„Wer Kritik übel nimmt, hat etwas zu verbergen“

Posted by UGE Repression

Sehr geehrter Herr Jäger,

dieser schlaue Spruch stammt von ihrem Parteigenossen und Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt und trifft wohl auf keinen mehr zu, als auf Sie selbst und Ihre Polizei NRW. Sie haben am gestrigen Donnerstag mit Ihrem arroganten und kindischen Verhalten zweifelsfrei gezeigt, dass Kritik an Ihrer Person und der Polizei NRW nicht gestattet ist. Und wer dies trotzdem wagt, bekommt eine bockige Antwort, indem Sie Ihre Polizei einfach abziehen.

Selbstkritik und Selbstreflexion sind Ihnen und der Polizei NRW fremd. Eigenschaften, die man eigentlich von jedem Menschen erwarten sollte – vor allem aber von Politikern und öffentlichen Institutionen. Umso schlimmer wird das Ganze, wenn man überlegt, dass die Polizei diejenige öffentliche Institution ist, die einzig autonom dazu legitimiert ist, gegen Menschen dieses Landes körperliche Gewalt anwenden zu dürfen.

Ein Verhaltensmuster, welches leider nicht neu ist. Als es 2010 in Duisburg zur Katastrophe mit 21 Toten bei der Loveparade kam, glänzten Sie, Herr Jäger, mit derselben Arroganz, indem Sie im Innenausschuss erklärten, dass Sie auf die Beamten und auf sich selbst nichts kommen lassen werden[1]. Ganze sechs Wochen hat es damals gedauert, bis Sie diese Aussage relativieren mussten und zugaben, dass es auch Polizeipannen gegeben hat. Grund dafür sollen damals u.a. „Kommunikationsprobleme“ gewesen sein. Kommunikationsprobleme – ein Wort, das man auch gestern bei der Sitzung des Innenausschusses zur Erklärung des Polizeieinsatzes von Ihnen und dem Vertreter der Polizei gefühlte 1000 mal vernommen hat.
So bleibt für uns nur erschreckenderweise festzuhalten, dass weder Sie, Herr Jäger, noch die Polizei NRW irgendetwas aus der Tragödie in Duisburg gelernt hat.

Zurück nach Gelsenkirchen im Jahr 2013: Ab sofort sollen sich bei Spielen unseres FC Schalke 04 keine Polizisten mehr in der Arena und dem Vereinsgelände aufhalten. Sie sollen nur noch einschreiten, wenn der Verein um Hilfe bittet. Was auf dem ersten Blick nach Kindergartenverhalten und nach einem beleidigten Innenminister aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als eiskalt durchkalkuliert: Durch das Fernbleiben der Polizei erhofft man sich Ausschreitungen zwischen Fans zu provozieren, um dann den Zeigefinger heben zu können und zu sagen: „Sieh her, Vorstand vom FC Schalke 04, es geht nicht ohne uns. Wir kommen gerne wieder, aber wagt es nie wieder, an uns Kritik zu üben!“. Wie war das noch gleich mit dem Zweckverursacherprinzip?!?

Von unserer Seite bleibt zu sagen, dass wir Ihre Maßnahme begrüßen. Die Nordkurve war, bis Ihr Schlägertrupp in Uniform einmarschierte, zwölf Jahre lang eine gewaltfreie Kurve. Ohne Polizei wird sie das in Zukunft auch wieder sein. Aber warum es für diese Erkenntnis erst über 80 Verletzte geben musste, erschließt sich uns bis zum heutigen Tag nicht.

Ultras Gelsenkirchen im September 2013

1. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-73107828.html


One Response to “„Wer Kritik übel nimmt, hat etwas zu verbergen“”

  1. […] dass Sie nach einem Einsatz auch nur einen einzigen Fehler eingestehen?”. Oder auch: “Wer Kritik übel nimmt, hat etwas zu verbergen”! Am Samstag, den 21.9.2013 ab 15 Uhr ist eine Demo in Gelsenkirchen “Gegen Polizeieinsätze […]

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