Glück auf Schalker,
und nochmal herzlich Willkommen in der Bundesliga, denn dort sind wir beim letzten Heimspiel angekommen. Auch ohne Gegner auf den Rängen riss die Nordkurve ab und peitschte die bis aufs Blut kämpfende Mannschaft zum Unentschieden. Wenn Kurve und Spieler so weitermachen, werden wir den Klassenerhalt schaffen!
Eine Woche später wurden in Berlin sogar die ersten drei Punkte eingefahren. Gästeblock und Mannschaft haben dabei wieder einen guten Eindruck hinterlassen.
Vom Parkplatz bis zum Merchandise – Der Malocherclub nur noch für den großen Schein?!
Eine weniger gute Figur macht der Verein leider abseits des Platzes. Der Hype um unseren Verein ist riesig und es scheint so, als ob der Verein die Gunst der Stunde nutzt, um seine Fans in dieser Phase kräftig abzumelken. Dass die Merchandise-Artikel in den letzten Jahren sowieso völlig absurde Preise angenommen haben, ist eine Sache, dass Schalke aber bei neuen Artikeln und Kollektionen und vor allem nun auch beim Trikot stets Höchstpreise verlangt, ist einfach nur unverschämt. Gleiches gilt für die Parkplatznutzung am Stadion. Sieht man davon ab, dass diese in einem katastrophalen Zustand sind und die gerade erstandenen 120 Euro Schalke-Samba dann bei jedem kleinen Nieselregen komplett verschlammt sind, wurden dort nun zusätzlich die Preise von fünf auf zehn Euro verdoppelt.
Topspielzuschläge abschaffen!
Waren wir sie in Liga Zwei noch los, wurden nach dem Aufstieg die Topspielzuschläge wieder eingeführt. Wie bereits in den Jahren vor den Abstiegen, müssen wir gegen Bayern und Dortmund mehr blechen als für die anderen Spiele. Es ist schon erstaunlich, mit welchem Selbstverständnis diese nach Jahren des sportlichen Tiefpunkts überhaupt eingeführt wurden. Diese Regelung ausgerechnet bei Schalke zu haben, wo wir als Fans ja selbst oft genug betroffen sind, ist maximal unverständlich, wie muss es da erst den Bayernfans gehen, die diesen Mist wahrscheinlich jeden Spieltag zahlen dürfen.
Uns ist bewusst, dass gerade Schalke möglichst viele Einnahmen generieren muss. Aber spätestens, wenn man sich selbst bei jeder passenden Gelegenheit mit dem Kumpel- und Malocherclub Image rühmt, sollte einem die soziale Verantwortung für die Stadt Gelsenkirchen und deren Bewohner bewusst sein und man auf die Überdrehung der Preisspirale verzichten! Dass nun bei der ersten Gelegenheit und sportlichem Erfolg direkt an allen Stellen gleichzeitig bis zum Anschlag die Preise maximiert werden, ist absolut nicht hinnehmbar. Die Fans waren für den Verein da, als er am Boden lag und das darf jetzt nicht der Dank sein.
Kompassmodell und Polizeikostenbeteiligung sollen kommen
Auch der DFB hat ein paar richtungsweisende Entscheidungen getroffen. Einerseits macht er nun die Regionalligareform zur Chefsache und möchte angeblich das Kompassmodell durchsetzen (was wir sehr begrüßen würden), hat aber andererseits in der letzten Woche einen Grundsatzbeschluss gefasst, dass die Heimvereine sich an den Polizeikosten bei Hochrisikospielen beteiligen sollen. Bereits 2025 war die DFL mit einer Klage gegen die Beteiligung beim Bundesverfassungsgericht gescheitert und nun wurde schlussendlich vom DFB quasi eingeführt, dass der Verband die Gebührenbescheide der Polizei an die Heimvereine teilweise weitergeben kann.
Der Staat und die Länder haben durch ihre Vereine so unfassbar hohe steuerliche Einnahmen, dass diese Entscheidung nur als Witz bezeichnet werden kann. Dazu erscheint die Eingruppierung, was ein Hochrisikospiel oder ein normales Spiel ist, komplett willkürlich und könnte sogar als Instrument der Kosteneinsparung genutzt werden. Nimmt man dann als dritten Punkt hinzu, wie viele Verletzte es in der nahen Vergangenheit durch Polizisten gibt, kann die Lösung eigentlich nur weniger Beamte sein und nicht bezuschusste Einsätze.
Freundschaft zu Sottocultura aus Mönchengladbach
Der aufmerksame Leser hat es vielleicht schon bemerkt: Die Freundschafts-Rubrik hat sich um einen Verein vergrößert. Die Kontakte zur Fanszene aus Mönchengladbach bestehen eigentlich schon seit Anfang der 2000er. Hatte man sich in der Zwischenzeit wieder aus den Augen verloren, flammten diese in den vergangenen zehn Jahren wieder auf. Besonders in den letzten Saisons gab es eigentlich kein Spiel, das vom Spielplan möglich war, bei dem man sich nicht gegenseitig unterstützte. Manche Mitglieder stiegen teilweise von dem einen Bus in den nächsten. Dennoch haben Sottocultura und wir es langsam angehen lassen und wollten nichts überstürzen. In diesem Sommer war es dann aber so weit und wir haben das offiziell gemacht, was schon lange gelebt wurde. Wir sind stolz, unsere Freunde an unserer Seite zu wissen!
Wie heißt es noch so schön, Fußball wird auch noch gespielt und heute geht es gegen den wohl kleinsten Verein der ersten Bundesliga. Die Saarländer sind beeindruckend in die Saison gestartet, aber dennoch ist das eines dieser Spiele, in denen wir die Punkte holen müssen.
In diesem Sinne, auf geht’s Nordkurve!
FC Schalke 04 e.V. – FC Bayern München AG 0:0
Vor dem Spiel
Der Rekordmeister kommt nach Gelsenkirchen. Die Ergebnisse des ersten Spieltags ließen schon manch Böses erahnen. Alles andere als eine deutliche Niederlage unseres S04 gegen den FC Bayern würde wohl ganz Fußball-Deutschland überraschen. Dennoch musste auch diese Partie erstmal gespielt werden. So trafen sich unsere Gruppe und unser Umfeld am Club75 und wir verbrachten entspannte Stunden vor dem Spiel. Die Laune war überall bestens und zeitig ging es in Richtung Arena.
Wie der Zufall so wollte, kamen die Ultras der Bayern gleichzeitig mit uns am Stadionumfeld an und nur ein Parkplatz trennte beide Fanszenen. Dementsprechend dauerte es auch nicht lange, bis man die Szenerie durchschaut hatte. Die Münchner machten ordentlich Meter nach vorne und prallten auf unseren Haufen, was für einen kurzen Schlagabtausch sorgte. Die in der Nähe postierten Bullen waren allerdings schnell zur Stelle und so endete das Spektakel wieder. Während wir unseren Weg zum Stadion fortsetzen konnten, wurde die Szene der Bayern auf dem Parkplatz festgesetzt.
Nordkurve Gelsenkirchen
Zum ersten Spiel der Saison auf Schalke hatten wir eine Choreo parat. Im Oberrang gab es ein großes Spruchband mit den Zeilen: „Nicht der bessere soll gewinnen, sondern immer“. Zum Einlauf der Mannschaften bildete der Stehplatzbereich der Nordkurve mit Hilfe von ausgelegten Folien ein weißes “SCHALKE” auf blauem Grund, was die Message vollständig machte. Währenddessen wurde im Oberrang mit vielen Materialien ein Chaos-Intro erzeugt. Ein wirklich starkes Bild. Auch zum Start des Spiels wurden die Folien im Unterrang noch in den Support eingebaut und gaben einen schönen optischen Effekt. Zwar merkten die Außenblöcke erst etwas später, wie diese eingesetzt werden sollen. Dennoch sah das nach einer gewissen Zeit schon gut aus. Beim nächsten Mal etwas mehr auf die Nebenleute und die Ansagen aus unserer Lautsprecheranlage achten und dann kriegt es auch jeder etwas schneller mit.
Es konnte nur mit dem zwölften Mann gegen die Bayern gehen und das hatte die Nordkurve an diesem Tag begriffen. Von Anfang an war ordentlich Lautstärke und Bewegung in der Hütte. Wir setzten in dieser Begegnung fast ausschließlich auf massentaugliches Liedgut, um das ganze Stadion mitzunehmen. Das gelang bestens und wir trugen die Energie von den Tribünen auf den Rasen. Denn auch unsere Jungs spielten eine klasse erste Hälfte. Es wurde nur wenig auf das eigene Tor zugelassen. Klar, spielerisch waren die Bayern überlegen und der Ballbesitz lag deutlich bei den Münchnern. Aber der Kampf unserer Truppe – altobelli. Das war eine astreine erste Halbzeit von der Mannschaft und den Fans.
Auch der zweite Durchgang konnte dem Ersten in nichts nachstehen. Die Unterstützung war weiterhin lautstark. Als das gesamte Stadion bei „Asoziale Schalker“ aufsprang und die Blau-Weißen im weiten Rund endgültig alles in die Waagschale geworfen hatten, war dann auch dem Letzten klar, dass wir das an diesem Tag packen können. Von Minute zu Minute wurde man ungläubiger. Aber mit jeder Zeigerumdrehung mehr kam auch die Erkenntnis zutage, dass wir die Bayern bei uns in der Arena wirklich mal wieder ärgern können. Das liest sich wahrscheinlich jetzt alles völlig übertrieben, aber so war die Stimmung und Haltung des Publikums halt in diesen Momenten. Da war einfach eine ungeheure Kraft auf den Tribünen, die es uns leicht machte, das Stadion zum Brennen zu bringen. Die Mannschaft zog das Spiel defensiv bis zum Ende durch und konnte dem Rekordmeister mit einem 0:0 ein Bein stellen.
Beim Abpfiff brach dann im weiten Rund ein Jubel aus, der schon nah an den Aufstiegsjubel gegen Düsseldorf rankam. Ein torloses Remis so zu zelebrieren, wirkt sicherlich befremdlich, aber drauf geschissen. Wir haben den „Bonus-Punkt“ gegen die Bayern geholt und das soll jetzt einfach Kraft für die nächsten Aufgaben freisetzen. Dementsprechend wurde die Mannschaft noch ordentlich von der Nordkurve gefeiert.
Gegner
Die Szene der Bayern kam nicht so gut aus der Nummer vorm Spiel raus. Die Münchener waren über mehrere Stunden, bis weit nach Spielende, einer kompletten Personenkontrolle ausgesetzt und blieben so dem Gästeblock fern. Es gab auch stichprobenartig Drogentests bei den Fans, um die Zeit der langen Kontrollen sinnvoll zu nutzen. Eine absolut überzogene Maßnahme. Teilweise verzichteten Fanclubs aus Solidarität zur aktiven Fanszene auf das Aufhängen der eigenen Zaunfahnen im Stadion. Dementsprechend trist sah es im Gästesektor aus.
Freunde
Einige Jungs aus Enschede waren bei uns zu Gast. Hartelijk dank, vrienden.
Sonstiges
Axel Hefer ließ sich rund um das Spiel bei einem Interview dazu hinreißen, für ein Playoff-Modell in der Bundesliga und für eine Beschäftigung von Manuel Neuer im Verein, nach seiner aktiven Karriere, zu plädieren. Wo auch immer diese Gedanken herkamen, wir gehen davon aus, dass ihm spätestens jetzt bewusst ist, dass beides von der Nordkurve strikt abgelehnt wird.
1. FC Union Berlin e.V. – FC Schalke 04 e.V. 1:3 (0:1)
Vor dem Spiel
Zum vierten Mal überhaupt und zum zweiten Mal mit der Möglichkeit ins Stadion zu gehen, ging es für uns mit unserem FC Schalke an einem spätsommerlichen Freitag zu Union Berlin in die Alte Försterei. Mit etwas Glück werden wir noch ein weiteres Mal den charismatischen Ground mitnehmen können, bevor die Hütte ab Anfang 2028 umgebaut wird. Die Ansetzung selbst war natürlich undankbar. Vor allem wenn man bedenkt, dass die zurückzulegende Distanz in den Top drei der längsten Auswärtsstrecken der laufenden Spielzeit rangiert. Rumjammern hilft bekanntlich wenig und so machten wir uns mit zahlreichen Bussen auf den Weg in die Hauptstadt.
Nordkurve Gelsenkirchen
Der Gästeblock wurde ausreichend früh geentert, Zaunfahnen aufgehängt und Tifo verteilt. Schon vor Anpfiff war zu spüren, dass der Schalker Anhang gut aufgelegt schien. Mit dem absolut verdienten Punkt gegen Bayern Zuhause am Spieltag zuvor, konnte unsere Mannschaft mit entsprechend breiter Brust in die Partie starten. Wir stiegen ebenso mit guter Mitmachquote ein, skandierten mit dem altbekannten “Hurra, Hurra”, dass wir da sind, um mit dem Lied “Um die halbe Welt sind wir gefahr’n” uns über mehr als zehn Minuten hinweg Gehör zu verschaffen. Passend auf den Klassiker “Geh’n mit dir auf jede Reise” fiel dann auch schon das erste Tor per Volley durch Gosens. Unsere Mannschaft blieb weiter gefährlich auf dem Platz und wir gaben unser Lied „Unsre‘ Fahnen wehn im Wind” laut und über lange Zeit bis kurz vor der Halbzeit zum Besten. Die Stimmung zum Ende der ersten Hälfte war so mitreißend, dass wir sie bis in die Pause trugen.
Mit Wiederanpfiff gab es, wie so oft, die passende Schalparade zum Lied “Königsblauer S04”. Unterbrochen wurde sie prompt durch das nächste Tor für Schalke. Allerdings wurde durch den Linienrichter eine Abseitsposition des Schützen Aouchiche erkannt, was den Einsatz des elendigen Videobeweises nach sich zog. Dieser entschied dann zu unseren Gunsten, was bei den allermeisten einen großen Jubel im Gästeblock zur Folge hatte. Dies ändert aber nichts daran, dass dieser scheiß VAR abgeschafft gehört. Uns wurde kurz davor wieder einmal das emotionale Reinsteigern nach dem Tor genommen, in dem der Treffer zunächst aberkannt wurde. Während in der Folge dann Einige sich so kaum über das Tor freuen konnten, rasteten andere aufgrund der Erleichterung aus. Konsens sollte aber sein, dass jeder Eingriff des VAR abgelehnt werden muss, egal zu wessen Gunsten.
Leider konnten unsere ausgesperrten Brüder vor den Stadiontoren nicht an den Momenten im Stadion teilhaben. Zusätzlich hatten sie wieder mal die zweifelhafte Ehre, Repressionen in Reinkultur zu erleben und wurden während des Spiels von den Bullen abgefuckt. Nicht nur deswegen richteten wir lautstarke Grüße in Richtung SEK SV. Bleibt standhaft!
Im weiteren Verlauf konnte die Nordkurve Gelsenkirchen mit anständigem Support überzeugen. “Die Nr. 1 aus dem Revier” und “Von der Elbe bis zur Isar” wurden in den Berliner Nachthimmel geschmettert. Da sich der Schiedsrichter im Laufe des Spiel verletzte und sich seine Auswechslung hinzog, gab es zwölf Minuten Nachspielzeit, die noch einmal spannend wurden. Denn Union verkürzte in der 96. Minute auf 1:2 und war drauf und dran, auszugleichen, was Karius glücklicherweise verhindern konnte. Unserer Stimmung im Block tat dies aber keinen Abbruch, was dann mit einem Tor für uns durch Wöber in der 90.+13 gedankt wurde.
In Summe nehmen wir drei Punkte mit nach Hause und können von einem gelungenen Abend sprechen.
Gegner
Union zeigte eine große Waldseite-Blockfahne zu Beginn, die mit Fackeln an den Rändern der Kurve begleitet wurde. Später wurde noch mehr Pyro auf der ganzen Tribüne angerissen. Insgesamt kann man der Heimseite einen guten Auftritt attestieren. Die Klatscheinlagen wurden von der ganzen Waldseite getragen und es kam auch immer wieder akustisch was bei uns an. In Erinnerung bleibt das durchgehend eingesetzte Pyro und der sehenswerte Einsatz von Tifo-Material. Zusätzlich wurden noch Spruchbänder für mehr Transparenz und Ehrlichkeit im Verein sowie die Forderung nach der Umsetzung des Kompassmodells für die Regionalliga gezeigt.
VAK-P Enschede
Aktuelle Lage
Sportlich läuft es für Twente richtig gut. In den drei Spielen seit der letzten Ausgabe gab es sieben Punkte. Somit steht der FCT nach sechs Spielen auf Platz vier.
Trotzdem gab es für unsere Freunde vor einigen Tagen unerfreuliche Nachrichten. Der niederländische Verband hat die Vereine verpflichtet, bis zur Saison 28/29 ein PDT-System für Ticketverkäufe einzuführen. PDT ist ein persönlicher digitaler Zugang, in dem persönliche Daten einer Person gespeichert sind, die an die gekauften Tickets geknüpft sind.
In einem Statement in den sozialen Medien nahmen unsere Freunde Stellung zu dieser Thematik. Darin nennt VAK-P vier Kritikpunkte an dem System:
- Ein Stadionbesuch ist ohne Identitätsregistrierung nicht mehr möglich.
- Ein spontanes Weitergeben von Tickets wird unnötig kompliziert.
- Die genannten Vorteile für Geschwindigkeit und Sicherheit sind kaum zu erkennen und nur Vorwand.
- Zur Sicherheit und Verarbeitung der persönlichen Daten gibt es noch sehr viele nicht beantwortete Fragen seitens des Verbandes.
Außerdem schreibt VAK-P, dass ein paar Vereine aus der Eredivisie, wie beispielsweise PSV Eindhoven oder PEC Zwolle, ein ähnliches System schon mit ihren vereinseigenen Apps anbieten und dafür bei Sicherheitsforschern hoch in der Kritik stehen.
Am Ende heißt es: FC Twente muss sich für seine eigenen Fans und gegen ein solches System einsetzen.
TEGEN PERSOONLIJKE DIGITALE TOEGANG!
Beim Heimspiel gegen Den Haag zeigte Ultras 91 ein Spruchband für eines ihrer Mitglieder, welches aktuell mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hat. Auch von uns nur die besten Genesungswünsche!
„Kop omhoog Timo!“
FC Groningen – FC Twente Enschede 2:2 (2:2)
Zum Abschluss des Wochenendes stand noch ein Ausflug ins Nachbarland auf dem Programm. Nach dem Kracher am Samstagabend gegen die Bauern und dem überraschenden 0:0, das uns allen noch ordentlich gute Laune beschert hatte, hieß es am Sonntagmorgen: wieder früh raus. Diesmal ging es für mich und meine Reisegruppe in den Norden Hollands, um unsere Freunde aus dem Twenteland bei ihrem Auswärtsspiel in Groningen zu unterstützen.
Die Fahrt selbst verlief zunächst völlig ereignislos und genau so, wie man sich eine entspannte Sonntagstour vorstellt. Irgendwann trafen wir uns an einem Rastplatz mit unseren Freunden rund um U91. Ab diesem Zeitpunkt ging es gemeinsam weiter. In Groningen angekommen, konnten wir direkt vor dem Gästeblock parken und auch beim Einlass mussten wir uns nicht lange aufhalten. So standen wir kurze Zeit später bereits im Gästeblock und nahmen unsere Plätze für die kommenden 90 Minuten ein.
Mit einem kühlen Bier in der Hand ging es los und die Jungs aus Enschede starteten direkt ordentlich. Der Gästeblock war von Beginn an gut dabei und die nahezu geschlossene Mitmachquote sorgte dafür, dass sich der Auftritt trotz der etwas ungünstigen Lage des Blocks sehen und vor allem hören lassen konnte.
Auch auf dem Rasen erwischte Twente einen guten Start, was natürlich nicht gerade schlecht für die Stimmung im Block war. Nur wenige Minuten nach dem Anpfiff durfte im Gästeblock bereits das erste Tor bejubelt werden. Lange hielt die Führung allerdings nicht und Groningen drehte die Partie kurzerhand. Ganz nach dem Motto: Wenn man sie vorne nicht macht, bekommt man sie hinten rein. Kurz vor der Pause gelang den Tukkers aber noch der Ausgleich zum 2:2.
Gerade nach diesem Treffer zog die Stimmung nochmal spürbar an, womit es dann auch mit ordentlich Rückenwind in die Halbzeit ging.
Von der Noordtribune Groningen hatte ich dagegen ehrlich gesagt etwas mehr erwartet. Im Vorfeld wurde mir von unseren holländischen Freunden mehrfach erzählt, dass Groningen eine der besten Fanszenen der Niederlande haben soll. Entsprechend gespannt war ich darauf, mir endlich selbst ein Bild von der Noordtribune machen zu können. Gerade in der ersten Halbzeit blieb die Heimkurve für mich aber hinter diesen Erwartungen zurück. Die Mitmachquote war abgesehen von den Hüpfeinlagen kurz nach den Toren eher überschaubar und auch der Tifo-Einsatz konnte mich überhaupt nicht überzeugen. Vor allem im Vergleich zu dem, was mir über frühere Auftritte der Noordtribune erzählt wurde, wirkte das Ganze eher schwach. Akustisch möchte ich die Heimseite allerdings gar nicht groß bewerten. Durch die Position unseres Gästeblocks oben in der letzten Ecke des Stadions ist es schlicht schwierig, einen fairen Eindruck davon zu bekommen, was von der Heimkurve tatsächlich im Stadion ankommt. Bei der Beteiligung und den optischen Aktionen fällt die Einschätzung dagegen deutlich leichter. Der vollständigkeitshalber: Unterstützung von Freunden aus Erfurt hatten sie augenscheinlich nicht.
Während es in die Halbzeitpause ging, mussten wir uns irgendwann auch um die elementaren Dinge des Lebens kümmern. Ein zweites Bier sollte her – eigentlich kein besonders komplizierter Plan. Dummerweise wurde im Gästeblock mittlerweile kein Bier mehr ausgeschenkt. Stattdessen bekamen wir kurzerhand zwei Portionen Pommes gratis hingestellt. Nicht ganz das, was wir uns vorgestellt hatten, aber einem geschenkten Gaul…
Nach der Pause gab es auf dem Rasen nicht mehr wirklich viel, das für mich von Bedeutung gewesen wäre und so ging es nach dem Ende des Spiels wieder aus dem Stadion und zurück zu den Fahrzeugen. Dabei bekamen wir noch mit, wie konsequent die vereinseigenen Twente-Ordner in Groningen die Hinterlassenschaften der Gästefans entfernten. Sobald der Haufen das Stadion verlassen hatte, wurde jeder einzelne Aufkleber entfernt. Der Grund dafür ist, dass der Verein für jeden Aufkleber eine Strafe zahlen muss. Also wurde fleißig geklebt und direkt danach wieder fleißig abgekratzt. Was ein Wahnsinn. Für uns ging es anschließend wieder auf die Straße.
Komiti Skopje
Aktuelle Lage
Bei den meisten Vereinen am Balkan passieren Dinge gefühlt alle paar Jahre immer wieder, ohne dass sich so richtig etwas ändert. Warum sollte es bei unseren Freunden da anders sein? Die Probleme zwischen der Fanszene und dem neuen Besitzer halten weiter an und haben sich sogar noch etwas verschärft. Beim Heimspiel gegen Arsimi vergangene Woche Montag besuchte die Fanszene rund um Komiti daher zum vorerst letzten Mal ein Spiel im Stadion. All die bisherigen Protestformen und Bemühungen, im Hintergrund eine Lösung zu finden, führten komplett ins Leere. Daher bleibt die Fanszene den Fußballspielen nun fern und hofft auf ein möglichst leeres Stadion.
Curva Sud Siberiano
Aktuelle Lage
Im Cavese-Derby vor heimischem Publikum ging die Mannschaft von Coach Serse Cosmi durch ein Tor von Manuel Llano in der 33. Minute in Führung. Die Salernitana konnte die Kontrolle in einem hart umkämpften Spiel jedoch nicht halten und kassierte in der 72. Minute durch Manuel Peretti den Ausgleich für die Gäste aus Cava de‘ Tirreni. Trotz einiger Schlusschancen endete die Partie mit einem enttäuschenden Remis und unter Pfiffen von den Rängen des Arechis.
Beim Heimspiel gegen Potenza fielen satte sechs Tore, davon vier auf Seiten der Granata. Vor 10.000 Zuschauern brachte Daniele Celiento die Mannschaft bereits in der 6. Minute in Führung, ehe Antonino La Gumina zum herausragenden Mann des Abends wurde und einen Dreierpack (8., 44. und 61. Minute) schnürte.
Die schlechte Stimmung gegenüber Iervolino und Pagano ist weiter allgegenwärtig. Die Curva Sud Siberiano veröffentlichte nach dem Unentschieden im Derby gegen Cavese eine scharfe Stellungnahme in der sie Iervolino als “una sciagura” für den Verein bezeichnen, was im Deutschen mit Schande oder Katastrophe übersetzt werden kann. Sie geben klar zu verstehen, dass die einzig gute Nachricht über Iervolino die sofortige Veräußerung des Clubs an einen neuen Eigentümer sein könnte. Dabei betonen sie, dass Team und Trainer auf dem Platz weiter bedingungslos unterstützt werden, man dem Management aber jeglichen Dialog verweigert. Die Kurve hat beim Spiel gegen Potenza mehrfach das Lied „Chissà, chissà cosa succederà, se Iervolino se ne va“ (“wer weiß, wer weiß, was passiert, wenn Iervolino endlich geht”) gesungen, das schon beim Kampf gegen Lotito – dem Vorgänger von Iervolino – in der Saison 19/20 durchs Arechi hallte.
Sottocultura Mönchengladbach
Aktuelle Lage
Sportlich läuft es am Niederrhein miserabel und nach drei Niederlagen in der Bundesliga musste der Trainer Eugen Polanski seinen Hut nehmen. Ansonsten gibt es aktuell in Mönchengladbach ein Thema bezüglich des neuen Stadionnamens, gegen den die Nordkurve seit dem Saisonstart protestiert. Insbesondere die optischen Aktionen beim Testspiel gegen Aston Villa haben für Aufsehen gesorgt. Sotto zeigte eine große Blockfahne mit dem bekannten “Hasta la Vista”-Motiv sowie mehrere Spruchbänder. Darüberhinaus hing vorm Zaun eine Fahne mit der Aufschrift „Vom Bökelberg in den Borussia-Park“. Zum ersten Heimspiel startete die Nordkurve mit einem Chaos-Intro, bestehend aus einer Vielzahl an Fahnen, Konfetti, Shootern und etwas Pyro, in die Partie. Abgerundet wurde das Ganze mit einem Spruchband im Oberrang, auf dem geschrieben stand: „Endlich wieder in der Kurve steh‘n – unsere geliebte Borussia seh‘n“.
Diesmal dreht es sich in dieser Rubrik nicht um unseren eigenen Verein, sondern um die Entwicklungen rund um die 50+1 Thematik. Um neben dem recht sachlichen Text zu diesem Thema auch noch etwas Praxiserfahrungen bieten zu können, haben wir ein Interview mit einem Fan von 1860 geführt, der uns bei den Entwicklungen in München-Giesing auf den neuesten Stand bringt.
50+1 darf bleiben – vorerst
Auch da, wo 50+1 nicht so omnipräsent über dem Verein schwebt, wie in München-Giesing – zum Beispiel auf Schalke – kann man die Augen vor dem politischen und juristischen Geschehen abseits des grünen Rasens nicht verschließen. So haben auch wir über die letzten Jahre immer wieder Updates gegeben, wie es um 50+1 bestellt ist. Fassen wir also nach Abschluss des Verfahrens alles einmal zusammen:
Acht Jahre für eine Antwort
Ein Verfahren, das den deutschen Profifußball so lange begleitet hat wie kaum ein Zweites. Am 18. Juli 2018 beschloss das damalige Ligapräsidium, beim Bundeskartellamt ein Prüfverfahren der 50+1-Regel (wer immer noch nicht weiß, was das ist, klappt bitte sein Heftchen zu und belegt ein Online-Seminar) zu beantragen. Die DFL wollte damals selbst Klarheit schaffen: Ist die 50+1-Regel – das Herzstück der deutschen Vereinskultur im deutschen Profifußball und unsere Abgrenzung gegenüber den anderen Ligen dieser Welt – kartellrechtlich überhaupt haltbar?
Am 12. August 2026, mehr als acht Jahre später, kam die Antwort in Form eines 34-seitigen Schreibens des Bundeskartellamts (für die Nerds zum Nachlesen: Aktenzeichen B6-37/18). Das Verfahren wurde nun formlos eingestellt – eine Besonderheit, die man verstehen muss: Es handelte sich nie um ein kartellrechtliches Untersagungsverfahren, sondern um ein sogenanntes Feststellungsverfahren. Die Abschaffung von 50+1 – jedenfalls von behördlicher Seite – droht also vorerst nicht.
Grund zum Feiern?
Danke also, liebes Bundeskartellamt (oder etwa nicht?). Die gute Nachricht für alle Fans und insbesondere Mitglieder zuerst: Das Amt hat unter Berücksichtigung der neueren Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs zum Sportkartellrecht endgültig keine grundlegenden Bedenken gegen die 50+1-Regel. Zwar beschränkt die Regel den wirtschaftlichen Wettbewerb um Investitionen im Profifußball, weil sie externen Geldgebern die Stimmenmehrheit verwehrt (so weit so logisch); doch das Ziel der „Vereinsprägung“ und der Mitgliederpartizipation, welches 50+1 zugrunde liegt, ist geeignet, eine Ausnahme im kartellrechtlichen Sinne zu rechtfertigen – vorausgesetzt, es handelt sich tatsächlich um ein legitimes Gemeinwohlziel, das in der Praxis entsprechend umgesetzt wird.
Und genau hier liegt der Haken: Laut dem Amt müssen Vereinsprägung und Mitgliederpartizipation konsequent und ohne sachlich nicht gerechtfertigte Unterschiede angewendet werden. Eine kartellrechtliche Ausnahme, die nur auf dem Papier besteht, aber in der Praxis durchlöchert wird, verliert ihre Rechtfertigung. Genau das hat das Amt in mehreren Punkten festgestellt.
Die drei Baustellen
An drei Stellen kommen die Ziele von 50+1 und die Realität der Praxis nicht miteinander überein – und das ist seit acht Jahren kein Geheimnis:
(1)
Laut BKartA achtet die DFL in ihrer Lizenzierungspraxis nicht ausreichend darauf, dass wirklich alle Vereine der ersten und zweiten Bundesliga ihren Fans die Möglichkeit bieten, als stimmberechtigtes ordentliches Mitglied aufgenommen zu werden. Im Fokus steht dabei – wer hätte es gedacht – RASENBALLSPORT Leipzig. Der Klub verfügt über eine äußerst überschaubare Zahl stimmberechtigter Mitglieder (23, wenn es einer genau wissen will), die eng mit dem namensgebenden Unternehmen verbunden sind, um es mal vorsichtig auszudrücken. Ein Modell, das schwer beziehungsweise gar nicht mit dem Gedanken breiter Fanpartizipation vereinbar ist. Doch auch subtilere Konstruktionen geraten jetzt ins Visier: Beim FC Augsburg etwa ist die erste Mannschaft in einer GmbH & Co. KGaA organisiert, an der Investoren wie Bolt Football Holdings, Klaus Hofmann und weitere Gesellschafter über die vorgeschaltete Hofmann Investoren GmbH rund 99 Prozent halten – der Mutterverein selbst kommt nur noch auf 0,6 Prozent der Anteile. Solche mehrstufigen Beteiligungsmodelle mit zwischengeschalteten Gremien zwischen Mitgliederversammlung und eigentlicher Entscheidungsebene unterlaufen aus Sicht von Kritikern und letztlich auch des Amtes genau das Argument, mit dem die Regel überhaupt gerechtfertigt wird und zwar, dass die Mitglieder am Ende wirklich das Sagen haben.
(2)
Das Amt bemängelt auch die eigene Abstimmungspraxis der DFL. Bei der Entscheidung über einen möglichen Investoreneinstieg in die Medienerlöse im Dezember 2023 wurde im Fall Hannover 96 – rund um den damaligen Geschäftsführer und Lausebengel des Jahres Martin Kind – nicht konsequent sichergestellt, dass die Wertungen der 50+1-Regel auch bei den eigenen Ligaabstimmungen beachtet werden. Um die verstaubte Erinnerung aus den vom Zweitliga-Bier verklebten Gehirnen der Leserschaft zu reaktivieren: Der Mutterverein Hannover 96 hatte seinen Martin ausdrücklich angewiesen, beim Thema Investoreneinstieg mit „Nein“ zu stimmen. Anscheinend hatte sein Hörgerät jedoch einen Defekt. Abgestimmt wurde also – so behaupten böse Zungen – mit „Ja“. Damit Fußballspiele in Deutschland nicht zukünftig immer 120 Minuten dauern, ist der Investoreneinstieg letztlich dennoch gescheitert. Ein Punkt also, der insofern schwer wiegt, als eine Regel, die selbst von ihrem Verwalter (DFL) nicht konsequent durchgesetzt wird, ihre kartellrechtliche Rechtfertigung verliert.
(3)
Für Bayer Leverkusen und den VfL Wolfsburg, die seit jeher als Förderklubs von der Grundregel ausgenommen sind, reichen die bislang vorgeschlagenen Bestandsschutzregelungen laut Bundeskartellamt nicht mehr aus. Nach der neueren EuGH-Rechtsprechung müssen langfristig für alle Klubs vergleichbare wettbewerbliche Rahmenbedingungen gelten – ein dauerhafter, zeitlich unbegrenzter Sonderstatus lässt sich damit kaum noch rechtssicher konstruieren. Was Vereine und DFL aus dieser unklaren Handlungsanweisung machen, bleibt abzuwarten.
Was nun?
Hier liegt die vielleicht wichtigste, aber am wenigsten spektakuläre Erkenntnis des Beschlusses: Das Bundeskartellamt macht der DFL keine Vorgaben für die konkrete Ausgestaltung der 50+1-Regel und kann hierfür auch keine Fristen setzen. Der Ball liegt vollständig bei der Liga. Deren Mitgliederversammlung – bestehend aus allen 36 Proficlubs – muss nun selbst entscheiden, ob sportpolitisch an der Regel festgehalten wird und wie die beanstandeten Punkte behoben werden. Rechtlich hätte die Liga sogar die Freiheit, 50+1 komplett fallen zu lassen, was Fußballwohltäter Ha-Jo Watzke (seines Zeichens DFL-Präsi) jedoch ausgeschlossen hat.
Ausblick für die Fans
Der Beschluss beendet zwar die jahrelange Rechtsunsicherheit über die grundsätzliche Zulässigkeit von 50+1, löst aber die eigentliche Grundsatzfrage nicht – er verschärft sie eher innerhalb der Liga. National droht die Schere zwischen mitgliederstarken Traditionsvereinen und kapitalstark konstruierten Klubs weiter aufzugehen, sollte sich das Augsburger Modell als gangbarer Weg etablieren, formale Vereinsstrukturen zu wahren und faktisch dennoch Investorenkontrolle zu ermöglichen.
Für Mitglieder und Fans bedeutet der Beschluss vor allem eines: Die Auseinandersetzung um offene Mitgliedschaften, echte Mitspracherechte und die Frage, wem „ihr“ Verein am Ende wirklich gehört, ist nicht beendet. Sie verlagert sich aber nunmehr in die Mitgliederversammlungen der Vereine und der Liga selbst. Ob es das besser macht?
Interview zur aktuellen Lage bei 1860
Das Thema “Investoren” ist im Fussball präsenter denn je. Denkt man dabei an Vereine, bei denen es so richtig schief gegangen ist, sind die Top 3 in Deutschland wohl unangefochten: Krefeld, Hertha und 1860. Bei Letzteren kam im Sommer aber bekanntlich ordentlich Bewegung rein und es scheint so, als ob man Investor Hasan Ismaik tatsächlich losgeworden ist. Grund genug, einmal bei einem Protagonisten aus der Westkurve München nachzufragen, wie der Stand und ob der Verein in der vierten Liga angekommen ist. Edge ist seit vielen Jahren vereinspolitisch sowohl in der Fanszene als auch in Faninitiativen aktiv, spricht im Interview aber ausdrücklich nur für sich selbst und nicht für die Fanszene oder andere Zusammenschlüsse.
Ismaik ist jetzt nach 15 Jahren endlich weg. Das feiern natürlich alle ab. Aber war es das wert, dass ihr dafür den Zwangsabstieg in die 4. Liga in Kauf nehmen musstet? Gab es bei euch niemanden, der gesagt hat: Kommt, lasst uns die Kröte schlucken und die 2,7 Millionen irgendwie auftreiben, Hauptsache wir bleiben Profis?
Edge: Servus erstmal in die Stadt der 1.000 Feuer und nachträglich noch Glückwunsch zur verdienten Rückkehr ins Oberhaus! Ich freue mich, dass ich euch etwas Einblick geben darf, was bei uns aktuell grad alles so los ist.
Natürlich ist nicht immer alles so ganz einfach beziehungsweise eindeutig. Es gibt sicher unter den Fans auch welche, die auch jetzt noch Hasan nachtrauern und alles für einen riesigen Fehler halten. Hätte man den „Geschäftsmann“ doch einfach mal machen lassen – wir wären sicher in zwei Jahren in der Champions League.
Aber der Großteil der Fans unterstützt den Kurs des e.V. seit Jahren und hat diesen auch mit auf den Weg gebracht, indem seit dem ersten Zwangsabstieg 2017 auf den Mitgliederversammlungen nur noch Kandidat*innen für den Verwaltungsrat (schlagen die/den Kandidat*in zur Präsidentenwahl vor) gewählt wurden, die diesen Kurs in Richtung eines selbstbewussten und auch selbständigen Vereins voranbringen wollten. Sämtliche Kandidat*innen, die entweder mit Hasan „zusammenarbeiten“ wollten – egal, ob mit oder ohne dessen Unterstützung – sind seither durchgefallen bei den Wahlen.
Vielleicht erinnert sich ja noch wer an das Video, das viral ging, als auf der Mitgliederversammlung im Juni 2024 unbändiger Jubel ausbrach und lauthals das Scheichlied („Scheiß auf den Scheich, scheiß auf sein Geld!“) gesungen wurde. Dies, nachdem alle neun „pro e.V.“ Kandidat*innen in den neunköpfigen Verwaltungsrat gewählt worden waren und trotz einer medialen und persönlichen Propaganda-Schlacht, bei der Hasan sogar in die tiefsten bayerischen Dörfer zu irgendwelchen Fanclubs tingelte, alle die von ihm unterstützten Kandidat*innen durchgefallen waren.
Von einem eigenständigen Verein hätten wir wohl nicht mehr zu träumen gewagt. Bisher war eher der Grundkonsens, dass wir wohl leider immer ein „Investorenverein“ bleiben werden, da es natürlich nicht realistisch war, dass der Verein die von Hasan aufgerufene Summe aufbringen hätte können. Ich denke, dass nicht wenige sogar mit einem Abstieg in die Bayernliga (bei euch Oberliga) okay gewesen wären, wäre damit garantiert gewesen, dass der Verein wieder eigenständig wird.
Kleiner Fun Fact, aber hier noch am Rande: Im Zuge der Verhandlungen mit Hasan vor dem Fristablauf zur Erbringung der 2,7 Mio hatte der e. V. Hasan angeboten, diese Summe selbst aufzubringen, so dass Sechzig in der dritten Liga hätte verbleiben können. Dies hat der größte Löwenfan aller Zeiten allerdings abgelehnt.
Es fühlt sich echt irgendwie surreal an, dass nun alles, von dem wir nicht mehr zu träumen gewagt hatten, doch irgendwie Wirklichkeit geworden ist.
Ihr musstet zunächst aufgrund von Rechtsstreitigkeiten mit dem traditionellen Wappen auf der Brust spielen und nicht mit dem bekannten Löwen. Wie fühlt sich das in der Kurve an? Ist das für euch jetzt ein geiler ‚Back to the Roots‘-Vibe oder kotzt es euch an, dass der Investor euer eigentliches Logo als Geisel hielt?
Edge: Tatsächlich ist das gar nicht so schlimm. Ich denke, viel geht einfach in der allgemeinen Glückseligkeit unter, dass wir nun wieder ein Verein sind. Ohne Investor. Das Logo an sich wurde von der Szene auch davor schon öfter mal genutzt, und auch die Fußballabteilung hatte, seitdem unsere Merchandising GmbH Hasan alleine gehört hatte, eigenen Merch mit dem Logo rausgebracht und hin und wieder an Spieltagen verkauft. Daher ist das Logo nun erst einmal nichts Neues für viele.
Sechzig hat allgemein zwar ein Händchen dafür (gehabt), die dümmsten Verträge abzuschließen, die man sich nur vorstellen kann – man denke daran, dass wir in der Arena am Müllberg an jedem Spieltag 65.000 Essen bezahlt haben, egal, wie viele Zuschauer da waren – aber bei der Übertragung der Markenrechte vom e. V. an die nun insolvente KGaA waren wir tatsächlich mal auf Zack. In dem Vertrag wurde festgehalten, dass die Veräußerung der Markenrechte an Dritte ausgeschlossen ist, was sie sowohl für Hasan als auch für den Insolvenzverwalter wertlos macht. Ich hatte gehört, dass man kurz überlegt hatte, einfach den Löwen im Achteck weiter zu nutzen, weil es dagegen mehr oder weniger aufgrund dieser Klausel keine wirkliche Handhabe gegeben hätte. Der Verein wollte allerdings lieber auf Nummer sicher gehen und keine zusätzliche Angriffsfläche bieten.
Wir gehen aktuell davon aus, dass die Markenrechte, sobald das Insolvenzverfahren offiziell eröffnet worden ist, dann auch relativ bald wieder zurück an den e. V gehen. Und das umsonst, weil verkaufen darf sie der Insolvenzverwalter ja eben nicht. (Anmerkung der Redaktion: Das ist mittlerweile auch so geschehen.)
Daher wird das Logo der Fußballabteilung, das diese Saison auf unserer Brust prangt, (sofern nicht doch noch was schief geht, man weiß ja nie…) in der nächsten Saison wieder vom gewohnten Löwen abgelöst werden.
Ist es richtig, dass die bereits gekauften Dauerkarten für ungültig erklärt wurden und viele die Tickets für die Regionalliga quasi doppelt zahlen mussten?
Edge: Das ist natürlich ohne Zweifel schon wirklich heftig gewesen für manche. Einige hatten zwar Glück. Die, die mit Paypal oder Kreditkarte bezahlt hatten, bekamen das Geld von Paypal beziehungsweise dem Kreditkarteninstitut zurückerstattet. Andere, wie auch ich, die per Überweisung gezahlt haben, schauen mit’m Ofenrohr ins Gebirg, wie man bei uns so schön sagt. Vor dem Hintergrund, dass wir mit die teuersten DK-Preise der ersten drei Ligen hatten, haut das natürlich schon auch rein:
| Kategorie | Vollzahler | Ermäßigt | BP/SB ab GdB 50% | Kind |
| Sitzplatz Haupttribüne | 675,00 € | 625,00 € | 430,00 € | 310,00 € |
| Sitzplatz Stehhalle R 1-5 | 450,00 € | 400,00 € | 320,00 € | 200,00 € |
| Sitzplatz Stehhalle | 660,00 € | 610,00 € | 400,00 € | 300,00 € |
| Stehplatz | 330,00 € | 315,00 € | 247,00 € | 165,00 € |
330 Euro für den Steher ist schon heavy, auch wenn’s 19 Heimspiele sind, statt 17. Und dann gibt‘s natürlich noch Familien, die drei, vier oder mehr Karten hatten. Und dann die, die drei oder vier Karten in der Stehhalle (Gegengerade) hatten. Da gab es nicht wenige, die sich das hart vom Mund abgespart haben, auf Urlaub verzichteten und so weiter. Da sind schon wirklich einige Schicksale dabei gewesen.
Aber auch das hat Hasan mutwillig geschehen lassen. Die ganze Situation entstand ja daraus, dass er einen Kredit (rechtswidrig) gekündigt hat, um den e. V. unter Druck zu setzen und weitere Forderungen bezüglich Machtübertragung durchzudrücken. Viele seiner Forderungen wären nicht DFB-konform gewesen, was wahrscheinlich dann so den Lizenzentzug zur Folge gehabt hätte. Die Kündigung dieses Kredits – welchen er übrigens mit seiner Mehrheit im Aufsichtsrat der Geschäftsführungs-GmbH der KGaA (wer blickt eigentlich durch so ein Konstrukt durch?!) sozusagen „mit sich selbst“ gegen die Stimmen der Vertreter des e. V abgeschlossen hat – verschickte er erst nachdem der Dauerkartenverkauf für die aktuelle Saison abgeschlossen war. Das war sicherlich ein Kalkül, damit noch mehr Druck auf dem e. V. lastet.
Die Entscheidung des e. V., daraufhin dann den Kooperationsvertrag mit Hasan zu kündigen, mit allen Konsequenzen, die das hatte, war allerdings alternativlos. Das konnte nicht so weitergehen, dass der Verein, seine Fans und alles, was noch dranhängt, weiter Geisel eines launischen Sonnenkönigs sind.
Der Verein hat aktuell leider nicht viel Handlungsspielraum, hier auf Härtefälle einzugehen. Die Kartenpreise wurden zwar reduziert, aber der Verein ist nun mehr oder weniger auf jeden Cent angewiesen (gewesen). Es gab ja nach dem Neustart nun weder Sponsoren, noch hatte der Verein ein Stadion, kein Trainingsgelände – nichts. Hier musste erst einmal Geld eingenommen werden, um überhaupt noch rechtzeitig nen Vertrag mit der Stadt München für die Nutzung des GWS abschließen und Spieler verpflichten zu können. Neben den Profis gehörten auch die U21 und U19 zur KGaA, sodass der Verein nicht einfach nur auf diese hätte zurückgreifen können. Auch das Trainingsgelände, die Gebäude, Mitarbeiter*innen und so weiter, alles, gehören (noch) der insolventen KGaA und werden aktuell vom vorläufigen Insolvenzverwalter „ausgeliehen“, natürlich gegen Gebühr.
Die Solidarität unter den Löw*innen ist aber ungebrochen. Im Freundes- und Bekanntenkreis wird sich ausgeholfen, wenn’s wirklich wo knapp ist und auch ein unbekannter Gönner, angeblich aus dem Allgäu, hat Härtefälle sammeln lassen und daraufhin über 100 Karten bezahlt. Dafür hat er knapp 35.000 Euro springen lassen. Da kann man nur Hut ab in Richtung des Wohltäters sagen.
Es gibt natürlich trotzdem welche, die sich keine neue Dauerkarte geholt haben. Einige wenige sicherlich leider aus finanziellen Gründen, andere, weil’s halt doch Erfolgsfans (haha) sind und Regionalliga unter ihrem Niveau. Meistens sind diese dann auch noch Hasanis, die ihm hinterhertrauern und jetzt den Untergang herbeiphantasieren. Was besonders auffällt, ist, dass tatsächlich einige unserer älteren Allesfahrer auch darunter sind. Naja.
Aber sonst ist der Hype real: Waren nach Ende der Vorkaufsphase noch unter der KGaA circa 8.000 Dauerkarten für die 3. Liga verkauft, sind es aktuell schon über 9.200 für die Regionalliga. Es wird davon ausgegangen, dass es keinen „offenen“ Verkauf an Mitglieder*innen, geschweige denn freien Verkauf für Dauerkarten geben wird.
Regionalliga Bayern bedeutet bei aller Freude auch über Dörfer tingeln und viel zu kleine Stadien. Wie groß ist die Angst, dass die Euphorie über die Freiheit in sechs Monaten verflogen ist und ihr auf Jahre in der 4. Liga versackt?
Edge: Ja, die RL Bayern ist aus Ultrasicht schon absolut Tristesse pur. Drei Viertel der Vereine sind halt wirklich nur Dorfvereine; Fanszenen sucht man, außer in Burghausen und Haching, vergeblich. Der Meister steigt auch nur alle drei Jahre direkt auf, sonst geht’s erst einmal noch in die Relegation. Diese Saison muss der Meister aus Bayern gegen den Meister aus der Regionalliga Nord spielen. Reines Glücksspiel, wer sich da in den zwei Partien durchsetzt. Nächste Saison wäre dann der direkte Aufstieg der Rotation nach wieder bei der Regionalliga Bayern. Ich würd der Liga keine Träne hinterher weinen ehrlich gesagt. Zeit für das Kompassmodell – Meister müssen aufsteigen!
Vor neun Jahren waren wir ja schon einmal in derselben Situation und haben es ganz gut geschafft, die Spannung hochzuhalten. Die Gastvereine haben sich aber ehrlicherweise auch immer Mühe gegeben, wenn wir kamen, sei’s mit Spanferkel oder anderen kulinarischen Highlights. Sonst haben wir versucht, uns selbst Highlights zu schaffen und zum Beispiel wegzukommen von dem Trott, dass man nur zum Spiel eiert, dort (idealerweise) 90 Minuten Stimmung macht, und dann wieder heimfährt. Vor dem Spiel in Burghausen haben wir einen Ausflug nach Salzburg gemacht, bevor’s zum Spiel weiterging. Vor nem anderen Kick auf’m Dorf in der Nähe von Passau haben wir das schöne Sommerwetter genutzt und sind in der Dreiflüssestadt im Inn baden gegangen.
Damals stand für die meisten von uns aber irgendwie der direkte Wiederaufstieg schon mehr oder weniger von Anfang an fest. Das ist diese Saison sicher anders. Ich sehe durchaus die Möglichkeit, dass uns das diese Saison nicht unbedingt wieder gelingt. Zwar gab es letzte Saison die Situation, dass der Meister (Glubb II) nicht aufsteigen wollte, und daher diese Quatschmannschaft aus der Fiasko-Stadt als Zweiter in die Relegation durfte und sich da tatsächlich gegen Lok durchgesetzt hat. Aber Relegation ist wie schon geschrieben, immer ne Glückssache. Die Vorstellung, dann gegen Drochtersen/Assel oder ähnlichen Quark die Relegation zu vergeigen – puh.
Im zweiten Jahr wird es sicherlich nochmal schwerer, Meister zu werden. Noch dazu, da dann eben der direkte Aufsteiger wieder bei der RL Bayern liegt und hier sicher die ein oder andere Mannschaft vielleicht doch auch nochmal ihr Glück versuchen möchte. Auch den Red Bastards traue ich es zu, uns in die Suppe spucken zu wollen. Die Aktiengesellschaft aus der Seitenstraße hat einfach immer noch Komplexe, weil sie gerne das wären, was wir sind, aber das mit allem Geld der Welt eben nicht bekommen (siehe auch Frage sechs). Anders lässt sich das kaum erklären, dass sich ein Serienmeister und Serien-Champions League Teilnehmer (und -Versager) an nem Verein abarbeitet, der insgesamt weniger „wert“ ist als einer ihrer Superstars, haha. Und damit meine ich nicht nur deren Szene, sondern auch deren Vorstand und den depperten Würschtl-Uli.
Aber ja, als Szene die Spannung noch irgendwie hochzuhalten, das wäre sicherlich keine kleine Herausforderung. Andererseits sagt man bei uns auch „wenn’s lafft, dann lafft’s“ (Wenn es läuft, läuft es). Im übertragenen Sinne, wenn man eine Glückssträhne hat, dann gelingen auch Sachen, die sonst vielleicht nicht geklappt hätten. Hoffen wir das Beste.
Sei es in Krefeld oder in Berlin. Es gibt noch genügend weitere Negativbeispiele bei Investoreneinstiegen: Erst kommt das große Geld, dann das totale Chaos und am Ende brennt die Hütte. Kann es im modernen Fußball überhaupt eine gute Art von Investitionen/Investoren geben? Oder ist das Konstrukt Profifußball mittlerweile so kaputt, dass jeder Verein, der seine Seele an einen Geldgeber verkauft, früher oder später genau da landet, wo ihr jetzt seid?
Edge: Das Konstrukt Profifußball ist allgemein einfach total kaputt, unabhängig von Investoren. Und das ist leider vielleicht manchmal auch dann der Grund, weshalb Vereine in die Verlockung geraten, sich in die Hände von Investoren zu begeben. Sei ma doch mal ehrlich: Gegen zum Beispiel die Red Bastards wird praktisch niemand mehr so wirklich anstinken können, zumindest finanziell. Da is der Ofen einfach aus. Da wird kein Verein mehr mit „solidem Wirtschaften“ hinkommen. Böse Zungen behaupten ja, dass es bei denen auch nicht nur am „soliden Wirtschaften“ lag, aber mei. Und da kommt aber dann die Naivität der Verantwortlichen ins Spiel, die meinen, wenn sie jetzt nen Windhorst reinholen, nen Kind oder Ponomarev, dann wird auf einmal aus Wasser Wein und der Champions League Platz wird damit fix gebucht. Das sind Träumereien.
Mitschuld hat hier für mich aber auch der DFB und die DFL, die keine ordentliche Due Diligence vorschreiben, bevor ein Verein einen Investor ins Boot holen darf. Immerhin gibt es glücklicherweise die 50+1 Regel, die uns mehrfach den Arsch gerettet hat. Ein Glück auch, dass sämtliche bisherigen Versuche, sei es von Hasan oder Martin Kind oder wem auch immer, gescheitert sind, diese Regel zu Fall zu bringen. Von daher gab es diese Woche, also am 12. August, wirklich gute Nachrichten. Das Bundeskartellamt hatte ja seit 2018 die 50+1-Regel geprüft und ist nunmehr zu einem Urteil gekommen – und zwar, dass die Regel mit dem Kartellrecht vereinbar ist, wenn sie „konsequent und ohne Unterschiede – sofern es für diese keinen sachlichen Grund gibt – angewendet wird“. Was das dann für „Vereine“ wie RB, Leverkusen und Wolfsburg bedeutet, werden wir noch sehen. Die haben auf jeden Fall Probleme mit ihrem aktuellen Mitgliedersystem.
Dass es „gute“ Investoren geben kann, das denke ich nicht. Ein Investor steigt ja nicht aus Wohltätigkeitszwecken ein, sondern weil er entweder (auf lange Sicht) Geld verdienen will, oder mindestens mitschnabeln, siehe Kühne beim HSV. Von der romantischen Vorstellung, dass ein völlig uneigennütziger Gönner Millionen einfach so hergibt, kann man sich, denke ich, verabschieden.
Meine Meinung ist: Investoren braucht kein Schwein – wem wirklich angeblich was am Verein liegt, der kann was spenden oder Sponsor werden. Aber auch hier gibt’s natürlich wieder Situationen, die für die Vereine gefährlich werden können. Wer zu abhängig von zum Beispiel nur einem (Groß-) Sponsor ist, ist hier auch verletzlich. Bei uns gab es auch einen Sponsor, der meinte, dass er, nur weil er einen größeren Betrag sponserte als in der 3. Liga üblich, ihm das Recht gibt, sich überall einmischen zu müssen. Dieser versuchte auch lautstark zum Beispiel für „hybride“ Mitgliederversammlungen zu trommeln, wegen der angeblich „schweigenden Mehrheit“, die sozusagen nur Opfer der lauten Minderheit und organisierten und orchestrierten in-Persona Mitgliederversammlungen und den dort getroffenen Entscheidungen wären. Aber auch den haben wir jetzt glücklicherweise abgesägt – vorerst zumindest.
15 Jahre lang hieß euer gemeinsamer Gegner Hasan Ismaik. Er hat aber auch die Fanlandschaft oft gespalten in ‚Pro-Investor‘ und ‚Pro-e. V.‘. Jetzt ist er weg. Was macht das mit eurem Verein?
Edge: Vielleicht bin ich hier auch etwas naiv, aber ich denke, dass am Ende immer alles irgendwie gut wird. Wie schon geschrieben, gibt es einige Unverbesserliche, die immer noch davon träumen, dass wir “in fünf Jahren“ auf Augenhöhe mit dem FC Barcelona sind. Dies hatte Hasan bei seinem Einstieg 2011 damals auf der Pressekonferenz angekündigt. Ma müsst den doch einfach nur mal machen lassen!! Die wird man wahrscheinlich nicht mehr zurückgewinnen, was für mich aber dann auch okay ist. Der Hype und der viele Betrieb in Giesing und ums Stadion sorgt dafür, dass Sechzig auch endlich bei den Kids wieder cool wird. Die ganzen zugezogenen Schwaben und Ossis stopfen ihre Kinder natürlich trotzdem immer noch in die 9,99 Euro Trikots von denen aus der Seitenstraße, die es inzwischen schon bei KIK gibt, weil’s damit irgendwie zeigen wollen, dass sie auch dazu gehören. Aber des wird man in ner Stadt wie München leider nicht ändern können.
Die, die aktuell noch skeptisch sind, werden wir aber hoffentlich überzeugen können, dass der Weg, den wir seit Jahren als den einzig richtigen gepredigt haben dann auch tatsächlich der richtige war beziehungsweise ist. Viel wird davon abhängen, wie sich Sechzig sportlich schlägt in den nächsten ein, zwei Jahren. Misslingt der Wiederaufstieg zurück in wenigstens die 3. Liga, werden sicher wieder alle aus ihren Löchern kommen mit „mir hams Euch ja gsagt“ und anderem unproduktivem Quatsch. Hauptsach g’mosert. Aber ich denke, dass es inzwischen genug Realisten gibt, denen klar ist, dass Sechzig – und da sind wir wieder bei dem Thema Geld – sehr unwahrscheinlich nur durch eigenes, solides Wirtschaften wieder in die 1. Bundesliga zurückkommen wird, geschweige denn noch mehr. Zumindest nicht, ohne, dass sich die Bastards, die Lüdenscheider und eventuell RB noch endlich in ihre Superliga verpissen.
Ich denke, vielen geht’s aber auch gar nicht darum. Sechzig bietet so viel mehr als mir irgend so ein Pokal bringt. Wir sind einfach der coole, lässige Verein aus’m Viertel, ein Verein zum Anfassen, ein Verein, in dem jeder mitmachen kann, in einer unserer unzähligen Abteilungen. Wo die Spieler am Spieltag am Trainingsgelände mit ihrer Tasche in die Tram einsteigen und die zwei Stationen zum Wettersteinplatz, wo’s Stadion ist, vorfahren – einfach zwischen den Fans und Kindern mit leuchtenden Augen. Wo’s keine Tiefgarage gibt, in der die Stars alle verschwinden, wo Securities rumstehen, damit man ja ned näher als zehn Meter an den Spieler kommt. Und ein Verein, wo man ned erst ne dreiviertel Stunde durch die Stadt gurken muss, um bei einer „Arena“ mitten im seelenlosen Nirgendwo anzukommen. Wo ich mich am Spieltag nicht einmal unbedingt mit jemandem verabreden muss, sondern einfach drauf los latschen kann, weil ich weiß, dass mir alle, die ich kenn schon irgendwo rund ums Stadion über den Weg laufen werden. Wo die Boazn (Kneipen), Bistros und Parks voll mit Löwen sind, das Leben pulsiert. Wo man auch im Sommer einfach mal an der Isar chillen kann und dann in 15 Minuten zu Fuß am Stadion ist. Wo man auch für danach keine Pläne machen muss, weil man sich einfach mit treiben lässt und nicht erst wieder a viertel Stund über ne Betonwüste zur U-Bahn latschen muss, dort drei Bahnen verpasst, weil alles so voll ist und der Takt so beschissen, und dann die dreiviertel Stunde noch zurück braucht. Und dann die Stimmung eh verflogen ist. Bei uns spielt sich alles maximal 20 Minuten zu Fuß rund um’s Stadion ab. „In Giasing samma dahoam, ja da geht’s uns phänomenal!“ Und auch, wenn der Text unseres Liedes im Satz davor mit „… und wir hol’n uns den Pokal!“ endet – das alles tausch ich gegen keinen Pokal der Welt.
Vielen Dank für das Interview
Haben wir in der letzten Saison noch eine kleine Reihe über die Ultras in Kolumbien veröffentlicht, wandert diesmal unser Blick in den Norden von Afrika.
Während Marokko schon seit vielen Jahren in den Fokus vieler deutschen Fußballfans gewandert ist, ist Algerien erst in den letzten Jahren hier so richtig angekommen und immer öfter findet man Hopping-Berichte aus diesem eigentlich so verschlossenen Land.
Auch ein Aktivist der Schalker Fanszene besuchte in der letzten Saison Algerien, genau genommen war die Stadt Constantine sein Ziel und er knüpfte dort schnell Kontakte zu der, eigentlich verbotenen, Gruppe Ultras Loca Ragazzi. Seine neuen Bekannten hatten viel zu ihrem Verein, dem Land und zu ihrer Gruppe zu erzählen und so lag die Anfrage nach einem Interview nur auf der Hand.
Für einen ersten Eindruck beginnen wir in dieser Ausgabe mit dem dazugehörigen Spielbericht, bevor wir in der kommenden mit dem Interview starten.
Viel Spaß!
Algerien Reihe – CS Constantine – MC Oran 0:1 (0:1)
Algerien ist definitiv kein Land, das auf dem Urlaubszettel vieler Deutscher steht. Das beginnt bereits lange vor der eigentlichen Reise, denn schon die Einreise zeigt, dass hier etwas mehr Aufwand notwendig ist als bei vielen anderen Reisezielen. Ohne Visum geht nichts. Entweder fährt man dafür zweimal zur algerischen Botschaft beziehungsweise zum Konsulat, oder man beauftragt eine Agentur, die sich um die Formalitäten kümmert. Letzteres ist zwar deutlich angenehmer, kostet am Ende aber über 200 Euro und erfordert zusätzlich verschiedene Nachweise wie Arbeitgeberbescheinigungen oder Gehaltsabrechnungen. Trotzdem ist das natürlich noch ein vergleichsweise geringer Aufwand im Vergleich zu dem, was algerische Staatsbürger für ein Visum für Deutschland benötigen und es dann trotzdem teilweise nicht ausgestellt bekommen. Ich bekomme es gerade selbst mit, wie eine der beiden Personen aus dem folgenden Spielbericht aktuell ein Visum für Deutschland beantragen möchte und welcher rassistische Grundton bei der deutschen Visumserteilung mitschwingt.
Bei der eigentlichen Planung musste ich allerdings schnell feststellen, dass man in Algerien nichts wirklich planen kann. Gerade beim Fußball sind die veröffentlichten Spielpläne, sofern vorhanden, eher eine grobe Orientierung. Zwar kann man bei internationalen Begegnungen relativ sicher sein, dass die Spiele stattfinden, bei Ligapartien sieht die Sache aber deutlich anders aus. Kurzfristige Verlegungen, Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit oder komplette Verschiebungen gehören durchaus zum Alltag.
Ein Faktor, der dabei immer wieder eine Rolle spielt, sind religiöse Feiertage. Rund um das muslimische Fastenbrechen kann sich ein kompletter Spieltag verschieben, obwohl im Rahmenspielplan ursprünglich ein ganz anderer Termin vorgesehen war. Deshalb hatte ich mich zwar im Vorfeld intensiv mit den verschiedenen Fanszenen beschäftigt, die eigentliche Reiseplanung aber bewusst nicht zu eng gesteckt. In einem Land wie Algerien ist es oft besser, flexibel zu bleiben und sich vor Ort auf die Situation einzulassen. Die Fanszenen haben vielfach Social-Media-Seiten, die aktiv betrieben werden. So lässt sich im Vorfeld bereits ein erster Eindruck gewinnen, der natürlich vor Ort noch einmal besser geprüft werden kann.
Die Reise begann schließlich mit der Landung in Algier, der Hauptstadt des Landes und vermutlich dem klassischen Ausgangspunkt für die meisten ausländischen Besucher. Von dort sollte es eigentlich direkt weiter nach Constantine gehen, wo am Freitag ein Erstligaspiel auf dem Programm stand. Der erste Plan sah vor, die Strecke mit dem Zug zurückzulegen. Im Internet sah zunächst alles problemlos aus, die entsprechenden Verbindungen wurden angezeigt, und auch zeitlich hätte alles gepasst. Am Bahnhof angekommen stellte sich allerdings heraus, dass die Realität etwas anders aussah: Es fuhr schlicht kein Zug. Schließlich war Freitag und es ist doch logisch, dass an einem Freitag auf dieser Linie kein Zug fährt.
Genau solche Momente zeigen, warum man auf Reisen wie dieser immer einen Plan B benötigt. Zum Glück gibt es in den größeren Städten Algeriens einen Uber-ähnlichen Fahrdienst, der überraschend zuverlässig funktioniert. Also ging es zunächst mit einem solchen Taxi weiter zu einem sogenannten Collective-Bahnhof.
Collectives sind kleine Sammeltaxis oder Minibusse, die meistens sechs oder sieben Personen aufnehmen. Der entscheidende Unterschied zu einem klassischen Linienbus: Es gibt keinen festen Abfahrtszeitpunkt. Gefahren wird erst dann, wenn wirklich alle Plätze besetzt sind. Das kann bedeuten, dass man nach wenigen Minuten loskommt, genauso gut aber auch mehrere Stunden wartet, bis genügend Mitfahrer gefunden wurden.
Hat sich das Fahrzeug schließlich gefüllt, beginnt eine Fahrt, die erstaunlich entspannt ist. Unterwegs wird meistens an kleinen Verkaufsständen oder offenen Grillstellen angehalten, wo man sich mit Essen versorgen kann, bevor es weitergeht. Für umgerechnet fünf oder sechs Euro legt man auf diese Weise mehrere hundert Kilometer zurück. Man muss lediglich akzeptieren, dass Zeitangaben in diesem System eher als grobe Richtung verstanden werden sollten.
Die Strecke von Algier nach Constantine beträgt knapp 400 Kilometer und dauert ungefähr fünf bis sechs Stunden. Was mich dabei besonders überrascht hat, war die Landschaft, denn Algerien verbindet man außerhalb des Landes häufig ausschließlich mit Wüste und endlosen Ebenen. Die Fahrt zeigte jedoch ein völlig anderes Bild. Immer wieder ging es durch bergige Regionen mit beeindruckenden Panoramen, die ich so vorher nicht erwartet hatte.
In Constantine angekommen, wartete allerdings direkt die nächste Herausforderung: die Eintrittskarte für das Spiel. Dieses Thema sollte mich während der gesamten Reise begleiten. Zwar gibt es grundsätzlich die Möglichkeit, Tickets online zu erwerben, allerdings funktioniert das nur mit einer algerischen Kreditkarte und einem algerischen Pass. Das Hotel, in dem ich untergebracht war, zeigte sich wirklich hilfsbereit und versuchte noch, eine Lösung zu finden. Am Ende scheiterte es aber trotzdem an den technischen Voraussetzungen.
Somit blieb nur der direkte Weg zum Stadion. Gleichzeitig war genau das auch ein kleiner Vorgeschmack auf das, was mich bei den weiteren Spielen erwarten sollte. Als ausländischer Besucher fällt man in Algerien in Stadien sofort auf. Während viele Groundhopper sich auf Algier und die nähere Umgebung konzentrieren, verirren sich deutlich weniger internationale Besucher bis nach Constantine. Entsprechend ungewohnt war die Situation für einige Polizisten, als plötzlich ein Deutscher vor ihnen stand, der ein Fußballspiel besuchen wollte. Mit etwas Geduld, Erklärungen und der klassischen Touristenkarte ließ sich die Situation am Ende aber lösen. Und so stand ich schließlich vor dem Stadion, gespannt darauf, was mich bei einer Fanszene erwarten würde, die über Jahre hinweg zu den bekanntesten des Landes gezählt hatte.
Constantine ist für Fußballfans in Algerien ein besonderer Ort. Die Szene gehörte über viele Jahre hinweg, nach den großen Gruppen aus Algier, zu den bekanntesten und größten des Landes. Entsprechend hoch war meine Erwartung, denn gerade durch zahlreiche Videos und Berichte aus vergangenen Jahren entsteht natürlich ein bestimmtes Bild im Kopf. Gleichzeitig hatte ich im Vorfeld bereits gesehen, dass die Zeiten des ganz großen Andrangs offenbar etwas vorbei sind. Warum genau die Szene nicht mehr die Größe früherer Jahre erreicht, konnte ich zunächst nicht beurteilen.
Schon rund um den Einlass wurde deutlich, welchen Stellenwert „Sicherheit“ im algerischen Fußball besitzt. Bevor es überhaupt ins Stadion ging, wurde ich mehrfach kontrolliert und abgetastet, und meine Ausweisdokumente wurden immer wieder überprüft. Diese Kontrollen waren nicht nur eine kurze Formalität, sondern zogen sich tatsächlich über mehrere Stationen hinweg. Auch im Stadion selbst war die Polizeipräsenz auffällig hoch. An verschiedenen Punkten rund um den Block standen Beamte und besonders der aktive Bereich war nahezu komplett von Sicherheitskräften umgeben.
Trotz dieser starken Kontrolle entwickelte sich im Stadion weiterhin Support. Die Stimmung verteilte sich auf mehrere Bereiche. Der eigentliche Mittelpunkt war aber der große Hauptblock, in dem sich schätzungsweise 1.000 bis 1.500 Leute versammelten.
Was dort über 90 Minuten abgeliefert wurde, war für mich trotzdem eines der Highlights der Reise. Besonders auffällig war, dass die Stimmung nicht einfach wie eine Kopie europäischer Fankultur wirkte, sondern einen sehr eigenen Charakter hatte. Es gab zahlreiche Melodien, die ich vorher noch nie gehört hatte. Dazu kam ein extrem konstanter Support mit viel Bewegung im Block und einem sehr intensiven Einsatz der Schals.
Einige Gesänge erinnerten dabei tatsächlich stark an Südamerika. Wie mir später auch im Gespräch und Interview erklärt wurde, hat die Gruppe Melodien aus dem lateinamerikanischen Raum übernommen und diese mit eigenen nordafrikanischen Einflüssen verbunden. Daraus entsteht ein Stil, der schwer mit europäischen Kurven zu vergleichen ist und gerade durch diesen Mix seinen eigenen Reiz entwickelt. Gleichzeitig wirkte die Kurve vom Durchschnittsalter her extrem jung. Auch dieser Eindruck wurde durch das spätere Interview und das Verbot der historischen Gruppen plausibilisiert.
Unterstützt wurde der Gesang von Trommeln, während im Zentrum des Blocks mehrere große Fahnen dauerhaft präsent waren. Auffällig war außerdem das einheitliche Auftreten der Kurve: Ein Großteil der Leute war komplett schwarz gekleidet, wodurch der Block auch optisch sehr geschlossen wirkte. Zusammen mit dem Stadion, das wunderschön in die bergige Landschaft von Constantine eingebettet ist, entstand ein Bild, das man so nicht alle Tage sieht.
Was diesen Tag allerdings endgültig besonders machte, war nicht nur das Geschehen auf den Rängen. Während des Spiels lernte ich zwei Einheimische kennen, die mich nach Abpfiff mitnahmen und mir Constantine noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive zeigten. Gemeinsam fuhren wir zu verschiedenen Graffitis der Szene, unterhielten uns über Fußball und die Fanszene und gingen anschließend noch zusammen essen.
Am darauffolgenden Tag war für mich die Weiterreise nach Annaba geplant, um dem dortigen Zweitligaheimspiel von USM Annaba einen Besuch abzustatten. Die beiden mittlerweile zu Freunden gewordenen Bekannten ließen es sich nicht nehmen, die 150 Kilometer weite Strecke mit ihrem Auto gemeinsam mit mir zurückzulegen. Der Tag war geprägt von eindrucksvollen Gesprächen, Fußball und Leidenschaft und endete damit, dass ich am Abend von der Mutter eines der beiden zum Essen eingeladen wurde. Natürlich kam ich auch nicht darum herum, dort noch schlafen zu dürfen. Unter den Eindrücken und Melodien der Loca Ragazzi fiel das Einschlafen entsprechend schwer.
Berlin: Die Gruppe Harlekins Berlin 98 ruft alle Hertha-Fans dazu auf, das Auswärtsspiel gegen Dynamo Dresden nicht zu besuchen, geschweige denn Karten zu erwerben. Grund dafür sind die vom DFB verhängten Maßnahmen nach den Vorkommnissen beim letzten Aufeinandertreffen beider Mannschaften. Insbesondere werden die Kollektivstrafen sowie die Einschränkungen des Gästekontingents und deren personalisierte Tickets kritisiert. Mit einem gemeinsamen Boykott des Spiels wollen die Berliner ein Zeichen gegen Kollektivstrafen setzen. Gleichzeitig kündigte Harlekins Berlin eine alternative Veranstaltung für die Fans an diesem Spieltag an.
Jena: In Jena organisieren Horda Azzuro eine Ausstellung zum 25-jährigen Bestehen der Gruppe, auf der sie Einblicke in die Entstehung und den Werdegang rund um die Gruppe gewähren. Neben Gruppenmaterialen sowie Bildern und Videos aus deren Reihen kann dort auch der Dialog mit der Gruppe aufgesucht werden. Hierzu betonen sie insbesondere, dass man als Ultragruppe nicht immer als “die Guten” gesehen, sondern schnell als “die Bösen” abgestempelt wird und wollen hierzu entsprechend aufklären. Horda Azzuro richtet die Ausstellung nicht nur an Anhänger von Carl Zeiss Jena, sondern auch an alle „Nicht-Fußballfans“, Interessierte sowie auch Kritiker der Ultrabewegung.
Belgrad: Im Belgrader Derby wurde eine Gedenkminute für den ehemaligen verstorbenen bosnisch-serbischen General Ratko Mladić abgehalten. Mladić war wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkriegs verurteilt worden und gilt unter anderem als Verantwortlicher für das Massaker von Srebrenica, bei dem mehr als 8.000 Menschen getötet wurden. Delije zeigte zudem eine Choreo mit Mladićs Porträt. Die Aktion sorgte besonders in Bosnien für große Empörung und Kritik. Die UEFA hat sich bisher nicht dazu geäußert, hatte aber bereits zuvor wegen eines Spruchbands mit Mladić-Ehrung Ermittlungen gegen Roter Stern Belgrad eingeleitet.
Rom: Beim Spiel zwischen Lecce und der AS Roma am 31. August 2026 blieb der Gästeblock geschlossen. Die Behörden hatten aufgrund einiger Ereignisse aus der letzten Saison den Ticketverkauf an Personen mit Wohnsitz in der Region Latium untersagt. Hintergrund waren unter anderem Ausschreitungen rund um das Aufeinandertreffen im März 2025, bei denen neun Polizisten verletzt worden waren. Das zuständige Sicherheitskomitee sah auch für die erneute Begegnung eine konkrete Gefahr gewalttätiger Auseinandersetzungen und so fand das Spiel vor einem nahezu ausverkauften Stadion, aber ohne Gästefans statt.
Torre Annunziata: Die traditionsreiche Fanszene des Savoia war über viele Jahre in verschiedene Gruppen innerhalb der Curva Sud aufgeteilt. Nachdem sich Anfang August 2026 bereits die Ultras Cani Sciolti nach 13 Jahren aufgelöst hatten, folgte wenige Wochen später eine grundlegende Neuordnung: Die Gruppen Savoia Supporters, Stile di Vita und Quei Bravi Ragazzi beschlossen, ihre bisherigen Einzelidentitäten zurückzustellen und ihre Kräfte unter der gemeinsamen Fahne „Curva Sud Torre Annunziata“ zu bündeln. Ab der Saison 2026/27 wollen sie als ein geschlossener Block mit einer Stimme und einer gemeinsamen Identität auftreten. Ziel ist es, interne Trennungen und Einzelinteressen zu überwinden und die Curva Sud als Ganzes in den Mittelpunkt zu stellen.
