Glück auf Schalker, 

die Saison wird für die Nerven nicht leichter. Allein das Spiel gegen Karlsruhe kostete da wieder so einige. Die Nordkurve kam dabei auch nicht so richtig aus dem Quark und die Beobachtung, dass es besonders bei den Sonntagsspielen bei uns in der Kurve irgendwie hakt, bestätigt sich immer mehr. Eine Erklärung dafür zu finden ist dabei müßig, denn Ausreden darf es eigentlich nicht geben. Keine Hilfe dabei war die völlig bescheuerte und viel zu laute Beschallung der Stadionregie, die auch das letzte bisschen Emotion vor dem Anpfiff unterdrückte. Wir gehen davon aus, dass dies nur ein einmaliger Ausrutscher des Vereins war, denn diese Scheiße kann niemand wirklich wollen. 

Auch in Elversberg startet die Nordkurve mit etwas angezogener Handbremse ins Spiel, aber manchmal ist es einfach so, dass der Funke vom Feld auf die Tribünen überspringt und nicht umgekehrt. Die Mannschaft biss sich trotz des frühen Gegentreffers fest, fightete um jeden Ball und riss alle Schalker im Stadion mit. Der Torjubel zum 2:1 bleibt wohl als einer der intensivsten der Saison in Erinnerung. Das war ein riesiger Schritt Richtung Aufstieg.

Lasst uns daher diese Extase mit ins Spiel gegen Münster nehmen, lasst uns freidrehen und die Mannschaft zum Sieg tragen. Nur noch fünf Spiele bis zum großen Ziel!

Haben wir in der letzten Ausgabe noch unsere Solidarität nach Schweden geschickt, kamen im Laufe der Woche ähnlich beschissene Nachrichten aus Frankreich. In Saint-Étienne wurde das Verbotsverfahren gegen die beiden Kurven der Grün-Weißen wieder eröffnet und es bleibt zu hoffen, dass es auch diesmal wieder gut für alle Ultras ausgeht.

An dieser Stelle verweisen wir auch nochmal gerne auf die gemeinsame Stellungnahme der deutschen Fanszenen, die sich mit den Entwicklungen in Deutschland beschäftigt. Ihr findet sie unter anderem auf unserer Homepage.

Abschließend sei der Hinweis auf die neue Ausgabe des BFU erlaubt. Diese ist bei uns am Infostand für fünf Euro erhältlich, ist immer noch eine Pflichtlektüre und hat folgende Themen zum Inhalt: 

– Wie war Leipzig? Hinter den Kulissen der Fandemo

– Trouble in Paradise – Was bleibt vom heißen Herbst der Ultras?

– Kleine Kurven – Große Wirkung: Brandenburg. Deutschlands größtes Amateurderby

– Länderpunkt Tschechien

– Interview mit der Tribuna Sever von Slavia Prag

– Stark zerbrechlich – Mein Leben zwischen Kurve, Kampf und Klinik

– Ereignisse, die zur Legende wurden – Die fliegenden Fische von Jena

– Balkan-Tratschtanten

– Fünf „gute“ Gründe für 50+1

– Die Ausnahme von der Regel

– Gästefans! Playoffs! Mische saufen! Argentinien 2025

– Bis dass der Tod uns scheidet – Gossip auf Polnisch

– Kulturbeutel – Filme, Musik & Bücher

– Leserbriefe

Wer dann immer noch nicht genug Lesestoff hat, dem seien die vielen Bücher aus dem Hause BFU und Erlebnis Fußball ans Herz gelegt. Mit Letzterem haben wir zu diesen Projekten ein Interview geführt, welches ihr in dieser Ausgabe lesen könnt.

FC Schalke 04 e.V. – Karlsruher Sport-Club Mühlburg-Phönix GmbH & Co. KGaA 1:0 (0:0)

Vor dem Spiel

Anlässlich der weiter angeheizten Eskalationsmaschinerie der Innenminister- und Sportministerkonferenz wiesen wir zum Einlaufen der Mannschaften per Spruchband auf die veröffentlichte Stellungnahme der Fanszenen Deutschlands hin: 3 Monate nach der IMK ist 3 Monate vor der IMK.

Am Eingang der Nordkurve sicherten wir zudem unserem Mitglied Jan per Spruchband unsere volle Unterstützung zu: Der wichtigste Sieg ist deiner!

Nordkurve Gelsenkirchen

Nach dem starken Auftritt der Nordkurve in Darmstadt stand am Ostersonntag die nächste Bewährungsprobe für Mannschaft und Kurve auf dem Plan. Zum Einlaufen der Teams wurde diesmal ein Videoschnitt samt lauter Beschallung abgespielt. Dies erstickte die ersten lauten Gesänge kurz vor dem Anpfiff, um das Stadion nochmals anheizen zu können. Absolut unverständlich, was man mit dieser 0815-Beschallung erreichen wollte. Dazu wäre es schön, wenn man sich in Zukunft an einheitliche Abläufe gewöhnen könnte. Mit gutem Pogo zu „Ins Stadion geh’n“ stimmte der erste Stimmungscheck und die Nordkurve verzeichnete eine solide Anfangsphase mit breiter Mitmachquote.

In der 20. Minute zeigten wir ein gemeinsames Banner anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Freundschaft zu Ultras VAK-P. Dieses wurde in der Länderspielpause bereits gebührend gefeiert. Während Schalke klar spielbestimmend war, wurde es nach mehreren Chancen in der 30. Minute zum ersten Mal wirklich richtig laut in der Arena. 

Der anschließende Wechselgesang zu „Lalala Schalke“ mit dem Oberrang wusste ebenfalls zu überzeugen. In der zweiten Hälfte, das sei vorweggenommen, funktionierte es mit dem ganzen Stadion dann weniger gut. Die Lautstärke stimmte größtenteils im ersten Durchgang.

Wie so oft kam die Nordkurve etwas gelähmt aus der Pause. Im Vergleich zur ersten Hälfte gab es einige Durchhänger im weiteren Verlauf und der Stimmungspegel nahm leicht ab. Gerade wenn Tore zunächst ausbleiben, gilt es, die Kohlen in den Ofen zu schütten und Vollgas zu geben. Mit „Immer wieder S04“ endete die schwächere Phase in der Kurve und wenig später stellte Karamans Treffer die Weichen auf Sieg. Lautstark trugen wir die Mannschaft bis zum Schluss zum verdienten Dreier. Mit einem guten „Asoziale Schalker“ sowie dem „Mythos vom Schalker Markt“ feierten wir gemeinsam die drei Punkte – Spitzenreiter! Insgesamt war es ein solider Auftritt der Nordkurve mit vereinzelten Durchhängern und weiterhin Potenzial nach oben, um über 90 Minuten die Hütte abzureißen.

Gegner

Die Gäste aus der Fächerstadt fielen wie beim letzten Auftritt optisch durch einen guten Fahneneinsatz im Steher auf. Der Stehblock war das ganze Spiel über in Bewegung, jedoch kam akustisch gar nichts bei uns an. Dies lag sicherlich auch daran, dass sich der breite KSC-Anhang im Oberrang offensichtlich gar nicht beteiligte. Insgesamt kam der Auftritt dadurch bei Weitem nicht an die Topauftritte von anderen Gästen in der Arena in dieser Saison heran.

Freunde

Erneut konnten wir einige Freunde aus Enschede bei uns begrüßen – dank je wel. Vielen Dank auch an Mönchengladbach für die Unterstützung.

 

Spielvereinigung 07 Elversberg e.V. – FC Schalke 04 e.V. 1:2 (1:1)

Vor dem Spiel

Bereits zum dritten Mal gastierten wir im Waldstadion Kaiserlinde, zum ersten Mal jedoch im neu errichteten Gästeblock hinter dem Tor. Hier muss man mal sagen, dass der Neubau nicht nach Schema F geplant wurde und sich gut in den Flair eines kleinen Stadions einfügt. Bis auf die enge Treppe hat man auch im Block selbst genug Platz, um sich auszubreiten und sämtliche Gruppenfahnen aufzuhängen. Klar, mehr geht immer, aber man muss ja nicht jedes Mal etwas zu meckern suchen.

Nordkurve Gelsenkirchen

Zum Einsingen testeten wir erneut unser neues Lied “Ich will immer wieder diesen Wahnsinn spür’n, immer wieder Schalke siegen seh‘n”. Mit diesem Motto schufen wir für die Spieler während des Aufwärmens die bestmögliche Atmosphäre und auch die Kurve brachte sich dadurch auf Temperatur. 

Als wir gerade so richtig ins Spiel gestartet waren, kam auch direkt der erste Schlag ins Gesicht: 0:1 nach nicht mal 04 Minuten, ja guten Morgen. Anders als in der Vergangenheit gaben sich Mannschaft und Nordkurve aber einen Ruck und ließen sich vom frühen Rückstand nicht beeindrucken. Auch wenn einige Schalker zu Beginn noch etwas zögerlich waren, spätestens bei den Hüpfeinlagen zu “Geh’n mit dir auf jede Reise” war klar, wer auf den Rängen der Herr im Haus ist. Offensichtlich hatte auch Miron der Mannschaft die richtigen Worte mit aufs Feld gegeben, denn von Schockstarre war auf dem Platz nichts zu sehen. Ein fußballerischer Gaumenschmaus war das jetzt nicht, doch harte Arbeit zahlt sich bekanntlich meist aus. Die Belohnung war das Tor des Monats zum 1:1. Die Fackeln, die wir dazu anrissen, holten nochmal die letzten paar Prozente raus, brachten den Block zum Leuchten und Licht in den grauen Sonntagnachmittag. So konnten wir die Stimmung bis zur Halbzeitpause auf gutem Niveau halten.

Im zweiten Durchgang folgte nach erneut nur wenigen Minuten der nächste Tiefschlag. Bei der völlig unberechtigten gelb-roten Karte kann man sich wieder nur an den Kopf packen. Doch wie nach dem 0:1 ließ sich die Mannschaft erneut nicht beeindrucken und riss mit dem 2:1 fünf Minuten später die Partie wieder an sich. Eskalation und absoluter Wahnsinn! Die Korken knallten wieder und wir sangen uns zur bekannten Partymelodie vom Balkan in einen Rausch. S04, nur mit dir! 

Ein insgesamt wirklich guter Auftritt der Nordkurve Gelsenkirchen trug gemeinsam mit größter Willenskraft der Truppe auf dem Platz dazu bei, den Sieg und die enorm wichtigen drei Punkte nach Hause zu bringen. Ein erfolgreicher Nachmittag an der Kaiserlinde. Somit gilt auch in den letzten fünf Spielen: Wir treiben dich nach vorn für uns‘ren Traum von Liga 1!

Gegner

Viel sagen muss man zu Elversberg eigentlich nicht. Auch wenn man die Verhältnisse beachtet, war das nicht mal ein „solider Auftritt ohne große Highlights“. Fußballerisch gesehen ist man vielleicht die Nummer 1 im Saarland, spielt mit Blick auf die Kurve aber definitiv die zweite Geige

Freunde

Zum Spiel erhielten wir Unterstützung durch unsere Gäste aus Mönchengladbach und Nürnberg. Vielen Dank!

Nordkurve Nürnberg

Aktuelle Lage

Zur Partie bei Eintracht Braunschweig verkaufte die Nordkurve einen Mottoschal, welcher zum Einlaufen der Mannschaften als Choreoelement genutzt wurde. Zur zweiten Halbzeit stieg hinter einem “Bullenschweine”-Spruchband massiv Rauch aus dem Gästeblock auf. Ebenfalls waren einige Spruchbänder zum selben Thema sowie zur IMK zu sehen.

Sportlich schafften es die Franken nicht, die eigene Führung über die Zeit zu bringen und so hieß es am Ende 1:1 unentschieden.

Das Heimspiel gegen Dresden ging nach einem Eigentor und dem Schlusspunkt in der 83. Minute 2:0 für die Falschen aus. 

Gestern Mittag kämpfte der FCN in Bielefeld um drei Punkte. Zum weiteren Saisonendspurt empfangen unsere Freunde nächstes Wochenende den 1. FC Magdeburg.

VAK-P Enschede

Aktuelle Lage

Der FCT ist erfolgreich in den Endspurt der Saison und damit in den finalen Kampf um eine Qualifikation für Europa gestartet. Den Anfang dazu machte der Auswärtssieg bei Ajax Amsterdam, zu dem ihr in dieser Ausgabe einen ausführlichen Bericht findet.

Vor dem Heimspiel gegen Volendam gab es über diverse Kommunikationswege den Aufruf für die letzten „fünf Finals“. Gerade im Hinblick auf die zuletzt schwache Stimmung bei Heimspielen ist man auf jeden Einzelnen angewiesen, um die Mannschaft nach vorne und Richtung Europa zu schreien. Gegen Volendam hatte man Erfolg und gewann mit 2:1. 

Twente steht aktuell auf dem vierten Tabellenplatz, was zur Teilnahme an der Europa League Qualifikation berechtigen würde. Nächster Gegner ist der drittplatzierte NEC Nijmegen, danach spielen die Tukkers bei AZ Alkmaar.

Come on Twente Enschede – noch 04 Finals!

Ajax Amsterdam – FC Twente Enschede 1:2 (1:1)

Ziemlich genau eine Woche nach der “20 Jahre Freundschaftsfeier” in Enschede, die mir gefühlt immer noch ordentlich in den Knochen steckte, ging es für mich und meine Reisegruppe schon wieder über die Grenze. Ziel war erneut Enschede, wo wir uns mit unseren Brüdern trafen, um gemeinsam zum Topspiel nach Amsterdam aufzubrechen. Ein Spiel, das auf dem Papier einiges versprach – Flutlicht, 21 Uhr, und die Chance für die Tukkers, an Ajax vorbeizuziehen und in der Tabelle noch weiter nach oben zu klettern.

Nach Ankunft in Enschede ging es erst einmal in die Stadt, wo man sich mit bekannten Gesichtern traf. Die Woche zuvor hatte eindrucksvoll gezeigt, was diese Freundschaft bedeutet, und genau daran knüpfte man nahtlos an. Das ein oder andere Kaltgetränk, verschiedenste Gespräche und die passende Einstimmung auf den Abend – so ließ sich die Zeit bis zur Abfahrt gut überbrücken.

Wie in den Niederlanden üblich, stand dann die verpflichtende Busanreise an. Auch wenn die Strecken dort im Vergleich zu unseren Auswärtstouren eigentlich lächerlich kurz sind, zieht sich das Ganze durch die zahlreichen Stopps trotzdem ordentlich. Dafür hatte die Tour ihren eigenen Charme: Kaum runter von der Autobahn, ging bei unserem Busfahrer konsequent – wohlgemerkt während der Fahrt – die Vordertür auf, um für „frische Luft“ zu sorgen. Dazu gingen diverse kleine Köstlichkeiten und Getränke durch die Reihen, sodass die Fahrt insgesamt mehr als entspannt war.

Am Stadion angekommen wartete dann der Einlass, der gerade am Materialeingang ungewohnt streng und penibel durchgeführt wurde. Alles wurde genauestens kontrolliert, was sich natürlich etwas zog. Im Anschluss führten uns die gefühlt endlosen Treppenstufen Richtung Gästeblock nach oben. Dort angekommen musste ich erstmal kurz durchschnaufen – das war schon eine kleine Einheit für sich.

Im Vergleich zu meinem letzten Besuch positionierte sich der Haufen diesmal etwas weiter oben, wodurch die ersten Reihen frei blieben. Das tat dem Gesamtbild auf jeden Fall gut. Auch das Zaunfahnenbild wusste zu überzeugen: Neben den bekannten Zaunfahnen rund um U91 und Vak-P hing auch das “20 Jahre Freundschaft”-Spruchband am Zaun. Auch der neue Freundschaftsschwenker durfte an diesem Abend das erste Mal holländische Stadionluft schnuppern.

Die Heimseite startete mit einer Choreo, bei der ein Hund oder Wolf das Twente-Wappen zerbeißt – umgesetzt als große Blockfahne vom Ober- bis in den Unterrang. Flankiert wurde das Ganze von den Schriftzügen „proud, loyal and unleashed“, die links und rechts daneben angebracht waren. Kurz darauf folgte noch eine zweite Aktion zu Ehren von Johan Cruyff: Im Oberrang wurde ein Spruchband mit „Alleen kun je niets, je moet het samen doen“ (“Man kann nichts allein schaffen, man muss es gemeinsam tun”) präsentiert, während passend dazu die „14“ mit Hilfe von Papptafeln dargestellt wurde. Beides solide, aber nichts, was groß hängen bleibt.

Supporttechnisch kam der Gästeblock ordentlich rein. Die ersten Minuten waren laut und geschlossen, so wie man es sich wünscht. Im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit wurde das Ganze jedoch immer wieder unterbrochen. Unter anderem sorgte ein medizinischer Einsatz im Block für eine längere Pause, was verständlicherweise den Rhythmus komplett rausnahm. In der Folge zog sich eine gewisse Trägheit bis zur Halbzeit durch. Insgesamt wirkte der Auftritt dadurch nicht ganz so druckvoll, wie man es von unseren Freunden eigentlich auswärts kennt.

Auch nach der Pause brauchte es erstmal wieder ein paar Minuten, bis der Block zurück ins Spiel fand. Mit der Führung für Twente kippte die Stimmung dann aber nochmal spürbar. Ab dem Moment war es das gewohnte Bild: ausgelassen, laut und mit einer stabilen Mitmachquote, die sich sehen lassen konnte. So trug sich der Support dann auch bis zum Abpfiff durch.

Von der Heimseite rund um F-Side kam über weite Strecken erschreckend wenig. Genau einmal konnte man die Kurve wirklich wahrnehmen, ansonsten ging das im weiten Rund der Arena ziemlich unter. Sicherlich spielt die Position des Gästeblocks da mit rein, dennoch war das erstaunlich schwach.

Nach Abpfiff kam die Mannschaft vor den Block, um den 1:2-Auswärtssieg mit den Anhängern zu feiern. Zum Abschluss wurde noch ein Gruppenfoto im Gästeblock gemacht – nochmal im Zeichen der 20-jährigen Freundschaft mit dem entsprechenden Spruchband – womit der Stadionbesuch auch sein Ende fand.

Im Vergleich zu meinem letzten Besuch in Amsterdam, der noch von unnötigen Provokationen und Eskalation geprägt war, zeigte sich die Staatsmacht diesmal ungewohnt zurückhaltend. So konnte zumindest dieser Teil des Tages ohne größere Zwischenfälle über die Bühne gehen.

Der Weg zurück zu den Bussen führte anschließend wieder die zahlreichen Treppen hinunter und mitten durch eine feiernde Menge an Twente-Anhängern, die den Auswärtssieg entsprechend zelebrierten. Die Rückfahrt nach Enschede verlief ähnlich entspannt wie die Hinfahrt, ehe sich dort die Wege trennten und wir uns von unseren Brüdern verabschiedeten. Für meine Mitstreiter und mich ging es dann noch weiter bis ins schöne Gelsenkirchen, wo wir gegen 4 Uhr morgens ankamen – mit der Aussicht auf satte vier Stunden Schlaf, bevor es zu unserem eigenen Heimspiel ging.

Unterm Strich bleibt eine rundum gelungene Tour im Kopf und einmal mehr der Beweis, warum diese Freundschaft seit 20 Jahren so besonders ist.

Bedankt voor alles, Broeders!

Komiti Skopje

Aktuelle Lage

Der FK Vardar ist weiterhin auf Meisterkurs! Nach der überraschenden Auswärtsniederlage in Gostivar bei Arsimi gab es in den drei Spielen nach der Länderspiel bedingten Pause sieben Punkte in drei Spielen. Das Heimspiel gegen Gjorce Petrov wurde souverän mit 5:1 gewonnen und auch eine Woche später, am Tag vor unserem Spiel in Elversberg, gewann Vardar das Heimspiel gegen Rabotnicki mit 1:0.

Zwischen diesen beiden Begegnungen stand das Auswärtsderby bei Pelister Bitola an. Zuerst wurde das Spiel auf eine typische Balkan-Mittags-Anstoßzeit gelegt. Am Ende gelang jedoch eine Verschiebung auf den Abend und auch eine teilweise Aufhebung des Gästeverbots, sodass ein Bus von Komiti sich am Mittwochmittag auf den Weg in den Süden des Landes machte. Dieser kam trotzdem zu spät an und war nur in der zweiten Halbzeit im Stadion. Verpasst hat man nicht viel, es gab weder Tore und auch nur eine halbvolle Heimkurve. Ein Mitglied unserer Gruppe unterstütze den für ein Auswärtsderby ungewöhnlich kleinen Haufen.

Bis zum Saisonende und der möglicherweise ersten Meisterschaft seit sechs Jahren, stehen nun noch sechs Spiele auf dem Programm. Aufgrund der ausufernden Korruption und der offensichtlich geschobenen Spiele, stößt das Ganze bei Komiti und auch dem restlichen Publikum jedoch nur bedingt auf Begeisterung, sodass die Zuschauerzahlen, Aktivitäten in der Kurve und natürlich auch die Attraktivität der Spiele stark abnehmen. Ob eine Meisterschaft am letzten Spieltag daher groß gefeiert wird oder eher – wie schon der Pokalsieg im vergangenen Sommer – boykottiert wird, steht daher noch in den Sternen.

 

Curva Sud Siberiano

Aktuelle Lage

Entgegen der Ankündigung in der letzten Ausgabe, dass der Verkauf des Vereins nur noch Formsache sei, herrscht derzeit großes Chaos rund um den Deal zwischen Rufini und Iervolino, bei dem in den Medien nun noch andere Käufernamen gefallen sind und Iervolino eine Frist bis 30. April für potentielle Käufer gesetzt hat. Auch die Politik mischt ordentlich mit und so hat der ehemalige Präsident der Region Kampanien und aktuelle Bürgermeisterkandidat der Stadt Salerno Vincenzo De Luca ein Interview gegeben, das hohe Wellen geschlagen hat:

“[…] Es wäre wirklich bitter, ein neues Stadion zu haben – eine Investition von 150 Millionen Euro. Oder besser gesagt: zwei neue Stadien. Wir werden das renovierte Stadio Volpe mit einer Kapazität von 15.000 Plätzen und das sanierte Stadio Arechi haben. Eine Infrastruktur dieses Niveaus zu haben und keine Mannschaft zu haben, die dem gerecht wird, wäre ein ernstes Problem. Wir werden mit den Investitionen fortfahren, weil wir entschlossen darauf hinarbeiten wollen, Salerno für die Europameisterschaft 2032 zu bewerben […]”. De Luca instrumentalisiert die Krise des Vereins für seinen Wahlkampf. Wenn es dem Verein schlecht geht, präsentiert er sich als politischer Einflussnehmer der Investitionen. Dabei muss gesagt werden, dass die Nordkurve des Arechi Stadion seit 20 Jahren aus Sicherheitsgründen geschlossen ist und De Luca einen großen Anteil daran trägt, dass dort nie investiert wurde. Derzeit kandidiert er, um (erneut) Bürgermeister von Salerno zu werden und nutzt Stadionbesuche oder Projektpräsentationen für Fotoshootings, die ihn als Retter in der misslichen Lage zeigen sollen.

Die Fans verlangen Respekt und Autonomie für den Verein. Sie wollen nicht, dass das Schicksal der Granata als Spielball für Stimmenfang in den kommenden Kommunalwahlen genutzt wird. Die Curva Sud Siberiano hat daher in den letzten Tagen in der ganzen Stadt Spruchbänder aufgehängt mit den Worten: “Vincenzo De Luca: Finger weg von unserer Salernitana!” und “Die Salernitana ist nicht eure Wahlkampfbühne“.

Die Saison neigt sich dem Ende zu und jeder Punkt auf dem Konto ist entscheidend. Die Mannschaft hat das offenbar noch nicht kapiert und ließ sich vor 6.400 Zuschauern gegen Benevento im eigenen Hause vorführen.

Beim Auswärtsspiel in Trapani auf Sizilien legte die Elf aus Süditalien einen guten Auftritt hin und konnte drei Punkte beim 1:2 mitnehmen. Damit steht Salernitana aktuell mit 63 Zählern auf Platz 4 der Tabelle.

Zu Hause muss Salernitana heute gegen Picerno ran, das letzte Spiel der Saison bestreitet Granata auswärts in Foggia. Danach folgt noch die Relegation, die bekanntlich in Italien einem eigenen Turnier gleicht

Aufgaben und Arbeitsweise des Aufsichtsrates

In der letzten Ausgabe dieser Lektüre haben wir uns die Aufgaben und Wahlen des Wahlausschusses angesehen. Nun werden wir uns mit dem Aufsichtsrat beschäftigen. Wir konzentrieren uns hierbei auf die wichtigsten Aspekte. 

Für ein vollumfängliches Bild über die Aufgaben des Aufsichtsrats legen wir jedem die Satzung unseres Vereins ans Herz:

https://schalke04.de/verein/schalke-04-e-v/satzung/

 

Aufgaben:

Im Gegensatz zum Wahlausschuss findet man einen Aufsichtsrat in jedem größeren Unternehmen. Die Aufgaben eines AR in der freien Wirtschaft unterscheiden sich nicht wesentlich von denen in einem Verein. Der AR bestellt den Vorstand ein und kontrolliert diesen. Bei mangelnder Leistung bestellt er den Vorstand wieder ab. Er überwacht, ob dieser im Sinne des Vereins agiert und muss bestimmten Tätigkeiten zustimmen. Auf Schalke benötigt der Vorstand die Zustimmung des Aufsichtsrats bei folgenden Geschäften:

– Erwerb, Veräußerung und Belastung von Grundstücken und grundstücksgleichen Rechten;

– Übernahme von Bürgschaften und Eingehung von Mitverpflichtungen für Verbindlichkeiten Dritter;

– Abschluss von Darlehensverträgen und Stundungsvereinbarungen sowie von Sicherungsgeschäften dazu;

– Abschluss von sonstigen Rechtsgeschäften jeder Art, die einen einmaligen oder jährlichen Gegenstandswert von mehr als 500.000,00 € haben.

 

Genehmigungen des Aufsichtsrats benötigen eine ¾-Mehrheit im Einzelfall. Es ist möglich, bestimmte Arten von Geschäften an einen bestehenden Ausschuss zu delegieren. Dieser Ausschuss muss aus mindestens zwei Aufsichtsratsmitgliedern bestehen und Beschlüsse im Ausschuss bedürfen der Einstimmigkeit. Diese Delegation endet, wenn mindestens drei Aufsichtsräte dies verlangen.

 

Derzeit gibt es vier Ausschüsse:

Finanzausschuss (3): 
Sven Kirstein (Sprecher), Holger Brauner, Harald Förster. 

 

Sportausschuss (3): 
Johannes Struckmeier (Sprecher), Axel Hefer, Steffi Jones. 

 

Ausschuss für Strategie, Marketing und Vertrieb (4): 
Frank Lotze (Sprecher), Axel Hefer, Stefan Hegmanns, Ender Ulupinar. 

 

Miteinander-Ausschuss für Mitglieder, Fans und soziale Verantwortung (4):
Pascal Krusch (Sprecher), Sven Kirstein, Michael Riedmüller, Johannes Struckmeier

 

Der Aufsichtsrat trifft sich quartalsweise und je nach Bedarf zu Sitzungen. Diese sind streng vertraulich. Er ist beschlussfähig, wenn mindestens sechs stimmberechtigte Mitglieder anwesend sind. Beschlüsse werden mit einfacher Mehrheit getroffen. Die Verhandlungen und Beschlüsse sind zu protokollieren und innerhalb von zwei Wochen allen Mitgliedern des AR vorzulegen und in der darauffolgenden Sitzung zu genehmigen.

 

Zusammensetzung:

Der Aufsichtsrat besteht aus maximal elf Mitgliedern. Davon werden sechs für jeweils drei Jahre durch die Mitgliederversammlung gewählt. Jedes Jahr stehen somit zwei Plätze zur Wahl. Die Amtszeit beträgt drei Jahre. Jeweils ein Aufsichtsratsmitglied wird durch den Sportbeirat und eins durch den SFCV entsendet. Drei weitere Aufsichtsräte können durch den Aufsichtsrat selbst bestimmt werden. Dies sind die sogenannten kooptierten Mitglieder und dienen dazu, mögliche fehlende Kompetenzen oder Fachgebiete abzudecken. Die Amtszeit der kooptierten Aufsichtsräte beträgt zwei Jahre und beschränkt sich seit einer Satzungsänderung im vergangenen Jahr auf maximal zwei Amtsperioden. Eine vorherige Abberufung durch den Aufsichtsrat ist ebenso möglich.

Auf der ersten Aufsichtsratssitzung nach den Wahlen, der konstituierenden Sitzung, wählt der Aufsichtsrat mit einfacher Mehrheit einen Aufsichtsratsvorsitzenden und Stellvertreter aus seiner Mitte.

Wie im letzten Blauen Brief beschrieben, bedarf die Kandidatur für den Aufsichtsrat einer Zulassung durch den Wahlausschuss. 

Eine Person, die in den Aufsichtsrat des FC Schalke möchte, muss also bis zum 1. Februar eine Bewerbung inklusive drei Unterstützer-Schreiben von Mitgliedern einreichen. Anschließend folgen die Gespräche des Wahlausschusses mit allen Bewerberinnen und Bewerbern. Im Anschluss daran gibt der Wahlausschuss die Kandidaten bekannt, die bei der nächsten Mitgliederversammlung für die Wahl zur Auswahl stehen und sich dann im Vorfeld den Mitgliedern vorstellen und um Stimmen werben können.

Wie viele von euch wissen haben wir über einen langen Zeitraum immer wieder bekannte und teils weniger bekannte Fanzines im Blauen Brief interviewt, Beweg- und Hintergründe der kreativen Schriftstücke erfragt und den Autoren die Möglichkeit gegeben Ihre Herzensprojekte der Schalker Fanlandschaft vorzustellen. Da genau diese Art der Vorstellung sehr gut angekommen ist, möchten wir das Ganze, natürlich mit etwas abgewandelten Fragen, auf kreative (Groß-) Projekte wie ganze Bücher und Filme ausweiten. Im ersten Aufschlag dieser Reihe findet ihr das Interview zu einem der sicherlich bekanntesten Fanzines: Dem Erlebnis Fußball.

 

Ode an die Buch- und Filmprojekte – Interview mit Erlebnis Fussball 

Als Einstieg direkt mal folgendes Szenario. Ihr sitzt auf einer Parkbank in Gelsenkirchen und lest eines von euren Büchern. Es läuft eine Schalker Kutte mit Bier in der Hand vorbei. “Ey hömma, wer liest denn heute noch Bücher?” Wie erklärt ihr ihm kurz die Relevanz eurer Bücher?

Erlebnis Fussball: Hallo erstmal nach Gelsenkirchen. Ich vermute, die Frage soll darauf abzielen, dass in der heutigen Zeit immer weniger gelesen wird. In der Tat haben es Printmedien schwerer, da die Aufmerksamkeitsspanne durch Social Media rapide gesunken ist. Und mit der ständigen Verfügbarkeit und Breite an präsentierten Fotos und kurzen Videos suggeriert wird, dass man schon alles hat. Das ist aber ein Trugschluss. Denn ab einem Punkt versinkt alles in einer Beliebigkeit. Bücher hingegen sind die Eintrittskarte in eine Zeitreise, die dir ein Foto allein nur im Ansatz bieten kann. Klar, wenn du in eine Foto-Ausstellung gehst, die entsprechend kuratiert ist und alles in einem bestimmten Kontext steht, ist das sicher was anderes. Ich meine die Flut an Fotos und Videos in den sozialen Medien. Dieses angesprochene Gefühl, auf eine Reise mitgenommen zu werden, hatte ich zuletzt beim Anschauen und Lesen des Virage Sud Marseille-Buchs. Herrlich, wie dort die Legende Depé zu sehen ist, wie er mit seinem Bauhelm aus dem Zug hängt und Alain (Anm. d. Red., der Fotograf) von dieser Reise nach Bari zum Finale berichtet. Das atmet Geschichte und ich bin gefühlt dabei. Der Kutte würde ich dementsprechend sagen: „Lass dich auf die Geschichte ein und tauche mit uns in eine andere Welt. Die der Ultras.“

 

Wisst ihr noch, wie und wann die Idee entstanden ist, nicht nur Fanzines zu schreiben, sondern sogar Bücher und Filme zu veröffentlichen?

Erlebnis Fussball: Ganz klar aus eigenem Interesse am Thema! Zu Beginn waren es ja vorrangig Übersetzungen von Büchern aus dem Ausland, die wir schlichtweg verstehen wollten. Recht schnell kam dann die Idee, unsere Strukturen und Netzwerke auch auf das Thema „Bücher“ auszuweiten. Darüber hinaus haben wir immer Bock, die Neuauflage von der Gestaltung noch besser zu machen als das Original. So stecken wir immer auch viel Zeit in das Layout-Konzept. Bisher ist uns das denke ich gut gelungen. Mit dem Film „A guardia di una fede“ war das ähnlich. Ich hatte den Trailer zugespielt bekommen und war sofort angezündet: Dieser Film mit all den krassen Aussagen über die Ultras-Mentalität musste für möglichst viele Ultras zugänglich gemacht werden und so kam dann eins zum anderen. Es gab davor im Übrigen auch schon Filme zum Thema Ultras, die auf YouTube online sind, wir übersetzt/untertitelt hatten und im kleinen Kreis weitergereicht haben – aber alles unter der Hand. Dass wir das mit dem Atalanta-Film richtig professionell samt Kino-Tour aufziehen konnten, lag auch an unseren Freunden vom Independent Filmverleih Rotzfrech Cinema. Das hat super gepasst mit uns beiden. 

 

Es gibt im Ausland eine Fülle an Büchern und Filmen, die sich mit Ultra- beziehungsweise Fan-Themen beschäftigen. Wie entscheidet ihr, welche dieser Bücher und Filme ihr übersetzt?

Erlebnis Fussball: Wir holen uns vorher fast immer auch Meinungen von Ultras aus dem jeweiligen Land ein. Wenn die Signale positiv sind, nehmen wir Kontakt zum Autor oder Verlag auf und verhandeln die Konditionen. Leider sind an diesem Punkt schon Projekte gescheitert, da die finanziellen Vorstellungen zu weit auseinander lagen. Leichter fällt die Entscheidung, wenn die vorhergehenden Projekte von der Szene gut angenommen wurden und sich gut verkauft haben. Zu guter Letzt planen wir dann die Veröffentlichung, sodass jedes Projekt seine entsprechende Präsenz bekommt und nicht im Schatten anderer Projekte steht. Egal wie „groß“ das jeweilige Projekt ist, wir möchten jedes besonders machen.

 

Stand heute, wie sind eure Bücher und der Film im Kontext “Fußball” einzuordnen? Was ist der inhaltliche Fokus? Was zeichnet sie aus?

Erlebnis Fussball: Es geht klar um die Fankultur im Allgemeinen sowie im Speziellen bei entsprechenden Vereinen. Und was sie auszeichnet? Ich denke jedes Projekt hat seine eigene Note. Stadionrebellen gibt eine Übersicht über die Entwicklung der italienischen Ultrabewegung; Gruppo d´Azione nimmt uns mit in die wilden 80er Jahre der italienischen Ultras vom SPAL; das Comic Pseudosupporters im Stile der französisch/belgischen Comics bildet mit viel Witz die Ultras ab und so weiter. Dazu geben wir uns immer Mühe, den Projekten das gewisse Etwas mitzugeben. Bei SPAL war es das ausführliche Glossar. Mit dem Pseudosupporters Comic gab es auch einen Geburtstagskalender, der je Monat ein großes Wimmelbild der Comic-Charaktere bereithielt. Zum Atalanta Buch gaben wir eine Stadtkarte in Posterformat, wo alle im Buch vermerkten Riots eingezeichnet waren. Oder bei der DVD zum Film „A guardia di una fede“ waren es reichlich Bonus-Sequenzen, die nochmal extra untertitelt wurden.

 

Wie würdet ihr beziehungsweise wen würdet ihr als eure Zielgruppe beschreiben? Wen wollt ihr erreichen und wen erreicht ihr tatsächlich?

Erlebnis Fussball: Zielgruppe sind die Ultras, also die Szene. Wir stehen in engem Austausch mit den verschiedenen Fangruppen und fühlen uns der Szene verbunden. Deswegen sind unsere Projekte mitunter recht nieschig und daher weniger mainstreamtauglich. Wen wir tatsächlich erreichen … gute Frage. So viel Gedanken machen wir uns da nicht.

 

Könnt ihr uns einen groben Abriss über die Entwicklung eures Filmprojekts geben? Gab es spezielle Hürden?

Erlebnis Fussball: Mir wurde der Trailer zum Film zugespielt und ich war sofort Feuer und Flamme. Die Kontaktaufnahme zu den beiden italienischen Filmemachern verlief reibungslos und auch sie waren sofort begeistert von der Idee, den Film nach Deutschland ins Kino zu bringen. Ihre Bedingung war ein Filmverleih. Zum Glück hatte ich über andere Filmprojekte Tom von Rotzfrech Cinema in meinen Kontakten. Mit einem Streaming-Link im Gepäck bin ich dann zu ihm nach Erfurt, wo wir uns den Film in seinem DIY-Kino zu zweit auf englisch angesehen haben. Danach war klar, wir machen das zusammen. Damit war die erste Hürde genommen. Eine weitere war die Übersetzung, denn Bergamaskisch ist nicht gleich Italienisch (lacht). Als diese Baustelle gelöst war, ging es an die Untertitelung. Das war recht nervenaufreibend, da sich ein Satz gut und gerne über mehrere Bildsequenzen streckte und man dementsprechend vor dem Bildschirm schnell den Überblick verlor. Bis zuletzt haben wir dann an den Feinheiten geschraubt. Ich erinnere mich, dass ich ganz zum Schluss noch einen deutschsprachigen Atalanta-Kontakt anrief, um eine Unklarheit zu beseitigen. Er zu mir „Stefan, ich ruf dich in der Halbzeit zurück, stehe gerade im Stadion“. Da wurde mir erst bewusst, dass Atalanta gerade gegen Donezk in Hamburg spielt. Das Gute war, er konnte bei den mitgereisten Atalanta-Ultras gleich auf Nummer sicher gehen und nachfragen. Als die Untertitel dann auf den Film geschrieben wurden, war es geschafft. Eng wurde es dennoch. Denn vor der großen Kino-Premiere in Frankfurt musste der Film zum Format-Check 24 Stunden vor Aufführung. Und die Post hatte den Film nicht rechtzeitig zugestellt, weshalb wir den Film dann persönlich vorbeibringen mussten, was gerade noch so klappte.

 

Wie lange dauert die Produktion eines Buches/Films und wie viele Personen sind daran beteiligt? Hattet ihr externe Unterstützung (bei Filmen)?

Erlebnis Fussball: Finanzielle Unterstützung haben wir keine. Jedes Buch ist eigenfinanziert, was immer auch ein nicht unerhebliches finanzielles Risiko mit sich bringt. Eine Ausnahme war die Kino-Tour. Da hatte Rotzfrech Cinema ein wenig Geld über eine Filmförderung klar machen können, mit dem Geld konnten wir Mietwagen und Unterkunft bezahlen. Immerhin … Sonst dauert die Umsetzung eines Buches schon eine Weile. Allein die Übersetzung dauert, dann muss es noch lektoriert werden, ehe wir uns am Layout den Kopf zerbrechen. Auch eine Rolle spielen andere Projekte (EF, 45Grad und so weiter), die parallel beackert werden. Dementsprechend muss die Zeit aufgeteilt werden. Beispielsweise habe ich seit längerem die Übersetzung des zweiten Teils der Geschichte der Curva Nord Atalantas in der Schublade liegen. Weil sich erst niemand fürs Lektorat fand, lag das Projekt erstmal auf Eis. Jetzt werden gerade die Änderungen in das Text-Dokument eingearbeitet. Bis zum Erscheinen werden aber locker noch Monate vergehen. Gleiches beim Buch über die Fanszene vom AC Milan. Kai Tippmann hat es bestimmt schon abgeschrieben (Sorry Kai!), denn er hatte mir das übersetzte Skript schon vor zwei Jahren geschickt. Aber es geht im Lektorat voran, wenn auch mit kleinen Schritten.

 

Gibt es Veröffentlichungen, die rückblickend besondere Highlights waren?

Erlebnis Fussball: Die Tour rund um den Atalanta-Film war schon besonders. Wir konnten uns das Feedback direkt im Kino abholen, sind mit den lokalen Ultras ins Gespräch gekommen und haben dadurch neue Erfahrungen sammeln können. So schön es auch war, so anstrengend war es auch, jeden Tag an einem anderen Ort zu sein, immer zu quatschen und kaum Ruhe für sich selbst. Man ist ja auch nicht mehr der Jüngste (lacht). Was Buchprojekte betrifft, würde ich das Fußballgraffiti-Buch herausstellen. Vielleicht auch deshalb, weil es das erste richtige eigene Buchprojekt war. Das Thema „Graffiti“ beschäftigt mich seit vielen Jahren, lange bevor es zum Hype wurde. Ich wollte unbedingt einen großen Überblick mit allen relevanten Szenen schaffen. Nicht nur Fotos, sondern auch Interviews und Texte zusammentragen. Allein die Überzeugungsarbeit war wirklich krass, ich war kurz davor den Brocken hinzuwerfen. Dann kam Corona dazwischen, niemand wusste, wie es weiter geht. Und aus den geplanten 300 Seiten wurden über 600 … das ganze Projekt war der pure Wahnsinn. Umso stolzer war ich, als es gedruckt vor mir lag – ein wirklich besonderer Moment. Außerdem würde ich das Virage Sud Marseille-Fotobuch herausstellen. Wir sind auch da vor Ort gewesen und haben Alain persönlich besucht. Bei reichlich Roséwein und anderen kulinarischen Köstlichkeiten unweit des Strandes spitzten wir in der Sommerhitze unsere Ohren und ließen uns mitnehmen in das Marseille der 90er Jahre. Was er in seinem Leben alles erlebt hat – darüber könnten wir noch ein Buch schreiben. Wieder in Deutschland ging es an die Umsetzung, die sich nochmal ein paar Jahre zog. 

Zwischendurch war Alain kurz davor die Geduld zu verlieren, weil ihm das alles zu lange dauerte. Aber es musste perfekt werden. Eine schnell geschriebene Final-PDF (eines unfertigen Buches) rettete uns förmlich in letzter Sekunde und wir konnten Alain nochmal beschwichtigen. Zur Präsentation des Buches sind wir dann nochmal nach Marseille gereist und waren mit ihm im Lokal von Commando Ultra 84 zu Gast. Den Kofferraum voller Bücher mit dem Auto runtergebrettert, haben wir endlich das Velodrome gekreuzt und das Buch vorgestellt. Es war maximal chaotisch, aber authentisch – definitiv eine Erfahrung, die ich nicht vergessen werde.

Zu guter Letzt würden wir dann noch gern wissen, welche Bücher und Filme von euch aktuell auf dem Markt und wo diese erhältlich sind? Und welche sind in der Pipeline?

Erlebnis Fussball: Es gibt noch ein paar Exemplare des Fotobandes über die Virage Sud Marseille aus der Saison 1990/91 sowie das La Doce Buch. Vom Film „A guardia di una Fede“ sind auch noch DVDs vorrätig. Die anderen Sachen sind leider vergriffen. Dafür kommt bald frisches Material. Geplant sind dieses Jahr ein Büchlein über die Tifoserie von Tricase, ein kleiner Verein aus der Serie D ganz im Süden Italiens. Auch haben wir die Fortsetzung von Folle Amore Nostro fest im Blick. Wir sind zuversichtlich, bald mit dem Layout zu beginnen. Dann haben wir noch ein Buch über die Delije in der Pipeline. Das wird sehr spannend, weil es über die Szene von Roter Stern Belgrad bisher keine Veröffentlichungen gibt. Persönlich möchte ich in diesem Jahr auch die Fortsetzung vom Fußballgraffiti-Buch in Angriff nehmen. Einfach weil das ein Thema ist, was mich seit vielen Jahren begleitet und ich den aktuellen Zeitgeist bestmöglich dokumentieren möchte.

Nordhausen: Die Partie zwischen Wacker Nordhausen und FSV Preußen Bad Langensalza fand unter Ausschluss von Zuschauern statt. Hintergrund war eine Auseinandersetzung unter den Anhängern und dem Vorstand von Nordhausen nach der Niederlage gegen Wismut Gera. Die aktive Fanszene von Nordhausen kritisiert die Kollektivstrafe scharf. In ihrer Stellungnahme wird betont, dass einzelne Vorfälle nicht zur Bestrafung aller führen dürfen. Zudem werfen sie dem Verein eine einseitige Darstellung der Ereignisse vor und berichten vom provokativen Verhalten einzelner Vereinsvertreter nach dem Spiel. Die Anhänger von Nordhausen fordern stattdessen eine transparente Aufarbeitung und den Dialog auf Augenhöhe.

Leipzig: Borussia Mönchengladbach gastierte vergangenes Wochenende bei RB Leipzig und rief zuvor zum gemeinsamen Protest vor Ort auf. Neben dem 19-minütigen Stimmungsboykott zu Beginn, welches man durch Pfeifen beim Ballbesitz des Gegners begleitete, wurde zudem auch auf Fanclub- und Gruppenfahnen verzichtet. Darüber hinaus lehnte man den Konsum der örtlichen Verpflegung ab. Damit setzte Gladbach ein weiteres Zeichen, dass Spiele gegen Leipzig niemals zur Normalität werden sollten.

Frankreich: In Frankreich droht mehreren Ultragruppen erneut die Auflösung durch das Innenministerium. Nachdem im vergangenen Jahr bereits die Gruppe Legion X von Paris FC verboten wurde, stehen nun unter anderem die Magic Fans und Green Angels von AS Saint-Étienne wieder im Fokus. Innenminister Laurent Nunez kündigte eine Verschärfung der Maßnahmen an, darunter auch neue Verfahren gegen die Ultragruppen. Die Anhörungen sind für Mitte April angesetzt. Bereits 2010 wurden mehrere Pariser Gruppen verboten. Die Gruppen aus Saint-Étienne kündigten rechtliche Schritte bis hin zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte an. Zudem formiert sich erneut ein landesweiter Protest. Die Instance nationale du supportérisme stellte den Dialog mit den Behörden und Verantwortlichen ein und diskutierte sogar über ihre eigene Auflösung. In vielen französischen Stadien kam es bereits zu Aktionen, Protesten und Spruchbändern gegen die geplanten Maßnahmen.

Peru: Im Vorfeld des peruanischen Derbys zwischen Universitario de Deportes und Alianza Lima kam es im Estadio Alejandro Villanueva, der Spielstätte von Alianza Lima, zu einer schweren Tragödie. Tausende Anhänger befüllten die Südkurve. Durch die enorme Enge und zunehmenden Druck innerhalb der Menge kam es zu einer Massenpanik, bei der Menschen eingeklemmt und niedergerissen wurden. Dabei gab es ein Todesopfer und mehrere Verletzte. Die Behörden gehen nicht von baulichen Mängeln aus. Vielmehr wird vermutet, dass ein Konflikt innerhalb der Menge sowie fehlende Organisation und Sicherheitskontrollen die Eskalation ausgelöst haben. Besonders brisant ist, dass für die Veranstaltung am Derby-Vortag wohl keine offizielle Genehmigung vorlag. In Peru muss ein Event mit mehr als 3.000 Personen von einem Katastrophenschutzamt genehmigt werden. Die Stadt reagierte umgehend und ließ das Stadion vorübergehend schließen. Das Derby selbst fand trotz der Vorfälle am nächsten Tag statt.

Algerien: Nachdem es in letzter Zeit in europäischen Ländern immer wieder politisch motivierte (erfolgreiche) Versuche gegeben hat, Ultras und Hooligans zu verbieten, ereilt dieses Schicksal nun auch Ultras in Algerien. Seit Beginn der Saison sind Gäste verboten und diverse Gruppen sind von enormen staatlichen Schikanen betroffen. Häufig haben Mitglieder im hohen dreistelligen Bereich am Spieltag Meldeauflagen oder Betretungsverbote. In Constantine ist der Zutritt aktuell nur einem Bruchteil der Ultras erlaubt. Dies tut der lautstarken und kreativen Unterstützung keinen Abbruch, pflegen die dortigen Ultras anders als in Deutschland doch einen anderen Umgang mit dieser enormen Art der Repression. Darüber hinaus wurden die Gruppen Green Army und Loca Ragazzi verboten und die jeweiligen Anführer der Gruppen mit Haftstrafen von 15 Jahren belegt.