der Barras, wie das in anderen Städten der Fall ist. Das liegt daran, dass sie diese Kontrolle gar nicht ausüben kann, denn in Bogotá ist alles viel größer und dezentraler.

Im Unterschied dazu ist es in Medellín oder Cali anders: Wenn sich dort zwei Barras bekämpfen, „heizen sie die Suppe auf“ („calientan la olla“). Sie ziehen Aufmerksamkeit auf sich und das ist gefährlich für die Mafia, weil dann die Polizei eingreift und das Geschäft auffliegen könnte. Das ist das, was die Mafia dort am meisten schützt: den reibungslosen Ablauf ihres Geschäfts. Deshalb lassen sie dort keine internen Konflikte zu.

In Bogotá dagegen arbeiten die kriminellen Gruppen teilweise Hand in Hand mit den Behörden. Einige Polizisten sind sogar auf der Lohnliste der Mafia, Teil des „kriminellen Apparats“. Und gerade deshalb passiert bei Konflikten zwischen Barras oft nichts, weil viele Mitglieder der Barras selbst Beziehungen zu diesen Gruppen haben, aber eben nicht direkt von ihnen abhängig sind.

Es gibt in Bogotá nicht den einen „großen Mafioso“, der alles kontrolliert, wie es in Medellín der Fall ist. Dort gibt es zum Beispiel die sogenannte „Oficina“, eine zentralisierte Struktur, der man sich besser nicht entgegenstellt. In Bogotá hingegen gibt es mehrere kleinere Bosse: einer lebt in den Bergen (Cerros), ein anderer im Süden, ein weiterer im Zentrum.

Wir, also die Mitglieder unserer Barra, schulden diesen Mafias keinen Respekt und keine Gefälligkeiten und genau deshalb können wir uns auch untereinander streiten, ohne dass es Konsequenzen hat. Es kommt vor, dass zwei verfeindete Gruppen im selben Viertel sitzen, vor derselben „Olla“ (Drogentreff), beim selben Dealer, aber sie können dort nichts machen, weil die Regeln der Szene das nicht erlauben.

 

Seit wann gibt es keine Gästefans mehr? War das schon immer so?

Comandos Azules: Dass keine Auswärtsfans mehr zugelassen werden, ist keine neue Entwicklung, aber es war nicht immer so.

Die Einschränkungen begannen etwa ab 2011 und das hatte mehrere Gründe: Es kam zu tödlichen Auseinandersetzungen, Messerangriffen, interne Konflikte zwischen verschiedenen Fangruppen und auch zu schweren Konfrontationen auf der Straße und auf den Autobahnen, zum Teil sogar mit der Guerilla oder dem Militär, insbesondere in ländlichen Regionen.

Es gab dabei Tote, Überfälle auf Reisebusse, Plünderungen und massive Sicherheitsprobleme. Diese Vorfälle haben dazu geführt, dass viele Städte und Sicherheitsbehörden beschlossen haben, Gästefans nicht mehr zuzulassen, um das Eskalationspotential zu senken.

 

Vor ein paar Tagen habe ich ein Video auf YouTube gesehen – ich glaube, es zeigte, wie die Barras von Millonarios auf dem Weg nach Giradot waren. Dort waren auch Fans von Nacional, es kam zu Auseinandersetzungen und plötzlich kamen paramilitärische Gruppen aus der Nähe des Flusses, schossen und beendeten das Ganze. Danach mussten die Leute angeblich „1.000“ zahlen – und erst dann durften sie weiterreisen.

Comandos Azules: Ja, das passiert tatsächlich. Wer unterwegs auf Reisen einen Fehler macht, wird aufgehalten. Oft durch zehn oder 15 Motorräder, die sich einem Bus oder Auto in den Weg stellen und niemanden weiterfahren lassen, bis sie an eine „militarisierte Figur“ zahlen, die sie als „Paramilitärs“ bezeichnen.

Die klassische Guerilla ist in Kolumbien mittlerweile stark in die Berge zurückgedrängt, aber die Kriminalität auf den Straßen wird heute vor allem von kriminellen Banden mit paramilitärischem Hintergrund kontrolliert. Die meisten dieser Gruppen sind organisierte Banden, viele mit Verbindungen zum Paramilitarismus, obwohl sie oft nur als „gewöhnliche Kriminelle“ auftreten.

Letztes Jahr oder sogar dieses Jahr, ist zum Beispiel ein Bus aus der Karibikregion zurückgekommen, der auf der Rückreise im Februar gestoppt wurde. Die Leute mussten für etwas bezahlen, das angeblich gestohlen wurde, bevor sie weiterreisen durften.

Als Organisation – also als Barra – unterstützen wir solche Strukturen natürlich nicht. Das sind kriminelle Machenschaften im kleinen Stil, jemand in einem Dorf oder Laden zu überfallen bringt niemandem etwas.

Der ganze „Recht auf Einlass“-Diskurs („derecho de admisión“) ist eine Folge all dieser Eskalationen. Es kam in der Vergangenheit zu Szenarien, in denen zehn Busse anreisten, mit Toten und Verletzten. Die Situation war so extrem, dass die Polizei anfing, selbst in den Fanbussen mitzufahren. Allerdings betrunken und unter Drogeneinfluss, was das Ganze nicht besser machte. Viele Polizisten mochten es sogar, mit uns die Grenzen zu überqueren, für sie war das ein Abenteuer.

Wir, ein harter Kern der Barra, haben nie aufgehört zu reisen, nicht seit 2011 und auch nicht danach. Inzwischen reisen wir eben ohne Trikots in Autos oder neutralen Bussen, aber wir sind immer unterwegs.

Zu manchen Spielen fahren wir nicht mehr aus gesundheitlichen oder persönlichen Gründen, weil es bei fünf oder sechs Versuchen immer wieder Zwischenfälle gab. Da entscheidet man sich einfach dagegen. Aber es geht nicht darum, dass wir aufgegeben haben. Wir reisen weiterhin organisiert und mit Vorsichtsmaßnahmen.

Zwischen den Barras gibt es heute Nichtangriffspakte und sichere Reiserouten („corredores seguros“). All das dient dazu, den Fußball wieder zugänglich zu machen.

Am Ende geht es uns nur darum, dem Ball zu folgen. Die Gewalt ist nicht unser Ziel, sie ist Teil einer sozialen Realität, aber nicht der Weg, den wir heute anstreben.

 

Es ist zwar verboten, aber trotzdem reisen immer wieder Personen mit – oft getarnt oder inkognito. Zum Beispiel in Barranquilla, direkt vor dem Stadion, habe ich es selbst erlebt. Trotz allem: Es wird immer gereist und manchmal lassen sie einen später doch wieder rein?

Comandos Azules: Diese Reiseregelungen existieren zwar, aber in vielen Regionen lässt man uns nicht hinein. Selbst wenn wir es schaffen, bis ins Stadion zu kommen, werden wir oft entdeckt und rausgeholt.

Gleichzeitig gibt es in bestimmten Situationen – wie bereits erwähnt – Absprachen oder Nichtangriffspakte. Diese dienen in erster Linie dazu, allen Gruppen den Zugang zum Stadion zu ermöglichen und eine gemeinsame An- und Abreise zu koordinieren, sodass das Spiel ohne Zwischenfälle besucht werden kann. Ziel dieser Vereinbarungen ist es, Spannungen temporär zu reduzieren und einen friedlichen Stadionbesuch zu gewährleisten.

Hier in Bogotá bestehen beispielsweise solche Abkommen mit einigen anderen Fanlagern oder „Porras“, etwa mit dem BR, dem HLC, den Anhängern des BMG und gelegentlich sogar mit den RXN. Diese Übereinkünfte sind jedoch nicht dauerhaft oder selbstverständlich, sondern situationsabhängig.

Hinzu kommt, dass wir mittlerweile praktisch das gesamte Stadion durch Dauerkarten abgedeckt haben. Theoretisch gibt es daher kaum oder gar keine regulären Kontingente mehr für Gästefans. Das verändert die Dynamik zusätzlich, da der Raum für auswärtige Gruppen stark eingeschränkt ist.

Was das Reisen mit vielen Bussen betrifft: Unsere Barra hat die Fähigkeit, Tausende zu mobilisieren. Beim letzten Auswärtsspiel nach Manizales haben wir 84 Busse organisiert und über 5.500 Leute mitgenommen. Das funktioniert durch eine zentralisierte Koordination, von der Leitung der Barra über alle Parche-Chefs hinweg. Jede Zone oder jeder Stadtteil stellt eigene Busse, die sich dann an einem zentralen Ort sammeln, um gemeinsam loszufahren und für Sicherheit zu sorgen.

Aber solche großen Reisen finden nicht zu jedem Spiel statt, weil in vielen Städten die Grenzen für Gästefans geschlossen sind. Deshalb reisen mittlerweile viele Fans mit dem eigenen Auto oder sogar mit dem Flugzeug.

Die wenigen Busse, die offiziell mit der Barra unterwegs sind (circa zwölf), fahren ohne sichtbare Fan-Kleidung oder Banner, um überhaupt in Stadien zu kommen, in denen Gästefans offiziell verboten sind.

In Bogotá selbst ist der Zutritt für Auswärtsfans extrem eingeschränkt. Der Großteil der Plätze ist durch Dauerkarten verkauft, das Stadion ist praktisch ausverkauft. Es gibt keinen Platz mehr für Gästefans.

Und ganz ehrlich: Wir sind auch nicht traurig darüber, dass niemand kommt.

 

Viele reisen auf den „Mulas“ mit – das ist ein interessantes Thema für Deutschland, weil es dort keine Möglichkeit gibt, sich in Lastwagen zu verstecken und auf diese traditionelle Weise zu reisen.

Comandos Azules: Aber das ist eine falsche Tradition, die wir abschaffen wollen, denn wir haben viele Menschen auf diesen Reisen verloren.

Die Leute stürzen ab, geraten in Konflikte mit anderen Fangruppen („Parches“) und ehrlich gesagt ist das Thema Tractomula (Sattelschlepper) und so zu reisen etwas, das wir nicht verherrlichen möchten. Es ist primitiv und menschenunwürdig auf diese Weise zu reisen, ein Risiko für alle.

In unserer Gruppe, den Comandos, gibt es kein einziges Parche, das ausschließlich mit Mulas reist. Es gibt zwar die „Callejeros“, die sich selbst so nennen, aber unser Ziel ist es immer, dass diese Leute arbeiten, eigenes Geld verdienen und sich Fahrten leisten können.

In vielen Fällen handelt es sich um junge Leute, die kein Geld haben, also an der Mautstelle auf die Mula aufspringen, weil sie sich kein Busticket leisten können. Wir wollen, dass jeder Fan, der reist, wenigstens ein Ticket bezahlen kann. Und ja, das mag vielleicht diskriminierend klingen, aber wir wollen, dass niemand mehr auf Mulas reist und dabei sein Leben riskiert.

 

Immer wieder hört man von bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Fanlagern. Für uns eine unvorstellbare Welt. Wie geht ihr mit dem Gebrauch von Waffen um? (Anm.d.Red.: Besonders bei dieser Antwort werden die eklatanten Unterschiede und Einstellungen zwischen Deutschland und Kolumbien deutlich und wir lehnen die Verwendung von Waffen ab.)

Comandos Azules: Was die Waffen betrifft, ist es leider so: Es gibt viele Waffen im Umlauf. Macheten, Messer und auch Schusswaffen – das habe ich selbst auf Reisen gesehen.

Diese militante Realität hat über die Jahre zugenommen. Ich werde nicht leugnen, dass die Pistole von Anfang an Teil der Szene war, aber sie ist nicht unser bevorzugtes Mittel.

Wir ziehen den Nahkampf vor, das Messer ist für uns wie ein Ausweis. Wir haben eine starke Verbindung zu Stichwaffen, weil sie leise sind, effizient und tun, was sie tun müssen.

Deshalb bevorzugen wir das Messer gegenüber der Pistole. Die Waffe kommt nur in Ausnahmefällen zum Einsatz. Denn sobald geschossen wird, steht es in den Nachrichten. Darum setzen wir lieber auf das Leise. Die Waffen gehören für viele zum Überlebensprozess, sie sind ein Werkzeug zur Selbstverteidigung. Denn wer keine Waffe hat, ist das Opfer.

Magdeburg: Über die Vorkommnisse bei der Partie zwischen dem 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden haben wir bereits in einer vergangenen Ausgabe des Blauen Briefs (Ausgabe Nr. 10) berichtet. Das Straf- und Maßnahmenkarussell drehte sich derweil weiter. Der 1. FCM verurteilt die Gewalt ausdrücklich, warnt jedoch vor pauschalen Schuldzuweisungen an die gesamte Fanszene. Laut Verein liegen bislang keine personenbezogenen Daten zu den Vorfällen im Stadion vor, man stehe aber in engem Austausch mit Polizei und Behörden und unterstützt laufende Verfahren. Für die Zukunft kündigte der FCM konkrete Sicherheitsmaßnahmen an wie zum Beispiel dauerhafte bauliche Trennungen zwischen Fanbereichen, Ausbau der Sicherungen im Gästeblock, erweiterte Videoüberwachung sowie den Verzicht auf mobile Gegenstände in Umläufen, die als Wurfgeschosse missbraucht werden könnten. Stadionverbote sollen bei Vorliegen von Täterdaten umgehend eingeleitet werden. Zusätzlich sorgte ein Aufruf der Fanhilfe Magdeburg im Stadionheft ,,Planet MD“, worin zum „Frühjahrsputz“ aufgerufen wurde, für weitere Ermittlungen wegen Strafvereitelung und kurzfristigen Ärger mit Sponsor GeoFly. Dieser setzte sein Sponsoring zunächst aus, nahm es nach Gesprächen mit dem Verein jedoch wieder auf und betonte den Willen zum Dialog.tisiert die UEFA scharf für ihren Umgang mit Fans bei internationalen Spielen. Während sich die UEFA als moderner und professioneller Ausrichter inszeniere, würden Gästefans systematisch benachteiligt, schikaniert und mit Kollektivstrafen belegt. Fanaktionen und gelebte Fankultur würden von UEFA-Beobachtern als „Fehlverhalten“ gewertet und mit Geldstrafen, Bewährungsstrafen oder Zuschauerausschlüssen sanktioniert, während gleichzeitig repressive Maßnahmen von Behörden und Vereinen gegenüber Gästefans folgenlos blieben. Die Fanszene sieht darin ein ungerechtes Strafsystem, das gezielt darauf abziele, Fans mundtot zu machen und aus den Stadien zu verdrängen. Am Beispiel der Kollektivstrafe gegen die Fans von YB Bern betont das Commando Cannstatt die Bedeutung von Solidarität zwischen den Fanszenen, um solche Maßnahmen ins Leere laufen zu lassen. Ziel der UEFA, durch Kollektivstrafen Spaltung zwischen Fans und Vereinen zu erzeugen, müsse aktiv verhindert werden. Zugleich wird gefordert, dass sich auch die Vereine deutlicher hinter ihre Anhänger stellen und das Sanktionssystem der UEFA geschlossen ablehnen..

Dortmund: Beim Aufeinandertreffen zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund kam es zu unverhältnismäßigen und willkürlichen Polizeieinsätzen gegen die anreisenden Gäste aus Bayern. In einer Stellungnahme der Südkurve München erklärte man, dass es zu kleineren Rangeleien beim Einlass kam und die Polizei dabei wiederholt unbeteiligte Fans angriff sowie Schlagstöcke und Reizgas einsetzte und dabei zahlreiche Fans verletzte. Diese erlitten unter anderem Knochenbrüchen und Gesichtsverletzungen. Auch schwere Reizungen der Augen und Atemwege wurden beklagt. Nach Beruhigung der Lage eskalierte der Einsatz erneut kurz vor Spielende. Die Südkurve München kritisiert das Verhalten scharf und wirft der Dortmunder Polizei gezielte Provokation, unverhältnismäßige Gewalt und bewusste Inkaufnahme von Verletzungen vor. Der Vorfall spiegelte einmal mehr die bundesweiten problematischen Polizeieinsätze gegen Fanszenen wider. Aus Solidarität wurde auf der Heimseite in der zweiten Hälfte der Partie ein Spruchband gezeigt mit der Aufschrift ,,Freiheit für Gästefans in Dortmund!’’

Stuttgart: Nach dem Heimspiel gegen VfB Stuttgart II im Oktober 2023 hatte die Staatsmacht den Materialraum der aktiven Szene der Stuttgarter Kickers mit Hilfe des Vereins durchsucht und den „1312“ Fetzen beschlagnahmt, ohne die Anhänger zu informieren. Die Polizei begründete die Maßnahme mit dem Verdacht auf Beleidigung. Nach jahrelangem juristischen Nachspiel stellte das Gericht nun alle Verfahren ein. Das Amtsgericht Langen sprach die Stuttgarter frei, da keine Ordnungswidrigkeit vorlag. Die Gruppe rund um SVK Ultras kritisiert, dass Polizei und Ordnungsbehörden das Rechtsstaatsprinzip nicht anerkannt hätten.

Italien: Die aktive Szene der Schwarz-Gelben blieb dem Auswärtsspiel gegen Atalanta Bergamo fern. Das Fanbündnis Südtribüne Dortmund kündigte dies bereits im Vorfeld an. Grund dafür sind wieder einmal massive und willkürliche Maßnahmen von Polizei und Behörden. In der Stellungnahme hieß es, dass bereits im Vorfeld zahlreiche Dortmunder an der Ausreise an diversen Flughäfen gehindert wurden. Dabei kam es zu intensiven Kontrollen, Ausreiseverboten und Meldeauflagen, teils allein wegen „szenetypischer Kleidung“ oder mitgeführten Stickern. Auch Anhänger, die bereits in Italien angekommen waren, wurden von der italienischen Polizei in ihren Unterkünften aufgesucht und kontrolliert. Die Südtribüne Dortmund spricht von einem bislang einmaligen Vorgang in fast 16 Jahren Europapokal und stellt klar, dass dies ein unzumutbarer Eingriff in die Rechte von Fußballfans war. Aus Protest gegen diese Praxis haben die aktiven Gruppen entschieden, geschlossen auf die Reise nach Bergamo zu verzichten. Gleichzeitig kündigten sie an, die Maßnahmen gemeinsam mit der Fanhilfe juristisch überprüfen zu lassen und verweisen darauf, dass erste Eilverfahren bereits zugunsten betroffener Fans ausgegangen seien. Es gilt hier zu verhindern, dass solche pauschalen und präventiven Ausreiseverbote zur Normalität werden.

Wien: Der Strafsenat der österreichischen Bundesliga hat nach den Vorkommnissen zwischen dem SK Rapid Wien und FK Austria Wien harte Strafen verhängt. Rapid Wien muss bei drei kommenden Heimspielen gegen Austria, Salzburg, Sturm oder LASK den Block West sowie angrenzende Sektoren komplett schließen. Zusätzlich wurde eine Geldstrafe von 100.000 Euro ausgesprochen. Außerdem dürfen in den nächsten drei Jahren bei Wiener Derbys in der Generali Arena keine Gästefans zugelassen werden, was auch für Spiele der Zweiten von Rapid gilt. Austria Wien wurde wegen nicht genehmigter Pyrotechnik mit 48.400 Euro bestraft. Rapid verzichtete auf einen Einspruch und hatte bereits im Vorfeld angekündigt, bei künftigen Derbys freiwillig auf Auswärtsfans zu verzichten.