Fragebogen AR-Kandidat Peter Lange

Bitte stellen Sie sich kurz vor!ar_lange
Peter Lange, verheiratet, 4 Kinder, 3 Enkelkinder, Geschäftsführer eines Dienstleistungsunternehmens in NRW

Seit wann und wie regelmäßig besuchen Sie die Spiele des FC Schalke 04? Seit wann sind Sie Vereinsmitglied und was hat Sie damals dazu bewogen?
Die ersten Spiele in der „Kampfbahn Glückauf“ Anfang der 70er, „Parkstadion“ – regelmäßiger, „Veltins – Arena Rudi Assauer“ – immer. Vereinsmitglied seit 1998. Unser bester Manager aller Zeiten, den ich Mitte der 90er-Jahre kennenlernte, holte mich auf Schalke, sowohl als Mitglied als auch später in den AR.

Warum stellen Sie sich als Kandidat für den Aufsichtsrat des FC Schalke 04 zur Wahl? Was qualifiziert Sie persönlich für die Arbeit im Aufsichtsrat? Warum sollten die Mitglieder Ihnen ihre Stimme geben?
Für mich als Schalker ist es auch nach 18 Jahren eine große Ehre, für unseren Verein im Auftrag der Mitglieder ehrenamtlich arbeiten zu dürfen. In erster Linie qualifiziert mich sicher die achtzehnjährige Erfahrung als Aufsichtsratsmitglied und die Mitarbeit in fast allen Ausschüssen des FC Schalke 04, zuletzt im Ausschuss, der unser Leitbild entwickelt hat, sowie die wirtschaftliche, strategische und soziale Kompetenz meiner bisherigen beruflichen Stationen. Nach über 50 Jahre Schalkersein mit allen Licht- und Schattenseiten und der langjährigen Gremienerfahrung, kennt man die DNA des Vereins und weiß, wie Schalke „tickt“. Es ist allerdings eine Illusion, zu glauben, als einzelnes AR-Mitglied könne man die Schalker Vereinswelt verändern. Das geht nur mit und in einem qualifizierten Team. Solokünstler sind dort nicht hilfreich, sondern Teamplayer und nur als solcher bringe ich mich ein. Ich stehe für unbedingten Zusammenhalt aller Schalker, für Zuverlässigkeit, Bodenständigkeit und Integrität. Und für Überzeugungen, die ich weder vom Zeitgeist noch von Mehrheiten abhängig mache.

Wie beurteilen Sie die Rechtsform des eingetragenen Vereins im Profifußball, insbesondere in Bezug auf eine mögliche Ausgliederung der Profiabteilung des FC Schalke 04? Glauben Sie, dass ein eingetragener Verein noch zeitgemäß und zukunftsfähig ist?
Letztendlich geht es darum, eine ganzheitliche Philosophie für den ganzen Verein zu schaffen. Dazu gehört auch wie selbstverständlich der eingetragene Verein, den ich persönlich auch nicht gegen die ersehnte deutsche Meisterschaft tauschen würde. Mit dem e.V. haben wir ein herausragendes Alleinstellungsmerkmal. Er ist ein Teil unserer Identität und sichert uns u.a. die so wichtigen Markenrechte. Wir entscheiden alleine über unsere Zukunft! Wir sind durchfinanziert und können Projekte wie das Berger Feld und den Bau der Arena alleine stemmen. Die Arena gehört nach der letzten in diesem Jahr bezahlten Rate uns! Die Diskussion darüber, ob wir mit dem e.V. weitermachen, muss endlich aufhören. Ich persönlich habe mich in dieser Hinsicht längst entschieden. Sollte, unter welchen Bedingungen auch immer, der e.V. zu Grabe getragen werden, wäre das mein letzter Tag als Schalker Aufsichtsrat.

Wie beurteilen Sie die derzeitige Integrität der UEFA und der FIFA?
Das Gerede über Integrität und Nachhaltigkeit sind für mich nur leere Worte. Wer z.B. die letzte und nächste Fußball WM so vergibt, verhält sich nicht integer. Als Fußballfan fühle ich mich durch diese beiden Verbände nicht vertreten. Am gelebten Verhältnis der beiden Verbände zeigt sich, dass nicht die Interessen des Fußballs, sondern Macht und Einfluss im Mittelpunkt stehen. Als selbsternannte Kämpfer für Demokratie und Transparenz sind beide Verbände unglaubwürdig.

Wie sollte das Zusammenspiel zwischen Verein und Fans aussehen?
Verpflichtend für den Verein muss es sein, den Bezug und das Verständnis für das Fundament unseres Vereins, unseren Fans nicht zu verlieren. Es muss der einfache Grundsatz gelten, was für die Fans schlecht ist, ist auch für den Verein schlecht. Die Anliegen, Emotionen, Forderungen und Wünsche unserer Fans müssen ernst genommen werden. Dazu gehört es, frühzeitig und rechtzeitig den Dialog mit Fans und Fanvertretern zu suchen, wenn es um grundsätzliche Entscheidungen geht. (Beispiel Vianogo). Mitglieder und Fans haben einen erheblichen Beitrag geleistet, für das, was Schalke heute ausmacht. Auch in der zurückliegenden Debakelsaison. Ich bin mir sicher, dass wir ohne die einmalige Unterstützung unserer Fans und ohne Huub Stevens und sein Team abgestiegen wären.

Welche Ziele haben Sie, wenn sie in den Aufsichtsrat gewählt werden?
Mein Ziel ist es, unabhängiges und kritisches Mitglied eines kollegialen Aufsichtsratsgremiums zu bleiben und das Prinzip, sportlichen Erfolg mit wirtschaftlicher Vernunft zu erreichen, konsequent zu verteidigen. Dabei ist der Verein verpflichtet, Abhängigkeiten von Einzelpersonen oder Unternehmen nicht zuzulassen. Jedwede Spaltungs- und Verwerfungsprozesse im Aufsichtsrat oder in der Fanszene – und damit in der Vereinsfamilie – sind zu vermeiden. Für den unbedingten Schalker Zusammenhalt, die einmalige soziale Solidarität und unser demokratisches Miteinander will ich weiterhin einstehen. Ich sehe meine Rolle im AR und im gesamten Verein darin, Interessen zusammenzuführen und Konflikte zu schlichten. Vertreter aller Schalker zu sein. Ich wünsche mir, dass die 11 Punkte unseres Leitbildes stärker von jedem Schalker gelebt werden.

Die positive wirtschaftliche Entwicklung unseres Vereines, mit der Tilgung von fast 100 Mio. € Verbindlichkeiten im Rahmen der Konsolidierung muss dringend fortgesetzt werden. Dabei verbietet es sich, Profiabteilung oder Schuldentilgung über die Erhöhung von Karten- oder Bierpreisen zu finanzieren: Mit mir nicht zu machen. Die beispielhafte Arbeit der Knappenschmiede, die wir deshalb vor zwei Jahren auch personell neu aufgestellt haben, gilt es, weiterhin kraftvoll, finanziell noch stärker zu unterstützen. Herausragend und das nicht nur in den letzten 5, sondern 20 Jahren ist die Arbeit von Norbert Elgert und seinem Team, der aktuell mit Ahmed Kutucu einen weiteren Rohdiamanten an die Profis geliefert hat. Schwer zu verstehen, dass die Profiabteilung seine Fähigkeiten und Erfahrungen nicht besser nutzt.

In sportlicher Hinsicht können wir aus meiner Sicht mit Stolz auf die letzten rund 20 Jahre zurückblicken, in denen wir uns 18 Mal für den internationalen Fußball qualifiziert haben. Die dreimalige Teilnahme an der Champions League innerhalb von 5 Jahren ragen natürlich heraus und sind nicht selbstverständlich. Nicht jeder sieht das so. Das liegt aber aus meiner Sicht daran, dass auf Schalke immer zu hohe Erwartungen geweckt werden. Schalke hat sich vom Popelverein, wie Rudi Assauer ihn einst nannte, zu einer internationalen Größe entwickelt. Die Freude über die großartige sportliche Entwicklung darf nicht den Blick auf die gegenwärtige Situation verstellen. Besorgniserregend ist die sportliche Entwicklung der letzten 3 Jahre. Auf den ersten Blick widerspricht das meiner Darstellung und passt nicht zum tollen Vizetitel der vorletzten Saison mit CL-Qualifikation. Klar sind wir darauf stolz. Aber nüchtern betrachtet haben wir auch von der ungewöhnlichen Schwäche der Konkurrenz profitiert und von etwas mehr Glück als üblich. Die Mannschaft war willensstark und hatte mit Naldo einen Leader, nicht nur auf dem Platz. Wir waren schon dabei, die vorherige Saison als Betriebsunfall zu den Akten zu legen…und stehen mit den Ergebnissen der abgelaufenen Saison unter Schock!

Hier ist die sportliche Führung gefordert, Antworten zu geben und nachhaltige Lösungen zu präsentieren. Weiter so und es wird schon…reicht hier nicht!

Um unsere Position – auch wirtschaftlich – zu halten, sind wir wie jeder Bundesligist, der im Konzert der Großen mitspielen möchte, auf sportliche Erfolge angewiesen und dürfen den Anschluss nach oben nicht verlieren. Das zweite Mal innerhalb von 3 Jahren ohne europäischen Wettbewerb ist für uns mehr als eine Herausforderung.

Wie beurteilen Sie die mögliche Entwicklung im Fußball (Reform der Champions League zu einer “geschlossenen Meisterschaft”, Anstoßzeiten für den chinesischen Markt, DFB-Pokal-Finale im Ausland etc.)? Was ist für Sie vertretbar und wo sehen Sie eine rote Linie?
Nichts davon ist für mich vertretbar. Der Fußball ist schon länger dabei, seine Ideale zu verkaufen. Um möglichst viel Reibach zu machen, werden Reformen rücksichtslos durchgezogen. Mit der üblichen Verschleierungsrhetorik soll verdeckt werden, dass es sich um nichts anderes handelt, als die noch vorhandene Stärke und Eigenständigkeit der nationalen Ligen zu zerstören. Hiermit würde vieles, was den Fußball ausmacht, kaputtgemacht. Das gleiche gilt für die bescheuerten Spielansetzungen der DFL… Montags,- Freitags,- Sonntagsspiele. Auch hier werden die Interessen von uns Fans vollständig missachtet. Schalke muss sich mit allen Mitteln dagegen stemmen.

Als wie wichtig betrachten Sie die soziale Verantwortung des Vereins? Kommt der Verein Ihrer Meinung nach seinen Verpflichtungen zur Genüge nach?
Die Soziale Verantwortung hat neben der Bindung zu den Fans sowie der sportlichen und wirtschaftlichen Entwicklung als vierte Säule zu Recht seinen Platz unter den Punkten 4 und 11 unseres Leitbilds gefunden. „Aus unserer Tradition als Bergarbeiterverein bekennen wir uns zu unserer sozialen Verantwortung.“ Unser Verein verfügt mit der von mir ins Leben gerufenen Stiftung „Schalke hilft“ über eine in Deutschland viel beachtete und angesehene soziale Institution. Als Mitglied des Beirats unterstütze ich die Stiftung vom ersten Tag mit Rat und Tat. Die Stiftung hat vielen Menschen, die nicht auf der Sonnenseite stehen, in der Not geholfen und Wege für eine bessere Zukunft geebnet. Chancenbenachteiligte Kinder und Jugendliche stehen hier an erster Stelle. Die Kooperation mit der RAG Stiftung wird die Möglichkeiten unserer vereinseigenen Stiftung, das Leben vieler Menschen in Gelsenkirchen und Umgebung zu verbessern, deutlich stärken.


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