Fragebogen AR-Kandidat Matthias Rüter

Bitte stellen Sie sich kurz vor!
Mein Name ist Matthias Rüter, ich bin 41 Jahre, verheiratet und Vater eines ar_rueter Sohnes. Geboren in Bochum und aufgewachsen in Wanne-Eickel, lebe ich seit über 10 Jahren in Gelsenkirchen. Ich habe Betriebswirtschaft studiert und unterstütze heute deutsche Mittelstandsunternehmen darin, die Digitalisierung und Modernisierung ihrer Betriebe zu meistern. Das hilft den Unternehmen, es sichert Arbeitsplätze und stärkt die mittelständische Wettbewerbsfähigkeit.

Seit wann und wie regelmäßig besuchen Sie die Spiele des FC Schalke 04? Seit wann sind Sie Vereinsmitglied und was hat Sie damals dazu bewogen?
Bereits meine Kindheit war Königsblau – dafür hat mein Vater gesorgt. Seit der Saison 95/96 bin ich regelmäßig im Parkstadion, seit 2007 Vereinsmitglied – ich wollte irgendwann aktiv an Entscheidungen mitwirken! Seit der Saison 12/13 habe ich eine Dauerkarte im Block Q. Nationale und internationale Auswärtsspiele besuche ich seit vielen Jahren mit Begeisterung.

Warum stellen Sie sich als Kandidat für den Aufsichtsrat des FC Schalke 04 zur Wahl? Was qualifiziert Sie persönlich für die Arbeit im Aufsichtsrat? Warum sollten die Mitglieder Ihnen ihre Stimme geben?
Ein gut zusammengesetztes Aufsichtsratsgremium sollte einer Spitzenmannschaft ähneln: ein „gesunder“ Mix an Spielern. Ich gehöre der jüngeren Generation an und komme aus den Reihen der Vereinsmitglieder. Mein Beruf bringt mich mit Vorständen und Abteilungsleitern großer Unternehmen, aber auch mit gestandenen Familienunternehmern zusammen. Ihre Sorgen – von der Energieverteuerung bis zum Digitalisierungsdruck – sind meine Sorgen, und wir diskutieren täglich wie der deutsche Mittelstand international wettbewerbsfähig bleiben kann. Einen Vorstand zu begleiten, sodass er dafür die richtigen Entscheidungen trifft, ist mein tägliches Brot. Als Aufsichtsrat möchte ich dazu beitragen, dass Schalke 04 ein klares Profil, eine intelligente Vereinsstrategie und wirkungsvolle interne Strukturen erarbeitet. Außerdem gilt es, unsere Kostenstruktur zu analysieren und gegebenenfalls zu optimieren – der finanzielle Druck auf unser Budget wird auch in Zukunft nicht geringer werden.

Wie beurteilen Sie die Rechtsform des eingetragenen Vereins im Profifußball, insbesondere in Bezug auf eine mögliche Ausgliederung der Profiabteilung des FC Schalke 04? Glauben Sie, dass ein eingetragener Verein noch zeitgemäß und zukunftsfähig ist?
Mit unserer Rechtsform des eingetragenen Vereins, sind wir heute in der Bundesliga und im internationalen Fußball etwas Besonderes. Die Schalker Familie braucht den eingetragenen Verein, denn er ist identitätsstiftend. Ich behaupte sogar, wir müssen mit dieser Rechtsform für uns werben und sie zu unserem Gütesiegel machen. Gleichzeitig muss uns bewusst sein, dass andere Spitzenvereine es leichter haben zu wirtschaften und professionelle Strukturen aufzusetzen. Daher müssen wir alles tun, um unsere Schwachstellen zu beseitigen. Wenn wir junge Spieler zu früh verkaufen bzw. internationale Spieler ohne großen Fitness-Check einkaufen, wenn wir bei Fouls und Fehlpässen hoch scoren, aber keine Tore schießen, wenn wir keine langfristige Strategie verfolgen, sondern mit jedem neuen Trainer die Strategie wechseln, dann wird es sehr schwer werden, mit den hoch-professionellen Spitzenvereinen mitzuhalten.

Wie beurteilen Sie die derzeitige Integrität der UEFA und der FIFA?

Das Bild, welches UEFA und FIFA abgeben, ist schwer hinzunehmen. Beide Organisationen gleichen multinationalen Konzernen, die für Geld alles tun zu scheinen – auch fragwürdige Geschäfte. Eine WM in Katar, in klimatisierten Stadien und in der Vorweihnachtszeit, kann ich, können wir Fußballfans nicht mehr nachvollziehen.
Wir dürfen gespannt sein, wie anhängige Untersuchungen ausgehen und wann endlich ein Veränderungsprozess einsetzt! Mich erinnert das derzeitige Geschehen im Weltfußball an große Konzerne, Regierungen, Präsidenten, die den Bogen so lange überspannen, bis sie sich nicht mehr halten konnten. Meiner Meinung nach wäre es längst an der Zeit, nationen- und clubübergreifende Diskussionen darüber zu starten, ob wir nicht andere Strukturen brauchen.

Wie sollte das Zusammenspiel zwischen Verein und Fans aussehen?
Ein enges Zusammenspiel von Fans und Verein ist für unseren Club selbstverständlich. Zwar wird bei 160.000 Mitgliedern nicht immer Einigkeit in der Beurteilung brisanter Themen herrschen, doch angesichts der heute schon gelebten Meinungsvielfalt in unseren Gremien und Bereichen habe ich keine Sorge, dass wir zu guten Entscheidungen kommen. Wenn es nach mir ginge, sollten die Mitglieder noch viel aktiver eingebunden werden. Dass nur 4 Mitglieder Fragen an die zukünftigen Aufsichtsräte eingesendet haben, kann nur daran liegen, dass wir uns nicht genügend um ihr Feedback bemüht haben. Das müssen wir ändern.

Welche Ziele haben Sie, wenn sie in den Aufsichtsrat gewählt werden?
Ein wichtiger Teil meiner täglichen Arbeit ist die Analyse von Geschäftsmodellen: Wo drückt in einem Unternehmen der Schuh, wo liegen Potenziale brach, wo kann modernisiert werden, wo gibt es Einsparungspotenziale, wo muss investiert werden. Diese Kernkompetenz würde ich gerne einbringen. Auf die Analyse folgt in meinem Geschäft die Umsetzung. Meist zieht eine größere Maßnahme viele weitere nach sich, gute wie schlechte. Daher muss jede Maßnahme evaluiert und gegebenenfalls korrigiert werden – ein weitere Analysekompetenz, die ich in den Aufsichtsrat einbringen kann. Im Verein fehlt es meiner Meinung nach an einer kritischen Betrachtung der inneren Strukturen, der Budgetposten, des Jahres-Maßnahmen-Plans. Ich sehe außerdem brachliegende Potenziale und Kostenoptimierungen, die uns mehr Spielraum geben, um mit den Großen mithalten zu können.

Wie beurteilen Sie die mögliche Entwicklung im Fußball (Reform der Champions League zu einer “geschlossenen Meisterschaft”, Anstoßzeiten für den chinesischen Markt, DFB-Pokal-Finale im Ausland etc.)? Was ist für Sie vertretbar und wo sehen Sie eine rote Linie?
Einerseits müssen in der Bundesliga zusätzliche Einnahmen erzielt werden, um den Anschluss an die Topligen nicht zu verlieren und die Bundesliga wettbewerbsfähig zu erhalten. Andererseits steigt dadurch die Gefahr, dass eine Elite-Liga entsteht, die die Vermarktung des Fußballs noch mehr vorantreiben will. Mir erscheinen die Verlagerung des Pokalfinales oder Anstoßzeiten für internationale Märkte als klarer Zug in diese Richtung. Für den Erhalt der europäischen Kernzielgruppen und die Vielfalt im Fußballgeschehen, sind diese Entwicklungen problematisch und höchst diskutabel.

Als wie wichtig betrachten Sie die soziale Verantwortung des Vereins? Kommt der Verein Ihrer Meinung nach seinen Verpflichtungen zur Genüge nach?
Schalke lebt das Thema soziales Engagement vorbildhaft – Schalke hilft! – und ist damit ein Leuchtturm in der Fußballwelt. Feste Kartenkontingente für sozial Schwache oder Unterstützungsprojekte, die im Dialog zwischen Fans und Vereinen entwickelt werden, sind großartige Initiativen, die zur Nachahmung anregen sollten. Die Rahmenbedingungen absichern, sodass soziales Engagement weiterhin möglich ist, hängt neuerlich davon ab, wie erfolgreich wir unsere Fußballzukunft meistern. Wenn wir unsere internen Hausaufgaben machen, sehe ich für Verein, Mitglieder und soziales Engagement eine gesicherte Zukunft.


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