Fragebogen AR-Kandidat Clemens Tönnies

Bitte stellen Sie sich kurz vor!ar_toennies
Clemens Tönnies, 63 Jahre, Unternehmer aus Rheda-Wiedenbrück, Schalker seit Kindertagen, seit 1994 Mitglied des Aufsichtsrats.

Seit wann und wie regelmäßig besuchen Sie die Spiele des FC Schalke 04? Seit wann sind Sie Vereinsmitglied und was hat Sie damals dazu bewogen?
Das allererste Mal auf Schalke war ich mit meinem Vater: Ich war zehn Jahre alt und erinnere mich genau, dass wir im Opel Rekord nach Gelsenkirchen gefahren sind und wie aufgeregt ich war. Als Kind war ich häufig auf Schalke, mein Vater hat immer abwechselnd meinen Bruder und mich mitgenommen. Zwischendurch gab es eine Phase, in der ich berufsbedingt nicht so viel Zeit für Schalke hatte – der Aufbau des Unternehmens hatte Vorrang. Aber natürlich habe ich Schalke immer eng verfolgt, konnte nur nicht so oft ins Stadion fahren. Intensiv um Schalke gekümmert habe ich mich wieder, als mein Bruder 1993 Präsident wurde – da hat mich Schalke so richtig gepackt und nie wieder losgelassen.

Warum stellen Sie sich als Kandidat für den Aufsichtsrat des FC Schalke 04 zur Wahl?
Ich habe die Neuausrichtung des Vereins, den damals überlebenswichtigen Weg zur Professionalisierung, seit 1994 entscheidend mitbegleitet und so das neuzeitliche Schalke mitprägen dürfen. Schalke hat sich seitdem, nachdem wir vorher dreimal den Gang in die 2. Liga antreten mussten, sportlich nachhaltig zu einer festen Größe und einem Spitzenclub entwickelt und wirtschaftlich im vergangenen Jahr mit einem Umsatz von 350 Mio. Euro und einem Gewinn von 40 Mio. Euro ein Rekordergebnis eingefahren. Und wir haben Werte geschaffen, u.a. die Arena, die just in diesen Tagen abbezahlt wird.

Aber ganz sicher will ich mich nicht auf dem Erreichten ausruhen, das wäre dumm, denn wir müssen uns weiteren Herausforderungen stellen: Das Wettbewerbsumfeld in der Branche verändert sich, unsere Konkurrenten sind AGs, KGaAs oder von großen Unternehmen subventioniert. Ich will weiter daran arbeiten und vorantreiben, dass wir ein Spitzenclub bleiben.

Ein Aspekt unseres Leitbilds besagt: „Jeder von uns gibt sein Bestes für den Verein, egal ob Spieler, Mitarbeiter, Mitglied oder Fan“. Ich will und werde weiterhin mein Bestes für Schalke geben – mit Leidenschaft, Herzblut und Power für unseren Verein.

Was qualifiziert Sie persönlich für die Arbeit im Aufsichtsrat? Warum sollten die Mitglieder Ihnen ihre Stimme geben?

Meine unternehmerischen Erfahrungen sind für den Verein hilfreich. Ich freue mich, dass ich zudem mit meinen langjährig aufgebauten nationalen und internationalen wirtschaftlichen und persönlichen Kontakten Schalke schon sehr oft helfen konnte. Das will ich gerne weiter so machen, vor allem auch, wenn es um Verbindungen zu möglichen Sponsoren und anderen Unternehmen geht, die für den Verein gewinnbringend und für die wir ein guter Partner sein könnten.

Ich erwarte von jedem, selbstverständlich auch von mir selber, dass er sich Kritik stellt, ob an seiner Person, seinen Aufgaben, seiner Intention oder seiner Leistung. Ich schätze Werte wie Ehrlichkeit, Einsatz und Verlässlichkeit – das ist für mich wichtig und eine Frage des Charak-ters.

Zum sportlichen Aspekt: Seit ich im Aufsichtsrat bin, gab es den UEFA-Pokal-Sieg 1997, dreimal haben wir den DFB-Pokal gewonnen, einmal den Supercup, waren Ligapokalsieger. Dazu wurden wir fünfmal Vizemeister. In den vergangen 19 Jahren haben wir 17 Mal interna-tional gespielt. Ich freue mich auf die Zukunft, weil ich glaube, dass wir gemeinsam – Aufsichtsrat, Vorstand und Mitarbeiter mit den Mitgliedern und Fans – etwas Großes aufbauen können – auch und gerade nach einer sportlich desolaten Saison.

Wie beurteilen Sie die Rechtsform des eingetragenen Vereins im Profifußball, insbesondere in Bezug auf eine mögliche Ausgliederung der Profiabteilung des FC Schalke 04? Glauben Sie, dass ein eingetragener Verein noch zeitgemäß und zukunftsfähig ist?
Wir schaffen aktuell als eingetragener Verein mit dem Bauprojekt Berger Feld gesunde Strukturen, wollen dabei den Verein weiterhin mit Augenmaß konsolidieren und als einziger e.V. national und international weiter oben mitspielen – diesen Weg will ich konsequent mitgestal-ten. Solange das weiterhin gelingt, stellt sich die Frage nach der Zukunftsfähigkeit für mich gar nicht.

Wie beurteilen Sie die derzeitige Integrität der UEFA und der FIFA?
Als Außenstehender ist es natürlich schwierig, Integrität zu beurteilen. Was aber für jeden klar und deutlich ist: Sehr viele Entscheidungen sind bestenfalls nicht nachvollziehen, manche schlicht Unsinn. Es ist traurig, welches Bild der Fußball dadurch abgibt.

Wie sollte das Zusammenspiel zwischen Verein und Fans aussehen?
So, wie es im Punkt 5 unseres Leitbilds treffend geschrieben ist: Respektvoll, auf Augenhöhe sowie offen und ehrlich im Dialog.

Welche Ziele haben Sie, wenn sie in den Aufsichtsrat gewählt werden?
Gemeinsam mit allen Gremien, Mitarbeitern, Mitgliedern und Fans den FC Schalke 04 weiterhin zu begleiten, zu entwickeln und nach vorne bringen. Denn dahin gehört er.


Wie beurteilen Sie die mögliche Entwicklung im Fußball (Reform der Champions League zu einer “geschlossenen Meisterschaft”, Anstoßzeiten für den chinesischen Markt, DFB-Pokal-Finale im Ausland etc.)? Was ist für Sie vertretbar und wo sehen Sie eine rote Linie?

Bei allem Verständnis dafür, dass sich das Geschäftsfeld Fußball ändert und damit auch die Ansprüche und Rahmenbedingungen: Bei den beiden o.g. Beispielen halte ich die Grenze für überschritten. Zum Glück lehnt ja die überwiegende Mehrheit der Clubs aus allen Ländern die vorgeschlagene Reform der Champions League ab und die ECA muss handeln. Generell ist für mich überall da die Grenze überschritten, wo wir die Identität unseres Vereins aufgeben müssten, die Werte, für die wir stehen. An der Stelle werde ich höchst empfindlich.

Als wie wichtig betrachten Sie die soziale Verantwortung des Vereins? Kommt der Verein Ihrer Meinung nach seinen Verpflichtungen zur Genüge nach?
Bei unserem eingetragenen Verein steht der Gedanke der sozialen Verantwortung im Mittelpunkt, wir messen ihm eine ganz besondere Bedeutung bei. Daher haben wir es uns zur Aufgabe gesetzt, Menschen in Not schnell und gezielt zu helfen. Ob 1.000-Freunde-Ticket oder Joblinge, Schalke macht Schule oder Regenbogenhaus, Walking Football, Freikarten für soziale Einrichtungen oder die Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz – das Spektrum ist immens groß. Aber wir hören da nicht auf, sondern schauen immer weiter, wo es Bedarf gibt und wir helfen können.


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