Glück auf Schalker,

willkommen zum ersten Heimspiel in 2026. Wir hoffen, ihr hattet eine erholsame Winterpause und seid hoch motiviert, heute die ersten drei Punkte der Rückrunde einzufahren. Findet ihr in der ersten Ausgabe eines neuen Kalenderjahres ansonsten immer einen üppigen Rückblick auf die Winterpause, entfällt dieser Teil dieses Mal in Gänze. Schlichtweg, weil es nichts zu berichten gibt. Die Mannschaft ist in den heimatlichen Gefilden geblieben und das einzige Testspiel wurde aufgrund der Wetterbedingungen ins Parkstadion verlegt. Zuschauer wurden zu diesem Spiel ausgeschlossen, sodass es auch an dieser Stelle leider keinen Spielbericht gibt.

Der Start ins Fussballjahr 2026 war am vergangenen Wochenende leider so ganz und gar nicht von Erfolg gekrönt. Bereits während der Hinfahrt waren wir Schikanen der Staatsmacht ausgesetzt. Schlussendlich war dies leider kein Vergleich dazu, was uns in Berlin erwartete. Deutlich schlimmer hat es allerdings die Heimfans erwischt. Aufgrund roher Polizeigewalt entschied sich die aktive Fanszene von Hertha, nach wenigen Minuten ihre Kurve zu verlassen. Wir solidarisierten uns, indem wir auf Support verzichteten. Alles weitere hierzu findet ihr im Spielbericht sowie in der gemischten Tüte. Bleibt zu hoffen, dass dies kein Vorgeschmack auf die restliche Spielzeit war.

Mit dem 1.FC Kaiserslautern erwartet uns heute ein Gegner, der im Aufstiegsrennen mitmischen möchte. Der deutliche Sieg gegen den direkten Kontrahenten Hannover 96 am vergangenen Spieltag hat dies unterstrichen. Um von Minute 0 an unserer Mannschaft die volle Unterstützung mitzugeben, wird es heute erneut eine Choreographie in der Nordkurve geben. Durch die zahlreichen Choreos in der Hinrunde sollte es ein Selbstläufer werden. Da aber Routine auch immer anfällig für Fahrlässigkeit ist, gilt es für jeden Königsblauen, aufmerksam den Choreoflyer zu lesen und die Anweisungen zu befolgen. Nur gemeinsam kann das gewünschte Bild in die Nordkurve gezaubert werden.

Auf geht’s in ein erfolgreiches Jahr 2026 – Rock on Nordkurve Gelsenkirchen!

FC Schalke 04 e.V. – 1. FC Nürnberg, Verein für Leibesübungen e.V. 1:0 (0:0)

Vor dem Spiel

Nach dem Auswärtssieg in Düsseldorf stand das Heimspiel gegen unsere Freunde an. Wir trafen uns frühzeitig, um uns gemeinsam auf die Partie einzustimmen und schon mit dem ein oder anderen Nürnberger anzustoßen.

Zu Ehren der Freundschaft zeigte die Nordkurve Gelsenkirchen eine Wechselchoreografie. Mit blauen und weißen Ponchos wurde zunächst über die gesamte Kurve hinweg das Schalker Vereinswappen dargestellt. Auf Kommando formten anschließend hochgehaltene Pappen in rot schwarz und weiß das Wappen des 1. FCN. Der blitzschnelle Wechsel inklusive des Übergangs zum Oberrang funktionierte reibungslos und erzeugte innerhalb weniger Sekunden zwei völlig unterschiedliche Bilder.

Abgesehen von kleinen Schönheitsfehlern am Übergang kann das Ergebnis absolut überzeugen. Dass ein derart komplexes Motiv in der Stehplatzkurve umgesetzt werden konnte, ist vor allem der Disziplin jedes einzelnen Schalkers zu verdanken. Perfektioniert wurde der Wechsel durch das Kommando „F-C-N“, bei dem synchron von Ponchos zu Pappen gewechselt wurde. Bis kurz vor der Halbzeit blieben die Ponchos an, sodass unser Wappen die komplette erste Spielhälfte die Kurve zierte.

Nordkurve Gelsenkirchen

Sichtlich gepusht starteten sowohl Mannschaft als auch Kurve gut in die Partie. Besonders die Wechselgesänge mit dem Oberrang und der Südkurve wurden gut angenommen.

Das Spiel flachte jedoch schnell ab und blieb, abgesehen von einer Torchance durch Karaman, in der ersten Hälfte ohne größere Höhepunkte. Auch die Nordkurve ließ nach und konnte lautstärketechnisch erstmal nicht mehr überzeugen.

Umso besser startete unsere Elf dann in Hälfte zwei: Mit der ersten Chance konnte Vitalie Becker zum 1:0 einschieben. Danach übernahmen eher die Gäste mehr Spielanteile. Mit einem „Steht auf, wenn ihr Schalker seid“ wurden nochmal alle Schalker animiert, was auch ganz gut gelang. Die folgenden Gesänge wurden deutlich besser getragen, so dass es in der umkämpften Schlussphase nochmal laut wurde. So gelang es unserem Team, vor allem durch starke Paraden von Karius, die Führung über die Zeit zu bringen und die Herbstmeisterschaft einzutüten.

Alles in allem zeigte die Nordkurve Gelsenkirchen einen durchwachsenen Auftritt und passte sich damit weitestgehend dem Spielverlauf an. Laut wurde es nur in der Schlussphase.

Gegner

Im Gästeblock starteten die rund 5.000 mitgereisten Nürnberger optisch und akustisch ordentlich in die Partie. Auf das ganze Spiel gesehen kann man sagen, dass sie schon bessere Gastauftritte bei uns hatten. In der zweiten Halbzeit zeigten unsere Freunde noch ein gesprühtes Spruchband anlässlich des 150-jährigen Stadtjubiläums – Danke hierfür!

Freunde

Neben unseren Freunden im Gästeblock hatten wir eine größere Abordnung aus Skopje zu Gast.

Eintracht Braunschweig GmbH & Co. KGaA – FC Schalke 04 e. V. 2:1 (0:0)

Vor dem Spiel

Wie es für einen Sonntagmittag zu erwarten war, konnten unsere Busse pünktlich das Eintracht-Stadion in der Löwenstadt ansteuern. Mit der großen Nordkurve Gelsenkirchen Fahne im Gepäck und dem Aufkleber-Schriftzug „Ultras Gelsenkirchen – Sektion Stadionverbot“, der über alle Plexiglasscheiben des Gästebereichs verteilt wurde, ergab der Block ein gutes Bild.

Nordkurve Gelsenkirchen

Insgesamt betrachtet lieferte die Nordkurve einen schwächeren Auftritt ab, was vor allem an einigen Ausfällen in der zweiten Halbzeit lag. Als frischgebackener Herbstmeister muss es die Aufgabe jedes Einzelnen sein, auch in schwächeren Phasen des Spiels oder gar bei Rückständen eine Schüppe draufzulegen und wirklich alles rauszuhauen.

In der ersten Halbzeit konnten die ein oder anderen Lieder gerade zu Beginn noch überzeugen. Positiv in Erinnerung geblieben ist zudem der Wechselgesang „FC Schalke mein Verein“, der in langgezogenen Blöcken gut funktioniert. Ansonsten passte sich die Nordkurve leider immer mehr dem ereignisarmen Spielverlauf an. Nach dem ersten Gegentreffer wurde es in der zweiten Hälfte in Sachen Lautstärke dann nicht besser und das große Aufbäumen in der Schlussphase blieb leider aus.

Mit dem Spruchband „Endlich wieder der Stolz der Stadt“ bedankten wir uns nach dem Spiel lautstark bei der Mannschaft. Mit einem solchen Erfolg in der Hinrunde haben sicherlich die Wenigsten gerechnet. Umso mehr gilt es in der Rückrunde, gerade in kleineren Auswärtsblöcken und bei vielen erwartbar schweren Spielen völlig auszurasten und alles zu geben. An dieser Stelle gilt es auch, an unsere Stadionverbotler zu denken, denen das Ausrasten, die Emotionen und die gemeinsame Zeit im Block weiter verwehrt bleiben werden. Haltet durch! Wir werden siegen!

Auf dem Rückweg stieg noch einmal kurzzeitig der Adrenalinspiegel, als man in einer Baustelle plötzlich neben der Bulli-Kolonne der Aachener stand, die ihr Gastspiel in Havelse hatten. Da diese aber keine Anstalten machten den nächsten Parkplatz anzusteuern, verlief auch die Rückreise so ereignislos wie der restliche Tag und man erreichte Gelsenkirchen relativ zeitig.

Gegner

Anlässlich des 130-jährigen Vereinsjubiläums wenige Tage zuvor führte die Südkurve eine in der Ausführung gelungene Choreo durch, welche ein hochgezogenes Foto der Gründerpersonen zeigte und durch Spruchbänder ergänzt wurde. Akustisch konnte man die Heimkurve bis auf in der Schlussphase des Spiels nicht vernehmen. Nur in wenigen Momenten schwappte die konstant optisch gute Bewegung aus der Mitte auf andere Bereiche über, sodass man hier nicht von einer echten Weiterentwicklung sprechen kann.

Freunde

Vielen Dank an Mönchengladbach für die erneute Unterstützung!

Hertha BSC GmbH & Co KGaA – FC Schalke 04 e.V. 0:0 (0:0)

Die Winterpause ist vorbei, die Rückrunde startet mit einem Topspiel in der Bundeshauptstadt, wir grüßen von der Tabellenspitze und ein großer Tross reisefreudiger Schalker macht sich auf den Weg nach Berlin, um drei Punkte mit nach Hause zu nehmen. Klingt eigentlich nach dem perfekten Fußballabend. Wie gesagt, eigentlich…

Bereits vor der Winterpause versuchte die Polizei uns, aufgrund von Vorkommnissen in der Vergangenheit, bei unseren Anreisen nach Münster und Düsseldorf an den Bahnhöfen in große, vorbereitete Kontrollen laufen zu lassen. Bisher hatten wir immer die Möglichkeit, diese umgehen zu können. Dieses Mal klappte es leider nicht und wir sollten uns mit Betreten des Hauptbahnhofs in Bochum einer Kontrolle durch die Polizei unterziehen, bei der unter Berufung auf den „besonders zu schützenden Raum Bahnhof“ jeder durchsucht wurde. Im Zuge dieser wurden einige Leute kurzzeitig festgenommen und aufgrund des Verdachts, an in der Vergangenheit liegenden Vorkommnissen beteiligt gewesen zu sein, Personalien aufgenommen sowie die Weiterreise per Zug untersagt. Auch während der nachfolgenden Zugfahrt wurden weitere Personalien aufgenommen, obwohl bereits vorher die Kontrolle stattgefunden hatte. Auch hier endete für die Betroffenen die Fahrt.

In Berlin angekommen, erwartete uns das wohl größte Bullenaufgebot, das wir jemals bei einem Fußballspiel gesehen haben. Nahezu jede Einheit aus dem Bundesland war vertreten, erwartete uns gespannt und nutzte ab Betreten des Bahnsteiges jede Möglichkeit der Provokation und Konfrontation. Durchgängige Beleidigungen, Schubsen und Wegstoßen, gefolgt von Aufbäumen und dem Wunsch, sich heute „mal richtig hauen zu können“. Ja, es ließ sich erahnen, was uns heute erwarten würde. Unmittelbar mit dieser Gangart der Bullen konfrontiert und der vielen Erfahrungen, die wir in den zurückliegenden Jahren, auch international, sammeln durften, wussten wir, dass man heute nicht selber der Auslöser sein muss, damit es richtig knallt.

Dass die Bullen bereits einen Schritt weiter waren und hinter der Heimkurve ordentlich herumwirbelten und viele, auch unbeteiligte Fußballfans krankenhausreif prügelten, erfuhren wir während unseres Einlasses am Stadion über die Presse bzw. die sozialen Medien. Auch wir erlebten einige Minuten später noch einmal die volle Breitseite Hass der Polizei auf Fußballfans. Während wir die Kartenkontrolle mit unserem Material am Blockeingang passierten, prügelten die Beamten plötzlich ohne Auslöser grundlos auf unsere Leute ein und jagten diese bis zu den Treppenaufgängen innerhalb des Blocks herunter. Dabei stürzten einige Fans, die zu dieser Zeit lediglich am Rand sowie an den Kiosken standen. Auch hier ist es nur der eigenen Besonnenheit zu verdanken, dass es nicht noch einmal eskaliert ist. Über den Auslöser und den Verlauf jeder Auseinandersetzung lässt sich immer diskutieren, jedoch darf es niemals sein, dass Polizisten im Dienste des Staates Eskalationen provozieren, diese vorantreiben, Unbeteiligte verletzen und so vorgehen, wie sie es an diesem Tage getan haben.

Aufgrund der Vorkommnisse hinter der Heimkurve machte sich schnell die Information breit, dass die Ostkurve rund um die aktiven Gruppen heute nicht mehr supporten wird. Zwar zeigte diese eine optische Aktion mit Pappen und Blockfahne, die das Ostkurve Hertha BSC Logo zierte, in Gedenken an den vor zwei Jahren verstorbenen Hertha-Präsidenten und ehemaligen Vorsänger Kay Bernstein, packte unmittelbar danach jedoch das gesamte Material ein und verließ das Stadion unter Protest gegen den Polizeieinsatz. Auch wir verzichteten in diesem Zuge auf den aktiven Support und verhielten uns solidarisch mit den Berlinern. Nur zu gut erinnern sich auch auf Schalke viele an den Polizeieinsatz beim Heimspiel gegen Saloniki, bei dem die Bullen wegen einer Fahne unsere Kurve stürmten und nahezu jeden, der im Weg stand, attackierten und veletzten. Es gibt Dinge, die man so schnell nicht vergisst, eines davon sind Erlebnisse. Nach solchen Ereignissen einfach „weiter zu machen“ und „sein Ding abzuspulen“ widerstrebte nicht nur unseren eigenen Moralvorstellungen, sondern auch denen der anderen Schalker im Gästeblock. Nicht nur wir hätten an diesem Tage gerne 100 Prozent gegeben und mit den anderen tausenden von Schalkern, die ebenfalls die vielen Kilometer nach Berlin auf sich genommen haben, den Gästeblock richtig abgerissen. Auch uns schmerzt der Gedanke daran, dass wir mit lautstarkem Support vielleicht doch noch die ein, zwei oder drei Prozent mehr aus der Mannschaft hätten herauskitzeln und doch noch den Lucky Punch erzwingen könnten. Jedoch gibt es Dinge, die in gewissen Momenten über dem Ganzen stehen. Eines dieser Dinge ist die Solidarität mit schwer verletzten Menschen durch massive und überzogene Polizeigewalt, egal auf welcher Seite. Und das mit Wirkung: Noch während des Spiels war der gemeinsame Stimmungsverzicht Fokusthema der Kommentatoren sowie der Medien jeglicher Art, weshalb die Aufmerksamkeit für die ganze Sache ins Zentrum der Öffentlichkeit gerutscht ist. Bestenfalls werden dadurch zukünftig solche Einsätze der Polizei noch kritischer hinterfragt und finden irgendwann, ganz vielleicht, endlich ein Ende.

Neben dem ganzen Drumherum sollte auch noch Fußball gespielt werden. Dies war, ohne Support, eine ganz andere Erfahrung. Die Berliner spielten über 90 Minuten ansehnlichen Fußball, Schalke hingegen zeigte sich unkonzentriert, defensiv überfordert und kreierte nach vorne keine Chancen. Lediglich ein Torschuss im gesamten Spiel war das Produkt des Ganzen. Nur aufgrund der starken Leistung von Karius endete die Partie mit 0:0, wir konnten einen Zähler einsammeln und, aufgrund der Ergebnisse unserer Verfolger am Ende des Spieltags, den Vorsprung sogar noch um einen Punkt ausbauen.

Nach dem Spiel verabschiedeten wir die Mannschaft und machten uns auf den Heimweg. An der übertriebenen Polizeipräsenz, die uns begleitete, änderte sich eben so wenig, wie an den Provokationen der Cops. Scheinbar war noch nicht genug passiert, um die eigenen Einsatzstunden zu rechtfertigen. An den Treppen zur S-Bahnstation kam es dann abermals zu grundlosen körperlichen Angriffen von Polizisten auf Schalker, bei denen einige durch die Beamten die große Treppe heruntergestoßen wurden. Durch die Panik, die das Ganze auslöste, stürzten viele Fans übereinander. Die Polizei begleitete dies weiterhin mit Tritten, Schlägen und weiteren Festnahmen. Auch wenn man glaubt, im Fußball schon alles gesehen zu haben, schafften es die Berliner Bullen das Ganze noch einmal auf eine neue Ebene zu heben.

Was bleibt, ist eine intensive Auswärtsfahrt, mit einem glücklichen 0:0 für unsere Mannschaft, Worte des Danks an unsere Freunde aus Nürnberg und Italien für die Unterstützung und ein unterirdisches und moralisch-menschlich nicht akzeptierbares Verhalten der Polizei Berlin.

Nordkurve Nürnberg

Aktuelle Lage

Noch im letzten Jahr gastierten unsere Freunde vom FCN in unserem heimischen Stadion. Wie auch die anderen Duelle in diesem Jahrtausend auf Schalke, gewann der S04! Einen ausführlichen Bericht zu diesem Spiel findet ihr ein paar Seiten weiter vorne.

Zum Jahresabschluss empfing der 1. FC Nürnberg das Team aus Hannover. Vor dem Spiel gab es in den Stimmungsblöcken neun & elf ein kleines Intro zu sehen. Neben roten und schwarzen Fahnen und der Sektion Stadionverbot-Fahne in der Mitte, las man vorne “Freiheit für alle Glubbfans”. Im Nachbarblock sieben sah man rot-schwarze Fahnen und das Banner aus den letzten Jahren: “Frohe Weihnachten an alle inhaftierten Glubbfans!”. Anlässlich des sechsten Todestages zeigte man ein Spruchband für Drüse – an dieser Stelle nochmals vielen Dank für die anhaltende Anteilnahme! Der Glubb gewann das Spiel mit 2:1 und überwinterte mit 22 Punkten auf Platz acht.

In der Winterpause hatte Nürnberg lediglich ein Testspiel, welches sie deutlich mit 7:1 gegen den Grasshopper Club Zürich gewannen.

Letzte Woche gastierte der Tabellenzweite Elversberg im Achteck. Neben dem sehr spannenden Spiel, überreichte die Nordkurve Nürnberg 125.000 Euro aus der Weihnachtsspendenaktion! Wieder mal eine unglaublich hohe Summe, die hier durch die Aktionen der letzten Spiele gesammelt wurde! Nun zum Spiel: Nach zwei Rückständen und einem verschossenen, beziehungsweise gehaltenen Elfmeter von Elversberg in der 85. Spielminute bei einem Spielstand von 2:2, schaffte es der 1. FCN in der Nachspielzeit den Siegtreffer zu erzielen und die drei Punkte in Nürnberg zu behalten.

Vergangenen Freitag machten sich die Glubberer auf den Weg nach Darmstadt – hoffen wir mal, dass sie den aktuellen Tabellendritten auch in die Suppe spucken konnten!

Kommenden Freitag (ja, schon wieder ein Freitagsspiel) geht es weiter mit einem Heimspiel gegen Münster.

VAK-P Enschede

Aktuelle Lage

Am letzten Heimspieltag des Jahres 2025 stand für unsere Brüder ein echtes Highlight auf dem Programm. Nicht nur unsere Stadt konnte im letzten Jahr Jubiläum feiern, nein auch unsere Brüder feierten das 700. Jubiläum der Stadt Enschede. Zum Derby gegen die Go Ahead Eagles bereiteten sie eine besondere Choreo vor. Diese bestand zwar nur aus einer Blockfahne, welche aber mit ca. 18.000 Quadratmetern einen Rekord in Europa aufstellte und über alle Blöcke des Stadions ragte. Mit über 2.500 Litern Farbe wurden hier die Höhe- aber auch Tiefpunkte der Geschichte der Stadt dargestellt. Von der Vergabe der Stadtrechte, über einige Brände, Zerstörung im zweiten Weltkrieg, der großen Feuerwerkkatastrophe und dem ständigen Wiederaufbau. „Aus Asche wiederauferstanden, Widerstandskraft bewiesen, Eanske feiert! 1325 – 2025.“ lauten die Worte zu den unzähligen Bildern.

Neben der beeindruckenden Choreo konnten unsere Freunde zudem einen 2:0-Sieg ihrer Mannschaft feiern.

Das Pokalspiel gegen Spakenburg wurde mit 6:3 gewonnen und zum Jahresabschluss konnte man ein 1:1-Unentschieden bei Feyenoord Rotterdam mitnehmen. Mit demselben Ergebnis startete der FCT in das neue Jahr im Heimspiel gegen PEC Zwolle. Beim FC Utrecht konnte man durch einen 2:1-Auswärtserfolg das Viertelfinale im Pokal buchen. Zum Intro in Utrecht hatten unsere Brüder reichlich Fackeln dabei, leider wurde nur drei Tage später schon das erste Stadionverbot aufgrund der Aktion vergeben. Stark bleiben, Bruder!

Abschließend findet ihr zum erfolgreichen Auswärtsderby bei Heracles in dieser Ausgabe einen ausführlichen Bericht.

FC Utrecht – Twente Enschede 1:2 (1:0)

Nachdem ich schon beim letzten Pokalspiel zusammen mit den Tukkers auf Reisen ging, wurde auf der Rückfahrt bereits über die möglichen Gegner philosophiert. Die Hoffnung auf ein Heimspiel blieb allerdings aus, so brachte die Auslosung ein Auswärtsspiel beim FC Utrecht. Nach den Szenen nach dem letzten Spiel in Spakenburg ein mehr als reizvolles Los.
So ging es also gemeinsam mit den Jungs um U91 an einem Dienstag per Bus Richtung Utrecht.

Am Stadion angekommen staunte ich nicht schlecht, denn das waren mit Abstand die schlimmsten Einlassbedingungen, die ich bisher erlebt habe. Über eine Treppe, die knappe zwei Meter breit ist, ging es in einen katakombenähnlichen Raum unterhalb eines Bürogebäudes. Dort befanden sich ganze vier Drehkreuze. Hat man diese passiert, erwartet einen ein unterirdischer Gang von ungelogen 400–500 Metern, bis man das erste Mal wieder Tageslicht erblickt und das Stadion betritt.

Da es an diesem Tag eine Pyroshow zum Intro geben sollte, trat der untere Teil des Blocks um U91 und THF geschlossen in roten Regenjacken auf. Nach der optisch mehr als gelungenen Aktion folgte mit ein wenig Verzögerung auch der Anpfiff. Ganze zwölf Minuten später mussten wir dann auch das erste Gegentor hinnehmen.

Das Spiel plätscherte ein wenig vor sich hin, ohne dabei nennenswerte Aktionen hervorzubringen. Leider war die Stimmung an diesem Tag dem Geschehen auf dem Platz angepasst. Nach der Pause ging es trotzdem mit Euphorie in die zweite Halbzeit. So konnten wir zehn Minuten nach Wiederanpfiff auch den ersten Treffer bejubeln. Dieser wurde jedoch durch den VAR zurückgenommen.

Die Jungs in Rot drückten weiter Richtung Tor, und so durften wir ganze elf Minuten später erneut jubeln. Dieses Mal sollte der Treffer jedoch zählen, nachdem Ricky van Wolfswinkel nach einem schönen Steckpass von Orjasaeter mit links einnetzte.

Mental machte man sich also schon einmal auf eine mögliche Verlängerung bereit, jedoch hatte Mats Rots an diesem Abend andere Pläne. So konnten wir kurz vor Ende noch das 1:2 bejubeln. Die ausgelassene Freude ließ die Stimmung zum Ende der Partie noch einmal so richtig hochkochen. Mit Abpfiff der Partie war dennoch eine deutliche Erleichterung im Block zu spüren und gemeinsam wurde der Einzug in die nächste Runde gefeiert, wo nun AZ Alkmaar auf dem Programm steht.

Über die heutige Heimkurve kann ich leider nicht viele Worte verlieren. Von der Gegenseite konnte man weder Bewegung noch nennenswerte Lautstärke vernehmen. Warum ich mein komplettes Tifomaterial dann auch noch in Schwarz halte, wenn meine Vereinsfarben Rot-Weiß sind, hinterfrage ich ebenfalls.

Die Rückfahrt verging ohne jegliche Ereignisse, und so konnten wir in den frühen Morgenstunden wieder die Stadt der 1.000 Feuer erreichen.

Heracles Almelo – Twente Enschede 0:2 (0:1)

Nachdem wir in den frühen Morgenstunden von unserem Auswärtsspiel in der Hauptstadt zurückkamen, freute sich mein Körper auf ganze drei Stunden Schlaf. Nach dem Aufstehen verfrachtete ich mich auch schon wieder in ein KFZ und es ging nach Enschede.

Heute stand das Derby beim Nachbarn aus Almelo an. Die selbst für holländische Verhältnisse kurze Anreise von 20 Minuten musste verpflichtend im Buskonvoi zurückgelegt werden und so konnte schon kurze Zeit später der Block betreten werden. Leider ohne einen holländischen Bruder, der sich in der letzten Woche ein Stadionverbot eingehandelt hatte. Stark bleiben, B!

Als die Mannschaft zum Aufwärmen den Platz betrat, merkte man schon, dass hier heute einiges möglich ist. In einem mehr als beschissenen Gästeblock im Oberrang vor einer vier Meter hohen Plexiglasscheibe zu stehen, fühlte sich schon ein wenig an wie die Affen im Zoo. Jedoch war der Haufen heute richtig gut aufgelegt. Die Heimseite startete mit einer „Anti-1965“-Choreo, bei der der vom heimischen Dönerpapier bekannte Dönerverkäufer das Wappentier des FC Twente am Spieß schnitt. Das sorgte bei uns für ein kleines Schmunzeln. Das war dann aber auch schon alles, was man von den Schwarz-Weißen heute jedenfalls im Stadion zu sehen bekam. Den Rest des Spiels war die Heimkurve quasi nicht wahrzunehmen.

Der Spielvorteil lag heute bei den Tukkers und so konnte man sich nach knapp 30 Minuten, nach einer Ecke, mit dem 1:0 belohnen. Das Spiel wurde danach zunächst für 15 Minuten unterbrochen, aufgrund von mehreren Becherwürfen auf der Seite der Schwarz-Weißen. Bis zum Halbzeitpfiff passierte jedoch nicht mehr viel, bis auf einen Ball, den der Ex-Schalker Lars Unnerstall über die Latte lenken musste.

Zehn Minuten nach dem Seitenwechsel erhöhte Ricky van Wolfswinkel durch einen per VAR zugesprochenen Elfmeter auf 2:0. Ausgelassene Freude im Gästeblock und ein richtig gut aufgelegter Haufen um „die Jongens van Vak P“ zeigte den Calimeros aus der Nachbarschaft heute mal wieder, wer die Nummer 1 im Twenteland ist. In der 60. Minute musste der FCT noch eine Rote Karte hinnehmen, die ich persönlich so nicht gegeben hätte, was aber auch zur heutigen Schiedsrichterleistung passte. Im weiteren Verlauf der Partie wurde durch den VAR noch ein Elfmeter der Heimseite zurückgenommen.

Das Feiern mit der Mannschaft fiel aufgrund der Lage des Blocks etwas schwerer, tat der Freude aber keinen Abbruch.

Beim Verlassen des Blocks zeigte sich dann jedoch noch einmal die Heimseite gegenüber dem Zaun des Gästeblocks. Außer ein paar Fackel- und Mülltonnenwürfen kam es jedoch zu keinem wirklichen Kontakt. Die niederländische Polizei betrat ebenfalls den Vorplatz um den Gästekäfig und wirbelte etwas herum. Dabei konnten wir auch beobachten, wie der eigene Polizeihund einem Bullen ins Bein biss. Verdient! Nach Beendigung des Tanzes mit der Staatsmacht konnte die Rückreise nach Enschede schnell abgehandelt werden. Bullen aus den Stadien, egal ob in Deutschland oder den Niederlanden!

Twenteland is rood!

Komiti Skopje

Aktuelle Lage

Der mazedonische Fußball befindet sich derzeit noch in der Winterpause. Weiter geht es erst Mitte Februar mit noch fünf offenen Spieltagen der Rückrunde. Neben dem Kampf um die Meisterschaft ist Vardar außerdem noch im Pokal-Viertelfinale vertreten. Hier steht die Auslosung noch aus.

Direkt zu Beginn des Jahres erreichte uns aus Skopje die traurige Nachricht, dass Nikola Jordanoski verstorben ist. Ein Komiti-Mitglied, welches gerade in den Anfangsjahren und den ersten gegenseitigen Besuchen den Kontakt suchte. Und eine Person, die gruppenübergreifend bei Komiti bekannt und geschätzt war. Ein Bruder der ersten Stunde.
Ruhe in Frieden Onkel Kole!

Curva Sud Siberiano

Aktuelle Lage

Während in Deutschland der Ball aufgrund der Winterpause nicht rollte, bestritt die Granata das Auswärtsspiel in Siracusa auf Sizilien. Die Jungs, die in Reggio Calabria auf die Fähre steigen mussten, wurden am Hafen von rund 70 Freunden aus Reggio mit Cornetti und Gesängen empfangen, womit sich die Wartezeit gut überbrücken ließ. Während in Deutschland Schneechaos wütete, fand man auf Sizilien angenehme 20 Grad vor. Das Stadio Nicola de Simone kann man als echte Perle hervorheben, mitten in einem abgerockten Wohnviertel, fasst das Stadion knapp 6.000 Zuschauer und steht gefühlt seit seiner Eröffnung 1932 ohne jegliche Restaurierung und Erneuerung. Einen Getränkestand sucht man vergeblich, dafür aber eine Palme hinter der desolaten Stahltribüne. Guckt man sich um, erblickt man zig Zaungäste, die aus den Wohnvierteln auf ihren Balkonen stehen und das Spiel verfolgen. Auf dem Platz und den Rängen konnte man hier leider kein Ausrufezeichen setzen, so fing man sich schon nach zwei Spielminuten das erste Tor, was der Kurve einen Dämpfer gab. Die rote Karte für Arena tat ihr Übriges und so musste man mit einer 3:1 Niederlage die Heimreise antreten.

Zum Heimspiel gegen Cosenza machte sich eine große Schalker Gruppe auf den Weg nach Salerno, dazu findet ihr einen eigenen Reisebericht in dieser Ausgabe.

Reisebericht Salerno 2026

Die Winterpause bietet sich immer für einen größeren Besuch bei unseren Freunden aus Salerno an. Irgendwie sollte dieses Mal aber alles unter einem etwas schlechten Stern stehen. Die Serie C ließ sich gewohntermaßen Zeit mit der Terminierung. Während also die Flugpreise immer weiter stiegen, wurde der ein oder andere Schalker (einschließlich des Autors dieses Textes) nervös, wog die Wahrscheinlichkeit ab und buchte auf gut Glück die Flüge. Es gibt schließlich immer nur zwei Montagsspiele, wenn überhaupt, und Salerno hatte ja auch erst eines, was soll da schon passieren…

Während der Anfahrt zu unserem Spiel in Düsseldorf dann der Schlag in die Magengrube, natürlich wurde das Spiel für den Montag angesetzt. Viele angepisste Gesichter also auf dem Gästeparkplatz und wildes Gesuche nach neuen Flügen. Preislich war es am Ende gar nicht so wild aber den einen Urlaubstag hätte man sich dann doch gerne gespart. Aber was solls, nun hieß es freuen auf vier Tage freidrehen in Süditalien -was gibt es da schon Schöneres.

Freitag

Die Hiobsbotschaften rissen nicht ab, waren die letzten Winter eher maximal kühl, rollte in den Tagen des Abfluges eine riesige Schneewelle auf Norddeutschland zu. Blöd, wenn dort sich für einige Reisende ausnahmsweise der Abflugort befinden sollte. So hieß es zunächst, sich durch den Schnee im Auto Richtung Norden zu kämpfen und dann hoffen, dass der Flieger überhaupt abhebt. Eine weitere schlechte Nachricht war, dass das Bodenpersonal an allen italienischen Flughäfen für den Nachmittag Streik angekündigt hatte. Um es vorwegzunehmen, noch nie war ich so zufrieden mit drei Stunden Verspätung. Im Schneechaos gestartet, bei Sonnenschein gelandet. So soll es sein.

Da wir nun vier Tage Aufenthalt hatten, wollten wir auch alle Gruppen besuchen, mit denen wir in Salerno den intensivsten Kontakt halten. Stellt sich das normalerweise als schwieriger Spagat heraus und ist kaum unter einen Hut zu bringen, hatten wir diesmal genügend Zeit. Da sich die Unterkünfte fast alle in der Altstadt befanden, war es nur logisch, dass der Auftakt bei Centro Storico stattfand und hier nach und nach alle Schalker in den engen Gassen eintrafen. Die Zeit verging wie im Fluge und wir verlebten bei selbst gekochtem Essen und leckeren Getränken den perfekten Auftakt in die kommenden Tage.

Samstag

Für den Samstag stand zunächst nichts an, jedoch spielte leider genau an diesem Tag das Wetter nicht mit und es regnete in Strömen. Meine Reisegruppe nutzte dennoch die Zeit und suchte das alte Vestuti Stadion auf. Ich persönlich war nun schon mehrfach dort, aber kann mich trotzdem nicht an den alten Tribünen satt sehen. Diejenigen, die zum ersten Mal da waren, bekamen den Mund sowieso vor lauter Staunen nicht mehr zu.

Der Nachmittag wurde in den vielen Bars am Meer verbracht, bevor am frühen Abend das Handy klingelte und wir von den Jungs von Nucleo Storico eingesammelt wurden. Spätestens seit ihrem großen Besuch im vergangenen Jahr hat sich das Verhältnis zu den Freunden aus dem Süden Salernos intensiviert und so war es selbstverständlich, dass wir diesmal in großer Anzahl in ihren Räumlichkeiten aufschlagen wollten. Für mich war es der erste Besuch dort und auch diese Räumlichkeiten zeichneten sich durch ihre wunderbare detailverliebte Gestaltung aus. Jeder Zentimeter Platz wurde ausgenutzt, um irgendeine Erinnerung oder Botschaft zu vermitteln. Die Räume platzten dann auch aus allen Nähten, es wurden Käse und Kleinigkeiten gereicht und eine entspannte Zeit verbracht. Am Ende hielt der Präsident eine extrem wertschätzende Rede zur Freundschaft und auch ein Vertreter von uns durfte noch ein paar Worte an alle richten. Vielen Dank für diese wunderbaren Stunden.

Von Nucleo ging es direkt weiter in ein bekanntes Restaurant, in dem, wie bei jedem größeren Besuch, das gemeinsame Essen mit allen Gruppen stattfinden sollte. Wie immer war das Essen natürlich hervorragend und die gemeinsame Zeit noch wichtiger. Wie im Jahr zuvor wurde darauf geachtet, dass die Tische gemischt waren und so entwickelten sich überall interessante Gespräche über unsere Vereine und unsere Gruppen. Der Abend endete wie immer viel zu früh und für ein paar Reisegruppen ging es nochmal in die Altstadt auf einen Absacker.

Sonntag

Die Sonne weckte uns am Sonntagmorgen und viele müde Schalker Augen nutzen die Mittagszeit, um etwas am Meer zu flanieren. Treffpunkt war am frühen Nachmittag im Süden von Salerno in einer Pizzeria. Bei bestem Wetter, einem kühlen Bier und Meeresluft lässt es sich jedenfalls aushalten. Kein Wunder also, dass nicht nur die Italiener erst nach und nach in der Pizzeria eintrudelten. In einer ungezwungenen Atmosphäre wurde mit allen Gruppen aus dem Direttivo Salerno in drei Gängen gespeist und viele, viele Lieder zum Besten gegeben. Zum Nachtisch ging es anschließend in eine Pasticceria in der Nähe, wo der eisgekühlte Limoncello bitter nötig war, um das alles zu verarbeiten.

Am Sonntagabend dann der letzte der großen Gruppenbesuche. Eine kleine Auto-Karawane machte sich auf, um den IGUS die Ehre zu erweisen. Die IGUS begleiten uns nun schon fast die gesamte Zeit der Freundschaft eng und zwischen einzelnen Mitgliedern ist auch auf privater Ebene eine Freundschaft entstanden. Natürlich fehlte es uns in dieser Zeit an nichts und es war nicht möglich, ohne sein Konsummittel der Wahl in der Hand da zu stehen. Es wurden leidenschaftliche Reden gehalten und ein nicht minder emotionales Gruppenfoto geschossen, bevor der Abend gemeinsam in einer Bar beendet wurde. Die hier anwesenden Gäste waren nicht gerade begeistert, als der riesige Tross Fussballassis in den Laden einzog. Wir hatten aber unseren Spaß und es war um so trauriger, dass wir irgendwann zurück ins Zentrum mussten.

Montag

Der letzte Tag war angebrochen und wie eingangs erwähnt, stand die gesamte Reise unter keinem guten Stern. Es deutete sich bereits in den Tagen zuvor an, aber am Montag wurde endgültig sichtbar, dass die in Italien grassierende Grippewelle auch die Schalker Reisemeute erreicht hatte. Am Ende waren es wohl zwei Drittel der Königsblauen, die es volle Möhre erwischt hatte. Besonders Kampanien ist in diesem Jahr von der Grippewelle betroffen und die Krankenhäuser kommen an ihre Leistungsgrenze.

Meine Reisegruppe konnte zumindest noch am Montag mit einem kleinen Hüsterchen aufstehen und eine Bootstour nach Amalfi unternehmen. Der gesamte Küstenstreifen ist bekanntermaßen wie aus dem Bilderbuch und insbesondere die Ortschaften Amalfi und Positano weltweit bekannt. Wir besuchten nur den ersten der beiden. Leider waren die meisten der Restaurants geschlossen, dennoch fanden wir irgendwann eines und konnten uns nach dem kurzen Sightseeing stärken. Die Bootsfahrt kostet hin und zurück 24 Euro und kann nur jedem ans Herz gelegt werden.

Aber nun war endlich Spieltag!

US Salernitana – Cosenza Calcio 0:0 (0:0)

Treffpunkt war wie immer der Club von Nuova Guardia, hier wurde dann das ganze Ausmaß der Grippewelle deutlich, als auch die stärksten Biertrinker keines haben wollten. Dies änderte sich zwar etwas im Stadion, aber die bleichen Gesichter waren nicht zu übersehen. Im Stadion selbst hat sich im Vergleich zur Serie B auf den ersten Blick nicht viel verändert.
Die Kurve schien nicht sonderlich leerer zu sein, aber im restlichen Stadion waren doch einige Lücken zu vernehmen. Schlussendlich waren es 9.000 Zuschauer, die den Weg ins Arechi fanden. Wir teilten uns wie immer zwischen allen Gruppen auf, wobei der größte Teil in der Mitte bei Nuova Guardia stand. Natürlich wurden wir vor dem Spiel von den Vorsängern begrüßt und von der Kurve besungen, was für alle Mitreisenden jedes Mal aufs Neue eine große Ehre ist. Auch hängen seit dieser Saison, und nach beendetem Protest, wieder die Zaunfahnen in der Curva Sud Siberiano und somit konnte auch endlich Mal wieder der Hans Mittelmeerluft schnuppern. Das Spiel plätscherte die ganze Zeit vor sich hin, was allerdings der Stimmung keinen Abbruch tat. Schade, ich hätte gerne gewusst, wie ein Tor das alles nochmal eine Spur intensiver gemacht hätte, dabei wurde in der ersten Halbzeit sogar noch ein Elfmeter kläglich verschossen. Ich stand in der zweiten Halbzeit bei Nucleo und IGUS. Hier sind besonders viele junge Ultras zu finden, was den Umgang untereinander nochmal etwas wilder macht. Natürlich durfte immer wieder das für Süditalien typische „eingehakt im Kreis Gehüpfe“ nicht fehlen. Kurz gesagt, es hat einen riesigen Bock gemacht und ich blickte nach dem Spiel in viele strahlende Gesichter. Unsere Freunde waren weniger begeistert und zeigten ihren Unmut über das 0:0 deutlich. Der Vorsänger hielt dann abschließend eine Standpauke an die Mannschaft, bevor sie sich in die Kabine schleichen durfte.
Die Gäste durften trotz bestehender Rivalität nach Salerno reisen. Es sind aufgrund der geforderten Tessera zwar nicht alle Gruppen gekommen, aber gut 120 Ultras werden es gewesen sein. Ob die beiden bei Futbology eingeloggten Bremer auch dabei waren, kann nicht gesagt werden, gehangen hat jedenfalls nichts. Stimmungsmäßig kam aufgrund der kleinen Menge nichts bei uns an, aber es ist immer ein Highlight, wie fleißig zwischen den Kurven hin und her gepöbelt wird.

Nach dem Spiel ging es auf eine letzte Pizza in den Club von NG, bevor spätestens am nächsten Tag alle wieder Süditalien verließen und im heimischen Deutschland die meisten erstmal das Bett hüten mussten.

Mille grazie, fratelli. Influenza merda!

Rückblick Hinrunde der Nordkurve Gelsenkirchen

Nach der desolaten Vorsaison konnte es mal wieder nur besser werden und so galt auch für die Nordkurve Gelsenkirchen: Alles auf Null. Zum Start gab es für uns das Topspiel gegen Hertha. Vom Namen her stimmte das schon mal. Bereits beim Einlauf der Mannschaft gingen die ersten Fackeln an und man merkte direkt bei den darauffolgenden Gesängen, dass es gut werden könnte. Dies sollte sich auch bewahrheiten und wir legten ein astreines Heimspiel aufs Parkett. Ab Minute eins war sowohl auf den Rängen als auch auf dem Platz Feuer drin. Sämtliches Liedgut funktionierte einwandfrei und mit starken Mitmachquoten. Immer wieder rundeten Fackeln in der Nordkurve das Gesamtbild ab und bei „einfacheren“ Liedern schaffte man es oft, das gesamte Stadion mitzureißen. 

Der Schwung aus dem Hertha-Heimspiel konnte größtenteils mit in die folgenden Auswärtsspiele genommen werden. Auch in Lautern, Dresden und Magdeburg gaben wir ordentliche Visitenkarten ab, lediglich beim Pokalspiel in Leipzig stockte der Motor etwas. Beim Heimspiel gegen die Bochumer spielte uns der Spielverlauf voll in die Karten und somit durften wir auch hier zufrieden sein. Auf den Boden der Tatsachen zurück brachte uns das Heimspiel gegen Holstein Kiel: Niederlage und eine lethargische Nordkurve. Da merkte man wieder einmal, wie sehr die heimische Arena auf die Faktoren Gegner auf den Rängen und Spielverlauf reagieren kann. Dies zeigte sich auch in den folgenden Heimspielen. Zwar wurden immer knappe Siege eingefahren, jedoch war die Stimmung aufgrund der kleineren Gegner nicht so, wie man sich das gewünscht hatte. So gab es dank des sportlichen Erfolgs solide bis gute Auftritte, aber ohne die wirklich ganz großen Ausreißer nach oben. Erwähnenswert ist das Spiel gegen Greuther Fürth bei dem wir unsere neue Lautsprecheranlage in der Nordkurve einweihten. Von Heimspiel zu Heimspiel spielte sich die neue Anlage ein und die Mitmachquote zog noch einmal deutlich an. 

Auswärts wechselten sich im Laufe der Hinrunde eher schlechtere sowie starke Auftritte immer wieder ab. Während wir in Hannover und Düsseldorf das ein oder andere Ausrufezeichen setzen konnten und mit jeweils über 10.000 Schalkern uns selbst eine gute Stimmung attestieren konnten, gab es bei den Spielen in Münster oder Bielefeld gefühlte Totalausfälle. Hier lagen die eigenen Ansprüche und die Leistung der Kurve meilenweit auseinander. Insbesondere das Spiel in Münster war absolut bodenlos und sollte sich so besser nicht noch einmal wiederholen.

Leider gab es trotz des Tabellenplatzes und der unerwarteten sportlichen Siegesserie viele Momente, in denen wir nicht das eigentliche Potential unserer Kurve abrufen konnten. Gerade in den Momenten, wo es sportlich enger zuging oder unsere Mannschaft in Rückstand geriet, brach die Nordkurve phasenweise regelrecht ein. Die zweite Halbzeit bei unserem Auswärtsspiel in Braunschweig ist dafür das beste Beispiel.

Genau an diesen Einbrüchen müssen wir in der Rückrunde arbeiten und gemeinsam deutlich mehr leidenschaftliche Momente in der Kurve kreieren. Diese waren leider zeitweise Mangelware und die Anspruchshaltung des ein oder anderen schien die Erinnerungen an die letzten Jahre verdrängt zu haben. Natürlich hat sich die sportliche Situation verbessert und es werden mittlerweile mehr Siege erwartet. Trotzdem sollten wir es nicht als selbstverständlich erachten, wo wir gerade stehen. Schalke ist anders! Besonders in schwierigen Momenten. Genau diese Mentalität müssen wir bei jedem einzelnen Spiel der Rückrunde an den Tag legen. Egal ob auswärts oder zuhause, egal wie die Gegner auch heißen!

Einen versöhnlichen Jahresabschluss gab es gegen unsere Freunde aus Nürnberg sowie in Braunschweig. In letzterem wurde nach dem Spiel wieder einmal deutlich: Die Mannschaft und die Kurve sind wieder eine Einheit. Auch Niederlagen können uns von diesem eingeschlagenen Weg nicht abbringen. Ein größeres Gegenbild zum Ende der letzten Saison konnte es wohl kaum geben. Wir können endlich wieder stolz auf unser Team und den Verein sein. Nur als Einheit sind wir stark. Daran gilt es, in der Rückrunde direkt anzuknüpfen!

Nachdem das Choreoverbot zum Ende der letzten Saison zu den Akten gelegt wurde, zeigten wir auch optisch ein sehr gutes Halbjahr. Pünktlich zum ersten Heimspiel gegen Berlin gab es die erste Aktion zu sehen, welche wir in zwei Teilen zeigten. Im ersten Teil wurde unter der bekannten Liedzeile „Manch böser Tag zog schon ins Land…“ an mal mehr, mal weniger aktuelle Tiefpunkte der Schalker Vereinsgeschichte erinnert. Die entsprechenden Schlagzeilen wurden via Spruchband in ein Meer aus schwarzen Folien integriert. Der zweite Teil unter dem Motto „…doch wir stehen immer Hand in Hand“ sollte die Kurve dann in den schönsten Farben der Welt erstrahlen lassen. Während im Oberrang mit Pappen ein „Nordkurve“-Schriftzug gebildet wurde, gab es unten ein wirklich ansehnliches Chaos-Intro aus Fahnen, Doppelhaltern und reichlich Konfetti. Nach dem Intro wurde hier das breite Fahnenmeer beibehalten, welches optisch zwar top war, uns aber zu einem weiteren Punkt der Hinrunde bringt: den Materialeinsatz. Nutzt die Fahnen und Doppelhalter bitte sinnvoll und in den richtigen Momenten. Gerade bei brenzligen Situationen während des Spiels, insbesondere Standardsituationen, ist das Tifo-Material unten zu lassen. Schwenkt nicht einfach 90 Minuten durch. In der Vergangenheit entstanden in diesem Punkt oftmals Konflikte, unter denen schlussendlich die gesamte Stimmung litt. Habt Verständnis für die Personen hinter euch und setzt das Tifo zwar aktiv, aber mit Verstand ein.

Zum Duell gegen den Nachbarn aus Bochum hatten wir ebenfalls eine Choreo im Gepäck. Diesmal schmückte ein großer „Ruhrpott“-Schriftzug unsere Kurve. Dieser wurde mit Hilfe von Netzen und Seilen an der Dachkonstruktion hochgezogen. Ein sehr starkes Gesamtbild begleitet von der passenden musikalischen Untermalung.

Ansonsten hatten wir bei fast jedem Auswärtsspiel unsere große Nordkurve Gelsenkirchen-Zaunfahne im Gepäck. Diese symbolisiert einerseits die Geschlossenheit der gesamten Kurve und wertet andererseits unser Zaunfahnenbild auf. So konnten wir optisch in der Hinrunde durchaus zufrieden sein und hüllten mit gewohnt vielem Tifo die Gästeblöcke des Landes in unsere Vereinsfarben. Bei den Heimspielen ist vor allem an den Banden noch Luft nach oben, wobei auch hier Fortschritte bei einigen Fanclubs zu verzeichnen sind. Lasst die Zaunfahnen nicht im Partykeller oder Vereinsheim liegen, sondern schmückt unsere Nordkurve!

Nachdem wir die beiden ersten Heimspiele der Saison mit Choreos eröffnet haben, sollte es bei den letzten beiden der Hinserie genauso sein. Gegen Paderborn wurden erst zwölf Minuten geschwiegen, bevor wir die erste Choreo der Gruppengeschichte während eines bereits laufenden Spiels durchführten. Zum 150-jährigen Jubiläum der offiziellen Stadtgründung von Gelsenkirchen, ließen wir eine in den Unterrang überlappende Blockfahne mit dem “Stadt der 1.000 Feuer” Schriftzug herunter, während parallel im Unterrang eine weitere Blockfahne hochgezogen wurde, die die vier Symbole unseres Stadtwappens repräsentierte. Die Eckblöcke wurden durch kleine Fahnen in den Stadtfarben schwarz, grün und weiß geschmückt. Passend zum Motto wurde nach ein paar Minuten der Stoff im Unterrang wieder weggezogen und tausende Wunderkerzen hüllten die Mittelblöcke der Nordkurve in ein denkwürdiges Lichtermeer. Gerade beim Herunterlassen der oberen Blockfahne lief nicht alles perfekt, dennoch waren wir sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

Gegen unsere Freunde von Glubb gab es dann wieder eine Aktion im Zeichen der Freundschaft. Zum Vereinslied streifte sich die gesamte Nordkurve blau-weiße Ponchos über, welche unser Vereinswappen erstrahlen ließen. Zum Einlauf der Mannschaften und der passenden Einlaufmusik, wechselte das Logo und das rot-schwarze Emblem unserer Freunde wurde mithilfe von ausgeteilten Pappen erzeugt. Ein wirklich gelungenes Bild. Der Wechsel klappte nahezu perfekt und wurde auch zu Beginn des Spiels als optischer Akzent genutzt. Die erste Choreo dieser Art auf Schalke. Schön zu sehen, dass in unserer Nordkurve solche Aktionen funktionieren und wir so als Fanszene im Bereich Choreographien die nächsten Schritte gehen können.

Auch im neuen Jahr geht es in dieser Rubrik weiter. Mit dem chef? komm heut nich. Fanzine haben wir heute ein Heft als Interviewpartner, das nochmal (im positiven Sinne) deutlich aus dem gewohnten Fanzinen-Rahmen fällt. Im CKHN liegt der Fokus auf dem Drumherum ihrer Reisen, auf die Eindrücke und die Beobachtungen, die sie auf ihren Reisen wahr- und mitnehmen. Dass selbst der größte Fussballnerd dann nicht mit dem Lesen aufhört, liegt einfach daran, dass es die Autoren allesamt schaffen, den Leser mitzunehmen und an ihre Zeilen zu binden. Ihr könnt das Heft gegen Dresden bei uns am Stand erwerben. An diesem Spieltag gibt es im Übrigen auch endlich das “Des Wahnsinns fette Beute” Heft aus Erfurt bei uns zu kaufen.

Interview: chef? komm heut nich.

Als Einstieg direkt mal folgendes Szenario. Ihr sitzt auf einer Parkbank in Gelsenkirchen und blättert durch euer Heft. Es läuft eine Schalker Kutte mit Bier in der Hand vorbei. “Ey hömma, wat is’ dat denn?” Wie erklärt ihr ihm kurz euer Fanzine?

CKHN: Auf dieser Welt existieren noch mehr schöne Orte als das Ufer des Rhein-Herne-Kanals. In unserem Fanzine beschreiben wir, wie wir diese Orte entdecken. Dabei besuchen wir regelmäßig Fußballspiele, die sowas wie Ankerpunkte unserer Reisen sind und mal mehr und mal weniger den Schwerpunkt der Texte des Heftes bilden.

Stand heute, wie ist euer Heft in der Fanzinelandschaft einzuordnen? Was ist der inhaltliche Fokus?

CKHN: Wir sind kein klassisches Groundhopping-Heft – glauben wir zumindest. Die neuesten Infos aus den Fanszenen haben wir selten parat, wir fokussieren uns auf Banaleres. Unsere Geschichten verlieren sich eher in aufwendigen Beschreibungen jener Faxen, die man meistens nicht im Stadion, sondern vor allem auf dem Weg dahin und auf dem Weg zum nächsten macht . Hinzu kommen gesellschaftliche Einordnungen und Versuche, eine Perspektive zu dem zu entwickeln, was wir beobachten. Außerdem versuchen wir mit herausgestellten Kultur-Tipps und sorgfältig ausgewählten, oftmals großformatigen Fotos für Abwechslung zu sorgen.

Wie würdet ihr bzw. wen würdet ihr als eure Zielgruppe beschreiben? Wen wollt ihr erreichen und wen erreicht ihr tatsächlich?

CKHN: Ursprünglich war das Heft nur für Freunde und Familie und als persönliches Andenken gedacht. Mit jeder neuen Ausgabe war es intern Thema, bis wann es noch der gedruckte “Rundbrief an Freunde” ist und ab wann einfach ein öffentliches Heft. Freunde und Familie erreichen wir heute noch immer, der Rest geht bundesweit an persönliche Kontakte aus dem Fußballumfeld und viele Einzelpersonen, über die wir nichts wissen. Guckt man sich die Daten etwas genauer an, heißen die meisten Besteller Christian, Lukas und Jan und kommen aus NRW, Niedersachsen und Bayern. Da wir immer versucht haben, unseren persönlichen Schreibstil beizubehalten, freuen wir uns inzwischen auch, wenn Leute, die wir nicht persönlich kennen, Gefallen an unseren Texten finden.

Wisst ihr noch, wie und wann die Idee zu eurem Fanzine entstanden ist?

CKHN: Im Jahr 2016 war einer unserer Autoren in Tunis, Tokio sowie London und sah dort einige Spiele, die er einfach festhalten wollte. Dann wurde im Freundeskreis gefragt, wer ebenfalls etwas beizutragen hat und wenig später war das CKHN geboren. Die Sache wuchs nach und nach zu einem gemeinsamen Projekt, unabhängig von der Stadt, in der man lebt und unabhängig vom Verein, den man liebt. So entstand die Möglichkeit, losgelöst von typischen Szene-Gepflogenheiten zusammenzukommen, Freundeskreise zu verbinden und kreativ zu sein.

Könnt ihr uns einen groben Abriss über die Entwicklung eures Heftes geben? Wie haben sich Inhalt, Umfang und der Druck über die Jahre gewandelt?

CKHN: Wir starteten 2017 mit 40 Heften und stehen heute bei 1.000. Wir haben dabei immer gewissenhaft abgewogen, was für uns zumutbar ist und sind dabei ‘gesund’ gewachsen, gerade weil wir den Vertrieb nie auslagern wollten.

Bei der inhaltlichen Diskussion drehte es sich immer wieder darum, ob wir Chronik oder Magazin sein wollen. Also ob die Dokumentation unserer Reisen im Vordergrund stehen sollte oder die unterhaltsame Auseinandersetzung mit dem Erlebten. Der Mittelweg war am Ende der, auf dem sich jeder Autor wiederfinden konnte. Das Heft begleitet die meisten von uns nun seit zehn Jahren. Viele von uns haben in diesem Zeitraum den Übergang vom Studien- ins Berufsleben geschafft, einige sind inzwischen Familienväter. Entsprechend sind es total aufregende Jahre, in denen das Heft uns begleitete und es wird spannend, später darauf zurückzublicken. Früher haben wir viel be- und gewertet, daraus aber auch gelernt und eigene Erfahrungen gemacht.

Das Thema ‘Druck’ lässt sich ja aus zwei Perspektiven betrachten. Haptisch und optisch ist das Heft relativ ähnlich geblieben. Wir waren oft abhängig vom Abgabetermin. Wenn es zu knapp wurde, mussten wir auf das Papier gehen, mit dem die Druckerei am schnellsten arbeiten konnte. Beim Layout dienten am Anfang die 11Freunde und ballesterer als Inspiration. In den letzten Jahren waren es dann eher Anarcho-Fanzines. Entsprechend wurden wir in der Gestaltung vielleicht etwas radikaler, ohne den Blick auf die szenetypischen Gestaltungen zu verlieren.

Dann ist da noch der Druck, den man sich selber macht. Der ist nämlich schon ziemlich groß geworden. Gerade mit der gestiegenen Auflage und der damit einhergehenden Reichweite wuchs der Anspruch, der Fanzine-Landschaft seinen Stempel aufzudrücken und sie zu bereichern.

Durch eine Lesung und Party, die wir anlässlich der Veröffentlichung seit der zweiten Ausgabe veranstalten, gab es auch immer eine Deadline, die wir schaffen mussten und an der es einfach nichts zu rütteln gab. Das hat uns immer total geholfen, den Arsch hochzukriegen und im Jahresrhythmus zu veröffentlichen.

Hattet ihr eine gewisse Fluktuation im Personal? Stand das Heft sogar mal vor dem Aus?

CKHN: Wirklich weggefallen ist nie jemand. Es gab immer mal wieder Leute aus unserem direkten Umfeld, die Lust hatten mitzumachen und das Heft mit Gastbeiträgen aufwerten konnten.

Vor dem Aus steht es jetzt. Wir haben uns dafür entschieden, das CKHN mit der zehnten Ausgabe zu beenden. Wir glauben, es ist ein guter Zeitpunkt, denn unsere Art zu reisen – so unser Gefühl – haben wir mittlerweile gefunden und die Lust auf andere, kleinere Projekte ist groß.

Wenn es am schönsten ist, sollte man bekanntlich aufhören: 1000er-Auflage, über 300 Seiten, zehn anspruchsvolle Autoren, eine viel zu große Partylocation mit drei DJs und einem an der Diskokugel hängenden, selbstgebastelten, ein Meter großen Deko-Fanzine aus Plexiglas – mehr ist mit unseren aktuellen Strukturen einfach nicht drin und dann ist es besser, das Projekt zu beenden, als es langsam auslaufen zu lassen und den alten Zeiten hinterherzutrauern.

Die Welt wird immer schnelllebiger und Infos landen fast in Echtzeit auf den Handys der Konsumenten. Welche Lücke können hier Fanzines noch schließen?

CKHN: Fanzines wirken einfach entschleunigend – gedruckte Seiten kann man eben nicht so leicht wegwischen, liken oder teilen. Man muss sich gezielt Zeit dafür nehmen und kann es nicht so einfach überfliegen, während man Kurvenvideos guckt, über das nächste Auswärtsspiel chattet oder den Billigflug nach Moldawien bucht. Gleichzeitig sind Fanzines oft etwas handlicher als die Zeitung oder das Magazin am Kiosk und passen gut in den Auswärtsbeutel.

Sowohl der Prozess des Schreibens, als auch die Veröffentlichung triezen einen dazu, sich Zeit zu nehmen, sich Gedanken über das zu machen, was man erlebt hat – egal ob über die geheime Info aus der gesehenen Fanszene, die Kneipenempfehlung oder die ausufernde Beschreibung der Flutlichtmasten – ganz anders als die schnelle Story aus dem Urlaub, wo meistens eine gewisse Selbstbeweihräucherung im Fokus steht.

Wir würden aber eher fragen, welche Lücke Social Media schließen kann oder ob Fanzines überhaupt eine Lücke schließen müssen? Wir sehen die Sache nämlich gar nicht so verbissen. Vielleicht ist das gute digitale Fanzine einfach noch nicht erfunden und es findet sich noch ein Online-Format, das selbst Print-Liebhaber zufriedenstellt. Argumente wie Exklusivität, DIY-Ästhetik oder Individualität sind beispielsweise nichts, was analoge Medien nur für sich beanspruchen sollten.

Zu guter Letzt würden wir dann natürlich noch gern wissen, wo euer Heft erhältlich ist.

CKHN: Wir freuen uns sehr darüber, dass es heute bei euch am Stand liegt. Dafür sind wir euch sehr dankbar und ehrlich gesagt auch ein bisschen stolz. Wir lesen den Blauen Brief regelmäßig (online) und sind sehr beeindruckt von der Schalker Fanzine-Landschaft.

Unser Heft kostet 8 Euro. Alternativ könnt ihr uns jederzeit an [email protected] schreiben – wir brauchen ab und zu ein wenig Zeit zum Antworten, aber wir geben uns größte Mühe, schnellstmöglich zu versenden. Mit dem eingenommenen Geld bezahlen wir vor allem die Produktionskosten des Heftes. Wenn etwas übrig bleiben sollte, spenden wir es an Projekte aus unserer Mitte.

Stuttgart: Zum Rückrundenauftakt des VfB Stuttgart gegen den 1. FC Union Berlin organisierte die Schwaben Kompanie Stuttgart erneut eine Spendenaktion unter dem Motto „Schwaben Kompanie sammelt“. In Zusammenarbeit mit dem DRK-Kältebus Stuttgart wurden vor dem Heimspiel haltbare Lebensmittel für wohnungslose Menschen gesammelt. Ziel der Aktion ist es, die ehrenamtliche Arbeit des Kältebusses zu unterstützen, der seit 2013 in den Wintermonaten im Stadtgebiet Stuttgart im Einsatz ist und hilfsbedürftige Menschen unter anderem mit warmen Getränken, Essen, Schlafsäcken, Decken und Kleidung versorgt. Als Spende angenommen wurden hierbei ausschließlich originalverpackte, haltbare Lebensmittel. Mit der Aktion setzt die Gruppe ihr regelmäßiges soziales Engagement fort und leistet einen konkreten Beitrag zur Unterstützung wohnungsloser Menschen in der kalten Jahreszeit.

Leverkusen: Die Partie zwischen Bayer Leverkusen und dem 1. FC Köln wurde von massiven und fragwürdigen Sicherheitsmaßnahmen überschattet, die schließlich dazu führten, dass beide Fanszenen geschlossen auf einen aktiven Spielbesuch verzichteten. Anlass für den Boykott waren entwürdigende und unverhältnismäßige Einlasskontrollen am Gästeblock, bei denen ein Kölner Fan gezwungen wurde, sich bis auf die Unterwäsche zu entkleiden und im Intimbereich kontrollieren zu lassen. Die Fanhilfe Köln kritisierte die Maßnahmen und stellt klar, dass unabhängig von der Wortwahl der Staatsmacht in ihrer Pressemitteilung, dies klar eine Nacktkontrolle darstellt, die weder sachlich begründet noch verhältnismäßig war, zumal der Grund lediglich ein fehlendes Ticket gewesen sein soll. Die Maßnahme wird als gezielte Schikane gegenüber Fußballfans gewertet, zumal sie gegenüber dem Fanprojekt zunächst abgestritten wurde und sozialpädagogische Begleitung verhindert wurde. Die Fanhilfe Köln kritisiert ebenfalls die mangelnde Transparenz sowie die sprachliche Verharmlosung des Vorgehens und den respektlosen Umgang mit der Würde der Betroffenen und sieht darin ein weiteres Beispiel für willkürliches und fan-feindliches Handeln der Polizei, das letztlich zur Eskalation und zur bewussten Entscheidung gegen den Stadionbesuch führte.

München: Nachdem die UEFA neben einer Geldstrafe auch Teile der Münchner Südkurve sperren ließ, entschied sich der Verein zu einer kompletten Sperrung der Südkurve beim Champions-League-Heimspiel des FC Bayern gegen Union Saint-Gilloise, da aus technischer Sicht einer nicht-vorhandenen Blocktrennung ein Teilausschluss der Kurve nicht möglich gewesen wäre. Aus “Kulanz” erstattete der FCB seinen Anhängern die bereits erworbenen Tickets. Auslöser war eine Pyroshow beim vorherigen Heimspiel gegen Sporting Lissabon, die nun unter anderem mit einem Zuschauer-Teilausschluss sanktioniert wurde. Die Südkurve München kritisierte dieses Vorgehen in ihrer Stellungnahme scharf und ordnete die Maßnahme als klassische Kollektivstrafe ein, bei der zahlreiche unbeteiligte Fans bestraft werden. Solche Sanktionen sind weder legitim noch geeignet, um gewünschtes Verhalten durchzusetzen, sondern dienen vor allem der Abschreckung und Spaltung der Fanszene. Gleichzeitig betonte die Südkurve, dass es innerhalb der Kurve unterschiedliche Meinungen zur Pyrotechnik gibt, ruft aber dazu auf, sich nicht durch Verbandsstrafen gegeneinander ausspielen zu lassen. Die Südkurve forderte Verantwortliche in Vereinen und Verbänden auf, sich klar gegen solche Maßnahmen zu positionieren und unterstrich, dass nur Zusammenhalt eine vielfältige, aktive und kritische Fankultur langfristig sichern kann.

Berlin: Wie die meisten von euch mittlerweile mitbekommen haben sollten, kam es bei unserem Auswärtsspiel in Berlin zu einem unverhältnismäßigen Polizeieinsatz hinter der heimischen Ostkurve. In ihrer öffentlichen Stellungnahme kritisierte die Fanhilfe Hertha BSC den massiven Polizeieinsatz. Nach Angaben der Fanhilfe hielt sich die Polizei nicht an zuvor getroffene Absprachen mit dem Verein und trat bereits am Einlass provokant auf. Eine zunächst nicht nachvollziehbare Festnahme habe die Situation zusätzlich angeheizt, bevor sich die Eskalation in den Eingangsbereich der Ostkurve verlagerte. Dort sei gegen die wartenden Fans anlasslos und mit erheblicher Gewalt vorgegangen worden, unter anderem durch den großflächigen Einsatz von Pfefferspray. Infolgedessen wurden circa 30 Fans verletzt, mehrere davon so schwer, dass sie in Krankenhäuser eingeliefert werden mussten. Die Fanhilfe ordnet die Ereignisse als vorläufigen Höhepunkt einer seit Monaten anhaltenden Eskalationsstrategie der Polizei im Olympiastadion ein und wirft der Einsatzleitung sowie der Berliner Innensenatorin vor, trotz wiederholter Dialogversuche des Vereins bewusst auf Konfrontation statt Deeskalation zu setzen. Als Konsequenz entschlossen sich die Gruppen der Heimkurve, die geplante Choreo zwar durchzuführen, jedoch danach geschlossen das Stadion zu verlassen und auf einen organisierten Support zu verzichten.