Fragebogen 2022 AR-Kandidat Rolf Haselhorst

Bitte stelle dich kurz vor

Rolf Haselhorst, geboren am 7.7.1958 in Gelsenkirchen, drei erwachsene Kinder, Schalker in dritter und Bergmann in vierter Generation. Ich habe unter Tage als Bergmann gearbeitet, Bergbau studiert und war zum Ende meiner beruflichen Laufbahn Leiter des Standortmanagements der BASF für Chemiestandorte in Europa sowie Aufsichtsratsvorsitzender mehrerer Tochtergesellschaften. Aus Interesse am Fußball habe ich seit Mitte 2020 Sportmanagement an der Universität in St. Gallen studiert und das Studium inzwischen abgeschlossen. Im Rahmen des Studiums habe ich eine Abschlussarbeit zur Markenentwicklung des FC Schalke 04 (Arbeitstitel „ Setzt den Fans ein Denkmal“) erstellt.

Seit wann und wie regelmäßig besuchst du die Spiele des FC Schalke 04? Seit wann bist du Vereinsmitglied und was hat dich damals dazu bewogen?

Meine erste Saison mit Besuch aller Heimspiele fand noch in der Glückauf-Kampfbahn 1971/72 mit Vizemeisterschaft und Pokalsieg statt. Von da an habe ich alle Heimspiele in der Parkstadion-Ära besucht. Beruflich bedingt konnte ich in der Veltins-Arena nicht bei allen Heimspielen anwesend sein, nutze aber so oft es geht die Dauerkarten unserer Familie.

Eingetreten bin ich 2004, als wir in der Familie entschieden, unsere lebenslange Verbundenheit zu Schalke 04 durch Mitgliedschaft und Namenszug auf der 1000-Freunde- Mauer zu dokumentieren.

Was hat dich dazu bewogen, für den Aufsichtsrat des FC Schalke 04 zu kandidieren? Was qualifiziert dich persönlich für die Arbeit im Aufsichtsrat? Warum sollten die Mitglieder dir ihre Stimme geben?

Schalke 04 hat mir über 50 Jahre viel gegeben und war stets mein Begleiter durch alle Lebenslagen. Mein Ziel ist es, dem Verein etwas davon zurückzugeben, was er mir all die Jahre bedeutet hat. Als in Gelsenkirchen geborener Bergmann kenne ich die Stadt und den Verein mit seinen Menschen und kann mich gut in deren Gefühlslage hineinversetzen.

In meiner beruflichen Laufbahn bei der BASF habe ich als Leiter des Managements größerer Industriestandorte umfangreiches Wissen in den Bereichen Personal- und Kostenmanagement, Öffentlichkeitsarbeit und Unternehmensentwicklung sammeln können. Als ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender besitze ich Erfahrungen in der Führung von Firmenorganisationen und verfüge über ein weitreichendes Netzwerk von Kontakten in der Industrie. Darüber hinaus konnte ich im Rahmen meines Sportmanagementstudiums speziell in den Themen Fußball-Marketing, -Sponsoring und -Vereinsorganisation mein Know-How erweitern und auch im Sport bzw. Fußball Kontakte zu vielen Experten aufbauen. In der Zusammenarbeit der Vereinsgremien sind mir eine konstruktive und vertrauliche Kooperation sowie das Anstoßen von Weiterentwicklungen sehr wichtig. Daneben haben für mich die Mitglieder und ihre Belange Priorität, da sie in ihrer Verbundenheit zu Schalke 04 die eigentliche Stärke und das Alleinstellungsmerkmal des Vereins darstellen.

Welche konkreten Ziele hast du, wenn du in den Aufsichtsrat gewählt wirst? Was sind für dich die großen Herausforderungen in den kommenden Jahren?

Aktuell haben auch im Aufsichtsrat Themen wie die sportliche Ausrichtung in der 1. Liga und die wirtschaftliche Konsolidierung Priorität. Sollten mich die Mitglieder in den Aufsichtsrat wählen, würde ich darüber hinaus zu Beginn meiner Amtszeit zwei Schwerpunkte wählen:

  1. Ich halte es für immens wichtig kurz-, mittel- und langfristige Ziele einschließlich einer Strategie zur Erreichung dieser Ziele für Schalke 04 festzugegen. Themen dieser Strategie wären die sportliche Ausrichtung, die wirtschaftliche Entwicklung, die Investitionen in die Infrastruktur (Projekt Berger Feld) bis hin zur Auswahl von Sponsoren. Wenn wir klar festigen, wo wir in welcher Zeit stehen wollen, können wir den Verein immer wieder danach ausrichten und kostspielige Richtungswechsel vermeiden. Wichtig ist es dabei Fans und Mitglieder auf diese „Reise“ mitzunehmenden, Ziele darzulegen, Zwischenergebnisse zu diskutieren und für alle nachvollziehbar einen Weg zu beschreiten mit dem sich Schalker identifizieren können.
  2. Wir müssen Schalke auch zukunftsfähig machen für die Trends und Entwicklungen der nächsten Jahre. Ich sehe eine Aufgabe darin, die Zukunftstrends Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Mitbestimmung im Verein umzusetzen. Im Bereich Nachhaltigkeit haben wir insbesondere soziale Aktivitäten bisher in den Mittelpunkt gestellt. Umweltschutzmaßnahmen müssen verstärkt angegangen werden, da diese (wie bereits angekündigt) auch als Maßstab der Vereinsbewertung und Lizenzierung durch die DFL dienen werden. Am Herzen liegt mir die Mitbestimmung im Verein. Ich denke wir können hier durch Einbeziehung der Mitglieder erreichen, dass deren Verbundenheit zu Schalke 04 noch enger wird . Ansatzpunkte gibt es dazu genug: Warum sollten nicht mit turnusmäßigen Mitgliederbefragungen die Meinungen und Ideen bzw. Vorschläge der Fans in die Entscheidungen der Vereinsgremien einfließen?

Wie definierst du die Aufgaben des Aufsichtsrats? Wie sieht eine gute Zusammenarbeit zwischen Aufsichtsrat und Vorstand aus?

Die Aufgaben des Aufsichtsrates werden in der Satzung klar vorgegeben. Demnach ist der Aufsichtsrat das Kontrollgremium, welches im Auftrag der Mitglieder, den Vorstand in der Wahrnehmung der Vereinsaufgaben kontrolliert. Er bestellt den Vorstand und beruft in ab. Im Finanzbereich hat der Aufsichtsrat u.a. die Aufgabe, den Finanzplan des Geschäftsjahres und Anträge des Vorstandes zu Finanzgeschäften (z.B.: Darlehensverträge) zu genehmigen. Des Weiteren verabschiedet er den Jahresabschluss samt Geschäftsbericht. Aus meiner Sicht ist der Aufsichtsrat zusammen mit dem Vorstand auch verantwortlich für die strategische Ausrichtung des Vereins. Auf der Grundlage dieser Strategie sollte er mit dem Vorstand Ziele festlegen, an denen sich die operative Arbeit des Vorstandes ausrichtet.

Eine optimale Zusammenarbeit zwischen Aufsichtsrat und Vorstand ist dann gegeben, wenn neben einer vertraulichen und konstruktiven Kooperation eine eindeutige Trennung der Kontrollfunktion des Aufsichtsrates vom operativen Geschäft des Vorstandes gegeben ist. Eine Kontrollfunktionen ist nur möglich, wenn sie völlig unabhängig von der Wahrnehmung des operativen Geschäftes erfolgt.

Wie bewertest du die finanzielle Situation des Vereins?

Der Weg wird noch lang bis zu einer beruhigenden Finanzlage aber der Trend ist positiv. Nachdem zunächst die Liquidität wieder hergestellt werden musste, sind wir inzwischen wieder wirtschaftlich handlungsfähig. Der rigide Sparkurs war und ist alternativlos. Eine Reduzierung der bestehenden Finanzverbindlichkeiten ist in der 1. Bundesliga langfristig möglich, setzt aber weiterhin ein Handeln mit Augenmaß und ohne „Wetten auf die Zukunft“ voraus. Eine Prognose für das Geschäftsjahr 2022 bleibt schwierig, da Kosten für den weiteren Kaderumbau, etwaige coronabedingte Zuschauerbeschränkungen und Transfererlöse nicht voraussagbar sind.

Wie stehst du zur Rechtsform des eingetragenen Vereins beim FC Schalke 04?

Im Rahmen meines Studiums habe ich mich intensiv mir den derzeitigen Rechtsformen der Vereine der 1. und 2. Bundesliga auseinandergesetzt. Sämtliche bestehenden Rechtsformen der Ausgliederungen im deutschen Profifußball passen aus meiner Sicht nicht zu Schalke 04. Schalke 04 charakterisiert sich über seine Mitglieder und Anhänger wie kein anderer Verein. Der Verein gehört den Mitgliedern zu 100% und das muß auch so bleiben. Eine Einbeziehung von Kapitalgebern durch eine Ausgliederung verschafft kurzfristiges Kapital (dessen Investition in die Profimannschaft selten Erfolge garantiert – siehe Hertha BSC) aber langfristige Abhängigkeiten von Investoren. Unabhängigkeit ist ein Grundsatz unserer Vereinstradition. Vielmehr stellt der eingetragene Verein für viele Mitglieder ein Identifikationsmerkmal dar, das unbedingt erhalten werden sollte.

Wie beurteilst du die Satzung des FC Schalke 04? Wie stehst du zum veränderten Umgang mit Satzungsänderungsanträgen?

Grundsätzlich halte ich die Satzung des FC Schalke 04 für eine gute Grundlage unseres Vereinslebens. Zusammen mit dem Leitbild gibt sie „Eckpfeiler“ und die Ausrichtung des Vereins vor. Zu ihrer Aktualisierung und inhaltlichen Verbesserung dienen die Satzungsänderungsanträge. Der Aufsichtsrat kann Satzungsänderungsanträge ablehnen. Dies ist in der Vergangenheit auch bei inhaltlich gut begründeten Anträge geschehen und hat bei den Mitgliedern und bei mir oft zu Unverständnis geführt.

In diesem Jahr hat der Aufsichtsrat einen neuen Weg beschritten und die Ablehnung eines Antrags im Wesentlichen nicht an inhaltlichen sondern an formellen Gründen festgemacht. Die große Anzahl der Antrage wurde daher zugelassen und der Beurteilung durch die Mitgliederversammlung -dem höchsten Vereinsgremium – überlassen. Diese Vorgehensweise des Aufsichtsrats kann ich nur unterstützen!

Wie sollte das Zusammenspiel zwischen Verein und Fans aussehen? (siehst du Verbesserungsmöglichkeiten?)

In den zurückliegenden Jahren ist es den Fans nicht einfach gemacht worden. Corona- Pandemie mit Geisterspielen, sportlicher Niedergang mit Abstieg, mangelhafte Außendarstellung und wirtschaftliche Hiobsbotschaften. Umso wichtiger ist es jetzt, die Fans eng an den Verein zu binden und in der Gemeinschaft aller Schalker die anstehenden Probleme zu lösen. Schalke 04 ist der emotionalste Fußballverein. Diese Schalke Identität müssen wir pflegen und fördern, indem sich der Verein an den Fans mit ihren Belangen, Wünschen und Verbesserungsvorschlägen ausrichtet. Dazu ist mehr Dialog erforderlich, eine stärkere Einbindung in Entscheidungen und eine moderne Mitbestimmungskultur. Als erster Schritt in diese Richtung, sollte der Verein Mitgliederbefragungen turnusmäßig durchführen, deren Ergebnisse transparent kommunizieren, Ziele setzen und Maßnahmen ableiten. Für mich wäre das eine fester Punkt in der Tagesordnung jeder Mitgliederversammlung.

Als Abschluss: Wie blickst du auf die zurückliegende Saison, insbesondere abseits des sportlichen Erfolgs?

Unabhängig vom sportlichen Erfolg bot die letzte Saison mehrere positive blauweisse Highlights:

  1. Spieltagserlebnisse mit zunehmend ausverkauften Heimspielen, tollen Choreographien, überragender Stimmung oder Auswärtsspiele mit starken emotionalen Erlebnissen – das alles hat den Zusammenhalt und die Verbundenheit der Fans sehr positiv beeinflußt
  2. Eine Mannschaft, die als Einheit auftrat und der für den Erfolg „kein Meter zu viel war“
  3. Ruhe im Verein und ein geschlossenes sachorientiertes Auftreten der Vereinsgremien
  4. Positive Außenwirkung durch gute Kommunikationsarbeit
  5. Konsolidierung der angespannten finanziellen Lage
  6. Beendigung eines „moralischen Dilemmas“ durch Wechsel des Hauptsponsors

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