Glück auf Schalker,

Erster gegen Zweiter! Vor wenigen Monaten noch hätte jeder königsblaue Fan jetzt gesagt: „Wat hab ich damit am Kopp?!“, aber mittlerweile sind über ein Drittel der Saison absolviert und der starke Auftakt konnte bestätigt werden. Platz zwei mit gerade mal einem Punkt Rückstand auf den Tabellenführer. Davon konnten wir die letzten Jahre nur träumen. Vom Aufstieg wollen wir dennoch nicht sprechen. Spiele wie letzte Woche in Münster zeigen, dass das alles kein Selbstläufer ist. Wir werden sicherlich auch noch den ein oder anderen Dämpfer bekommen. Lasst uns daher den Moment genießen und wo es am Ende hingeht, werden wir sehen. Jetzt steht erstmal das Flutlichtspiel gegen den SC Paderborn an. Gegen Mannschaften aus dem oberen Tabellenfeld konnte unsere Elf diese Saison fast immer überzeugen. Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass das heute ebenso der Fall sein wird.

Diesen Spieltag gibt es unabhängig vom Ausgang der Partie einen Grund zu feiern. Unsere Stadt wird am morgigen Samstag 150 Jahre alt! Um dieses Jubiläum gebührend einzuläuten, wird es heute eine große Geburtstagschoreo geben. Die Flyer mit den nötigen Infos sollte jeder und jede von euch bereits in den Händen halten. Lest ihn euch gut durch und befolgt die Anweisungen. Nur so kann die Aktion ein voller Erfolg werden. Wir möchten an dieser Stelle noch auf die Ausstellung im Schalke Museum zu 150 Jahren Gelsenkirchen hinweisen. Bis zum 14. Dezember werden Fotos aus dem Bildband „Gelsenkirchen in Geschichte und Gegenwart – Stadtansichten aus 150 Jahren“ gezeigt. Hierbei werden immer zwei Fotos aus der Vergangenheit und der Gegenwart gegenübergestellt. Des Weiteren wird es von unserer Seite beim nächsten Heimspiel eine Sonderausgabe des Blauen Briefs zu Gelsenkirchen geben.

Bevor allerdings die Choreo das Licht der Arena erblickt, heißt es heute wieder mal zwölf Minuten zu schweigen. Von 3. bis 5. Dezember steht die Innenministerkonferenz in Bremen an, auf der weitreichende Maßnahmen gegen Fußballfans beschlossen werden sollen. Wir haben im gesamten Stadion daher Infoflyer verteilt, um auf diese Problematik aufmerksam zu machen und aufzuklären. Die meisten dürften bereits mitbekommen haben, dass es ein Online-Petition gegen diese Maßnahmen gibt. Tragt euch ein und unterstützt die Kampagne:

https://www.openpetition.de/petition/online/der-fussball-ist-sicher-schluss-mit-populismus-ja-zur-fankultur 

FC Schalke 04 e. V. – Sportvereinigung 07 Elversberg e.V. 1:0 (1:0)

Vor dem Spiel

Ein Heimspiel gegen Elversberg ist jetzt nicht gerade das Highlight der Saison. Langweiliger Verein und kein großer Gegner auf den Rängen. Die Tabellenkonstellation, de facto Zweiter gegen Dritter, brachte es aber mit sich, dass die Partie einen durchaus sportlichen Reiz hatte.

Bei schönem Herbstwetter läuteten wir den Spieltag in unseren Räumlichkeiten ein und brachen rechtzeitig zur Spielstätte auf. Nach dem Einlass aufs Stadiongelände ging es noch an unseren fleißigen Mitgliedern vorbei, die wieder den aktuellen Nordkurve-Kalender unter das blau-weiße Volk brachten. Schlagt weiter kräftig zu, das Teil ist wieder sehr schick geworden.

Nordkurve Gelsenkirchen

Irgendwie hatte man im Vorfeld schon so eine Vorahnung und es kam dann auch wie es kommen musste. Die Nordkurve Gelsenkirchen kam nicht richtig in den Tritt und konnte in der ersten Halbzeit keinen guten Auftritt abliefern. Die Mannschaft spielte uns eigentlich voll in die Karten und führte früh mit 1:0, dennoch konnten wir zu keinem Zeitpunkt eine vernünftige Lautstärke erzeugen. Es waren zwar oftmals viele Hände oder Fäuste oben – optisch gibts dafür ein Sternchen. Bringt nur nichts, wenn einfach zu wenig auf dem Rasen ankommt. Das kann nicht unser Anspruch sein, Nordkurve!

Kurz nach der Halbzeit gab es einen Notarzteinsatz in der Südkurve, weshalb das Stadion den Support für 15 Minuten ruhen ließ. Dem betroffenen Fan wünschen wir natürlich alles Gute an dieser Stelle.

Die Zwangspause tat der Arena erstaunlicherweise gut und es wurde nach Wiederaufnahme des Supports mit der Führung im Nacken öfter laut in der Nordkurve. In den letzten Minuten konnte auch mehrmals das Stadion mitgenommen werden, um die drei Punkte in Gelsenkirchen zu behalten. Dieses Unterfangen glückte durch solide Abwehrarbeit und wir konnten sehr entspannt in die anstehende Länderspielpause gehen. Unser Team kam nach dem Schlusspfiff noch zur Nordkurve und es gab einen ordentlichen Schalteppich zu sehen und den „Mythos vom Schalker Markt“ auf die Ohren. Ein sehr schöner Augenblick mit der Mannschaft. Dennoch war es summa summarum ein eher schwächerer Heimspiel-Auftritt.

Gegner

Der Gästesteher war auf einem Samstag schon mal schlechter gefüllt. Nichtsdestotrotz bleibt von den Elversbergern wenig in Erinnerung. Tifo-Material wurde eingesetzt und das Zaunfahnenbild war ok. Gehört hat man aber bei uns absolut gar nichts.

Freunde

Unterstützung gab es von unseren Freunden aus Nürnberg und Enschede. Es war uns wie immer eine Ehre, euch an unserer Seite zu haben.

Twente Enschede – FC Schalke 04 e. V. 1:0 (0:0)

Das aller erste internationale Spiel, welches Schalke in seiner Vereinsgeschichte bestritten hat, war 1929 gegen Enschede (in Groningen). Damals noch gegen den FC Enschede. 36 Jahre später gründete sich dann Twente Enschede, fusioniert aus den Teams Sportclub Enschede und Enschedese Boys. Wer nun mitgerechnet hat, wird feststellen, dass ein runder Geburtstag für unsere Freunde anstand. Selbstverständlich wollten weder der Verein noch die Schalker Fan-Schar als Gratulanten fehlen und tischten zum sechzigsten Geburtstag in Enschede an.

Knapp 5.000 Schalker sind für so ein Testspiel nicht sowieso schon eine absurde Anzahl, sie stellten zusätzlich auch noch einen neuen Auswärtsfan Rekord in Enschede da. Wir gingen das Spiel, für einen Testkick üblich, entspannt an und teilten uns im Stadion auf. Einige verweilten bei unseren Freunden im Vak-P, andere waren im Gästeblock anzutreffen. Gemeinsam hatten aber wohl alle, dass die großartige Verpflegung im Stadion ausgiebig getestet wurde. In der Heimkurve hingen die typischen Zaunfahnen und es wurde mehr oder weniger sporadisch supportet, aber auch hier lag der Fokus auf dem Genießen der gemeinsamen Zeit.

Für absurde Szenen sorgte der Schalverkauf von Ultras Vak-P. Diese produzierten für das Spiel einen extra angefertigten Freundschaftsschal. Man hatte teilweise den Eindruck, dass mancher Schalker nur wegen des Schals nach Enschede gekommen war. Völliger Wahnsinn, was sich an den Verkaufsstellen teilweise abspielte. Die zahlreichen Ebay-Angebote, die noch am selben Abend den Weg ins Netz geschafft haben, waren dann allerdings nicht mehr zu entschuldigen. Wer sich an den Kurven bereichern will, hat in unserem Umfeld nichts zu suchen!

Das Spiel selber plätscherte dann vor sich hin. Schalke spielte bestenfalls mit einer B-Elf und konnte erstaunlich gut mithalten. Die knappe 1:0 Niederlage tat dann auch niemanden weh. Wir zeigten im VAK-P noch eine kleine Aufmerksamkeit für unsere Freunde und gratulierten mit einem aufwendig gestalteten Spruchband zum sechzigsten Geburtstag.

60 Jaar FC Twente – Gefeliciteerd!

Sportclub Preußen Münster 06 GmbH & Co. KGaA – FC Schalke 04 e.V. 0:0 (0:0)

Vor dem Spiel

Bereits früh am Samstagmorgen stand das Handy kaum mehr still. Zu dem absoluten Hochrisikospiel bei Preußen Münster hatte die Bundespolizei groß aufgefahren und mehrere Hundertschaften nach Gelsenkirchen bestellt, die rund um den Hauptbahnhof stark vertreten waren. Außerdem wurde in der Bahnhofshalle eine Personenschleuse und auf dem Bahnhofsvorplatz Stationen aufgebaut. Aber auch am Club75 war schon ein erhöhtes Polizeiaufgebot erkennbar. Wenig überraschend wurde die geplante Zug-Anreise über den Haufen geworfen und es ging per Autos Richtung Münsterland. Dies ließ die Polizei sichtlich nervös werden und so folgten uns ein paar Einsatzwagen auf die Autobahn inklusive “Rauswinken” einiger Fahrzeuge.

Dies passt natürlich perfekt zu den aktuellen Geschehnissen und Diskussionen. Wenn ein Thema Fußballdeutschland derzeit beschäftigt, dann ist es definitiv die Innenministerkonferenz. Immer größere Überwachung, personalisierte Eintrittskarten, intransparentere und zentralisierte Stadionverbotsverfahren – die Ideen, die durch den Raum schwirren, werden immer absurder und rasen immer weiter auf alle Fußballfans in Deutschland zu. Um sich dem Versuch, diese Hirngespinste in die Tat umzusetzen, in den Weg zu stellen, organisieren sich die Fanszenen deutschlandweit. Die Spieltage der Ligen standen also im Fokus von gemeinsamen Protesten, um alle Fußballfans noch einmal für das Thema zu sensibilisieren und der Politik sowie den Verbänden zu zeigen, wo die Grenzen sind. Umgesetzt wurde dies mit Supportverzicht in den ersten zwölf Minuten sowie mit einem Transparent, welches am Zaun vor dem Block hing und durch die Mannschaft nach Spielende präsentiert wurde. Hier zeigt sich noch einmal: Verein und Fans stellen sich gemeinsam gegen diese populistischen Maßnahmen!

Die eingangs erwähnten “Kontrollen” durch die Polizei machten auch am Stadioneingang nicht halt. Neben einem schlecht funktionierenden Ticket-/Scansystem wurde zusätzlich jeder Schalker bei dem das Ticket nicht auf Anhieb funktionierte, von zwei Beamten abgeführt und teilweise außerhalb des Stadions kontrolliert. Somit stellt die Polizei jeden einzelnen Stadionbesucher unter Generalverdacht und wirft diesen Ticketbetrug vor. Dabei war es den Beamten egal, ob die Person jung, alt, Mann, Frau oder sogar körperlich beeinträchtigt war. Jeder musste sich an beiden Armen abführen lassen. Der Vorwurf des Ticketbetrugs würde übrigens ein Ermittlungsverfahren nach sich ziehen und würde nach den neuen Stadionverbotsrichtlinien Stadionverbot für die beschuldigte Person bedeuten. Ihr merkt also, dass es jeden treffen kann. Stellt euch dagegen und unterzeichnet die Petition!

Nordkurve Gelsenkirchen

Unser Auftritt am ersten Spieltag nach der Länderspielpause, als Tabellenzweiter und derzeitiger Aufsteiger hätte definitiv anders laufen müssen. Ehrlicherweise muss man sich selbst und dem gesamten Schalker Haufen eingestehen, dass das, was nach dem zwölfminütigen Stimmungsboykott kam, uns als Kurve nicht würdig war.

Gefühlt befand sich der komplette Gästeanhang nicht zwölf, sondern die kompletten 90 Minuten im Stimmungsboykott. Weder zum Supportstart noch im Verlauf des Spiels konnten Momente erzeugt werden, die von der Lautstärke sowie Mitmachquote im Block für unsere Kurve auch nur annähernd akzeptabel waren. Noch vor Bielefeld der mit Abstand schwächste Auftritt der Nordkurve Gelsenkirchen, welcher in allen Belangen die eigenen Ansprüche nicht erfüllen konnte.

Da hilft es auch nicht nach Ausreden zu suchen, sondern mit Blick auf die kommenden Spiele einfach wieder ein anderes Gesicht zu zeigen!

Gegner

Auch der Gegner aus Münster erwischte keinen Sahnetag, schlecht war das ganze aber auch nicht. Im Vergleich zur letzten Saison wurde hier aufgrund des großen Stadionumbaus ein wenig Tribünenroulette gespielt und so durfte die Heimkurve im vorigen Gästeblock Platz nehmen. Wohlwissend um die dürftige Akustik der Tribünen und des gesamten Stadions wurden hier, außer nach dem Spiel beim Einstimmen auf das kommende Spiel gegen Bielefeld, jedoch keine Bäume ausgerissen. Der Tifo-Einsatz sah über 90 Minuten gut aus und auch Hüpf- und Klatscheinlagen waren solide.

Freunde

Vielen Dank Jungs vom FCN für eure Unterstützung!

Rückblick Mitgliederversammlung 2025

Nur sechs Tage nach der ersten Genossenschaftsversammlung der Auf Schalke eG, war es Zeit für unsere jährliche Mitgliederversammlung des FC Gelsenkirchen-Schalke 04 e.V.. Wie schon im Vorjahr, fand diese in der Länderspielpause im November statt. Seit der Umstellung des Geschäftsjahres gibt es auch gar nicht mehr so viele alternative Möglichkeiten. Um dies zukünftig zu ändern, gab es von Vereinsseite den Satzungsänderungsantrag, die MV zukünftig ab 1. Juni statt wie bislang ab dem 1. Oktober stattfinden lassen zu können und somit mehr Spielraum für den Termin und damit verbunden auch angenehmeren Temperaturen zu haben. Würde es den Ultras und der aktiven Fanszene, wie oft in den Medien behauptet, nur darum gehen, möglichst viel allein zu entscheiden und wenig Leute auf der MV zu haben, hätte das Abstimmungsergebnis sicher anders ausgesehen. Das Gegenteil war der Fall und wir begrüßen es weiterhin, wenn möglichst viele Personen den Weg zur jährlichen Versammlung finden.

Neben den Satzungsänderungen gab es noch die üblichen Tagesordnungspunkte wie Berichte, Wahlen und Aussprache. Natürlich, bedingt durch die sportliche Entwicklung der letzten Monate, war die Stimmung deutlich positiver und die kritischen Wortmeldungen sehr überschaubar, für einige schon zu gering. Nur weil es sportlich läuft, heißt es nicht, dass alles rosig ist. Ebenso wenig, wie in sportlich schlechten Zeiten alles und jede Entscheidung verteufelt werden muss.

Nach den Berichten der drei Vorstände und des Aufsichtsrats kam es dann zu den beiden wichtigsten Tagesordnungspunkten – den Wahlen. Mit Stefan Hegmanns und Johannes Struckmeier für den Aufsichtsrat und Nathalie van den Meulenhof und Anja Wortmann für den Wahlausschuss wurde jeweils eine Person wieder- und eine neu ins Gremium gewählt.

Nach rekordverdächtigen vier Stunden war die Versammlung schon vorbei und die meisten Anwesenden dürften mit dem bereits verplanten Tag erstmal überfordert gewesen sein. Insgesamt eine ruhige und vielleicht sogar zu harmonische Mitgliederversammlung, die dem Verein nach den vergangenen zwei Jahren aber auch mal gut tun dürfte. Dennoch sollte man hoffen, dass im kommenden Jahr mehr Leute den Weg zu diesem wichtigen Termin finden. Da dieser bereits jetzt feststeht und am Ende der Versammlung parallel zum Vereinslied bekannt gegeben wurde, kann es eigentlich keine Ausreden mehr geben.

Nordkurve Nürnberg

Aktuelle Lage

Vor der Länderspielpause gastierte der FCN bei der Elf aus Dresden und gewann das Spiel mit 1:2.

Letzte Woche gelang dem Glubb der dritte Sieg in Folge im Heimspiel gegen die Arminia aus Bielefeld. Im Anschluss fand bei eisigen Temperaturen im Rahmen der Weihnachtsspendenaktion das alljährliche Winterdorf der Nordkurve Nürnberg statt.

Morgen geht es für den FCN erneut in den Osten zum Topspiel gegen Magdeburg, ehe die Woche drauf das Frankenderby im Achteck stattfindet. So heißt es für den FCN nochmal zwei Spieltage Punkte holen, ehe unsere Freunde bei uns spielen.

VAK-P Enschede

Aktuelle Lage

Zufrieden können unsere Freunde mit den letzten beiden Partien ihrer Mannschaft nicht sein. Erst kam man im eigenen Stadion gegen das Tabellenschlusslicht SC Telstar nicht über ein torloses Remis hinaus, dann kassierte man in der Schlussphase der Partie, wie schon so oft in dieser Saison, auch beim Aufsteiger aus Volendam den 1:1 Ausgleich.Immerhin ist für die Tukker noch alles drin, bis Tabellenplatz drei sind es nur sieben Punkte.

Während der Länderspielpause lud der FCT, wie die meisten wohl wissen, unsere Mannschaft im Rahmen der Festlichkeiten ihres 60-jährigen Jubiläums zum Testspiel in die Grolsch Veste. Bei diesem Spiel durften unsere Brüder und auch wir natürlich nicht fehlen. Unseren Bericht zu der Partie findet ihr in dieser Ausgabe.

Twente spielt als nächstes zuhause gegen AZ Alkmaar. Danach ist man beim FC Utrecht zu Gast.

Komiti Skopje

Aktuelle Lage

Der FK Vardar gewinnt weiter und bleibt in der Saison ungeschlagen. Nach dem Weiterkommen im Pokal konnten die letzten vier Ligaspiele alle siegreich bestritten werden. Das Auswärtsderby in Bitola wurde kurzfristig von der Mittagszeit auf 17 Uhr etwas nach hinten geschoben – wohlgemerkt an einem Mittwoch. Komiti beschloss daraufhin, das Spiel doch noch zu besuchen und machte sich auf den Weg in den Süden des Landes. Der dadurch deutlich kleinere Haufen als üblich legte dennoch einen ordentlichen Auftritt auf der neuen zweiten Tribüne hin. Wenige Tage später gab es für die Fanszene dann doppelte Gelegenheit zur Unterstützung des Vereins. Erst stand mittags das Heimspiel gegen Tikvesh Kavadarci auf dem Programm, anschließend ging es zum Handball in die Halle. Hierzu findet ihr im Anschluss an diese Zeilen auch mal wieder einen kurzen Reisebericht von einem unserer Mitglieder. Parallel zu unserem Spiel in Münster ging es für Komiti auf die Reise ins südliche Mazedonien nach Strumica. Komiti legte den Weg per Auto-Konvoi zurück und platzierte sich auf der Tribüne hinter dem Tor und durfte einen 2:0-Auswärtssieg bestaunen und den Tag ohne große Ereignisse, aber weiterhin als Tabellenführer, ausklingen lassen.

FK Vardar Skopje – GFK Tikveš Kavadarci 3:1 (1:1)

„Wir sind gefickt. Wir sind so heftig gefickt.“

Nachdem mich mein Wecker aus den schönsten Aufstiegs- und Europapokalträumen gerissen hatte, waren das die ersten Worte, die ich auf dem viel zu hellen Smartphone-Display erblicken konnte. Schlagartig war ich hellwach, da diese Nachricht von meinem heutigen Reisebegleiter und Fahrer zum Flughafen stammte. Während ich nach dem souveränen Heimsieg gegen Elversberg die Einladung in die Kneipe ausschlug und nach dem obligatorischen Taxiteller ins Bett fiel, knallte sich der Kollege genüsslich ein Bier nach dem anderen rein und war am Ende im kompletten Delirium. Ganz normaler Samstagabend halt. Bevor ich in meiner Panik aber die bekannten Taxi-Apps gecheckt hatte, kam die erlösende Nachricht, dass er wach sei und wir doch nicht „gefickt“ sind. Nur das Fahren seines Autos musste ich übernehmen. Nun konnte uns also nur noch ein verspäteter Flug vom Spiel Vardar gegen Tikveš Kavadarci abhalten. Doch auch hier gab es keine bösen Überraschungen und so landeten wir anderthalb Stunden vor Anpfiff in Skopje. Die Passkontrolle hinter uns gebracht, warteten schon zwei Komiti im Auto vor dem Flughafen. Nach kurzer Begrüßung ging es dann direkt zum Stadion.

Dort angekommen, wurden natürlich erstmal alle begrüßt, die ersten Skopsko getrunken und dem leicht verkaterten Skopje-Neuling der erste Rakija gereicht. Stilecht wurde er mit den Worten „today you‘re going to be fucked up“ begrüßt. Dem aufmerksamen Leser dürfte bekannt sein, dass etliche Leute bei ihrem ersten Besuch in Skopje die Wirkung des Rakijas unterschätzten. Allen Warnungen zum Trotz griff er aber immer wieder selbstbewusst zur 0,5l-PET-Flasche mit feinstem selbstgebrannten Zeugs.

Zum Spiel verirrten sich dann leider nicht mal 1.000 Zuschauer, darunter circa 200 in der Kurve und eine Busladung Lozari aus Kavadarci auf der gegenüberliegenden Seite. Diese trafen allerdings erst kurz vor der Halbzeit ein. Der Support seitens Komiti war ordentlich mit bekannten Liedern, Schlachtrufen und schönen Pöbeleien gegen die Lozari. Ich ließ des Öfteren meinen Blick durch den Block schweifen und jedes Mal wenn ich die vielen kleinen Kinder sah, wie sie auf den Schultern ihrer Väter sitzend, ihre auf A4-Blättern selbstgemalten Vardar-Wappen hoch hielten, ging mein Herz auf und ich erinnerte mich an meine Kindheit im Parkstadion. Für Nachwuchs sollte bei Komiti also auch in den nächsten Jahren gesorgt sein. Zum Spiel selbst gibt es nicht viel zu sagen. Das Niveau ist bekanntlich nicht das Höchste. Vardar führte früh 1:0 und hatte das Spiel weitestgehend im Griff. Kurz vor der Halbzeit ging allerdings ein Anruf aus dem Kölner Keller beim Schiri ein, welcher sich eine Szene im Strafraum von Vardar nochmal anschauen sollte. Der VAR ist seit dieser Saison leider auch in Mazedonien angekommen, diesen Mist werden wir wohl nie wieder los. Der folgerichtige Elfmeter wurde verwandelt und so ging es mit einem 1:1 in die Pause. Die zweite Hälfte verlief wie die erste, nur dass Vardar erst in den letzten zehn Minuten den Sack zumachte, den Spielstand auf 3:1 schraubte und somit die Tabellenführung festigte. Nachdem die Mannschaft verabschiedet und das Material verstaut wurde, ging es für uns beide zunächst zum Apartment, um die Taschen wegzubringen. Der Kollege, der während des Spiels die PET-Flasche mit Rakija weitestgehend alleine geleert hatte, war auf dem Weg zum Apartment noch frohen Mutes und meinte ganz groß, dass er „letztens noch zwei Flaschen Maria getrunken“ habe und danach noch klar kam. Angekommen in der Wohnung ging es für ihn direkt aufs Klo, wo ihn der altbekannte Rakija-Hammer traf. Blass kam er wieder raus und legte sich mit den Worten, dass er heute nirgends mehr hin gehe, sofort ins Bett. Da lag er nun wie ein Häufchen Elend, das nächste Rakija-Opfer, welches seine Skopje-Taufe hinter sich hatte.

Für mich ging es mit ein paar Komiti weiter zu einer bekannten Kafana in der Nähe der Handballhalle. Diesen Tag hatte Komiti nämlich als Doppel-Spieltag ausgerufen. Die Handballer trafen am Abend auf die Mannschaft von Alkaloid zum Topspiel der mazedonischen Handballliga. Das Spiel gewann Vardar ziemlich souverän mit 34:28 und untermauerte damit seine Favoritenrolle. Für mich war es tatsächlich die Heimspielpremiere beim Handball, da ich bisher nur die Europapokal-Gastspiele in Kiel besucht habe. Der Support war ebenfalls ordentlich und hat Spaß gemacht. In den Gästeblock hatte sich niemand verirrt, somit ging es in der Halle nur um Vardar und Komiti. Nach Spielende kehrten wir noch in eine weitere Kafana ein und ließen den Tag ausklingen. Irgendwann war ich aufgrund des langen Tages auch gut fertig und so wurde ich, mit Burek und Wasser für den mittlerweile wieder wachen Kollegen, zur Wohnung gebracht.

Der nächste Tag startete standesgemäß mit einem ausgiebigen Frühstück und einer anschließenden kleinen Sightseeingtour durch die Innenstadt. Irgendwann war es dann Zeit, den Mietwagen in Empfang zu nehmen, um zum Ligaspiel Shkendija gegen Makedonija Gjorce Petrov in Tetovo zu fahren. 2017 stand ich das erste Mal vor dem Stadion und war fasziniert von dem verrotteten Zustand und den herumlaufenden Hühnern in den stillgelegten Autowerkstätten unter den Tribünen. Das anvisierte Spiel fand damals auf einem anderen Platz statt und somit dauerte es acht Jahre, bis ich mein Kreuz hier endlich machen konnte. Leider ist von dem Stadion aber nicht mehr viel übrig, denn nur die Haupttribüne und eine Hintertortribüne stehen noch. Hier wird in den nächsten Jahren ein neues Stadion, welches auch für Länderspiele genutzt werden soll, gebaut. Beim Betreten der Haupttribüne habe ich mich dann trotzdem wie ein kleines Kind gefreut. Es ist schon herrlich, wie faszinierend so ein verfallenes Stadion auf einen wirken kann. Da die Hintertortribüne gesperrt war, waren alle Zuschauer auf der Haupttribüne zugegen und somit war schon vorher klar, dass wir die Jungs von Ballistët nicht zu Gesicht bekommen würden. Unklar war, ob sie überhaupt im Stadion sein würden, da die Ansetzung auf einen Montag um 13:00 Uhr schon frech war. Mitte der ersten Halbzeit hörte man jedoch die ersten Trommeln und Gesänge. Nach zwei Minuten kehrte aber wieder Stille ein, welche auch nicht mehr unterbrochen wurde. Das Spiel ging 7:2 für Shkendija aus, welche damit in der Tabelle weiter knapp hinter Vardar liegen. Für uns ging es danach noch nach Matka zum Canyon. Eine Bootsfahrt ist leider aufgrund der einkehrenden Dunkelheit ins Wasser gefallen, somit reichte es nur noch für ein paar Getränke am Ufer. Nach Ankunft in Skopje trafen wir uns noch zum Abschluss mit mehreren Leuten von Komiti in einer Kafana und anschließend in einer Bar. Natürlich wurde hier nicht auf die Uhr geguckt und so hatten wir nur noch knapp anderthalb Stunden Schlaf, bevor wir zum Flughafen aufbrechen mussten.

Vielen Dank für zwei grandiose Tage, фала браќа.

Curva Sud Siberiano

Aktuelle Lage

Eine lange Sommerpause, mehrere Monate Sperre, um zu den Spielen auswärts zu fahren, eine Mannschaft, die ansehnlichen Fußball spielt. Es gibt vielfältige Gründe, dass derzeit ein großer Run auf die Tickets der Salernitana herrscht. Der Ticketverkauf für das Auswärtsspiel gegen Altamura förderte die Problematik zu Tage und war absolutes Chaos. Weniger als eine halbe Stunde nachdem die Plattform für den Verkauf freigeschaltet war, waren alle 950 Tickets vergriffen. Der Heimverein zögerte nicht lange und gab wenige Tage später weitere Bereiche um den Gästeblock frei, sodass insgesamt 1.500 Fans das Spiel ihrer Mannschaft verfolgen konnten. Zur Partie lässt sich zusammenfassend sagen, dass die Mannschaft schon bessere Tage erwischt hat. Altamura ging früh in der 11. Spielminute in Führung, in der zweiten Halbzeit verwandelte Salernitana zwei Elfmeter, die dann zum 1:2 Endstand führten.

Gegen das Team aus Potenza kam man leider nicht über ein 1:1 hinaus. Der Gegner aus dem Mittelfeld der Tabelle hielt gut dagegen und konnte sogar mit 1:0 in Führung gehen, immerhin wurde kurz vor Schluss der Ausgleich erzielt und die Salernitana belegt den zweiten Platz in der Tabelle, punktgleich mit dem Führenden aus Catania.

Interview Ultras Bar Nettuno – Die Geburtsstunde der Ultras in Salerno | Teil 2

In Teil 1 hat Adolfo uns Fragen zur Bildung der Gruppe, Inspiration durch andere Kurven und Rivalitäten beantwortet. Im zweiten Teil erzählen er und Rino, was sie persönlich bewegt hat, wie die Gruppendynamik und Kurve sich änderten, als die Granata South Force die Bühne betrat und wie Rino auf die Entwicklung bis heute blickt.

Was war für dich der schönste und was der schlimmste Tag als Salernitana-Fan?

Adolfo: Das ist nicht einfach, denn ich habe im alten Vestuti-Stadion schon lange vor der Existenz der Ultras – also in den 60er Jahren – starke Emotionen erlebt und Erfahrungen gemacht. Der erste große unvergessliche Moment war, als wir 1966 das Derby gegen Neapel gewannen. Das war eine wunderschöne Emotion, weil Neapel damals die unbestrittene Metropole des Südens war. Das war ein erster persönlicher Höhepunkt. Einer der emotional schlimmsten Tage auf sportlicher Ebene war sicherlich das Play-off-Spiel in Pescara im Jahr 1991, als wir gegen Cosenza 0:1 verloren und wieder in die Serie C abstiegen.
Und dann wieder Pescara, aber diesmal gegen die abruzzesische Mannschaft. Damals hatten wir für einige Minuten die Illusion, in die Serie A aufgestiegen zu sein. Dann endete das Spiel und auf den Rängen brach die Hölle los, mit Platzsturm beider Fanlager und schwersten Zwischenfällen mitten auf dem Feld.

Das waren bittere sportliche Enttäuschungen. Aber der absolut schlimmste Tag für alle Fans ist eindeutig die Tragödie mit dem Sonderzug von 1999. (Anmerkung der Redaktion: Die Zugtragödie vom 24. Mai 1999 war der Brand eines Sonderzuges, der etwa 1.500 Salernitana-Fans nach dem letzten Saisonspiel und dem daraus resultierenden Abstieg aus der Serie A von Piacenza nach Salerno zurückbringen sollte. Kurz vor der Ankunft des Zuges in Salerno, im Santa Lucia Tunnel, breitete sich ein Feuer blitzschnell im Zug aus. Viele Fans sprangen in Panik aus den Fenstern. Vier junge Fans (Vincenzo Lioi, Ciro Alfieri, Giuseppe Diodato und Simone Vitale) konnten dem Feuer im Waggon nicht entkommen und verloren ihr Leben.)

Was kannst du uns über die Umstände des Zugunglücks sagen?

Adolfo: Die Fans sind nicht mit einem einzigen Sonderzug nach Piacenza gefahren. Jeder hatte sein eigenes Ticket für verschiedene Züge. Aber als Salernitana verlor und die Fans zurückkehren mussten, stellte der Polizeipräsident einen Zug zur Verfügung und drängte alle hinein. Man hat einfach alle in diesen einen Zug geworfen. Er wurde zum „Treno della Morte“ (Zug des Todes). Und später im Prozess wurde diese Verantwortung der Behörden nicht ausreichend untersucht. Der Polizeipräsident stellte diesen Zug zusammen und steckte uns alle hinein.

Du sagtest während der Filmvorführung, dass du dich bereits mit 29 Jahren aus der aktiven Bewegung zurückgezogen hast. Was hat dich dazu bewogen?

Adolfo: Anfang der 80er Jahre hatten sich die Dinge, vor allem in mir selbst, grundlegend geändert und ich konnte mich nicht mehr damit identifizieren. Auch wenn ich im Herzen immer bei Salernitana war, war ich es von diesem Moment an vorm Fernseher.

Eine Konsolidierung der Gruppen erfolgte 1982 mit der Granata South Force, der GSF. Was war die Idee hinter dieser neuen, großen Gruppe?

Rino: Die GSF war der nächste Schritt der Bewegung und ihrer Organisation. Sie wurde 1982 aus dem Wunsch heraus gegründet, alle Gruppen zu vereinen. Das Ziel war, mit einer Stimme zu sprechen und eine noch bessere Organisation auf die Beine zu stellen.

Und das spiegelt sich im Symbol der GSF wider, dem fünfzackigen Stern. Was genau repräsentierten diese fünf Zacken?

Rino: Genau. Der fünfzackige Stern hatte keinen politischen Bezug, sondern sollte die fünf wichtigsten Gruppen darstellen, die sich damals zusammen schlossen, um die Granata South Force zu bilden und die Kurve wirklich zu führen. Jede Gruppe hatte ihre eigene Zaunfahne. Das waren die Panthers, Warriors, Fighters, Fedayn und Ultras. Die Gruppe Ultras kam aus dem Viertel Pastena und war die Gruppe von Carmine und Vincenzo Rinaldi. Carmine Rinaldi, später besser bekannt als „Siberiano“. Derjenige, der dann zu einem Mythos wurde. Anerkannt und respektiert von allen in der italienischen Ultra-Welt. Über Carmine zu sprechen würde Zeit erfordern und wir könnten trotzdem nicht beschreiben, was er dargestellt hat. Sicherlich hat er einen Meilenstein unserer Bewegung dargestellt.

Mit der Gründung der GSF wurden die Ultras der Salernitana zu einer wirklich kompakten und respektierten Kraft, sowohl in der Curva Sud als auch bei Auswärtsfahrten in ganz Italien. Um einige besondere Episoden zu nennen, muss gesagt werden, dass zum Beispiel die Gesänge auf eine bestimmte Weise eingeführt wurden. Andrea Criscuolo, einer der ersten Vorsänger, pflegte nach Rom in die Curva Sud zu gehen, wo damals die „Commando Ultrà Curva Sud“ (CUCS) waren. Er hörte sich die Gesänge an, die die Romanisti Ultras anstimmten, prägte sich den Rhythmus ein und wir wiederholten sie in unserer Kurve, natürlich für unsere Bedarfe abgeändert.

Wie Adolfo bereits sagte: Imitation, Imitation in einem nicht abfälligen Sinne.

Welche Choreographie kennzeichnete die erste oder die berühmteste der GSF?

Rino: Das war im Heimspiel im Derby gegen die Cavese 1984-85. Es war die erste Choreographie in Italien mit umgedrehten Pappkarten. „Vinci per noi“ (Gewinne für uns). Granatrote Fläche mit weißer Schrift. Das ist die erste Choreographie, die ich in einer italienischen Kurve auf diese Weise in Erinnerung habe.

Wann begannen die ersten Fanfreundschaften?

Rino: Die erste Fanfreundschaft, die wirklich eine bestimmte Art von Mentalität gefestigt hat, war 1983 mit Bari. Das war eine Zeit, die ich persönlich erlebt habe. Eine Beziehung, die im Laufe der Zeit zu einem Gefühl der Brüderlichkeit zwischen zwei ganzen Städten und nicht nur zu einer Ultra-Beziehung geworden ist. Totale Symbiose zwischen zwei Städten, die ein Stolz und ein Erbe sind, welche bewahrt und an die neuen Generationen weitergegeben werden müssen.

Nach der mit Bari gab es die Fanfreundschaft mit Monopoli, die sehr lange dauerte, aber die Beziehung wurde kürzlich beendet. Dann folgten Reggina 1987 und Andria 1989. Fanfreundschaften oder starke Freundschaften gab es auch mit Pagani und Perugia.

Pagani wurde unterbrochen, weil von ihrer Seite kein Interesse mehr bestand, diese Beziehung aufrechtzuerhalten. Aus Gründen, die nicht einmal interessieren, aber wir sind der Meinung, dass eine Freundschaft bei jeder Gelegenheit auf Respekt basieren muss und das begann offensichtlich zu fehlen.

Perugia ist eine dieser Freundschaften, unter deren Bruch ich immer noch leide. Ich übernehme jede Verantwortung dafür, dass die Trennung unsere Schuld war. Ohne weiteres hinzuzufügen, denn diese Dinge sollten in ungeeigneten Foren überhaupt nicht beschrieben oder erzählt werden. Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass Ultra-Themen auf die richtige Weise und in den entsprechenden Foren behandelt werden müssen. Das Aufkommen der sozialen Medien und der „virtuellen Welt“ hat unsere Welt verzerrt und es in vielen Fällen nicht ermöglicht, das Reale vom Illusorischen und der virtuellen Welt zu unterscheiden.

Heute leiden die italienischen Ultras sehr unter der Repression des Staates und der Polizei. Die Verwendung der Tessera, Stadionverbote von zehn Jahren oder das Auswärtsfahrverbot sind nur die Spitze des Eisbergs. Wie habt ihr damals die staatlichen Organe erlebt?

Adolfo: Die Gewalt war schlimmer als heute und es gab immer Schlägereien! Die Polizei stellte sich immer und überall auf, um diese Auseinandersetzungen zu verhindern. Wir trafen uns oft mit Nocerina, Casertana und Cavese, aber es gab auch Auseinandersetzungen in Bergamo, Benevento und an anderen Orten.

Rino: Was sich geändert hat, ist, dass die Repression heute systematisch geworden ist. Ohne die Rolle des Opfers einnehmen zu wollen, weil wir uns bewusst sind, dass jede Aktion eine Reaktion haben wird und wir immer und in jedem Fall die volle Verantwortung für das übernehmen, was wir tun.

Aber Stadionverbote außerhalb vom Fußballkontext, präventive Stadionverbote, Nutzungsbestimmungen der Stadien, die Entziehung der Mittel des Tifomaterials und teure Tickets stellen gemeinsame Feinde dar, die kompakt bekämpft werden müssen.Man beraubt uns der Natur des Ultra-Seins. Heutzutage, besonders in Italien, muss jeder junge Mensch, der noch an eine bestimmte Art zu handeln und dieses Leben zu führen glaubt, als Held betrachtet werden, weil es materiell unmöglich geworden ist.

Vielen Dank für diese unglaublich interessanten Einblicke in die Geschichte der Ultras in Salerno.

 

Bremen: Die Spendenaktion „Vereint für Bremen“ der aktiven Fanszene des SV Werder Bremen startete zum sechsten Mal und konzentriert sich in diesem Jahr auf die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen aus sozial schwachen Familien sowie von Kindern mit schweren oder lebensverändernden Erkrankungen. An den letzten drei Heimspieltagen der Hinrunde wird für drei ausgewählte Organisationen aus Bremen und dem Umland gesammelt. Die Initiative entstand während der Corona-Pandemie und setzt ihr soziales Engagement bis heute fort. Unterstützt wird die Aktion durch den Verkauf von Fanartikeln sowie durch Spenden.

Stuttgart: Nach den Auseinandersetzungen zwischen VfB- und Basel-Fans sowie dem Einsatz von Pyrotechnik während der Partie wurde der VfB Stuttgart von der UEFA zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe und einer Geldstrafe von 20.000 Euro verurteilt. Bei erneutem Pyroeinsatz droht dem Verein ein Verkaufsverbot für Auswärtstickets. Die aktive Stuttgarter Fanszene kritisierte diese Entscheidung deutlich und sieht darin ein Zeichen für die strikte Null-Toleranz-Linie der UEFA. In ihrer Stellungnahme schildert sie zudem, dass Auswärtsreisen in Europa immer häufiger von Repressionen, Generalverdacht und entwürdigenden Bedingungen geprägt seien. Besonders die Erlebnisse in Madrid und Belgrad gelten als Beleg für massive Übergriffe und mangelnde Reaktionen der UEFA.

Jena: Das heutige Derby zwischen Rot-Weiß Erfurt und dem FC Carl Zeiss Jena sorgte schon vor dem Anpfiff für Unmut, da die Eintrittspreise im Gästeblock erstmals die unverhandelbare Grenze von 20 Euro für einen Stehplatz erreichten. Grund dafür sind unter anderem zusätzliche Vorverkaufsgebühren, die der FC Carl Zeiss Jena seinen eigenen Anhängern berechnet. Die Horda Azzuro veröffentlichte deshalb eine Stellungnahme, in der sie diese Preisentwicklung kritisierten und alle beteiligten Vereine der Regionalliga Nordost aufforderten, sich künftig auf moderate und fanfreundliche Ticketpreise zu verständigen. Die Gruppe verweist auf die Initiative „Kein Zwanni für’n Steher“, deren Grundgedanke auch heute noch gelte und betont, dass steigende Kosten und Sicherheitsauflagen nicht dazu führen dürften, Fans finanziell weiter zu belasten. Vorverkaufsgebühren sollten ausschließlich den tatsächlichen Aufwand abdecken und nicht als zusätzliche Einnahmequelle dienen. Die Vereine haben die Verantwortung, die finanziellen Möglichkeiten ihrer Anhänger zu berücksichtigen und die 20-Euro-Grenze als klare Schmerzschwelle anzuerkennen. Gleichzeitig appellierte die Horda Azzuro an die eigene Fanszene, sich diesen Entwicklungen nicht widerstandslos zu beugen und die Preisgrenze gemeinsam zu verteidigen.

Köln: Bei dem Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln kam es vor dem Gästeblock zu einem von Willkür und Unverhältnismäßigkeit geprägten Polizeieinsatz. Der Eingang zum Gästeblock wurde zeitweise komplett gesperrt, wodurch sich ein starker Andrang entwickelte. Die Staatsmacht griff dabei teils ohne erkennbaren Grund mit Faustschlägen gegen Fans ein und trennte in einem Fall einen Vater von seinem minderjährigen Sohn. Besonders problematisch war, dass Kinder und Familien während des Einsatzes offenbar kaum geschützt wurden und teils Gefahren ausgesetzt waren, die durch das Verhalten der Beamten selbst entstanden. Zahlreiche Fans wurden verletzt, teils bereits beim bloßen Einlass. Die Fanhilfe Köln kritisiert die Maßnahme als pauschal, undifferenziert und rechtsstaatlich problematisch, da offenbar keinerlei konkrete Gefährdung vorlag, die ein derartiges Vorgehen gerechtfertigt hätte.